Erfahrungsbericht Referendariat Lehramt Grundschule

Erfahrungsbericht Referendariat Lehramt Grundschule

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Zwischen Horror-Mythen und persönlichem Wachstum

Schon als Kind wusste ich, dass ich einmal mit Kindern arbeiten möchte. Im Kindergarten wollte ich noch Schauspielerin werden, doch in der Grundschule hatte ich eine Lehrerin, die mich so beeindruckte, dass ich genau wie sie werden wollte. Gleichzeitig hatten mein Bruder und ich in unserer Schulzeit auch weniger gute Erfahrungen mit Lehrkräften. Mit zehn Jahren sagte ich mir deshalb: „Das werde ich später besser machen.“ Heute weiß ich, dass mich genau diese Erlebnisse geprägt haben.

Mein Weg führte mich zunächst durch das klassische Lehramtsstudium mit Bachelor und Master. Rückblickend sehe ich diesen Abschnitt kritisch. Meiner Meinung nach fehlt im Studium vor allem eines: Praxis. Ich wünsche mir ein duales System, das angehende Lehrkräfte früher in die Schulen bringt. Drei Jahre Bachelor und zwei Jahre Master empfand ich als zu lang und oft zu theoretisch. Besonders der Matheteil mit Stochastik-Klausuren fühlte sich weit entfernt vom späteren Grundschulunterricht an.

Mit vielen Sorgen startete ich ins Referendariat. Überall hörte man Horrorgeschichten, vor allem in sozialen Medien. Natürlich ist das Referendariat anspruchsvoll, besonders wenn Unterrichtsbesuche anstehen. Trotzdem entwickelte sich diese Zeit für mich zu einer der schönsten Phasen meines bisherigen Lebens. Nachdem ich gelernt hatte, meinen Fokus auf das Wesentliche zu legen, konnte ich das Referendariat genießen. Mit 14 Unterrichtsstunden an vier Tagen war ich meist schon mittags zu Hause. Ich arbeitete konzentriert eine Stunde und hatte danach Zeit für mich – ein echter Luxus.

Die größte Herausforderung waren für mich die Unterrichtsbesuche, Perspektivgespräche und Coachings. Lange verstand ich nicht, dass sie mir helfen sollten. Schließlich wurden sie bewertet. Auch wenn oft gesagt wird, man solle nicht auf die Note achten – ganz ehrlich: Wenn man so viel investiert, ist eine schlechte Bewertung enttäuschend. Dieser innere Druck begleitete mich lange.

Was mich immer wieder bestärkte, waren die Kinder. Wenn ihre Augen morgens leuchten, weiß ich, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Sätze wie „Mit dir macht Mathe endlich Spaß“ oder „Du siehst heute toll aus“ berühren mich bis heute. Besonders stolz bin ich auf die Momente, in denen man merkt, dass ein Kind etwas wirklich verstanden hat. Dieses „Klick“ im Kopf ist unbezahlbar.

Eine große Stütze waren meine Mentorinnen und Mentoren. Ich hatte das Glück, wundervolle Menschen an meiner Seite zu haben, die zu Freunden wurden. Besonders in einer schweren familiären Zeit haben sie mir sehr geholfen. Gleichzeitig weiß ich, dass nicht alle dieses Glück haben. Deshalb ist mir wichtig zu sagen: Man darf Mentorinnen oder Mentoren wechseln. Es geht um euch und eure Ausbildung.

Auch persönlich bin ich im Referendariat sehr gewachsen. Ich hatte lange mit Selbstzweifeln zu kämpfen und machte mir oft selbst den größten Stress. Nach schwierigen Unterrichtsstunden zweifelte ich häufig an mir. Doch ich lernte, dass Fehler dazugehören und Teil des Lernprozesses sind. Heute gehe ich viel gelassener damit um.

Mein Rat an zukünftige Referendarinnen und Referendare lautet: Ihr seid nicht allein. Holt euch Hilfe, nutzt KI zur Entlastung und sprecht über eure Sorgen. Zweifelt niemals an euch, nur wegen einzelner Bewertungen oder Kritik.

Wenn ich heute auf das Referendariat zurückblicke, denke ich vor allem eines: Ich bin gut so, wie ich bin znd es war eine tolle Zeit.

Hi! Ich bin Caro, Lehrerin und reise mit meinem Partner in unserem T4 Bulli einmal um die Welt. Hier erfährst du mehr über mich. Ich freue mich, dass du da bist! 

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