Erfahrungsbericht Referendariat Lehramt Grundschule

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Erfahrungsbericht Referendariat Lehramt Grundschule

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Quick Facts: Erfahrungsbericht Referendariat Grundschule

  • Mein Referendariat für das Lehramt Grundschule in NRW lief von Mai 2024 bis November 2025.

  • Ich war am ZfsL Bochum, hatte 14 Unterrichtsstunden an vier Tagen, dazu einen Seminartag mittwochs.

  • In meiner Ausbildungszeit hatte ich 10 Unterrichtsbesuche, davon 5 in Mathe/Deutsch und 5 in Kunst, plus UPP und Kolloquium. Mein Netto lag bei knapp 1.600 €.

Wenn man vor dem Referendariat steht, hört man meistens zuerst die schlimmen Geschichten. Stress. Schlafmangel. Tränen. Harte Fachleitungen. Dauerbewertung. Ich bin genau mit diesen Horror-Mythen gestartet und hatte ehrlich gesagt ziemlich Respekt vor allem, was kommt.

Und trotzdem ist mein Rückblick heute ein anderer. Ja, das Referendariat war fordernd. Ja, es gab Druck, Selbstzweifel und Phasen, in denen ich mich sehr gestresst habe. Aber es war gleichzeitig eine der schönsten und prägendsten Zeiten meines bisherigen Lebens. Dieser Artikel ist deshalb kein Schönreden, sondern ein ehrlicher Erfahrungsbericht zwischen Belastung, persönlichem Wachstum und ganz viel Bestätigung durch die Kinder.

Mein Weg ins Referendariat

Schon als Kind wusste ich, dass ich später einmal mit Kindern arbeiten möchte. Im Kindergarten wollte ich noch Schauspielerin werden, aber in der Grundschule hatte ich eine Lehrerin, die mich so beeindruckt hat, dass ich genau wie sie werden wollte (sie ist schon pensioniert, aber hat mich an meiner UPP überrascht). Gleichzeitig hatten mein Bruder und ich auch weniger gute Erfahrungen mit Lehrkräften. Irgendwann dachte ich deshalb schon mit etwa zehn Jahren: Das werde ich später besser machen.

Mein Weg führte mich dann durch das klassische Lehramtsstudium in Dortmund mit Bachelor und Master. Rückblickend sehe ich diesen Abschnitt kritisch. Mir fehlte dort vor allem Praxis. Ich hätte mir ein deutlich praxisnäheres oder sogar duales System gewünscht. Drei Jahre Bachelor und zwei Jahre Master waren für mich oft zu lang und in Teilen zu theoretisch. Gerade Bereiche wie Stochastik in Mathe fühlten sich weit weg von dem an, was später im Grundschulalltag wirklich wichtig wurde.

Meine Rahmendaten im Referendariat in NRW

Damit du meinen Erfahrungsbericht besser einordnen kannst, hier einmal die wichtigsten Fakten:

BereichMeine Erfahrung
BundeslandNRW
ZeitraumMai 2024 - November 2025
SchulformGrundschule
ZfsLBochum
Unterricht14 Stunden an vier Tagen
Seminartagmittwochs
Unterrichtsbesuche10
Verteilung UBs5 Mathe/Deutsch, 5 Kunst
AbschlussUPP und Kolloquium
Gehaltknapp 1.600 € netto

Diese Zahlen erklären auch, warum mein Alltag am Ende nicht nur aus Stress bestand. Ich war mit meinen 14 Unterrichtsstunden an vier Tagen häufig schon mittags zu Hause. Wenn ich dann konzentriert gearbeitet habe, blieb oft sogar noch Zeit für mich. Genau das hat mich selbst überrascht.

War das Referendariat wirklich so schlimm, wie alle sagen?

Nein, für mich nicht. Aber es war trotzdem anstrengend.

Ich bin mit vielen Sorgen gestartet, vor allem wegen allem, was man online und auf Social Media hört. Dort dominieren oft die extremen Erfahrungsberichte. Natürlich ist das Referendariat anspruchsvoll. Gerade vor Unterrichtsbesuchen steigt der Druck stark. Aber mein eigenes Erleben war deutlich differenzierter.

Nachdem ich gelernt hatte, mich stärker auf das Wesentliche zu konzentrieren, konnte ich diese Zeit wirklich genießen. Das hätte ich vorher nie erwartet. Ich hatte schöne Tage in der Schule, habe mich fachlich und persönlich weiterentwickelt und hatte das Gefühl, wirklich in meinem Beruf anzukommen. Für mich war das Referendariat deshalb nicht die reine Belastungsprobe, sondern auch eine sehr erfüllende Phase.

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Was im Referendariat wirklich hart war

Am schwersten waren für mich die Nachbesprechungen, Perspektivgespräche und Coachings. Nicht, weil sie fachlich sinnlos gewesen wären, sondern weil ich lange nicht verstanden habe, dass sie mir helfen sollten. In meinem Kopf waren sie vor allem Bewertungssituationen.

Und ganz ehrlich: Natürlich sagt man oft, man solle nicht auf Noten schauen. Aber wenn man so viel Energie, Zeit und Herzblut in eine Stunde steckt, dann ist eine schlechte Rückmeldung einfach enttäuschend. Diesen inneren Druck habe ich lange mit mir herumgetragen.

Gerade in dieser Phase hätte ich viel früher verstehen müssen, dass Rückmeldungen nicht nur Urteil, sondern auch Hilfe sein können. Das habe ich erst mit der Zeit gelernt. Wenn du genau davor gerade Angst hast, passen dazu Wie bereite ich mich auf den ersten Unterrichtsbesuch vor.

Was mich positiv überrascht hat

Mich hat überrascht, wie schön mein Alltag im Referendariat am Ende oft war. Ich hatte mir alles deutlich schlimmer vorgestellt. Vor allem der Rhythmus mit vier Schultagen und dem Seminartag mittwochs hat für mich gut funktioniert.

Ich war häufig mittags zu Hause, habe dann noch konzentriert gearbeitet und hatte danach wirklich Zeit für mich. Das war ein Luxus, den ich vorher so nicht erwartet hätte. Ich glaube, genau deshalb war das Referendariat für mich auch nicht nur Belastung, sondern an vielen Stellen sogar eine richtig gute Lebensphase.

Zusätzlich hatte ich großes Glück mit meinen Fachleitungen im Seminar und abschließend auch in meiner UPP und Kolloquium. Das hat viel ausgemacht. Gute Begleitung verändert das gesamte Erleben dieser Abschlussphase.

Die Kinder waren mein stärkster Grund weiterzumachen

Was mich immer wieder getragen hat, waren die Kinder. Wenn ihre Augen morgens leuchten, weiß ich bis heute, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Sätze wie „Mit dir macht Mathe endlich Spaß“ oder „Du siehst heute toll aus“ haben mich oft durch schwierige Tage getragen. Besonders stark waren für mich die Momente, in denen man wirklich merkt: Jetzt hat ein Kind es verstanden. Dieses kleine innere Klick-Gefühl bei Kindern ist für mich bis heute einer der schönsten Teile des Berufs.

Genau dort wurde für mich immer wieder klar, dass der ganze Aufwand nicht umsonst ist. Nicht die Bewertung, nicht die Formalien und nicht die Aktenordner sind der Kern dieses Berufs, sondern genau diese Momente.

Meine Mentor*innen waren ein riesiges Geschenk

Ich hatte das große Glück, wirklich wundervolle Mentor*innen an meiner Seite zu haben. Einige davon wurden für mich mehr als nur Ausbildungsbegleitung. Sie wurden zu echten Bezugspersonen und teilweise zu Freunden.

Gerade in einer schweren familiären Zeit haben sie mich sehr getragen. Dafür bin ich bis heute unglaublich dankbar. Gleichzeitig weiß ich, dass nicht alle dieses Glück haben. Genau deshalb ist mir ein Satz wichtig: Man darf Mentorinnen oder Mentoren wechseln.

Es geht um deine Ausbildung, deine Entwicklung und auch um deine psychische Gesundheit. Wenn eine Begleitung nicht passt, dann musst du das nicht einfach still ertragen.

Wie sehr ich persönlich gewachsen bin

Ich glaube, das Referendariat hat mich nicht nur fachlich, sondern vor allem persönlich verändert. Ich hatte lange mit Selbstzweifeln zu kämpfen und habe mir oft selbst den größten Druck gemacht. Nach schwierigen Stunden habe ich schnell an mir gezweifelt und mich gefragt, ob ich gut genug bin.

Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass Fehler dazugehören. Nicht als schöner Kalenderspruch, sondern wirklich praktisch. Stunden dürfen haken. Rückmeldungen dürfen wehtun. Man darf sich verbessern, ohne sich selbst ständig infrage zu stellen. Heute bin ich deutlich gelassener. Nicht perfekt, aber stabiler. Und genau das ist wahrscheinlich einer der wertvollsten Gewinne aus dieser Zeit.

Was ich heute anders machen würde

Heute würde ich mir früher Hilfe holen. Früher über Sorgen sprechen. Früher akzeptieren, dass ich nicht alles allein tragen muss.

Außerdem würde ich Rückmeldungen schneller als Entwicklungschance sehen und weniger als persönliches Urteil. Und ich würde mir selbst viel früher erlauben, schon gut genug zu sein, auch wenn noch nicht alles perfekt läuft.

Ein weiterer Punkt ist Entlastung. Heute würde ich bewusster mit Hilfsmitteln arbeiten, auch digital. Gerade Themen wie Struktur, Materialerstellung und Differenzierung müssen nicht komplett auf den eigenen Schultern liegen. Dazu passen für mich inzwischen auch KI als Hilfe zur Differenzierung in der Grundschule oder die Materialerstellung mit Canva, weil genau solche Dinge im Alltag enorm entlasten können.

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Mein ehrlicher Rat an zukünftige Referendar*innen

Ihr seid nicht allein. Wirklich nicht.

Holt euch Hilfe. Sprecht über eure Sorgen. Nutzt Unterstützung, wo sie sinnvoll ist. Und zweifelt niemals an euch, nur wegen einzelner Bewertungen oder einer schwierigen Rückmeldung. Das Referendariat ist eine Phase. Eine intensive Phase. Aber sie definiert nicht euren ganzen Wert als Lehrkraft. 

Wenn ich heute auf mein Referendariat in NRW zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Stress, Besuche oder Bewertungen. Ich denke zuerst: Es war eine tolle Zeit.

Ja, es gab Druck. Ja, es gab Unsicherheit. Aber es gab auch wunderschöne Momente, tolle Kinder, großartige Mentor*innen und Seminarleitende und sehr viel persönliches Wachstum. Ich bin heute nicht nur fachlich sicherer, sondern auch viel ruhiger mit mir selbst.

Wenn ich es auf einen Satz herunterbrechen müsste, wäre es dieser: Ich bin gut so, wie ich bin. Und das Referendariat hat mir geholfen, das wirklich zu glauben.

Eure Caro
Instagram - Für ehrliche Einblicke ins Referendariat, den Grundschulalltag und alles, was ich selbst gern früher gewusst hätte.

FAQ

  • Wie lange dauert das Referendariat für Grundschule in NRW?

    Mein Referendariat lief von Mai 2024 bis November 2025 und dauerte damit 18 Monate. Genau das ist in NRW der übliche Rahmen für den Vorbereitungsdienst.

  • Wie viele Unterrichtsstunden habe ich im Referendariat?

    Ich hatte 14 Unterrichtsstunden an vier Tagen pro Woche und zusätzlich mittwochs meinen Seminartag.

  • Wie viele Unterrichtsbesuche hatte ich?

    Ich hatte insgesamt 10 Unterrichtsbesuche, davon 5 in Mathe/Deutsch und 5 in Kunst.

  • Wie viel verdient man im Referendariat Grundschule in NRW?

    Ich lag bei knapp 1.600 € netto im Monat. Der genaue Betrag kann je nach individuellen Faktoren leicht abweichen.

  • War das Referendariat eher schön oder schlimm?

    Für mich war es trotz aller Anstrengung insgesamt sehr schön. Es war fordernd, aber auch eine der schönsten Phasen meines bisherigen Lebens.

  • Was war im Referendariat am schwierigsten?

    Am schwierigsten waren für mich die Unterrichtsbesuche, Perspektivgespräche und Coachings, weil ich sie lange vor allem als Bewertung erlebt habe.

  • Was hat mir im Referendariat am meisten geholfen?

    Die Kinder, meine Mentor*innen und Seminarleitenden und der Moment, in dem ich gelernt habe, mich weniger über einzelne Rückmeldungen zu definieren.

  • Was würde ich zukünftigen Referendarinnen raten?

    Sucht euch Unterstützung, sprecht über Sorgen und bewertet euch nicht nur über einzelne Noten oder Besuche. Ihr seid mehr als eine Rückmeldung.

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