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Quick Facts: Lautleseverfahren
Lautleseverfahren sind Methoden, bei denen Kinder Texte wiederholt, begleitet oder gemeinsam laut lesen, um ihre Leseflüssigkeit zu verbessern.
Im Mittelpunkt stehen vor allem Lesegenauigkeit, Lesetempo, Automatisierung, Betonung und Sicherheit beim Vorlesen.
Lautleseverfahren eignen sich für die Grundschule, weil sie klare Strukturen bieten und Lesen nicht nur als stilles Einzelarbeiten, sondern als gemeinsames Training sichtbar machen.
Allgemeines
Lautleseverfahren kenne ich aus meiner Zeit als Vertretungslehrerin, aus dem Praxissemester und natürlich auch aus dem Referendariat. Und ich finde sie für den Deutschunterricht total wertvoll. Denn Lesen verbessert sich nicht nur dadurch, dass Kinder „mehr lesen sollen“.
Gerade Kinder, die noch nicht flüssig lesen, brauchen strukturierte Übungsformen. Sie brauchen Texte, die passend sind und Wiederholung. Sie brauchen Unterstützung und brauchen Verfahren, die ihnen Sicherheit geben. Lautleseverfahren setzen genau dort an.
Sie helfen dabei, Wörter schneller zu erfassen, weniger stockend zu lesen, Satzgrenzen wahrzunehmen und mit der Zeit sicherer vorzulesen. BiSS-Transfer beschreibt sie als Verfahren zur Förderung der Leseflüssigkeit und unterscheidet dabei grob zwischen wiederholtem Lautlesen und begleitetem beziehungsweise chorischem Lesen.
Wichtig finde ich: Lautleseverfahren sind kein Vorlesen zur Kontrolle, sondern Lesetraining. Das ist ein großer Unterschied. Es geht nicht darum, ein Kind vorzuführen oder Fehler sichtbar zu machen. Es geht darum, Lesen als trainierbare Fähigkeit zu verstehen.
Wenn du allgemein nach Leseförderung suchst, passen dazu auch meine Artikel zu Lesestrategien, zum sinnentnehmendem Lesen, oder meine Unterrichtsentwürfe zum Lesekrimi, zu Hörspurgeschichten oder zum Vorlesetheater.

Was sind Lautleseverfahren?
Lautleseverfahren sind strukturierte Übungsformen, bei denen Kinder Texte laut oder halblaut lesen. Dabei kann das Lesen unterschiedlich organisiert sein: allein, mit einem Partnerkind, im Tandem, in der Kleingruppe, im Chor, mit Audio-Unterstützung, mit verteilten Rollen, wiederholt, rhythmisiert, szenisch oder an Stationen.
Das Ziel ist ähnlich: Die Kinder sollen flüssiger lesen. Zur Leseflüssigkeit gehören:
genau lesen
Wörter sicher erkennen
angemessenes Lesetempo
sinnvolle Pausen
passende Betonung
zunehmend automatisiertes Lesen
mehr Sicherheit beim Vorlesen
Erst wenn Kinder nicht bei jedem Wort kämpfen müssen, bleibt mehr Aufmerksamkeit für den Inhalt des Textes. Deshalb sind Lautleseverfahren auch für das Textverständnis wichtig.
30 Lautleseverfahren für die Grundschule
1. Lesetandem
So funktioniert’s:
Zwei Kinder lesen gemeinsam denselben Text. Ein lesestärkeres Kind unterstützt ein Kind, das noch mehr Übung braucht. Beide beginnen gleichzeitig und lesen halblaut im gleichen Tempo. Das stärkere Kind achtet darauf, dass die Zeile mitgeführt wird und hilft freundlich, wenn ein Fehler passiert. Wird ein Wort falsch gelesen, wird kurz gestoppt, korrigiert und die Stelle noch einmal gelesen.
Ziel:
Das Lesetandem soll Lesegenauigkeit, Lesetempo und Lesesicherheit verbessern. Das schwächere Kind liest nicht allein, sondern wird beim flüssigen Lesen begleitet. Gleichzeitig übt das stärkere Kind genaues Zuhören, Unterstützen und Rückmelden. (Betzold)
2. Chorisches Lesen
So funktioniert’s:
Mehrere Kinder oder die ganze Klasse lesen einen Text gleichzeitig laut oder halblaut. Die Lehrkraft oder ein sicher lesendes Kind gibt Tempo, Betonung und Pausen vor. Die Kinder orientieren sich beim Lesen an dieser sicheren Stimme und werden dadurch getragen.
Ziel:
Chorisches Lesen nimmt einzelnen Kindern Druck, weil niemand allein im Mittelpunkt steht. Gleichzeitig trainieren die Kinder Leseflüssigkeit, Satzmelodie, Betonung und das gemeinsame Einhalten eines angemessenen Tempos. (BiSS-Transfer)
3. Lesen mit Hörspur
So funktioniert’s:
Die Kinder hören einen Text als Audioaufnahme und lesen ihn gleichzeitig halblaut im eigenen Text mit. Nach mehreren Durchgängen wird die Audiohilfe leiser gestellt oder ganz weggelassen. Anschließend lesen die Kinder den Text ohne Unterstützung vor.
Ziel:
Das Verfahren unterstützt Kinder beim Lesetempo, bei der Aussprache und bei der Betonung. Sie hören ein flüssiges Lesevorbild und können sich beim eigenen Lesen daran orientieren.
4. Wiederholtes Lautlesen
So funktioniert’s:
Ein kurzer Textabschnitt wird mehrfach laut gelesen. Beim ersten Durchgang geht es um Orientierung. Beim zweiten Durchgang wird genauer und flüssiger gelesen. Beim dritten oder vierten Durchgang achten die Kinder zusätzlich auf Betonung und Pausen.
Ziel:
Durch Wiederholung werden Wörter schneller erkannt und Satzstrukturen vertrauter. Das Lesen wird sicherer, flüssiger und automatisierter. (BiSS-Transfer)
5. Echolesen
So funktioniert’s:
Die Lehrkraft oder ein sicher lesendes Kind liest einen Satz oder kurzen Abschnitt vor. Die Klasse, eine Gruppe oder ein einzelnes Kind liest direkt danach wie ein Echo nach. Dabei wird auf ähnliche Betonung, Pausen und Aussprache geachtet.
Ziel:
Echolesen hilft Kindern, sich an einem guten Lesevorbild zu orientieren. Besonders Betonung, Satzmelodie und Lesegenauigkeit können dadurch geübt werden. (ALF)
6. Bergsteigerlesen
So funktioniert’s:
Ein Text wird in kleine Abschnitte geteilt. Die Kinder lesen zunächst nur den ersten Abschnitt. Danach lesen sie den ersten und zweiten Abschnitt. Dann den ersten, zweiten und dritten Abschnitt. So „steigen“ sie Stück für Stück weiter, bis sie den ganzen Text schaffen.
Ziel:
Bergsteigerlesen stärkt die Lesesicherheit durch wiederholtes Lesen. Die Kinder erleben ihren Fortschritt sichtbar, weil sie mit jeder Runde ein Stück weiterkommen. (ALF)
7. Treppenlesen
So funktioniert’s:
Der Text wird stufenweise aufgebaut. Auf der ersten Stufe steht ein kurzer Satz oder Satzteil. Auf jeder weiteren Stufe kommt ein Teil hinzu. Die Kinder lesen die Treppen von oben nach unten oder unten nach oben und wiederholen dadurch immer wieder bekannte Teile.
Ziel:
Treppenlesen unterstützt Kinder beim flüssigen Lesen wachsender Satzstrukturen. Es eignet sich besonders für kurze Texte, Gedichte, Satzmuster oder schwierige Satzanfänge.
8. Karaoke-Lesen
So funktioniert’s:
Die Kinder lesen einen Text mit, während sie eine Audioaufnahme hören oder eine digitale Anzeige den Lesefortschritt vorgibt. Ähnlich wie beim Karaoke orientieren sie sich an Tempo, Rhythmus und Betonung.
Ziel:
Karaoke-Lesen unterstützt das gleichmäßige Mitlesen und die Orientierung im Text. Es hilft besonders Kindern, die beim Lesen schnell die Zeile verlieren oder unsicher im Tempo sind.
9. Leseradio
So funktioniert’s:
Die Klasse erstellt eine kleine Radiosendung. Gruppen üben kurze Textbeiträge, Nachrichten, Interviews, Witze, Wetterberichte oder Buchvorstellungen ein. Anschließend werden die Beiträge wie im Radio vorgelesen oder aufgenommen.
Ziel:
Leseradio schafft einen Anlass zum Üben. Die Kinder lesen nicht „für die Lehrkraft“, sondern für ein Publikum. Dabei trainieren sie flüssiges, deutliches und betontes Lesen. (ALF)
10. Lesetheater
So funktioniert’s:
Ein Text wird in Rollen aufgeteilt. Die Kinder üben ihre Rollen mehrfach und tragen den Text anschließend mit Stimme, Betonung und kleinen Gesten vor. Es geht nicht um großes Schauspiel, sondern um ausdrucksstarkes Vorlesen.
Ziel:
Lesetheater fördert wiederholtes Lesen, Betonung, Sinnverständnis und Lesemotivation. Kinder merken, dass Betonung wichtig ist, damit Zuhörende den Text verstehen.

11. Rollenlesen
So funktioniert’s:
Ein Dialog oder erzählender Text wird in Rollen aufgeteilt. Ein Kind liest die Erzählerrolle, andere Kinder übernehmen Figuren. Vor dem Lesen wird geklärt, wie die Figuren sprechen könnten: leise, überrascht, wütend, freundlich oder traurig.
Ziel:
Rollenlesen trainiert genaues Lesen, Betonung und Textverständnis. Die Kinder müssen verstehen, wer spricht und welche Stimmung zur Textstelle passt.
12. Partner-Vorlese-Coaching
So funktioniert’s:
Ein Kind liest einen kurzen Abschnitt vor. Das Partnerkind hört mit einem kleinen Beobachtungsauftrag zu. Danach gibt es eine kurze Rückmeldung, zum Beispiel zu Lautstärke, Tempo oder Pausen. Anschließend wird der Abschnitt erneut gelesen.
Ziel:
Das Verfahren fördert gezieltes Üben und freundliches Feedback. Die Kinder lernen, dass gutes Vorlesen durch Wiederholung und Rückmeldung besser wird.
13. Flüsterlesen mit Partnerkontrolle
So funktioniert’s:
Die Kinder lesen denselben Text gleichzeitig flüsternd. Das Partnerkind verfolgt den Text mit und gibt ein vereinbartes Signal, wenn ein Wort ausgelassen, vertauscht oder falsch gelesen wurde. Danach wird die Stelle gemeinsam verbessert.
Ziel:
Flüsterlesen ermöglicht Lautlesetraining ohne zu hohe Lautstärke. Gleichzeitig werden Lesegenauigkeit und Zeilenführung geübt.
14. Ich-Du-Wir-Lesen
So funktioniert’s:
Zuerst liest die Lehrkraft oder ein sicheres Kind einen Abschnitt vor. Danach liest ein Partnerkind denselben Abschnitt mit Unterstützung. Zum Schluss liest die Gruppe oder Klasse den Abschnitt gemeinsam.
Ziel:
Das Verfahren baut Unterstützung schrittweise auf. Die Kinder hören zuerst ein Lesevorbild, probieren es dann im kleineren Rahmen aus und lesen anschließend gemeinsam sicherer.
15. Ich-Du-Wir-Würfeln
So funktioniert’s:
Ein Würfel entscheidet, wie gelesen wird. Zum Beispiel: 1 bedeutet „Ich lese allein“, 2 bedeutet „Du liest“, 3 bedeutet „Wir lesen gemeinsam“, 4 bedeutet „Wir lesen flüsternd“, 5 bedeutet „Wir lesen mit Betonung“, 6 bedeutet „Wir lesen noch einmal schneller und genauer“. Die Kinder lesen kurze Abschnitte passend zur gewürfelten Aufgabe.
Ziel:
Das Verfahren bringt Abwechslung in wiederholtes Lautlesen. Die Kinder lesen denselben Text mehrfach, ohne dass es sich wie reine Wiederholung anfühlt.
16. Zungenbrecher im Chor
So funktioniert’s:
Die Klasse liest kurze Zungenbrecher gemeinsam. Zuerst langsam und deutlich, dann etwas flüssiger. Schwierige Wörter werden vorher geklärt und in Silben gesprochen.
Ziel:
Zungenbrecher trainieren Aussprache, Artikulation und genaues Lesen. Im Chor entsteht dabei weniger Druck für einzelne Kinder.
17. Lyrisches Kaffeehaus
So funktioniert’s:
Die Kinder wählen kurze Gedichte, Reime oder kleine literarische Texte aus. Sie üben das Vorlesen in Ruhe und tragen ihren Text anschließend in einer gemütlichen „Kaffeehaus“-Atmosphäre vor. Die Zuhörenden hören bewusst zu und geben wertschätzende Rückmeldungen.
Ziel:
Das Verfahren fördert ausdrucksstarkes Vorlesen, Betonung und Vortragsmut. Besonders Gedichte eignen sich gut, weil Rhythmus und Klang beim Lesen wichtig sind.
18. Parcourslesen
So funktioniert’s:
Im Klassenraum werden verschiedene Lesestationen aufgebaut. An jeder Station lesen die Kinder einen kurzen Textabschnitt mit einer bestimmten Aufgabe. Zum Beispiel flüsternd lesen, mit besonderer Betonung lesen, im Tandem lesen oder einen Satz dreimal lesen. Auf einem Laufzettel wird festgehalten, welche Station erledigt wurde.
Ziel:
Parcourslesen bringt Bewegung und Abwechslung ins Lautlesetraining. Die Kinder lesen kurze Texte mehrfach und trainieren dabei unterschiedliche Aspekte der Leseflüssigkeit. (ALF)
19. Offener Lesekasten
So funktioniert’s:
In einem Lesekasten liegen kurze Texte, Gedichte, Dialoge, Witze, Sachtexte oder Rätsel auf verschiedenen Niveaustufen. Die Kinder wählen einen Text aus, üben ihn mehrfach und lesen ihn dann einem Partnerkind, der Lehrkraft oder einer kleinen Gruppe vor.
Ziel:
Der offene Lesekasten ermöglicht Differenzierung und Selbstwahl. Die Kinder können einen passenden Text auswählen und in ihrem Tempo üben.
20. Lesestaffel
So funktioniert’s:
Ein Text wird in kleine Abschnitte geteilt. Kind 1 liest den ersten Abschnitt, Kind 2 übernimmt den nächsten, Kind 3 liest weiter. Danach beginnt die Staffel erneut, sodass jedes Kind mehrere Abschnitte übt.
Ziel:
Die Lesestaffel fördert Aufmerksamkeit, Anschlusslesen und Leseflüssigkeit. Die Kinder müssen genau mitlesen, damit sie ihren Einsatz nicht verpassen.

21. Stop-and-Go-Lesen
So funktioniert’s:
Die Kinder lesen einen Text laut oder halblaut. Bei einem Stoppsignal halten sie an. Bei einem Go-Signal lesen sie weiter. Später können Stopps bewusst an Satzzeichen gesetzt werden.
Ziel:
Das Verfahren hilft Kindern, Satzzeichen, Pausen und Lesefluss bewusster wahrzunehmen. Es eignet sich besonders, wenn Kinder sehr monoton oder ohne Pausen lesen.
22. Satzzeichen-Lesen
So funktioniert’s:
Vor dem Lesen werden Satzzeichen markiert. Punkte, Kommas, Fragezeichen und Ausrufezeichen erhalten jeweils eine kleine Erinnerung: kurze Pause, längere Pause, Frage-Stimme oder Ausrufe-Stimme. Danach wird der Text mit besonderem Blick auf die Satzzeichen gelesen.
Ziel:
Satzzeichen-Lesen verbessert Betonung, Pausensetzung und Sinnverständnis. Die Kinder erkennen, dass Satzzeichen beim Vorlesen helfen.
23. Betonungsdetektive
So funktioniert’s:
Die Kinder lesen einen kurzen Text und überlegen, welche Wörter besonders wichtig sind. Diese Wörter werden markiert. Danach lesen sie den Text erneut und betonen die markierten Wörter bewusst.
Ziel:
Das Verfahren fördert ausdrucksstarkes Lesen und Textverständnis. Die Kinder lernen, dass Betonung den Sinn eines Satzes verändern oder verdeutlichen kann.
24. Lesepyramide
So funktioniert’s:
Ein Satz wird Zeile für Zeile erweitert. Zuerst steht nur ein Wort, dann zwei Wörter, dann ein Satzteil, dann der ganze Satz. Die Kinder lesen jede Zeile laut. Beispiel:
Der
Der kleine
Der kleine Hund
Der kleine Hund rennt
Der kleine Hund rennt schnell davon.
Ziel:
Lesepyramiden unterstützen den Aufbau von Leseflüssigkeit bei wachsenden Satzstrukturen. Kinder gewinnen Sicherheit, weil bekannte Teile wiederkehren.
25. Abschnittsweise Vorleserunde
So funktioniert’s:
Ein Text wird in kurze Abschnitte geteilt. Jedes Kind bereitet einen Abschnitt vor. Danach wird der Text gemeinsam in richtiger Reihenfolge vorgelesen. Vor dem Vortrag üben die Kinder ihren Abschnitt mehrfach allein oder mit einem Partnerkind.
Ziel:
Das Verfahren stärkt Verantwortungsübernahme und Lesesicherheit. Durch die Vorbereitung wird das Vorlesen vor der Gruppe entlastet.
26. Lesekonferenz
So funktioniert’s:
Kinder lesen in kleinen Gruppen denselben Text. Zuerst liest jedes Kind einen kurzen Abschnitt. Danach sprechen sie darüber: Wo war das Lesen flüssig? Wo hat es gehakt? Welche Wörter waren schwierig? Anschließend wird der Abschnitt erneut gelesen.
Ziel:
Die Lesekonferenz verbindet Lautlesen mit Reflexion. Kinder lernen, über ihr Lesen zu sprechen und konkrete Verbesserungen wahrzunehmen.
27. Tempowechsel-Lesen
So funktioniert’s:
Die Kinder lesen einen bekannten Text in unterschiedlichen Tempi: langsam und deutlich, normal, etwas schneller, wieder ruhig. Wichtig ist, dass Genauigkeit vor Geschwindigkeit geht.
Ziel:
Das Verfahren macht Lesetempo bewusst. Die Kinder lernen, dass flüssiges Lesen nicht bedeutet, so schnell wie möglich zu lesen, sondern passend und verständlich.
28. Lesespaziergang
So funktioniert’s:
Im Raum hängen kurze Textkarten. Die Kinder gehen mit einem Partnerkind von Karte zu Karte. An jeder Station liest ein Kind vor, das andere hört mit und gibt eine kurze Rückmeldung. Danach wechseln die Rollen.
Ziel:
Der Lesespaziergang bringt Bewegung in das Lautlesetraining und eignet sich besonders für kurze Texte, Rätsel, Sachinformationen oder Satzkarten.
29. Blitz-Vorlesen
So funktioniert’s:
Kurze, häufige Wörter, Satzanfänge oder kleine Sätze werden auf Karten gezeigt. Die Kinder lesen sie sicher und ohne langes Stocken. Später werden die Karten in Texte eingebunden.
Ziel:
Blitz-Vorlesen unterstützt die Automatisierung häufiger Wörter und Satzmuster. Dadurch bleibt beim Lesen längerer Texte mehr Aufmerksamkeit für den Inhalt.
30. Lieblingsstelle vorlesen
So funktioniert’s:
Die Kinder wählen aus eine Textstelle aus, die sie besonders lustig, spannend, schön oder wichtig finden. Diese Stelle üben sie mehrfach und lesen sie anschließend einem Partnerkind oder der Klasse vor. Danach sagen sie kurz, warum sie diese Stelle gewählt haben.
Ziel:
Das Verfahren verbindet Leseflüssigkeit mit Textverständnis und Motivation. Die Kinder lesen nicht irgendeinen Abschnitt, sondern eine bewusst ausgewählte Stelle.

Welche Lautleseverfahren passen wann?
| Situation | Geeignete Verfahren |
|---|---|
| Kinder lesen sehr stockend | Wiederholtes Lautlesen, Echolesen, Lesetandem, Lesen mit Hörspur |
| Kinder brauchen ein Lesevorbild | Echolesen, Chorisches Lesen, Karaoke-Lesen, Lesen mit Hörspur |
| Kinder haben Angst vor dem Vorlesen | Chorisches Lesen, Flüsterlesen, Partner-Vorlese-Coaching, Offener Lesekasten |
| Kinder lesen ohne Betonung | Satzzeichen-Lesen, Betonungsdetektive, Lesetheater, Rollenlesen |
| Kinder brauchen Bewegung | Parcourslesen, Lesespaziergang, Lesestaffel |
| Kinder sollen mehrfach lesen, ohne dass es langweilig wird | Bergsteigerlesen, Treppenlesen, Ich-Du-Wir-Würfeln, Lesepyramide |
| Kinder sollen für ein Publikum lesen | Leseradio, Lesetheater, Lyrisches Kaffeehaus, Lieblingsstelle vorlesen |
| Kinder sollen Lesefortschritte wahrnehmen | Wiederholtes Lautlesen, Lesetandem, Lesekonferenz, Bergsteigerlesen |

Lautleseverfahren und Leseflüssigkeit
Leseflüssigkeit ist eine wichtige Brücke zwischen dem Erlesen einzelner Wörter und dem Verstehen ganzer Texte. Wenn Kinder viel Energie dafür brauchen, jedes Wort zu entziffern, bleibt weniger Aufmerksamkeit für den Inhalt. Deshalb sind Lautleseverfahren so sinnvoll.
Sie unterstützen Kinder dabei, Wörter schneller und sicherer zu erkennen. Durch Wiederholung werden Texte vertrauter. Durch Begleitung hören Kinder ein gutes Lesevorbild. Durch Partnerarbeit erhalten sie direkte Unterstützung.
BiSS weist darauf hin, dass Lautleseverfahren auch für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, hilfreich sein können, weil sie Aussprache, Betonung und Satzmelodie üben.
Wichtig ist aber: Lautleseverfahren ersetzen keine Lesestrategien. Sie fördern vor allem die Flüssigkeit. Für das genaue Verstehen von Texten braucht es zusätzlich Strategien, Gespräche über Inhalte, Wortschatzarbeit und passende Aufgaben zum Text.
Typische Schwierigkeiten
Lautleseverfahren können sehr wirksam sein, aber sie brauchen eine gute Einführung. Typische Stolperstellen sind:
Texte sind zu schwer.
Tandems sind ungünstig zusammengesetzt.
Kinder lesen zu schnell.
Fehler werden zu hart korrigiert.
Es wird zu laut im Raum.
Die Kinder verstehen den Sinn des wiederholten Lesens nicht.
Die Lehrkraft kontrolliert nur, statt zu trainieren.
Schwächere Kinder fühlen sich bloßgestellt.
Stärkere Kinder übernehmen zu dominant.
Das Vorlesen wird als Prüfung erlebt.
Es fehlt eine klare Rückmeldung.
Der Inhalt des Textes wird komplett vergessen.

Mein Fazit
Lautleseverfahren gehören für mich zu den Methoden, die im Unterricht alltagstauglich sind. Ich kenne viele davon aus meiner Zeit als Vertretungslehrerin, aus dem Praxissemester und aus dem Ref und ich finde, gerade weil Lesen für manche Kinder so anstrengend ist, brauchen sie Verfahren, die ihnen Sicherheit geben. Ein gutes Lautleseverfahren macht Lesen nicht peinlich, sondern trainierbar.
Eure Caro
Instagram – Alles für die Grundschule.
FAQ
Was sind Lautleseverfahren?
Lautleseverfahren sind Methoden, bei denen Kinder Texte laut, halblaut, gemeinsam, begleitet oder wiederholt lesen, um ihre Leseflüssigkeit zu verbessern.
Welche Lautleseverfahren gibt es?
Bekannt sind Lesetandem, chorisches Lesen, wiederholtes Lautlesen, Echolesen, Lesen mit Hörspur, Lesetheater, Leseradio, Bergsteigerlesen, Parcourslesen und Karaoke-Lesen.
Was ist das Ziel von Lautleseverfahren?
Das Ziel ist, Lesegenauigkeit, Lesetempo, Automatisierung, Betonung und Sicherheit beim Vorlesen zu verbessern. Dadurch kann auch das Textverständnis unterstützt werden.
Was ist ein Lesetandem?
Beim Lesetandem lesen zwei Kinder gemeinsam einen Text. Ein stärker lesendes Kind unterstützt ein Kind, das noch mehr Übung braucht. Beide lesen synchron und verbessern Fehler freundlich.
Was ist chorisches Lesen?
Beim chorischen Lesen liest eine Gruppe oder die ganze Klasse gemeinsam. Die Kinder orientieren sich an einer sicheren Stimme und üben Tempo, Aussprache und Betonung.
Welche Lautleseverfahren eignen sich für schwächere Lesenden?
Besonders geeignet sind Lesetandem, Echolesen, Lesen mit Hörspur, wiederholtes Lautlesen, Chorlesen und Flüsterlesen mit Partnerkontrolle.
Wie oft sollte man Lautleseverfahren einsetzen?
Kurze, regelmäßige Einheiten sind oft sinnvoller als seltene lange Phasen. Schon wenige Minuten wiederholtes und begleitetes Lesen können hilfreich sein, wenn es gut strukturiert ist.
Sind Lautleseverfahren auch für Klasse 1 geeignet?
Ja, aber stark vereinfacht. In Klasse 1 eignen sich zum Beispiel Chorlesen, Echolesen, Silbenlesen, Blitz-Vorlesen, kleine Reime und kurze wiederholte Sätze.







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