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Quick Facts: Legasthenie und LRS
LRS ist nicht immer gleich. Manche Kinder haben Schwierigkeiten beim Lesen, andere beim Rechtschreiben, beim Schreiben von Texten oder mit Frust, Angst und Selbstwert.
Nachteilsausgleiche sind keine Bevorzugung, sondern sollen faire Lern- und Leistungssituationen ermöglichen. In NRW ist der LRS-Erlass in der BASS eine wichtige Grundlage. (BASS NRW)
Entscheidend ist immer der Einzelfall: Mehr Zeit, andere Aufgabenformate, technische Hilfen, Vorlesen, reduzierte Leselast oder eine veränderte Bewertung können helfen.
Allgemeines
Das Thema Legasthenie beziehungsweise LRS ist mir im Laufe meiner Ausbildung immer wieder begegnet. Zuerst habe ich es bei Freundinnen mitbekommen, dann im Praxissemester im Master und später auch noch einmal im Referendariat. Und ehrlich: Ich finde, es ist eines dieser Themen, bei denen man erst mit der Zeit versteht, wie unterschiedlich Kinder betroffen sein können.
Viele denken bei LRS erstmal an „schlechte Rechtschreibung“. Aber das greift viel zu kurz. Manche Kinder lesen extrem langsam. Andere verlesen sich ständig. Wieder andere können mündlich richtig viel, bringen ihre Gedanken aber schriftlich kaum aufs Papier. Und bei einigen Kindern kommen mit der Zeit Frust, Vermeidungsverhalten, Angst oder ein sehr geringes Selbstwertgefühl dazu.
Für mich ist deshalb der wichtigste Gedanke: LRS ist kein einheitliches Problem. Und deshalb braucht LRS auch keine Standardlösung. Nachteilsausgleiche sollten immer dazu passen, was das Kind konkret braucht. Es geht nicht darum, Kindern Vorteile zu verschaffen. Es geht darum, Barrieren zu reduzieren, damit sie zeigen können, was sie fachlich können.
Gerade in der Grundschule ist das wichtig. Denn hier bauen Kinder ihr Selbstbild als Leser*in und Schreiber*in auf. Wenn ein Kind immer wieder erlebt: „Ich bin zu langsam, ich mache zu viele Fehler, ich kann das nicht“, dann kann das weit über Deutsch hinaus wirken.
Der LRS-Erlass NRW betont, dass Lesen und Schreiben zentrale Aufgaben der Schule sind und dass Kinder mit besonderen Schwierigkeiten gezielte Förderung brauchen. Außerdem wird deutlich, dass das Bedingungsgefüge der Schwierigkeiten genau betrachtet werden soll und die bloße Feststellung von Versagen nicht ausreicht. (BASS NRW)
Wenn dich ähnliche Themen interessieren, passen dazu auch meine Artikel zu Lesestrategien in der Grundschule, sinnentnehmendem Lesen in der Grundschule und Wortbausteinen und Rechtschreibstrategien.

Was ist Legasthenie bzw. LRS?
Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) ist eine genetisch bedingte, neurologische Störung, die angeboren ist und langfristig besteht. Sie tritt unabhängig von Intelligenz oder Unterrichtsqualität auf und ist medizinisch als ICD-10 Diagnose (F81.0) anerkannt.
LRS (Lese-Rechtschreibschwäche) bezeichnet eine erworbene, vorübergehende Schwäche, die durch äußere Faktoren wie mangelnde Förderung, Unterrichtsausfall oder emotionale Belastungen verursacht wird. Diese Form ist meist durch pädagogische Maßnahmen und Therapie vollständig überwindbar
Beides beschreibt Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Rechtschreiben. Dabei ist wichtig: Diese Schwierigkeiten haben nichts mit Faulheit oder fehlender Intelligenz zu tun. Kinder können durchschnittlich, sehr leistungsstark oder hochbegabt sein. Das Problem liegt nicht darin, dass sie „nicht denken können“. Das Problem liegt eher in der Verarbeitung von Schriftsprache. Das kann verschiedene Bereiche betreffen:
Buchstaben erkennen und zuordnen
Laute heraushören
Wörter sicher lesen
Wörter automatisiert wiedererkennen
Rechtschreibmuster speichern
Regeln anwenden
Texte flüssig schreiben
Informationen unter Zeitdruck verarbeiten
In der Praxis sieht man ganz unterschiedliche Profile.
Wichtig: Der Artikel ersetzt keine Diagnostik und keine schulrechtliche Beratung. Er soll dir helfen, LRS im Schulalltag besser zu verstehen und mögliche Nachteilsausgleiche praxisnah zu denken. Für konkrete Entscheidungen gelten immer die Vorgaben des Bundeslandes, die schulischen Verfahren und die individuelle Situation des Kindes.

Warum Nachteilsausgleiche wichtig sind
Nachteilsausgleiche sollen nicht das Lernen ersetzen. Sie bedeuten auch nicht, dass Anforderungen einfach verschwinden. Sie sollen helfen, dass Kinder nicht an einer Barriere scheitern, die gerade nicht das eigentliche Lernziel ist.
Beispiel: Wenn ein Kind im Sachunterricht erklären soll, wie ein Stromkreis funktioniert, dann soll nicht die Rechtschreibung darüber entscheiden, ob das Kind den Stromkreis verstanden hat.
Nachteilsausgleich bedeutet also: Wir schauen genauer hin: Was soll eigentlich geprüft werden? Und welche Hürde verhindert gerade, dass das Kind sein Können zeigen kann?
Im NRW-Erlass wird für Kinder, die zusätzliche Fördermaßnahmen benötigen, unter anderem beschrieben, dass bei schriftlichen Arbeiten oder Übungen im Einzelfall eine andere Aufgabe gestellt, mehr Zeit eingeräumt oder von der Benotung abgesehen werden kann. (BASS NRW)

Profil 1: Wenn Rechtschreibung trotz Übung unsicher bleibt
Profil
Bei anderen Kindern liegt der Schwerpunkt stärker auf der Rechtschreibung. Sie üben Wörter, Regeln und Strategien, machen aber trotzdem immer wieder viele Fehler. Das kann für Kinder sehr frustrierend sein, weil sie oft merken: Andere üben kurz und können es. Ich übe lange und es klappt trotzdem nicht sicher.
Typische Merkmale
Viele Rechtschreibfehler trotz Übung, lautgetreue Schreibweise, Auslassen / Vertauschen / Hinzufügen von Buchstaben, Probleme mit Dehnung und Schärfung, Unsicherheiten bei Doppelkonsonanten, Schwierigkeiten mit Groß- und Kleinschreibung, Probleme beim Anwenden von Rechtschreibregeln, gleiche Wörter werden im Text unterschiedlich geschrieben, langsames oder unsicheres Korrigieren, Frust bei Diktaten oder freien Texten.
Beispiele
Ein Kind schreibt: „Fata“ statt „Vater“, „komen“ statt „kommen“, „schpilen“ statt „spielen“.
Oder es kann eine Regel im Gespräch erklären, wendet sie im eigenen Text aber nicht zuverlässig an. Das ist kein Widerspruch, sondern typisch: Wissen über Rechtschreibung und sichere Anwendung im Schreibprozess sind nicht immer dasselbe.
Konkrete Nachteilsausgleiche
Rechtschreibleistung getrennt vom Inhalt bewerten
Rechtschreibung zeitweise nicht oder weniger stark gewichten
in anderen Fächern Rechtschreibfehler nicht in die Fachnote einbeziehen
mehr Zeit für schriftliche Aufgaben geben
Wörterbuch, Rechtschreibkartei oder digitale Hilfen zulassen
Rechtschreibprogramme oder Vorlesefunktion nutzen
alternative Leistungsnachweise ermöglichen
mündliche Ergänzung zu schriftlichen Leistungen
Fehler nicht nur zählen, sondern Fehlerarten analysieren
individuelle Rechtschreibziele festlegen
kurze, gezielte Übungsformate statt reiner Fehlerkorrektur
Für NRW ist hier wichtig: Der LRS-Erlass sieht vor, dass Rechtschreibleistungen bei betroffenen Kindern nicht in die Beurteilung schriftlicher Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in anderen Fächern einbezogen werden. Außerdem soll der Anteil des Rechtschreibens bei der Deutschnote zurückhaltend gewichtet werden. (BASS NRW)

Profil 2: Wenn Lesen extrem anstrengend ist
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Bei manchen Kindern steht vor allem das Lesen im Vordergrund. Sie können einzelne Wörter vielleicht lesen, brauchen dafür aber sehr viel Zeit und Kraft. Das Lesen wirkt stockend, unsicher oder sehr langsam. Das Problem ist dann nicht unbedingt, dass das Kind den Inhalt nicht verstehen könnte. Oft kommt es aber gar nicht richtig zum Verstehen, weil so viel Energie für das Entziffern der Wörter gebraucht wird.
Typische Merkmale
Langsames, stockendes Lesen, häufiges Verlesen, Zeilen verlieren, Wörter auslassen oder ersetzen, sehr große Anstrengung beim Lesen, wenig Lesefluss, Schwierigkeiten beim Textverständnis, schnelles Ermüden oder Vermeiden von Vorlesesituationen. Manchmal fällt das Kind im Unterricht kaum auf, weil es mündlich gut mitkommt. Erst bei längeren Texten oder unter Zeitdruck wird sichtbar, wie belastend Lesen ist.
Beispiele
Ein Kind liest einen Tier-Sachtext. Während andere Kinder schon Fragen beantworten, kämpft es noch mit dem ersten Absatz. Inhaltlich könnte es vieles verstehen, aber das Lesen kostet so viel Kraft, dass am Ende kaum Energie für die Aufgaben bleibt.
In einer Klassenarbeit liest das Kind eine Aufgabe falsch. Es rechnet eigentlich richtig, löst aber etwas anderes, weil es den Arbeitsauftrag nicht sicher erfasst hat.
Konkrete Nachteilsausgleiche
Verlängerte Arbeitszeit, kürzere/klar gegliederte Lesetexte, größere Schrift und schlichtes Layout, Aufgabenstellungen vorlesen, Partnerkind/Lehrkraft liest Texte vor, Text-to-Speech nutzen, Lesepausen ermöglichen, wichtige Infos zusätzlich mündlich erklären, Lesemenge reduzieren, ohne den fachlichen Inhalt zu vereinfachen, Aufgabenformate mit weniger Leselast wählen, Zwischenüberschriften, Markierungen und Absätze nutzen.
Wichtig: Der Nachteilsausgleich soll die Lesebarriere reduzieren, nicht den fachlichen Anspruch senken. Wenn im Sachunterricht ein Thema geprüft wird, muss das Kind nicht zwingend an der Länge des Lesetextes scheitern.

Profil 3: Wenn Laute und Sprache schwer zu verarbeiten sind
Profil
Bei einigen Kindern zeigt sich LRS besonders in der phonologischen Verarbeitung. Das bedeutet: Laute, Silben, Wörter und sprachliche Strukturen werden nicht sicher oder nicht schnell genug verarbeitet. Diese Kinder haben oft Schwierigkeiten, Laute herauszuhören, zu unterscheiden oder mit Buchstaben zu verbinden. Das wirkt sich auf Lesen, Schreiben und teilweise auch auf Fremdsprachen aus.
Typische Merkmale
Probleme beim Heraushören einzelner Laute, Schwierigkeiten, ähnlich klingende Laute zu unterscheiden, Unsicherheiten bei Reimen / Silben, langsames Erlernen von Buchstaben-Laut-Zuordnungen, Probleme beim lautgetreuen Schreiben, Schwierigkeiten beim Erlesen neuer Wörter, Fremdsprachenlernen fällt schwer, Vokabeln werden mühsam gespeichert, gehörte Wörter werden anders verschriftlicht, Aufgaben mit Sprachverarbeitung überfordern schnell.
Beispiele
Ein Kind soll hören, ob in „Fisch“ am Anfang ein F oder ein W klingt, und ist unsicher.
Im Englischunterricht kann das Kind mündlich einzelne Wörter nachsprechen, hat aber große Probleme, sie zu lesen oder schriftlich richtig zu lernen.
Ein Kind schreibt Wörter so, wie es sie hört, kann aber kleine Lautunterschiede nicht sicher verschriften.
Konkrete Nachteilsausgleiche
mehr Zeit bei sprachlastigen Aufgaben
Aufgaben zusätzlich mündlich erklären
Vokabelmenge reduzieren oder aufteilen
mündliche Leistungsnachweise ermöglichen
Audio-Unterstützung nutzen
Vorlesen von Aufgabenstellungen
Lautgebärden oder visuelle Hilfen einsetzen
Silbenmarkierungen und farbliche Strukturierungen nutzen
neue Wörter mit Bild, Ton und Bewegung verknüpfen
schriftliche und mündliche Leistungen getrennt betrachten
bei Fremdsprachen alternative Nachweisformen nutzen
Im NRW-Erlass wird erwähnt, dass in Fremdsprachen Vokabelkenntnisse durch mündliche Leistungsnachweise erbracht werden können. (BASS NRW) Das kann im Alltag entlastend sein, weil nicht immer die schriftliche Form der einzige Weg sein muss, Wissen zu zeigen.

Profil 4: Wenn Schreiben die Gedanken ausbremst
Profil
Manche Kinder wissen eigentlich, was sie sagen wollen. Sie haben Ideen, verstehen Inhalte und können mündlich gut erklären. Aber sobald sie schreiben sollen, wird es schwierig. Das Problem ist dann weniger das Denken, sondern die schriftliche Umsetzung. Schreiben dauert lange, kostet viel Kraft und unterbricht den Gedankengang.
Typische Merkmale
Sehr langsames Schreiben, häufiges Durchstreichen und Verbessern, Texte bleiben sehr kurz, Gedanken gehen beim Schreiben verloren, Kind vermeidet längere Schreibaufgaben, mündliche Beiträge sind deutlich stärker als schriftliche, Hand und Kopf wirken nicht „gleich schnell“, hohe Anstrengung bei freien Texten, starke Ermüdung bei Klassenarbeiten, wenig Struktur im Text, obwohl mündlich Struktur vorhanden ist.
Beispiele
Ein Kind erzählt mündlich eine richtig gute Geschichte mit Anfang, Höhepunkt und Ende. Schriftlich stehen nach 20 Minuten nur drei Sätze auf dem Blatt.
Im Sachunterricht kann das Kind mündlich erklären, warum ein Magnet bestimmte Gegenstände anzieht, schafft es aber kaum, die Erklärung schriftlich zu formulieren.
Konkrete Nachteilsausgleiche
Zeitverlängerung
Laptop oder Tablet zur Texteingabe nutzen
Spracherkennung oder Diktierfunktion prüfen
Stichpunkte statt langer Fließtexte erlauben
mündliche Präsentation statt schriftlichem Aufsatz
Antworten mündlich ergänzen lassen
Schreibrahmen und Satzstarter anbieten
Textmenge reduzieren, ohne das Denkziel zu reduzieren
Inhalte und Rechtschreibung getrennt bewerten
Planungsphase vor dem Schreiben verlängern
Mindmap, Stichwortzettel oder Strukturkarten nutzen
Wichtig ist: Wenn das Lernziel nicht „einen langen Text handschriftlich schreiben“ ist, darf die Form angepasst werden. Das Kind soll zeigen können, was es verstanden hat.

Emotionale Belastung durch LRS
LRS betrifft nicht nur Lesen und Schreiben. Viele Kinder erleben über Jahre, dass sie trotz Anstrengung schlechtere Ergebnisse bekommen. Das kann Spuren hinterlassen. Manche Kinder vermeiden Lesen und Schreiben. Andere werden wütend, ziehen sich zurück oder machen Witze, bevor jemand merkt, dass sie unsicher sind.
Typische Merkmale
Angst vor Vorlesen
Vermeidung von Schreibaufgaben
häufige Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen vor Tests
geringe Motivation
Sätze wie „Ich bin dumm“ oder „Ich kann das eh nicht“
schnelle Frustration
Tränen bei schriftlichen Aufgaben
aggressives oder albernes Verhalten als Schutz
Rückzug
geringes Selbstwertgefühl
Angst vor Klassenarbeiten
Der NRW-Erlass betont auch emotionale Bedingungen wie Selbstsicherheit, Lernfreude, Belastbarkeit und den Umgang mit Misserfolgen als Teil der Analyse der Lernsituation. (BASS NRW) Das finde ich wichtig, denn ein Kind ist nicht nur ein „Leseflüssigkeitsproblem“ oder „Rechtschreibprofil“. Es ist ein Kind, das mit diesen Erfahrungen jeden Tag in Schule sitzt.
Nachteilsausgleiche im Überblick
Je nach Kind, Fach, Situation und Bundesland können unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein. Mögliche Formen sind:
mehr Bearbeitungszeit
Vorlesen von Aufgaben
kürzere Lesetexte
reduzierte Lesemenge
übersichtlicheres Layout
größere Schrift
mündliche statt schriftliche Leistungsanteile
mündliche Ergänzungen
andere Aufgabenformate
getrennte Bewertung von Inhalt und Rechtschreibung
Rechtschreibung nicht oder geringer gewichten
technische Hilfen
Laptop oder Tablet
Text-to-Speech
Wörterbuch oder Rechtschreibhilfen
ruhiger Arbeitsplatz
Checklisten
Satzstarter
Schreibrahmen
reduzierte Vokabelmenge
alternative Vokabelabfragen
vorbereitete Vorlesesituationen
Wichtig ist, dass Nachteilsausgleiche dokumentiert, transparent und individuell begründet werden. Sie sollten regelmäßig überprüft werden: Hilft das noch? Braucht das Kind etwas anderes? Kann etwas reduziert werden? Muss etwas ergänzt werden?
Nachteilsausgleich ist keine Bevorzugung. Sie machen Anforderungen nicht unfair leichter. Sie machen Bedingungen fairer.
Ein Kind mit LRS bekommt nicht automatisch bessere Noten. Es bekommt die Möglichkeit, Leistungen unter Bedingungen zu zeigen, die die LRS-Barriere berücksichtigen. Das ist ein Unterschied.
Typische Missverständnisse über LRS
„Das Kind muss einfach mehr lesen.“
Lesen hilft, aber wenn Lesen extrem anstrengend ist, braucht das Kind gezielte Unterstützung und passende Bedingungen.
„Wer klug ist, kann keine LRS haben.“
Doch. LRS hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun.
„Nachteilsausgleich ist unfair für die anderen.“
Nachteilsausgleich bedeutet nicht Vorteil, sondern Ausgleich einer konkreten Barriere.
„Wenn Rechtschreibung nicht bewertet wird, strengt sich das Kind nicht mehr an.“
Das stimmt so nicht. Kinder mit LRS strengen sich oft sehr an. Eine angepasste Bewertung kann Frust reduzieren und den Blick auf Lernfortschritte ermöglichen.
„LRS sieht bei allen Kindern gleich aus.“
Nein. Manche Kinder haben vor allem Leseprobleme, andere Rechtschreibprobleme, andere Schwierigkeiten bei Sprachverarbeitung oder Schriftproduktion. Viele Profile überschneiden sich.

Kleine Checkliste für Lehrkräfte
Wenn du ein Kind mit LRS in der Klasse hast, können diese Fragen helfen:
Worin zeigt sich die Schwierigkeit konkret?
Betrifft es eher Lesen, Rechtschreibung, Schreiben oder mehrere Bereiche?
Wie wirkt sich die Schwierigkeit in anderen Fächern aus?
Was kann das Kind mündlich?
Welche Aufgabenformate führen zu Überforderung?
Welche Hilfen haben bereits funktioniert?
Welche Situationen lösen Angst oder Vermeidung aus?
Wird Inhalt durch Rechtschreibung überlagert?
Braucht das Kind mehr Zeit?
Braucht es Vorlesen oder technische Hilfen?
Sind Eltern und ggf. Fachkräfte eingebunden?
Sind Nachteilsausgleiche dokumentiert und regelmäßig überprüft?
Mein Fazit
LRS ist für mich ein Thema, bei dem man sehr sensibel und sehr genau hinschauen muss. Ich habe es zuerst bei Freundinnen kennengelernt, dann im Praxissemester im Master und später im Ref noch einmal intensiver erlebt. Was ich dabei immer wieder gemerkt habe: LRS ist nicht einfach nur schlechte Rechtschreibung.
Es kann Lesen betreffen, Schreiben, Lautverarbeitung, Rechtschreibung, Tempo, Prüfungsdruck und das Selbstwertgefühl. Und deshalb reicht auch kein pauschaler Nachteilsausgleich nach dem Motto: „Alle bekommen einfach 10 Minuten mehr.“
Manche Kinder brauchen mehr Zeit. Andere brauchen vorgelesene Aufgaben. Andere brauchen eine andere Bewertung. Andere brauchen technische Hilfen. Und viele brauchen vor allem das Gefühl: Ich werde nicht auf meine Fehler reduziert.
Eure Caro
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FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?
Im schulischen Alltag wird häufig von LRS gesprochen, also von besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben. Legasthenie wird oft als spezifischere Lese-Rechtschreib-Störung verstanden. Für die schulische Praxis ist vor allem wichtig, welche konkreten Schwierigkeiten das Kind hat und welche Unterstützung es braucht.
Hat LRS etwas mit Intelligenz zu tun?
Nein. Kinder mit LRS können durchschnittlich, sehr leistungsstark oder hochbegabt sein. Die Schwierigkeiten betreffen die Verarbeitung von Schriftsprache, nicht die allgemeine Denkfähigkeit.
Welche Nachteilsausgleiche gibt es bei LRS?
Mögliche Nachteilsausgleiche sind mehr Zeit, Vorlesen von Aufgaben, reduzierte Lesemenge, technische Hilfen, mündliche Ergänzungen, andere Aufgabenformate oder eine veränderte Bewertung der Rechtschreibung.
Darf Rechtschreibung bei LRS anders bewertet werden?
In NRW sieht der LRS-Erlass vor, dass Rechtschreibleistungen bei betroffenen Schüler*innen nicht in die Beurteilung schriftlicher Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in anderen Fächern einbezogen werden. Der Anteil des Rechtschreibens an der Deutschnote soll zurückhaltend gewichtet werden. (BASS NRW)
Ist Nachteilsausgleich eine Bevorzugung?
Nein. Nachteilsausgleich soll faire Bedingungen schaffen. Er gleicht eine Barriere aus, damit Kinder zeigen können, was sie fachlich können.
Wie erkenne ich LRS in der Grundschule?
Hinweise können sehr langsames Lesen, häufiges Verlesen, viele Rechtschreibfehler trotz Übung, starke Schreibanstrengung, Vermeidung, Frust oder Angst vor schriftlichen Aufgaben sein. Eine genaue Einschätzung sollte immer individuell erfolgen.
Was hilft Kindern mit LRS im Unterricht?
Hilfreich sind klare Aufgaben, übersichtliche Texte, Vorlesen, mehr Zeit, technische Hilfen, Wortspeicher, Satzstarter, getrennte Bewertung von Inhalt und Rechtschreibung, Ermutigung und regelmäßige Rückmeldung.
Sollten Kinder mit LRS laut vorlesen müssen?
Nicht unangekündigt. Vorlesen kann sehr belastend sein. Besser ist es, Vorlesesituationen vorzubereiten, freiwillig zu gestalten oder alternative Beteiligungsmöglichkeiten anzubieten.








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