Wie gestalte ich den Übergang auf die weitere Schule?

Wie gestalte ich den Übergang auf die weitere Schule?

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Lernen nach dem 4. Schuljahr

Das Ende der Grundschulzeit ist ein bedeutender Meilenstein im Leben eines Kindes – und oft ein zutiefst emotionaler Moment für die ganze Familie. Vier Jahre lang war die Grundschule ein sicherer Hafen: Die Klassengemeinschaft war vertraut, die Lehrkräfte waren Bezugspersonen, und die Abläufe waren fest etabliert. Mit dem Abschluss der vierten Klasse (in den meisten Bundesländern wie NRW) wird dieses sichere Umfeld verlassen. Das Kind, das eben noch zu den „Großen“ auf dem Schulhof gehörte, fängt an der weiterführenden Schule wieder als einer der „Kleinen“ an.

Dieser Übergang ist geprägt von einer Mischung aus stolzer Vorfreude und nagender Ungewissheit. Während die Kinder sich fragen, ob sie neue Freunde finden oder den höheren Anforderungen gewachsen sind, schwanken Eltern oft zwischen dem Stolz auf das Erreichte und der Sorge, ob ihr Kind den Start in die neue, oft anonymere Schulwelt gut meistern wird. Doch dieser Wechsel ist nicht nur eine Herausforderung, sondern eine enorme Chance zur persönlichen Reifung. Wie Eltern und Lehrkräfte diesen Prozess einfühlsam begleiten können und wie das Lernen nach dem 4. Schuljahr gelingt, erfährst du hier.

Das emotionale Gepäck: Was Kinder (und Eltern) bewegt

Um den Übergang erfolgreich zu gestalten, muss man zunächst verstehen, was in den Köpfen der Kinder vorgeht. Die emotionalen Herausforderungen sind vielfältig. Viele Kinder plagt die Frage: „Werde ich gemocht?“ Die Angst vor sozialer Isolation wiegt oft schwerer als die Angst vor schlechten Noten. Hinzu kommt die Sorge vor der schieren Größe der neuen Schule, vor strengeren Lehrern oder davor, den Bus zu verpassen.

Hier ist es essenziell, Raum für Gefühle zu schaffen. Ängste dürfen nicht weggewischt werden („Das wird schon!“), sondern müssen validiert werden. Ein offenes Ohr ist das wichtigste Werkzeug der Eltern. Sätze wie „Ich verstehe, dass du aufgeregt bist, das war ich damals auch“ schaffen Verbindung. Auch Eltern sollten ihre eigenen Sorgen reflektieren: Projizieren eigener schlechter Schulerfahrungen auf das Kind? Nein. Ein positiver, zuversichtlicher Blick der Eltern ist die Basis für das Selbstvertrauen des Kindes.

Abschied gestalten: Ein Kapitel wertschätzend schließen

Bevor das Neue beginnen kann, muss das Alte gut verabschiedet werden. Ein bewusster Abschied hilft Kindern, loszulassen und sich mental auf den nächsten Schritt einzulassen. In der Schule und zu Hause können Rituale diesen Prozess unterstützen. Klassengespräche, in denen thematisiert wird, was man vermissen wird und worauf man sich freut, sind sehr wertvoll.

Konkret bieten sich kreative Methoden an: Das Schreiben von „Briefen an die Zukunft“ oder das Gestalten von Abschiedsbüchern, in denen sich alle Mitschüler*innen verewigen, konserviert die Erinnerungen. Ein schönes Ritual ist auch das Steigenlassen von „Wunsch-Luftballons“ oder Seifenblasen am letzten Schultag, symbolisch beladen mit Hoffnungen für die weiterführende Schule. Zu Hause kann ein kleines „Abschiedsfest“ oder ein besonderer Ausflug den Übergang markieren. Diese Handlungen signalisieren: Ein wichtiger Abschnitt ist vorbei, und wir würdigen deine Leistung.

Transparenz schafft Sicherheit: Die Angst vor dem Unbekannten nehmen

Ungewissheit ist der größte Nährboden für Angst. Je konkreter das Bild der neuen Schule ist, desto kleiner werden die Sorgen. Transparenz ist hier der Schlüssel. Nutze alle Angebote der weiterführenden Schule: Der Tag der offenen Tür ist Pflichtprogramm, aber auch Schnuppertage oder Sommerfeste der neuen Schule sollten besucht werden.

Viele Schulen bieten heute sogar virtuelle Rundgänge auf ihrer Website an. Schaut euch diese gemeinsam an. Wo ist die Cafeteria? Wo sind die Toiletten? Wo ist das Sekretariat? Auch der Schulweg sollte vor dem ersten Schultag mehrmals gemeinsam abgefahren oder abgelaufen werden, bis das Kind sich sicher fühlt. Wenn möglich, suche Kontakt zu älteren Lernenden oder Bekannten (z. B. Nachbarskinder), die aus dem Nähkästchen plaudern können. Zu wissen, dass die „neuen Lehrer“ auch nur Menschen sind und man in der Pause Fußball spielen kann, wirkt oft Wunder.

Wie gestalte ich den Übergang auf die weitere Schule

Soziale Stärke: Neue Freunde finden und alte Bindungen halten

„Finde ich neue Freunde?“ ist wohl die drängendste Frage der Viertklässler. Hier können Eltern schon im Vorfeld Druck rausnehmen. Erklärt den Kindern, dass es allen anderen Fünftklässlern genauso geht – alle suchen nach Anschluss. Strategien können spielerisch besprochen werden: Ein Lächeln ist der einfachste Türöffner. Einfache Fragen wie „Neben wem sitzt du?“ oder „Aus welcher Grundschule kommst du?“ helfen beim Gesprächseinstieg.

Bestärkt die Kinder darin, dass Freundschaften Zeit brauchen. Es muss nicht in der ersten Woche der beste Freund gefunden werden. Außerschulische Aktivitäten wie Sportvereine oder Pfadfinder können zudem als stabiler sozialer Anker dienen, falls es in der neuen Klasse anfangs noch ruckelt. Gleichzeitig sollte der Kontakt zu alten Grundschulfreunden nicht sofort abbrechen; sie geben in der Übergangsphase Halt, auch wenn sie nun auf andere Schulen gehen.

Lernen nach dem 4. Schuljahr: Was sich verändert

Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule ändert sich auch die Art des Lernens massiv. In der Grundschule wurde vieles spielerisch erarbeitet, die Klassenlehrkraft war die zentrale Figur. Nun gilt das Fachlehrerprinzip: Für jedes Fach eine andere Person, andere Erwartungen und oft auch andere Räume. Das erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation.

Das Lerntempo zieht an, und die Stoffmenge nimmt zu. Eltern können diesen Prozess unterstützen, indem sie nicht die Rolle des Hilfslehrers einnehmen, sondern die des Lernbegleiters. Das bedeutet: Helfen beim Strukturieren, nicht beim Lösen der Aufgaben. Ein gut geführter Schulplaner (Hausaufgabenheft) ist jetzt überlebenswichtig. Übt gemeinsam, wie man die Schultasche am Vorabend packt – basierend auf dem Stundenplan.

Lernfreude und Selbstvertrauen sind das Kapital, mit dem Kinder diese Herausforderung meistern. Ein „Notenfreies Zeugnis“ oder ein Rückblick auf das, was in der Grundschule bereits geschafft wurde („Schau mal, wie toll du lesen gelernt hast!“), stärkt den Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit: „Ich kann das!“

Die Rolle der Eltern: Loslassen und Halt geben

Für Eltern ist der Übergang eine Gratwanderung zwischen Unterstützung und Überbehütung. Es ist verlockend, dem Kind alle Steine aus dem Weg zu räumen, doch Selbstständigkeit lernt man nur durch eigenes Tun. Das bedeutet: Das Kind trägt seinen Ranzen selbst, es ist für seine Hausaufgaben verantwortlich und es muss lernen, Misserfolge (wie eine vergessene Turnhose) auch mal auszuhalten.

Dennoch müssen Eltern präsent bleiben. Interesse ist hierbei wichtiger als Kontrolle. Statt „Welche Note hast du?“ fragt lieber: „Was war heute das Spannendste, das du gehört hast?“ oder „Was war heute richtig blöd?“. Sei der sichere Hafen, in den das Kind nach einem anstrengenden Tag zurückkehren kann. Gut informierte Eltern, die Elternabende besuchen und die Kommunikationskanäle der Schule nutzen, können im Hintergrund besser steuern, ohne das Kind zu erdrücken.

Wenn der Start holprig ist: Erste Hilfe bei Schwierigkeiten

Nicht jeder Start verläuft wie im Bilderbuch. Es ist völlig normal, wenn in den ersten Wochen Tränen fließen, die Noten absacken oder das Kind über Erschöpfung klagt. Die Umstellung kostet Kraft. Experten raten oft zur „100-Tage-Regel“: Gebt dem Kind etwa drei Monate Zeit, um anzukommen, bevor ihr grundlegende Zweifel an der Schulform oder der Klasse hegen.

Sollten sich jedoch massive Probleme zeigen – etwa anhaltende Angst, morgendliche Bauchschmerzen oder sozialer Rückzug –, ist Handeln gefragt. Sucht frühzeitig das Gespräch mit der Klassenleitung. Oft sind es Missverständnisse oder kleine Konflikte, die sich schnell lösen lassen. Wichtig ist, dem Kind zu signalisieren: Wir stehen hinter dir, und wir finden gemeinsam eine Lösung. Ein Schulwechsel oder ein Klassenwechsel ist kein Weltuntergang, sollte aber immer der letzte Schritt nach gründlicher Prüfung sein.

Fazit: Eine Chance zum Wachsen

Der Übergang nach der 4. Klasse ist ein Einschnitt, ja. Aber er ist vor allem eine wunderbare Gelegenheit für Kinder, über sich hinauszuwachsen. Mit neuer Verantwortung, neuen Fächern und neuen Menschen erweitert sich ihr Horizont enorm. Wenn Eltern und Lehrkräfte diesen Weg mit Geduld, Vertrauen und einer Portion Gelassenheit begleiten, wird aus der anfänglichen Unsicherheit bald stolzes Selbstbewusstsein. Am Ende soll das Kind sagen können: „Ich bin angekommen. Und ich schaffe das.“

Hi! Ich bin Caro, Lehrerin und reise mit meinem Partner in unserem T4 Bulli einmal um die Welt. Hier erfährst du mehr über mich. Ich freue mich, dass du da bist! 

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