Home > Blog > Lesestrategien in der Grundschule: Unterrichtsreihe und UB-Stunde für Klasse 2-4
Quick Facts: Lesestrategien in der Grundschule
Der Deutsch-Lehrplan NRW von 2021 nennt ausdrücklich, dass Schülerinnen und Schüler lernen sollen, Lesestrategien zu nutzen, um ihr Leseziel zu erreichen. (lehrplannavigator.nrw.de)
Eine gut aufgebaute Reihe zu Lesestrategien für Klasse 3/4 kann in 7 Phasen gegliedert werden: Strategien entdecken, vor dem Lesen nutzen, während des Lesens anwenden, Informationen entnehmen, Textverständnis vertiefen, Strategien begründen und selbstständig anwenden. (lehrplannavigator.nrw.de)
Lesestrategien lassen sich schon ab Klasse 2 anbahnen, werden aber in Klasse 3/4 meist deutlich bewusster reflektiert und sprachlich begründet. Das passt zur zunehmenden Textarbeit in der Primarstufe. (lehrplannavigator.nrw.de)
Lesestrategien sind im Deutschunterricht einer dieser Bereiche, bei denen man schnell merkt, ob Kinder Texte nur Wort für Wort lesen oder ob sie wirklich beginnen, Inhalte aktiv zu erschließen. Genau darin liegt der Unterschied zwischen bloßem Lesen und verstehendem Lesen.
Warum Lesestrategien in der Grundschule so wichtig sind
Viele Kinder können einen Text flüssig vorlesen, ohne ihn wirklich zu verstehen.
Genau deshalb reicht Leseflüssigkeit allein nicht aus. Kinder müssen lernen, Texte aktiv zu erschließen, Vermutungen zu bilden, Wichtiges zu erkennen und Verständnisprobleme zu bemerken.
Der NRW-Lehrplan beschreibt Lesen als einen Prozess, bei dem Vorwissen, Sinnerwartung und Texterschließung zusammenwirken. Dort steht auch ausdrücklich, dass Schülerinnen und Schüler Lesestrategien nutzen sollen, um ihr Leseziel zu erreichen. Das ist kein Nebenaspekt, sondern ein Kern des Deutschunterrichts. (lehrplannavigator.nrw.de)
Im Alltag ist das besonders relevant, weil Lesestrategien nicht nur im Deutschunterricht helfen. Auch in Sachunterricht, Mathematik oder bei Arbeitsaufträgen im Schulalltag profitieren Kinder davon, wenn sie Überschriften deuten, unbekannte Wörter klären oder zentrale Informationen markieren können. Dazu passen auf meiner Seite auch die Posts zum sinnentnehmenden Lesen in der Grundschule und digitale Medien in der Grundschule.
Was sind Lesestrategien überhaupt?
Lesestrategien sind bewusste Vorgehensweisen, mit denen Kinder einen Text besser verstehen.
Die kurze Antwort lautet also: Lesestrategien helfen Kindern dabei, vor, während und nach dem Lesen aktiv mitzudenken. Es geht nicht nur darum, Wörter zu entziffern, sondern darum, den eigenen Leseprozess zu steuern.
Dazu gehören zum Beispiel das Aktivieren von Vorwissen, das Betrachten von Überschriften und Bildern, das Markieren wichtiger Stellen, das Klären unbekannter Wörter, das Zusammenfassen oder das Begründen eigener Vermutungen. Genau diese Verbindung von Textarbeit und Reflexion passt eng zum Lehrplan, der Textverstehen, Lesestrategien und den bewussten Umgang mit Texten zusammendenkt. (lehrplannavigator.nrw.de)
Ab wann kann ich Lesestrategien in der Grundschule einführen?
Lesestrategien lassen sich schon ab Klasse 2 anbahnen, wenn die Kinder erste sichere Leseerfahrungen gesammelt haben. In dieser Phase funktionieren vor allem sehr konkrete und sichtbare Strategien gut, etwa Bilder betrachten, Vorwissen äußern oder wichtige Wörter markieren.
In Klasse 3/4 kann das Thema dann deutlich bewusster aufgebaut werden. Kinder können nun nicht nur Strategien anwenden, sondern auch erklären, warum ihnen etwas geholfen hat. Genau deshalb passt deine Reihe für Klasse 3/4 sehr gut: Sie geht über das bloße Üben hinaus und führt zur Reflexion des eigenen Lesens.
Das ist ein echter Mehrwert gegenüber vielen allgemeinen Lesestunden. Kinder lernen nicht nur an einem Text, sondern über ihr eigenes Lesen.

So kann eine Unterrichtsreihe zu Lesestrategien aufgebaut sein
Eine gute Reihe zu Lesestrategien beginnt nicht mit einem Methodenplakat, sondern mit der Frage, was gute Leserinnen und Leser eigentlich tun. Kinder sollen zuerst wahrnehmen, dass Lesen mehr ist als nur Lautlesen. Ein sinnvoller Aufbau für Klasse 3/4 sieht so aus:
| Reihenphase | Ziel | typische Aktivität |
|---|---|---|
| 1. Wir entdecken, was gute Leser tun | Bewusstsein für Lesen entwickeln | über Lesen sprechen, gute Lesermerkmale sammeln |
| 2. Strategien vor dem Lesen | Leseerwartung aufbauen | Überschrift, Bild, Vorwissen, Vermutungen |
| 3. Strategien während des Lesens | Text schrittweise erschließen | markieren, Wörter klären, Abschnitte erkennen |
| 4. Wichtige Informationen entnehmen | Inhalte ordnen | Notizen, Tabellen, Stichwortzettel |
| 5. Textverständnis vertiefen | Gelesenes sichern | zusammenfassen, visualisieren, austauschen |
| 6. Strategien begründen | eigenes Lesen reflektieren | sagen, was geholfen hat und warum |
| 7. Wir werden Leseprofis | Strategien selbstständig anwenden | neuen Text bearbeiten und Vorgehen erläutern |
Diese Reihenlogik ist stark, weil sie vom Entdecken zum selbstständigen Nutzen führt. Kinder sollen Strategien nicht einfach auswendig lernen, sondern erleben, warum sie beim Lesen wirklich helfen.
Welche Lesestrategien sind in Klasse 3/4 besonders wichtig?
Die direkte Antwort ist: Am wichtigsten sind Strategien vor und während des Lesens. Dort entscheidet sich oft schon, ob ein Text verständlich wird oder nicht. Besonders brauchbar sind diese Strategien:
| Strategie | Wann? | Nutzen |
|---|---|---|
| Vorwissen aktivieren | vor dem Lesen | erleichtert das Verstehen |
| Überschrift betrachten | vor dem Lesen | gibt eine erste Richtung |
| Bilder deuten | vor dem Lesen | baut Erwartungen auf |
| Vermutungen formulieren | vor dem Lesen | aktiviert Mitdenken |
| unbekannte Wörter klären | während des Lesens | beseitigt Verständnisbarrieren |
| wichtige Stellen markieren | während des Lesens | lenkt auf den Kern |
| Sinnabschnitte erkennen | während des Lesens | macht Texte überschaubar |
| Notizen machen | nach dem Lesen | sichert Inhalte |
| zusammenfassen | nach dem Lesen | prüft Gesamtverständnis |
| Strategien begründen | nach dem Lesen | stärkt Metakognition |
Diese Übersicht ist bewusst knapp, weil Kinder in der Grundschule nicht zehn Strategien gleichzeitig sicher brauchen. Weniger ist meist mehr. Strategien wirken dann, wenn sie ritualisiert werden.
Welche UB-Stunde passt gut zum Thema Lesestrategien?
Eine sehr passende UB-Stunde ist das Thema „Wir nutzen Lesestrategien vor und während des Lesens.“
Der Grund ist einfach: Diese Stunde hat einen klaren Schwerpunkt, macht Strategien sichtbar und verbindet Lesen direkt mit bewusstem Handeln. Kinder betrachten Überschrift und Bild, aktivieren Vorwissen, formulieren Vermutungen und markieren beim Lesen wichtige Informationen. Unbekannte Wörter werden geklärt.
Das eignet sich für einen Unterrichtsbesuch sehr gut, weil fachliches Lernen unmittelbar beobachtbar wird. Die Kinder lesen nicht nur, sondern zeigen sichtbar Strategien. Außerdem ist die Reflexion am Ende fachlich stark, weil Kinder sagen können, was ihnen beim Verstehen geholfen hat.
Wenn du das stärker mit Referendariat und UB-Vorbereitung zusammendenken möchtest, passen auf meiner Seite auch die Artikel Wie bereite ich mich auf den ersten Unterrichtsbesuch vor?, Anzahl meiner Unterrichtsbesuche im Referendariat und Mein Erfahrungsbericht zum Referendariat für Lehramt an Grundschulen.
So kann deine UB-Stunde zu Lesestrategien ablaufen
Im Einstieg betrachten die Kinder Überschrift und Bild eines altersgemäßen Sachtextes oder kurzen Erzähltextes. Sie äußern Vermutungen und aktivieren ihr Vorwissen. Schon hier wird klar: Lesen beginnt nicht erst mit dem ersten Satz.
In der Erarbeitung wird ein erster Abschnitt gemeinsam gelesen. Dabei führst du zum Beispiel das Markieren und das Klären unbekannter Wörter sichtbar ein. Anschließend arbeiten die Kinder eigenständig weiter und nutzen die Strategien am ganzen Text.
In der Sicherung werden wichtige Informationen ausgetauscht. Außerdem wird gesammelt, welche Strategien geholfen haben.
Gerade diese Reflexion macht die Stunde stark, weil nicht nur das Textverständnis, sondern auch das eigene Vorgehen sprachlich bewusst wird.
Was fällt Kindern bei Lesestrategien oft schwer?
Ein häufiger Punkt ist, dass Kinder Strategien zwar formal anwenden, aber nicht wirklich sinnvoll nutzen.
Sie markieren dann fast alles oder gar nichts. Oder sie nennen Vorwissen, ohne es später mit dem Text abzugleichen. Schwierig ist oft auch das Klären unbekannter Wörter. Viele Kinder lesen über Verständnisprobleme hinweg, statt kurz zu stoppen. Genau deshalb lohnt sich die bewusste Einübung solcher Momente. Lesestrategien sind kein Zusatz, sondern ein Training des Innehaltens.
Ein weiterer Stolperstein ist die Überforderung durch zu viele Methoden gleichzeitig. Wenn in einer Stunde Überschrift, Bild, Markieren, Notizen, Zusammenfassen und Mindmap vorkommen, bleibt oft wenig wirklich hängen. Besser ist ein klarer Schwerpunkt mit wenigen Strategien, die wiederkehren.
Wie kann ich bei Lesestrategien sinnvoll differenzieren?
Lesestrategien eignen sich gut für Differenzierung, weil Kinder am gleichen Text sehr unterschiedlich arbeiten können.
Schwächere Kinder können mit Satzstartern, Worterklärungen, Markierhilfen oder Partnerarbeit unterstützt werden. Stärkere Kinder können Begründungen präziser formulieren, weitere Strategien auswählen oder Texte selbstständig strukturieren.
Hilfreich ist auch, Strategien sichtbar zu machen, etwa über Strategiekarten oder kleine Merkhilfen. So bleibt die Methode nicht nur im Gespräch, sondern wird im Unterricht konkret greifbar.
Mein wichtigster Praxistipp zu Lesestrategien
Lesestrategien funktionieren nicht, wenn sie nur einmal in einer isolierten Stunde auftauchen. Kinder brauchen Wiederholung, Rituale und echte Anlässe. Die stärkste Wirkung entsteht, wenn Strategien über längere Zeit immer wieder in unterschiedlichen Texten genutzt werden.
Dein Reihenaufbau ist deshalb so sinnvoll, weil er nicht bei „Wir markieren mal etwas“ stehen bleibt. Er führt bewusst zur Frage: Welche Strategie hat mir geholfen und warum? Genau dort beginnt selbstständiges Lesen.
Eure Caro
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FAQ
Was sind Lesestrategien in der Grundschule?
Lesestrategien sind bewusste Vorgehensweisen, mit denen Kinder Texte besser verstehen. Dazu gehören zum Beispiel Vorwissen aktivieren, wichtige Stellen markieren, unbekannte Wörter klären oder Inhalte zusammenfassen.
Warum sind Lesestrategien in der Grundschule wichtig?
Weil Kinder damit lernen, Texte aktiv zu erschließen statt nur Wort für Wort zu lesen. Der NRW-Lehrplan nennt ausdrücklich, dass Schülerinnen und Schüler Lesestrategien nutzen sollen, um ihr Leseziel zu erreichen. (lehrplannavigator.nrw.de)
Ab welcher Klasse kann man Lesestrategien einführen?
Erste Strategien lassen sich schon ab Klasse 2 anbahnen. In Klasse 3/4 können Kinder Strategien meist bewusster anwenden und sprachlich besser begründen.
Welche Lesestrategien eignen sich für Klasse 3/4 besonders gut?
Besonders gut eignen sich Vorwissen aktivieren, Überschrift und Bild betrachten, Vermutungen formulieren, wichtige Stellen markieren, unbekannte Wörter klären und Inhalte zusammenfassen.
Was ist eine gute UB-Stunde zu Lesestrategien?
Eine gute UB-Stunde verbindet Strategien vor und während des Lesens. Kinder bauen zuerst eine Leseerwartung auf und erschließen dann den Text mit Markierungen und Wortklärung.
Was fällt Kindern bei Lesestrategien oft schwer?
Viele Kinder markieren zunächst zu viel, klären unbekannte Wörter nicht aktiv oder wenden Strategien nur oberflächlich an. Deshalb brauchen sie Modellierung und Wiederholung.
Wie kann man Lesestrategien differenzieren?
Über Satzstarter, Partnerarbeit, Worterklärungen, Strategiekarten, vereinfachte Texte oder weiterführende Reflexionsaufgaben. So können Kinder am gleichen Thema auf unterschiedlichen Niveaus arbeiten.
Was sagt der NRW-Lehrplan zu Lesestrategien?
Der Lehrplan Deutsch Primarstufe NRW beschreibt Lesen als aktiven Prozess und hält fest, dass Schülerinnen und Schüler lernen sollen, Lesestrategien zu nutzen, um ihr Leseziel zu erreichen. (lehrplannavigator.nrw.de)







