Sicherungsphase im Unterricht: Ideen, Beispiele und Tipps für die Grundschule

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Quick Facts: Sicherungsphase im Unterricht

  • Die Sicherungsphase ist nicht nur der Abschluss einer Stunde, sondern der Moment, in dem Lernende Ergebnisse ordnen, verdichten und abrufbar machen.

  • Gute Sicherung ist aktivierend, klar strukturiert, sprachlich präzise und auf das wichtigste Lernergebnis reduziert.

  • Besonders hilfreich ist die Mini-Routine: Abruf – Struktur – Verdichtung – Transfer.

Allgemeines

Die Sicherungsphase ist im Unterricht oft der Teil, der am unscheinbarsten wirkt. Einstieg und Erarbeitung bekommen meistens viel Aufmerksamkeit. Da plant man einen motivierenden Impuls, eine gute Aufgabe, Material, Sozialform, Differenzierung und Arbeitsphase. Und dann kommt am Ende noch: „Wir sichern kurz.“

Genau da liegt aber das Problem.

Die Sicherungsphase ist nicht einfach ein kurzer Abschluss. Sie entscheidet oft darüber, was aus der Stunde wirklich hängen bleibt. Wenn sie fehlt, gehetzt ist oder nur aus Abschreiben besteht, bleibt vieles irgendwie „gefühlt verstanden“, aber nicht unbedingt klar gespeichert.

Ich persönlich fand Sicherungs- und Reflexionsphasen in Unterrichtsbesuchen mit am schwierigsten. Man weiß theoretisch, dass am Ende nochmal etwas Wichtiges passieren soll. Aber praktisch ist die Zeit knapp, die Kinder sind müde, man selbst ist im UB angespannt und plötzlich soll aus vielen Einzelbeiträgen eine klare Erkenntnis werden.

Dabei ist genau das die Aufgabe einer guten Sicherung: Sie macht aus vielen Eindrücken eine klare Kernaussage.

Für mich ist die wichtigste Erkenntnis:

Lernende behalten nicht automatisch das, was gesagt wurde. Sie behalten eher das, was sie selbst geordnet, formuliert und angewendet haben.

Eine gute Sicherung fragt deshalb nicht nur:

Was haben wir gemacht?

Sondern eher:

Was haben wir gelernt? Was bleibt davon im Kopf? Und in welcher Form können wir es wieder abrufen?

Das passt auch zum Gedanken kompetenzorientierten Unterrichts: Beim kompetenzorientierten Unterricht wird nicht nur auf den Lehrprozess geschaut, sondern auf das Lernen der Kinder und darauf, wie sie sich mit dem Lerngegenstand auseinandersetzen. QUA-LiS beschreibt kognitive Aktivierung als intensive Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand; genau hier kann eine gute Sicherung ansetzen. (QUA-LiS NRW – Kompetenzorientiert unterrichten)

Wenn du gerade für Unterrichtsbesuche planst, passen dazu auch meine Artikel Lernziele formulieren Grundschule, Wie bereite ich mich auf den ersten Unterrichtsbesuch vor? und Nachbesprechung Leitfaden.

Was ist die Sicherungsphase?

Die Sicherungsphase ist die Phase, in der Ergebnisse, Erkenntnisse, Strategien oder Lernwege gesammelt, geordnet und festgehalten werden. Sie kann am Ende einer Stunde liegen, aber auch zwischendurch stattfinden.

Sie beantwortet im Kern die Frage:

Was nehmen die Lernenden aus dieser Stunde mit?

Das kann ganz unterschiedlich aussehen:

  • ein gemeinsamer Merksatz

  • eine Strategiekarte

  • ein Tafelbild

  • ein sortiertes Ergebnis

  • ein mündlicher Rückblick

  • ein Exit-Ticket

  • eine kurze Partnererklärung

  • ein Beispiel an der Dokumentenkamera

  • ein Fehlergespräch

  • ein Transferauftrag

  • eine Reflexionsfrage

Wichtig ist: Eine Sicherung ist nicht automatisch gut, nur weil etwas ins Heft geschrieben wird. Entscheidend ist, ob die Kinder aktiv mitdenken, ordnen und formulieren.

Warum die Sicherungsphase so wichtig ist

Eine gute Sicherungsphase erfüllt mehrere Funktionen. Sie ist nicht nur „nochmal zusammenfassen“, sondern unterstützt das Lernen an mehreren Stellen.

1. Sie ordnet Ergebnisse

In einer Stunde entstehen viele Beiträge, Ideen, Lösungen und Beobachtungen. Ohne Sicherung bleiben sie oft nebeneinander stehen. Eine Sicherung hilft, daraus eine Struktur zu machen.

Aus vielen Einzelteilen wird eine klare Erkenntnis.

Beispiel Mathe:

Die Kinder haben verschiedene Rechenstrategien verglichen. In der Sicherung werden diese nicht nur vorgelesen, sondern sortiert:

  • Welche Strategie ist schnell?

  • Welche ist sicher?

  • Welche passt besonders gut zu dieser Aufgabe?

  • Wann wäre eine andere Strategie besser?

So entsteht Ordnung im Denken.

2. Sie reduziert auf das Wesentliche

Gute Sicherung bedeutet auch: Nicht alles kommt mit.

Gerade im Unterrichtsbesuch passiert schnell viel. Kinder haben tolle Ideen, es entstehen unterschiedliche Ergebnisse, vielleicht gab es Material, Partnerarbeit, Tafelbild und Reflexion. Aber am Ende braucht es eine Verdichtung.

Die Frage ist:

Was ist die eine zentrale Erkenntnis der Stunde?

Beispiel Sachunterricht:

Nicht alles aus dem Experiment muss gesichert werden. Vielleicht reicht am Ende:

Ein Schatten entsteht, wenn Licht auf einen Gegenstand trifft und dahinter kein Licht hinkommt.

Das ist klar, knapp und fachlich tragfähig.

3. Sie macht Wissen abrufbar

Etwas einmal gehört zu haben, bedeutet nicht, dass man es später wieder nutzen kann. Lernende müssen Wissen abrufen, formulieren und anwenden. Forschung zur Retrieval Practice zeigt, dass aktives Abrufen Lernprozesse unterstützen kann; eine Studie mit Grundschulkindern konnte solche Effekte auch in realen Unterrichtssettings zeigen. (Franzoi et al. 2025 – Retrieval practice in primary school)

Für die Sicherung heißt das: Kinder sollten nicht nur zuhören, wie die Lehrkraft zusammenfasst. Sie sollten selbst rekonstruieren:

  • Was war wichtig?

  • Wie ging die Strategie?

  • Warum funktioniert das?

  • Wann kann ich das wieder nutzen?

4. Sie klärt Sprache und Begriffe

In der Grundschule ist Sprache total wichtig. Kinder haben oft eine Idee im Kopf, aber noch nicht die passenden Wörter. In der Sicherung können Begriffe geklärt und präzisiert werden.

Beispiel Kunst:

Ein Kind sagt:

„Das Bild sieht wild aus.“

In der Sicherung kann daraus werden:

„Das Bild wirkt bewegt, weil die Formen schräg angeordnet sind und sich überlagern.“

So wird Alltagssprache schrittweise zu Fachsprache.

5. Sie reduziert Fehlvorstellungen

Eine Sicherung ist auch der Moment, in dem Missverständnisse sichtbar und geklärt werden können.

Beispiel Mathe:

Ein Kind sagt:

„Der Umfang ist die Fläche innen.“

In der Sicherung kann das gemeinsam geklärt werden:

„Der Umfang ist der Rand einer Figur. Die Fläche ist das Innere.“

Ohne Sicherung bleibt so eine Fehlvorstellung vielleicht bestehen.

Häufige Fehler in der Sicherungsphase

Fehler 1: Die Lehrkraft fasst alles allein zusammen

Das passiert schnell, besonders wenn die Zeit knapp wird.

Die Lehrkraft sagt:

„Also, heute haben wir gelernt, dass …“

Und die Kinder hören zu. Vielleicht nicken sie. Vielleicht auch nicht. Aber sie rekonstruieren das Gelernte nicht selbst.

Das Problem: Die Kinder bleiben passiv. Die Sicherung findet eher im Kopf der Lehrkraft statt als im Kopf der Lernenden.

Besser wäre:

„Formuliere mit deinem Partnerkind einen Merksatz: Was hilft uns beim Vergleichen von Rechenwegen?“

Oder:

„Welche drei Wörter müssen unbedingt in unsere Sicherung?“

Fehler 2: „Wir schreiben das jetzt ins Heft“

Natürlich kann ein Hefteintrag sinnvoll sein. Aber Abschreiben allein ist noch keine tiefe Sicherung.

Wenn Kinder nur kopieren, verarbeiten sie den Inhalt oft wenig. Gerade jüngere Kinder sind dann mehr mit sauberem Schreiben beschäftigt als mit dem Verständnis.

Besser wäre:

  • erst mündlich ordnen

  • dann gemeinsam formulieren

  • dann abschreiben oder einkleben

  • danach kurz anwenden lassen

Also nicht:

Tafelbild abschreiben und fertig.

Sondern:

Erst verstehen, dann verdichten, dann festhalten.

Fehler 3: Sicherung als Restzeit

Eine der häufigsten Fallen: Die Sicherung wird geplant, aber nicht wirklich geschützt. Wenn die Arbeitsphase länger dauert, fällt sie hinten runter.

Im UB ist das besonders gefährlich. Denn gerade die Sicherung zeigt oft, ob der Lernzuwachs wirklich angekommen ist.

Mein Tipp: Plane die Sicherung nicht als „falls noch Zeit ist“. Plane sie als festen Lernschritt. Lieber die Arbeitsphase etwas kürzer halten als die Sicherung komplett verlieren.

Fehler 4: Unstrukturierte Sammlung

Manchmal werden am Ende einfach viele Beiträge gesammelt:

  • „Ich habe gelernt …“

  • „Mir ist aufgefallen …“

  • „Unser Ergebnis war …“

  • „Ich fand gut …“

Das ist nicht falsch. Aber wenn nichts geordnet wird, entsteht schnell eine Sammlung ohne Fokus.

Besser:

Wir sortieren eure Aussagen in drei Felder: Beobachtung – Erklärung – Merksatz.

Oder:

Welche Aussage gehört wirklich in unsere Erkenntnis? Welche war eher ein Beispiel?

Fehler 5: Die Sicherung passt nicht zum Lernziel

Die Sicherung sollte immer zum Lernziel passen. Wenn das Ziel war, eine Strategie zu begründen, reicht es nicht, nur Ergebnisse vorzulesen.

Beispiel:

Lernziel:

Die Lernenden vergleichen Rechenstrategien und begründen, welche Strategie geschickt ist.

Schwache Sicherung:

Mehrere Kinder lesen ihre Ergebnisse vor.

Stärkere Sicherung:

Die Klasse sammelt Kriterien für geschickte Rechenwege und formuliert einen Merksatz: Ein Rechenweg ist geschickt, wenn …

Was macht eine gute Sicherungsphase aus?

Eine gute Sicherungsphase ist für mich:

  • aktivierend

  • strukturierend

  • reduzierend

  • sprachlich präzise

  • gemeinsam erzeugt

  • abruforientiert

  • mit dem Lernziel verbunden

Das klingt erstmal viel, aber eigentlich steckt dahinter eine einfache Frage:

Was sollen die Kinder nach der Stunde klarer können, sagen oder anwenden als vorher?

Wenn die Sicherung genau darauf antwortet, ist sie meistens sinnvoll.

Drei universelle Formen der Sicherung

1. Gemeinsame Strukturierung

Bei der gemeinsamen Strukturierung sammeln die Lernenden Ergebnisse und die Klasse ordnet sie gemeinsam.

Das passt besonders gut, wenn in der Arbeitsphase viele verschiedene Ergebnisse entstanden sind.

Beispiel Deutsch:

Die Kinder haben Merkmale einer Fabel gefunden. In der Sicherung werden die Beiträge sortiert:

Beispiel aus dem TextMerkmal einer Fabel
Der Fuchs spricht.Tiere handeln wie Menschen.
Am Ende gibt es eine Lehre.Eine Fabel enthält eine Lehre.
Die Geschichte ist kurz.Fabeln sind meist kurz und zugespitzt.

So entsteht aus Einzelbeobachtungen eine Struktur.

2. Abruf-Sicherung

Bei der Abruf-Sicherung arbeiten die Kinder ohne Unterlagen. Sie rufen aus dem Gedächtnis ab, was wichtig war.

Das kann ganz kurz sein:

  • „Schließe dein Heft. Nenne deinem Partnerkind drei wichtige Begriffe.“

  • „Schreibe auf einen Zettel: Was war heute unsere wichtigste Erkenntnis?“

  • „Erkläre die Strategie ohne auf das Tafelbild zu schauen.“

  • „Welche drei Schritte brauchst du, um wörtliche Rede zu schreiben?“

Diese Form ist besonders lernwirksam, weil Kinder aktiv rekonstruieren müssen. Genau dieses Abrufen kann beim Behalten helfen. (PMC)

3. Transfer-Sicherung

Bei der Transfer-Sicherung wird das Gelernte direkt auf eine neue kleine Situation angewendet.

Beispiel Mathe:

Die Kinder haben eine Rechenstrategie verglichen. Am Ende bekommen sie eine neue Aufgabe:

Welche Strategie würdest du hier nutzen? Begründe kurz.

Beispiel Deutsch:

Die Kinder haben wörtliche Rede mit vorangestelltem Begleitsatz gelernt. Am Ende ergänzen sie einen neuen Satz:

Mila fragt: „…?“

Beispiel Sachunterricht:

Die Kinder haben eine Fahrzeugachse optimiert. Am Ende übertragen sie:

Was würdest du einer anderen Gruppe raten, wenn ihr Auto schief fährt?

Transfer zeigt, ob das Gelernte nicht nur im ursprünglichen Kontext funktioniert, sondern auch auf eine neue Situation übertragen werden kann.

Meine Mini-Routine: Abruf – Struktur – Verdichtung – Transfer

Eine Sicherung muss nicht kompliziert sein. Ich finde diese Mini-Routine für viele Stunden hilfreich:

1. Abruf

Die Kinder erinnern sich aktiv:

Was war heute wichtig?

Beispiele:

  • „Nenne deinem Partnerkind zwei Erkenntnisse.“

  • „Schreibe drei Fachwörter auf.“

  • „Zeige mit dem Daumen: Welche Strategie hast du genutzt?“

2. Struktur

Die Ergebnisse werden geordnet:

Was gehört zusammen? Was ist Beispiel, Regel oder Erklärung?

Beispiele:

  • Beiträge clustern

  • Karten sortieren

  • Tabelle füllen

  • Reihenfolge legen

  • Begriffe zuordnen

3. Verdichtung

Die Klasse formuliert die Kernaussage:

Was bleibt als Merksatz, Strategie oder Tipp?

Beispiele:

  • „Ein guter Zuhördetektiv …“

  • „Eine Inhaltsangabe ist …“

  • „Ein Fahrzeug fährt weiter, wenn …“

  • „Bei wörtlicher Rede achte ich auf …“

4. Transfer

Das Gelernte wird kurz angewendet:

Kann ich es in einer neuen Mini-Situation nutzen?

Beispiele:

  • neue Aufgabe lösen

  • Beispiel prüfen

  • Fehler finden

  • Tipp formulieren

  • Exit-Ticket ausfüllen

Diese Routine kann sehr kurz sein. Manchmal reichen fünf Minuten. Wichtig ist, dass die Kinder aktiv sind.

Konkrete Beispiele für Sicherungsphasen

Beispiel Deutsch: Wörtliche Rede

Lernziel:

Die Kinder setzen Satzzeichen bei der wörtlichen Rede mit vorangestelltem Begleitsatz.

Sicherung:

  • Kinder schließen ihre Merkkarte.

  • Partnerkind erklärt: Was brauchen wir bei wörtlicher Rede?

  • An der Tafel werden Satzbausteine sortiert:

    • Redebegleitsatz
    • Doppelpunkt
    • Redezeichen
    • wörtliche Rede

  • Redebegleitsatz

  • Doppelpunkt

  • Redezeichen

  • wörtliche Rede

  • Gemeinsam wird ein Merksatz formuliert:
    Der Begleitsatz sagt, wer spricht. Nach ihm steht ein Doppelpunkt. Die gesprochenen Wörter stehen in Redezeichen.

  • Transfer:
    Schreibe einen neuen Satz mit wörtlicher Rede.

Beispiel Mathe: Rechenstrategien

Lernziel:

Die Kinder vergleichen Rechenstrategien und begründen, welcher Weg geschickt ist.

Sicherung:

  • Zwei Rechenwege werden gezeigt.

  • Kinder markieren: Wo ist der Unterschied?

  • Gemeinsam werden Kriterien gesammelt:

    • schnell
    • sicher
    • wenige Schritte
    • passende Zerlegung

  • schnell

  • sicher

  • wenige Schritte

  • passende Zerlegung

  • Merksatz:
    Ein Rechenweg ist geschickt, wenn er zu den Zahlen passt und ich ihn sicher erklären kann.

  • Transfer:
    Welche Strategie würdest du bei 398 + 207 wählen? Warum?

Beispiel Sachunterricht: Fahrzeugbau

Lernziel:

Die Kinder optimieren ihr Fahrzeug und erkennen technische Zusammenhänge.

Sicherung:

  • Gruppen zeigen Vorher-Nachher-Ergebnis.

  • Die Klasse sammelt Ursachen und Wirkungen:

    • Achse gerade → Auto fährt gerader
    • Rad schleift weniger → Auto rollt weiter
    • Gewicht reduziert → Auto fährt leichter

  • Achse gerade → Auto fährt gerader

  • Rad schleift weniger → Auto rollt weiter

  • Gewicht reduziert → Auto fährt leichter

  • Merksatz:
    Die Bauweise beeinflusst, wie gut ein Fahrzeug fährt.

  • Transfer:
    Was würdest du einer Gruppe raten, deren Fahrzeug schief fährt?

Beispiel Kunst: Matisse und Scherenschnitt

Lernziel:

Die Kinder erproben Anordnungen und beschreiben Bildwirkungen.

Sicherung:

  • Zwei Kompositionen werden verglichen.

  • Kinder beschreiben:

    • ruhig
    • bewegt
    • auffällig
    • überlappt
    • kontrastreich

  • ruhig

  • bewegt

  • auffällig

  • überlappt

  • kontrastreich

  • Verdichtung:
    Die Wirkung eines Bildes verändert sich, wenn wir Formen verschieben, drehen oder überlagern.

  • Transfer:
    Nenne eine Veränderung, die dein Bild spannender gemacht hat.

Beispiel Deutsch: Inhaltsangabe

Lernziel:

Die Kinder unterscheiden wichtige und unwichtige Informationen.

Sicherung:

  • Kinder nennen markierte Stellen.

  • Die Klasse sortiert:

    • wichtig für das Verständnis
    • schönes Detail, aber nicht notwendig

  • wichtig für das Verständnis

  • schönes Detail, aber nicht notwendig

  • Merksatz:
    In eine Inhaltsangabe gehört nur das, was man zum Verstehen des Textes wirklich braucht.

  • Transfer:
    Streiche in einem neuen Satz ein unwichtiges Detail.

Sicherungsphase vs. Reflexionsphase

Sicherung und Reflexion hängen eng zusammen, sind aber nicht dasselbe.

Sicherung fragt:

Was haben wir fachlich gelernt?

Beispiele:

  • Welche Strategie funktioniert?

  • Welche Regel gilt?

  • Welche Erkenntnis bleibt?

  • Welche Begriffe brauchen wir?

Reflexion fragt:

Wie haben wir gelernt? Wie kann ich weiterarbeiten?

Beispiele:

  • Was hat mir geholfen?

  • Wo hatte ich Schwierigkeiten?

  • Welche Strategie nutze ich beim nächsten Mal?

  • Was würde ich anders machen?

In vielen Stunden kann beides verbunden werden.

Beispiel:

Sicherung:

Ein Hörauftrag hilft mir, wichtige Informationen zu finden.

Reflexion:

Mir hat beim Zuhören geholfen, dass ich auf Schlüsselwörter geachtet habe.

Gerade im Unterrichtsbesuch ist es hilfreich, diese beiden Ebenen bewusst zu unterscheiden. Sonst wird aus der Sicherung schnell nur ein „Wie fandest du die Stunde?“

Gute Reflexionsfragen

Reflexionsfragen sollten nicht zu allgemein sein. Die Frage „Wie fandest du die Stunde?“ führt oft zu Antworten wie „gut“, „schön“ oder „leicht“.

Besser sind Fragen, die auf Lernprozess oder Strategie zielen:

  • Was hat dir heute beim Lernen geholfen?

  • Welche Strategie möchtest du wieder nutzen?

  • Wo bist du unsicher geworden?

  • Was kannst du jetzt besser als vorher?

  • Welche Hilfe hast du genutzt?

  • Was würdest du einem anderen Kind als Tipp geben?

  • Welche Aufgabe war herausfordernd?

  • Was hat sich durch deine Verbesserung verändert?

  • Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

Solche Fragen machen Reflexion konkreter und lernbezogener.

Sicherung im Unterrichtsbesuch

Im Unterrichtsbesuch ist die Sicherung besonders wichtig, weil sie den Lernzuwachs sichtbar macht. Sie zeigt, ob die Stunde wirklich auf ein Ziel zugelaufen ist.

Eine gute UB-Sicherung sollte:

  • direkt zum Lernziel passen

  • nicht erst in den letzten 30 Sekunden passieren

  • Kinder aktiv einbeziehen

  • fachliche Sprache klären

  • Ergebnisse strukturieren

  • eine klare Kernaussage formulieren

  • möglichst einen kurzen Transfer enthalten

Wenn das Ziel überprüfbar formuliert ist, fällt die Sicherung leichter. Deshalb hängen Lernziel und Sicherung eng zusammen.

Beispiel:

Lernziel:

Die Lernenden vergleichen verschiedene Zahldarstellungen und begründen passende Zuordnungen.

Dann sollte die Sicherung nicht nur heißen:

„Welche Zahl war es?“

Sondern eher:

„Woran hast du erkannt, dass diese Darstellungen zusammengehören?“

Das ist fachlich viel stärker.

Kleine Sicherungsmethoden für die Grundschule

Exit-Ticket

Die Kinder schreiben oder malen am Ende eine kurze Antwort.

Beispiele:

  • Heute habe ich gelernt …

  • Ein Tipp für gutes Zuhören ist …

  • Bei wörtlicher Rede muss ich an … denken.

  • Eine wichtige Information ist …

  • Mein Fahrzeug fährt besser, weil …

Partner-Merksatz

Die Kinder formulieren zu zweit einen Merksatz. Danach wird einer ausgewählt oder gemeinsam verbessert.

Drei-Wörter-Sicherung

Die Kinder nennen drei Wörter, die zur Stunde passen. Danach wird daraus ein Satz gebildet.

Beispiel:

Achse – Reibung – Rollweite

Daraus wird:

Eine gerade Achse und weniger Reibung können die Rollweite verbessern.

Fehler finden

Die Kinder prüfen ein Beispiel mit Fehler.

Beispiel wörtliche Rede:

Lina ruft Komm her!

Die Kinder erklären, was fehlt und warum.

Sortier-Sicherung

Begriffe, Bilder oder Aussagen werden sortiert.

Beispiele:

  • wichtig / unwichtig

  • richtig / falsch

  • Beispiel / Regel

  • Anfang / Mitte / Ende

  • Beobachtung / Erklärung

Mini-Transfer

Die Kinder wenden die Erkenntnis auf eine neue kleine Aufgabe an.

Beispiel:

Welche Hilfe würdest du einem Kind geben, dessen Auto nicht gerade fährt?

Daumen mit Begründung

Nicht nur Daumen hoch oder runter, sondern:

Zeige deinen Daumen und begründe deinem Partnerkind, warum.

Satzstarter-Sicherung

Die Kinder vollenden einen Satz:

  • Ich habe erkannt, dass …

  • Wichtig ist …

  • Ich kann jetzt …

  • Mir hilft …

  • Beim nächsten Mal achte ich auf …

  • Die Regel lautet …

Typische Satzstarter für Sicherungsphasen

ZielSatzstarter
Erkenntnis sichern„Ich habe heute erkannt, dass …“
Strategie benennen„Mir hat geholfen, dass …“
Fachbegriff nutzen„Der Begriff … bedeutet …“
Regel formulieren„Die Regel lautet …“
Transfer herstellen„Das kann ich auch nutzen, wenn …“
Fehler klären„Der Fehler ist, dass …“
Begründung geben„Ich weiß das, weil …“
Reflexion anregen„Beim nächsten Mal achte ich auf …“

Satzstarter helfen besonders, wenn Kinder fachlich etwas verstanden haben, aber noch nicht wissen, wie sie es sprachlich ausdrücken können.

Typische Fehler bei Reflexionsphasen

Auch Reflexionsphasen können schnell oberflächlich werden.

Typische Fehler sind:

  • Es wird nur gefragt: „Wie fandet ihr die Stunde?“

  • Die Reflexion bezieht sich nicht auf das Lernziel.

  • Kinder bewerten nur Stimmung, nicht Lernen.

  • Es gibt keine sprachlichen Hilfen.

  • Reflexion findet nur statt, wenn noch Zeit ist.

  • Die Antworten werden nicht aufgegriffen.

  • Es bleibt bei „gut“, „leicht“ oder „schwer“.

Besser ist eine konkrete Lernreflexion:

Was kannst du jetzt besser als vorher?

Oder:

Welche Strategie hat dir geholfen, die Aufgabe zu lösen?

Meine kleine Checkliste für Sicherungsphasen

Wenn ich eine Sicherungsphase planen würde, würde ich mir diese Fragen stellen:

  • Passt die Sicherung direkt zum Lernziel?

  • Sind die Kinder aktiv beteiligt?

  • Wird das Ergebnis strukturiert?

  • Wird auf das Wichtigste reduziert?

  • Wird Fachsprache geklärt?

  • Gibt es eine klare Kernaussage?

  • Können die Kinder etwas selbst formulieren?

  • Wird ein Missverständnis aufgegriffen?

  • Gibt es einen kleinen Transfer?

  • Ist die Sicherung zeitlich wirklich eingeplant?

Wenn du viele dieser Fragen mit Ja beantworten kannst, ist deine Sicherung wahrscheinlich deutlich stärker als ein reines „Wir schreiben das jetzt ab“.

Mein Fazit

Sicherungs- und Reflexionsphasen sind mir in Unterrichtsbesuchen mit am schwersten gefallen. Vielleicht, weil sie so leicht unterschätzt werden. Man plant Einstieg und Arbeitsphase oft sehr ausführlich, aber am Ende muss aus allem plötzlich eine klare Erkenntnis werden.

Heute würde ich Sicherung viel bewusster planen.

Für mich ist eine gute Sicherung kein netter Abschluss, sondern eine aktive Speicherphase. Kinder sollen nicht nur hören, was wichtig war. Sie sollen es selbst abrufen, ordnen, formulieren und im besten Fall direkt anwenden.

Oder einfacher gesagt:

Lernende behalten nicht das, was gesagt wurde, sondern das, was sie selbst geordnet und formuliert haben.

Wenn eine Sicherungsphase das schafft, ist sie nicht unscheinbar. Dann ist sie einer der wichtigsten Momente der ganzen Stunde.

Eure Caro
Instagram – für das, was ich gern vor dem Ref gewusst hätte.

FAQ

Was ist eine Sicherungsphase im Unterricht?

Die Sicherungsphase ist die Phase, in der Ergebnisse, Strategien oder Erkenntnisse gesammelt, geordnet, verdichtet und festgehalten werden. Sie macht sichtbar, was aus der Stunde wirklich gelernt wurde.

Warum ist die Sicherungsphase wichtig?

Sie hilft, Wissen zu ordnen, Fehlvorstellungen zu klären, Fachsprache zu präzisieren und zentrale Erkenntnisse abrufbar zu machen. Ohne Sicherung bleiben oft viele Einzelteile unverbunden.

Was ist der Unterschied zwischen Sicherung und Reflexion?

Sicherung fragt: Was haben wir fachlich gelernt? Reflexion fragt: Wie haben wir gelernt und was hilft uns beim Weiterlernen?

Welche Sicherungsmethoden eignen sich für die Grundschule?

Geeignet sind Exit-Tickets, Partner-Merksätze, Sortieraufgaben, Fehler finden, Mini-Transfer, Drei-Wörter-Sicherung, Satzstarter oder kurze mündliche Abrufphasen.

Was ist ein häufiger Fehler in der Sicherungsphase?

Ein häufiger Fehler ist, dass die Lehrkraft alles allein zusammenfasst. Dann bleiben die Kinder passiv. Besser ist es, wenn Lernende selbst abrufen, ordnen und formulieren.

Wie lange sollte eine Sicherungsphase dauern?

Das hängt von der Stunde ab. Wichtig ist, dass sie bewusst eingeplant wird und nicht nur aus Restzeit besteht. Auch fünf Minuten können wirksam sein, wenn sie klar strukturiert sind.

Wie plane ich eine gute Sicherungsphase für einen Unterrichtsbesuch?

Die Sicherung sollte direkt zum Lernziel passen, Kinder aktiv einbeziehen, Ergebnisse strukturieren, Fachsprache klären und eine klare Kernaussage sichtbar machen.

Was ist eine einfache Routine für Sicherungsphasen?

Eine hilfreiche Routine ist: Abruf – Struktur – Verdichtung – Transfer. Die Kinder erinnern sich aktiv, ordnen Ergebnisse, formulieren eine Kernaussage und wenden sie kurz an.

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Sicherungsphase im Unterricht planen: Ideen, Beispiele, Methoden und Tipps für Grundschule, Referendariat und Unterrichtsbesuche.

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In diesem Artikel geht es um Sicherungsphasen und Reflexionsphasen im Unterricht. Der Artikel erklärt, warum Sicherung mehr ist als ein kurzer Abschluss, welche Fehler häufig passieren und wie eine gute Sicherung aktivierend, strukturierend, reduzierend und abruforientiert gestaltet werden kann. Mit Beispielen, Methoden, Satzstartern und der Mini-Routine Abruf – Struktur – Verdichtung – Transfer.

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