Unterrichtsentwurf Drucken: Unterrichtsreihe, UB-Stunde und Material

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Quick Facts: Drucken im Kunstunterricht

  • Drucken bedeutet, dass Farbe von einem Gegenstand, Stempel oder Druckstock auf einen Untergrund übertragen wird.

  • In der Grundschule können Kinder mit Alltagsmaterialien, Stempeln, Naturmaterialien, Moosgummi, Karton, Styreneplatten oder Polystyrolplatten unterschiedliche Druckverfahren erproben.

  • Eine passende UB-Stunde aus der Reihenplanung ist: „Weiße Linien, dunkle Flächen – Wir drucken Fantasietiere nach Albrecht Dürer.“

Allgemeines

Das Thema Drucken im Kunstunterricht liegt mir persönlich irgendwie besonders nah.

Ich habe selbst Kunst studiert und hatte im Referendariat auch einen Unterrichtsbesuch zum Thema Drucken.

Und ich sage es ganz ehrlich: Der lief damals nicht so gut, wie ich es mir gewünscht hätte.

Nicht, weil das Thema nicht geeignet war. Im Gegenteil.

Drucken ist eigentlich ein richtig schönes Thema für den Kunstunterricht in der Grundschule.

Aber ich war damals einfach zu unorganisiert.

Und genau das ist beim Drucken ein riesiger Punkt.

Denn Drucken ist nicht nur „Farbe auf irgendwas und los“.

Drucken braucht Struktur.

Es braucht vorbereitete Stationen.
Es braucht klare Materialwege.
Es braucht Trockenplätze.
Es braucht Regeln für Farbe, Walzen und Papier.
Es braucht Zeit für den ersten Druck, aber auch Zeit für Reflexion und Überarbeitung.
Und es braucht eine gute Balance zwischen Experimentieren und bewusstem Gestalten.

Wenn diese Organisation fehlt, kann eine Druckstunde sehr schnell chaotisch werden.

Trotzdem finde ich das Thema unglaublich wertvoll.

Denn beim Drucken erleben Kinder etwas, das beim Zeichnen so nicht passiert:

Ein Motiv kann mehrfach entstehen.
Ein Abdruck ist nie ganz identisch.
Zufälle können spannend sein.
Fehler können zu neuen Ideen führen.
Linien, Strukturen und Flächen wirken plötzlich ganz anders.
Und ein erster Druck ist nicht automatisch das fertige Produkt, sondern kann Ausgangspunkt für eine Verbesserung sein.

Gerade das finde ich für Kinder total wichtig.

Im Kunstunterricht geht es nicht nur darum, am Ende ein „schönes Bild“ zu haben.

Es geht darum, wahrzunehmen, zu erproben, Entscheidungen zu treffen, Ergebnisse zu vergleichen und den eigenen Gestaltungsprozess weiterzuentwickeln.

Für diese Reihe habe ich deshalb bewusst einen Aufbau gewählt, der vom freien Experimentieren mit Spuren und Stempeln immer gezielter zum eigenen Druckstock führt.

Die Kinder starten mit Alltagsmaterialien.
Sie sammeln Spuren.
Sie ordnen Abdrücke.
Sie gestalten Muster.
Sie verstehen das Hochdruckprinzip.
Sie betrachten Albrecht Dürers „Rhinozeros“.
Sie entwickeln ein eigenes Fantasietier.
Und sie drucken dieses im Weißliniendruck.

Für mich ist der wichtigste Gedanke:

Drucken ist nicht nur Technik. Drucken ist ein Zusammenspiel aus Material, Zufall, Planung und Reflexion.

Wenn du dich für weitere Kunst- und Gestaltungsthemen interessierst, passen dazu auch meine Artikel zum Unterrichtsentwurf Matisse Scherenschnitt, zum Unterrichtsentwurf Kandinsky Jahreszeitenbaum, zur Themensammlung Unterrichtsbesuche Kunst Klasse 1 bis 4 und zur Lehrprobenstunde Kunst Gefühlsfische.

Was das Thema fachlich ist

Beim Drucken wird Farbe von einer Form auf einen Untergrund übertragen.

Diese Form kann sehr einfach sein.

Zum Beispiel:

  • Hand,

  • Finger,

  • Schwamm,

  • Korken,

  • Blatt,

  • Kartoffel,

  • Moosgummistempel,

  • Karton,

  • Schnur,

  • Druckstock.

Im Unterschied zum Zeichnen entsteht das Bild nicht direkt durch den Stift auf dem Papier, sondern über einen Zwischenträger.

Das kann ein Gegenstand, ein Stempel oder ein selbst hergestellter Druckstock sein.

Ein Druckprozess besteht meist aus mehreren Schritten:

  • Motiv oder Idee entwickeln.

  • Druckstock oder Stempel herstellen.

  • Farbe auftragen.

  • Papier auflegen oder Stempel abdrucken.

  • Druck abziehen.

  • Ergebnis prüfen.

  • Druckstock oder Vorgehen verändern.

  • erneut drucken.

Gerade dieser letzte Schritt ist wichtig.

Ein erster Druck ist nicht immer perfekt.

Manchmal ist zu viel Farbe auf dem Druckstock.
Manchmal ist zu wenig Farbe aufgetragen.
Manchmal verrutscht das Papier.
Manchmal sind Linien zu fein.
Manchmal werden Strukturen nicht deutlich.

Das ist aber nicht automatisch schlecht.

Im Gegenteil: Druckprozesse leben davon, dass Ergebnisse geprüft und weiterentwickelt werden.

Für die Grundschule eignen sich besonders einfache Hochdruckverfahren.

Beim Hochdruck werden die erhöhten Bereiche eingefärbt und gedruckt. Die vertieften Bereiche bleiben frei oder nehmen weniger Farbe an.

Das bedeutet:

Was oben liegt, druckt. Was eingedrückt oder vertieft ist, bleibt hell.

Dieses Prinzip wird auch im Betzold-Beitrag zum Hochdruck im Kunstunterricht erklärt: Betzold – Hochdruck im Kunstunterricht.

Für die geplante Unterrichtsreihe eignet sich besonders der Weißliniendruck.

Dabei drücken die Kinder Linien in eine weiche Platte, zum Beispiel Styrene- oder Polystyrolplatte. Diese Linien nehmen beim Einfärben keine oder weniger Farbe auf und erscheinen im Druck hell.

Das passt besonders gut für Fantasietiere, weil Linien, Muster und Strukturen sichtbar werden können.

Als Künstlerbezug eignet sich Albrecht Dürers „Rhinozeros“ von 1515.

Das Werk ist ein Holzschnitt. Das Tier ist durch auffällige Konturen, Schuppen, Platten, Punkte, Linien und ornamentale Strukturen gestaltet. Dürer hatte das Tier vermutlich nicht selbst gesehen, sondern arbeitete nach Beschreibungen und Vorlagen. Genau dadurch eignet sich das Werk wunderbar als Impuls für eigene Fantasietiere. Die Kinder müssen kein Tier naturgetreu kopieren, sondern können Strukturen beobachten, kombinieren und neu erfinden. National Gallery of Art – Albrecht Dürer, The Rhinoceros

Weitere hilfreiche Ideen und Materialien zum Drucken in der Grundschule findest du zum Beispiel beim Friedrich Verlag, bei Montessori-Ideen, bei Netzwerk Lernen und beim Auer Verlag.

UB-Reihenplanung: Stempeln und Drucken

Thema der Reihe

Spuren, Stempel und Druckstöcke – Wir entdecken die vielfältige Welt des Druckens.

Kindgerechte Themenformulierung

Wir werden Druckkünstler – Wie kommt das Bild vom Druckstock auf das Papier?

Kernanliegen der Reihe

Die Lernenden erweitern ihre bildnerischen Ausdrucks- und Reflexionsfähigkeiten, indem sie unterschiedliche Materialien und Druckverfahren experimentell untersuchen, eigene Stempel und Druckstöcke entwickeln, deren Abdrücke gezielt anordnen und die Wirkung von Linie, Struktur, Farbe und Wiederholung reflektieren, um individuelle druckgrafische Bildideen zu planen und zu realisieren.

Aufbau der Reihe

Thema der EinheitZiel/Kernanliegen der Einheit
1. Auf Spurensuche – Was kann alles drucken?Die Lernenden entdecken grafische Spuren und Strukturen, indem sie Hände, Gegenstände und Naturmaterialien als Druckwerkzeuge erproben und ihre Abdrücke sammeln, um die Vielfalt druckgrafischer Erscheinungsformen wahrzunehmen.
2. Unsere Materialdruck-Werkstatt – Welche Spuren hinterlassen Gegenstände?Die Lernenden untersuchen Zusammenhänge zwischen Materialbeschaffenheit und Abdruck, indem sie ausgewählte Alltags- und Naturmaterialien systematisch drucken, vergleichen und ordnen, um geeignete Materialien für eigene Gestaltungen auszuwählen.
3. Aus Abdrücken werden Muster – Wie können wir Spuren anordnen?Die Lernenden gestalten rhythmische Muster, indem sie Stempelabdrücke wiederholen, drehen, spiegeln, überlagern und in ihrer Größe oder Farbe variieren, um Ordnungsprinzipien gezielt für eine Bildwirkung einzusetzen.
4. Was druckt beim Hochdruck? – Wir erforschen das Prinzip des DruckstocksDie Lernenden erschließen das Hochdruckverfahren, indem sie erhabene und vertiefte Bereiche einfacher Druckstöcke untersuchen und deren Abdrücke vergleichen, um den Zusammenhang zwischen Druckstock und Druckergebnis zu erklären.
5. Albrecht Dürers geheimnisvolles Rhinozeros – Wie können Linien ein Tier gestalten?Die Lernenden untersuchen Dürers Holzschnitt, indem sie Konturen, Muster, Linien und Fantasieelemente beschreiben und deren Wirkung deuten, um Gestaltungsideen für ein eigenes Fantasietier zu entwickeln.
6. Vom Entwurf zum Druckstock – Wir erfinden FantasietiereDie Lernenden übertragen eine eigene Bildidee in einen Druckstock, indem sie ein Fantasietier aus einfachen Umrissformen und unterschiedlichen Oberflächenstrukturen entwerfen und in eine Styrene- oder Polystyrolplatte einarbeiten, um einen druckfähigen Weißliniendruckstock herzustellen.
7. Weiße Linien, dunkle Flächen – Unsere Fantasietiere im WeißliniendruckDie Lernenden vertiefen ihr Verständnis des Hochdrucks, indem sie ihre Druckstöcke gleichmäßig einfärben, Abzüge herstellen, die entstandenen hellen und dunklen Bereiche untersuchen und den Druckprozess gezielt optimieren, um ein technisch und gestalterisch wirkungsvolles Fantasietier zu realisieren.
8. Ein Druckstock – viele WirkungenDie Lernenden erkunden die Veränderbarkeit eines Druckmotivs, indem sie Farbe, Papier, Ausrichtung, Wiederholung und Überlagerung variieren und ihre Drucke zu einer Ausstellung zusammenstellen, um unterschiedliche Bildwirkungen zu vergleichen und zu beurteilen.

Die UB-Stunde ist in dieser Planung bewusst Einheit 7.

Die Kinder haben vorher bereits mit Spuren experimentiert, das Hochdruckprinzip kennengelernt, Dürers „Rhinozeros“ betrachtet und ihren eigenen Druckstock hergestellt. In der UB-Stunde geht es deshalb nicht mehr nur um „wir drucken jetzt“, sondern um die Frage:

Wie gelingt ein deutlicher Weißliniendruck?

Vertiefung der einzelnen Einheiten

Einheit 1: Auf Spurensuche

Die Reihe startet mit einem offenen Zugang.

Die Lehrkraft zeigt verschiedene geheimnisvolle Abdrücke.

Die Kinder vermuten:

  • Womit könnte dieser Abdruck entstanden sein?

  • Welche Form hatte der Gegenstand?

  • Wurde mit einer Fläche, Kante oder Spitze gedruckt?

  • Wurde viel oder wenig Farbe verwendet?

  • Ist der Abdruck deutlich oder verschwommen?

Anschließend experimentieren die Kinder selbst.

Geeignete Materialien:

  • Finger,

  • Handflächen,

  • Schwämme,

  • Korken,

  • Bausteine,

  • Wellpappe,

  • Luftpolsterfolie,

  • Blätter,

  • Schnüre,

  • Kartonkanten,

  • Verpackungsmaterialien.

Die Ergebnisse werden in einem großen Spurenarchiv gesammelt.

Mögliche Forscherfragen:

  • Was kann alles als Stempel verwendet werden?

  • Welche Form besitzt der Gegenstand und wie sieht sein Abdruck aus?

  • Kann ein Gegenstand unterschiedliche Spuren hinterlassen?

Der Schwerpunkt dieser Einheit liegt auf Wahrnehmung und Erprobung.

Die Kinder sollen zunächst staunen und entdecken:

Fast alles kann eine Spur hinterlassen.

Einheit 2: Unsere Materialdruck-Werkstatt

In der zweiten Einheit wird die freie Erprobung systematischer.

Die Kinder untersuchen ausgewählte Materialien genauer.

Ein Gegenstand wird mehrfach gedruckt.

Zum Beispiel:

  • mit wenig Farbe,

  • mit viel Farbe,

  • mit leichtem Druck,

  • mit starkem Druck,

  • mit der Fläche,

  • mit der Kante,

  • auf glattem Papier,

  • auf strukturiertem Papier.

Danach werden die Ergebnisse verglichen.

Mögliche Ordnungskriterien:

  • fein oder grob,

  • regelmäßig oder unregelmäßig,

  • flächig oder linienartig,

  • deutlich oder verschwommen,

  • hell oder kräftig,

  • ruhig oder bewegt.

Mögliche Forscherfrage:

Wovon hängt es ab, wie ein Abdruck aussieht?

Diese Einheit ist wichtig, weil Kinder lernen:

Der Abdruck hängt nicht nur vom Gegenstand ab, sondern auch davon, wie ich ihn benutze.

Die Stationsform passt gut zur Montessori-Druckwerkstatt, die unter anderem Holzklötzchen-, Papp-, Schnur-, Schwamm- und Naturmaterialdruck aufgreift.

Einheit 3: Aus Abdrücken werden Muster

Nun werden aus einzelnen Spuren bewusst gestaltete Bilder.

Die Kinder wählen einen oder zwei Stempel aus und erproben verschiedene Anordnungen.

Zum Beispiel:

  • Reihen,

  • Muster,

  • Wechsel,

  • Drehungen,

  • Spiegelungen,

  • Kreise,

  • Überlagerungen,

  • Verdichtungen,

  • freie Streuungen.

Mögliches Gestaltungsprodukt:

Ein Stoffmuster für ein Fantasiekostüm

Oder:

Ein Tapetenmuster für ein Fantasiezimmer

Oder:

Ein Musterpapier für eine Schatzkiste

Mögliche Forscherfrage:

Wie verändert sich ein Abdruck, wenn wir ihn wiederholen und unterschiedlich anordnen?

Die Kinder merken:

Ein einzelner Abdruck kann schlicht wirken.
Viele Abdrücke können Rhythmus erzeugen.
Gedrehte Abdrücke wirken bewegter.
Überlagerungen können Tiefe erzeugen.
Wiederholung kann Ordnung schaffen.

So wird Stempeln nicht dekorativ-beliebig, sondern gestalterisch bewusst.

Einheit 4: Was druckt beim Hochdruck?

In dieser Einheit wird das Hochdruckprinzip eingeführt.

Die Kinder untersuchen einen einfachen Druckstock oder Stempel.

Mögliche Fragen:

  • Welche Stellen sind erhöht?

  • Welche Stellen sind vertieft?

  • Wo bleibt Farbe hängen?

  • Welche Stellen erscheinen auf dem Papier?

  • Warum bleiben andere Stellen hell?

  • Was passiert, wenn zu viel Farbe aufgetragen wird?

Anschließend können die Kinder kleine Moosgummi- oder Kartondruckstöcke herstellen.

Zum Beispiel:

  • einfache Formen,

  • geometrische Zeichen,

  • Initialen,

  • kleine Symbole,

  • Blätter,

  • Tiere,

  • Muster.

Mögliche Forscherfrage:

Warum werden manche Stellen gedruckt und andere nicht?

Zentrale Erkenntnis:

Beim Hochdruck nehmen die erhöhten Stellen Farbe an und werden gedruckt. Vertiefte Stellen bleiben frei.

Diese Erkenntnis ist die Grundlage für den späteren Weißliniendruck.

Einheit 5: Albrecht Dürers geheimnisvolles Rhinozeros

In dieser Einheit steht die Bildbetrachtung im Mittelpunkt.

Das Werk „Das Rhinozeros“ von Albrecht Dürer wird zunächst ohne Titel und Künstlernamen gezeigt.

Die Kinder beschreiben, was sie sehen.

Mögliche Bildbetrachtungsfragen:

  • Was entdeckt ihr zuerst?

  • Was für ein Tier könnte das sein?

  • Welche Linien erkennt ihr?

  • Welche Muster seht ihr?

  • Welche Körperteile wirken wirklichkeitsnah?

  • Welche Teile sehen erfunden aus?

  • Wie wirkt die Haut des Tieres?

  • Welche Strukturen könnten wir für eigene Tiere nutzen?

Die Kinder sammeln grafische Strukturen.

Zum Beispiel:

  • Punkte,

  • Schuppen,

  • Wellenlinien,

  • Zickzacklinien,

  • Kreise,

  • Platten,

  • Netze,

  • Spiralen,

  • Streifen,

  • kleine Haken,

  • Panzerformen.

Mögliche Forscherfrage:

Wie lässt Albrecht Dürer sein Tier durch Linien und Muster besonders wirken?

Wichtig ist: Dürers Werk dient nicht als Kopiervorlage.

Die Kinder sollen nicht „ein Nashorn nachmalen“.

Sie sollen Strukturen untersuchen und daraus Ideen für eigene Fantasietiere entwickeln.

Einheit 6: Vom Entwurf zum Druckstock

Jetzt entwickeln die Kinder ihr eigenes Fantasietier.

Sie können zwei oder drei Tiere miteinander kombinieren.

Beispiele:

  • Kopf eines Vogels,

  • Körper eines Nashorns,

  • Beine eines Insekts,

  • Schwanz eines Fisches,

  • Flügel eines Drachen,

  • Ohren eines Hasen,

  • Panzer einer Schildkröte,

  • Rücken eines Igels.

Zunächst entsteht eine einfache Vorzeichnung.

Wichtig ist:

  • klare Außenkontur,

  • ausreichend große Flächen,

  • deutliche Linien,

  • nicht zu viele kleine Details,

  • abwechslungsreiche Strukturen,

  • Linien nicht zu fein,

  • Formen nicht zu kleinteilig.

Danach wird der Entwurf auf eine weiche Druckplatte übertragen.

Für die Grundschule eignen sich Styrene- oder Polystyrolplatten besser als klassische Linolplatten, weil sie mit stumpfen Werkzeugen bearbeitet werden können.

Die Kinder drücken Linien mit einem stumpfen Holzwerkzeug ein.

Mögliche Forscherfrage:

Welche Linien müssen wir in den Druckstock eindrücken, damit sie später hell erscheinen?

Diese Einheit ist die technische Vorbereitung der UB-Stunde.

Einheit 7: Weiße Linien, dunkle Flächen

Diese Einheit ist die mögliche UB-Stunde.

Die Kinder nutzen ihren eigenen Druckstock und stellen erste Abzüge her.

Sie untersuchen:

  • Sind die Außenkonturen erkennbar?

  • Sind die eingedrückten Linien hell geblieben?

  • Ist die Farbe gleichmäßig verteilt?

  • Sind interessante Strukturen sichtbar?

  • Ist zu viel oder zu wenig Farbe aufgetragen?

  • Hat sich das Papier verschoben?

  • Was kann beim zweiten Druck verbessert werden?

Mögliche Forscherfrage:

Wie entsteht ein deutlicher Weißliniendruck mit hellen Linien und dunklen Flächen?

Wichtig ist hier: Der erste Druck ist nicht das Endprodukt.

Er hat eine diagnostische Funktion.

Die Kinder prüfen ihren ersten Abzug und verändern anschließend gezielt etwas.

Zum Beispiel:

  • weniger Farbe nehmen,

  • mehr Farbe nehmen,

  • gleichmäßiger walzen,

  • stärker reiben,

  • Papier ruhiger auflegen,

  • Linien nacharbeiten,

  • größere Flächen besser einfärben.

So wird der Lernzuwachs sichtbar.

Einheit 8: Ein Druckstock – viele Wirkungen

Zum Abschluss entdecken die Kinder, dass ein Druckstock viele verschiedene Wirkungen erzeugen kann.

Sie drucken ihr Motiv auf unterschiedliche Weise.

Zum Beispiel:

  • helle Farbe auf dunklem Papier,

  • dunkle Farbe auf hellem Papier,

  • warme Farben,

  • kalte Farben,

  • Motiv mehrfach nebeneinander,

  • Motiv überlagert,

  • Motiv gespiegelt,

  • Motiv teilweise angeschnitten,

  • Druckserie,

  • gemeinsames Fantasietier-Gehege.

Danach entsteht eine kleine Ausstellung.

Mögliche Forscherfrage:

Wie verändert sich die Wirkung eines Motivs durch Farbe, Papier und Anordnung?

Die Kinder vergleichen ihre Ergebnisse nicht nur nach „schön“ oder „nicht schön“.

Sie sprechen über:

  • Kontrast,

  • Linienwirkung,

  • Struktur,

  • Farbwirkung,

  • Wiederholung,

  • Ausdruck,

  • Bildwirkung.

UB-Stunde: Weiße Linien, dunkle Flächen

Thema der Stunde

Weiße Linien, dunkle Flächen – Wir drucken Fantasietiere nach Albrecht Dürer.

Kindgerechte Forscherfrage

Wie gelingt uns ein deutlicher Druck, bei dem die Linien hell und die Flächen dunkel erscheinen?

Ziel der Stunde

Die Lernenden erweitern ihre druckgrafischen Gestaltungs- und Reflexionsfähigkeiten, indem sie einen selbst hergestellten Weißlinien-Druckstock gleichmäßig einfärben, einen ersten Abzug hinsichtlich Farbauftrag, Linienwirkung und Druckqualität untersuchen und ihr technisches Vorgehen für einen zweiten Abzug gezielt verändern, um ein kontrastreiches und deutlich strukturiertes Fantasietier zu gestalten.

Warum diese Stunde gut passt

Diese Stunde passt besonders gut für einen Unterrichtsbesuch, weil sie rezeptive, produktive und reflexive Prozesse miteinander verbindet.

Die Kinder haben vorher Dürers „Rhinozeros“ betrachtet und Strukturen gesammelt.

Sie haben ein eigenes Fantasietier entworfen.

Sie haben einen Druckstock hergestellt.

In der UB-Stunde geht es nun darum, den Druckprozess bewusst anzuwenden und zu verbessern.

Der besondere Vorteil:

Der Lernzuwachs ist sichtbar.

Die Kinder haben einen ersten Abzug und einen zweiten Abzug.

Sie können vergleichen:

  • Was hat sich verändert?

  • Was wurde deutlicher?

  • Wo sind die Linien besser sichtbar?

  • Wie wirkt die Farbe?

  • Was habe ich beim zweiten Druck anders gemacht?

So wird Kunstunterricht nicht nur produktorientiert, sondern prozessorientiert.

Das ist für eine UB-Stunde sehr dankbar.

Außerdem ist die Stunde fachlich klar.

Es geht nicht nur darum, ein Fantasietier zu drucken.

Es geht um das Verständnis:

Beim Weißliniendruck bleiben eingedrückte Linien hell, während die erhöhten Flächen Farbe auf das Papier übertragen.

Verlauf der Stunde

PhaseInhaltSozialform / MethodeZiel
EinstiegZwei Abzüge desselben Druckstocks werden gezeigt: einer fleckig und undeutlich, einer kontrastreich und gut erkennbar. Die Kinder vergleichen die Ergebnisse.Plenum / BildimpulsQualitätsunterschiede wahrnehmen und Problem entwickeln.
AktivierungDie Kinder erinnern sich an das Hochdruckprinzip und markieren an einem vergrößerten Druckstock erhöhte und vertiefte Bereiche.Plenum / ModellFachliches Vorwissen aktivieren.
ForscherfrageGemeinsam wird gefragt: „Wie gelingt uns ein deutlicher Druck, bei dem die Linien hell und die Flächen dunkel erscheinen?“UnterrichtsgesprächGestaltungsproblem und Lernziel klären.
VermutungenDie Kinder sammeln Bedingungen: gleichmäßige Farbe, nicht zu viel Farbe, ausreichend Druck, Papier nicht verschieben.Think-Pair-ShareKriterien für einen gelungenen Druck entwickeln.
Kurze DemonstrationFarbauftrag und Druckvorgang werden knapp modelliert: Farbe auswalzen, Druckstock einfärben, Papier auflegen, reiben, abziehen.Plenum / Demonstrationsachgerechten Umgang mit Material sichern.
Erarbeitung IDie Kinder färben ihren Druckstock ein und stellen einen ersten Abzug her.Einzelarbeit an DruckstationenDruckverfahren selbstständig anwenden.
DruckdiagnoseDie Kinder betrachten ihren Abzug mit einem Partnerkind und nutzen einen kurzen Druckcheck.Partnerarbeit / ästhetisches GesprächErgebnis kriteriengeleitet untersuchen.
ÜberarbeitungDie Kinder verändern einen ausgewählten Aspekt und stellen einen zweiten Abzug her.Einzelarbeittechnisches Vorgehen gezielt optimieren.
GalerieErster und zweiter Abzug werden nebeneinander ausgelegt. Die Kinder suchen erkennbare Verbesserungen und unterschiedliche Wirkungen.MuseumsrundgangLernwege und individuelle Lösungen wahrnehmen.
SicherungAn ausgewählten Werken werden Bedingungen für einen gelungenen Weißliniendruck festgehalten.Plenum / WerkgesprächErkenntnisse aus eigenen Arbeiten ableiten.
ReflexionExit-Ticket: „Bei meinem zweiten Druck habe ich … verändert. Dadurch …“Einzelarbeitindividuellen Lernzuwachs verbalisieren.

Direkt nach dem Verlauf kann folgender Merksatz gesichert werden:

Beim Hochdruck werden die erhöhten Flächen gedruckt. Eingedrückte Linien bleiben hell. Ein gleichmäßiger Farbauftrag und ruhiger Druck machen den Abdruck deutlicher.

Möglicher Druckcheck

Für die Diagnose nach dem ersten Druck kann ein kurzer Druckcheck helfen:

  • Sind die Außenkonturen gut erkennbar?

  • Sind die eingedrückten Linien hell geblieben?

  • Ist die Farbe gleichmäßig verteilt?

  • Sind interessante Strukturen sichtbar?

  • Gibt es Stellen mit zu viel Farbe?

  • Gibt es Stellen mit zu wenig Farbe?

  • Ist das Papier verrutscht?

  • Was möchte ich beim zweiten Druck verändern?

Ein möglicher Reflexionssatz:

Bei meinem zweiten Druck verändere ich …, damit …

Anforderungsbereiche

AB I – Reproduzieren: Die Lernenden benennen Stempel, Druckstock, Druckfarbe, Walze und Abzug, führen vorgegebene Arbeitsschritte aus, unterscheiden erhöhte und vertiefte Bereiche und beschreiben sichtbare Linien, Flächen und Strukturen.

AB II – Zusammenhänge herstellen: Die Lernenden erklären Zusammenhänge zwischen Druckstock und Abdruck, vergleichen einen ersten und zweiten Abzug, nutzen Wiederholung, Linie und Struktur bewusst und verändern ihr Vorgehen zielgerichtet.

AB III – Reflektieren und beurteilen: Die Lernenden beurteilen Druckergebnisse anhand von Kriterien, begründen gestalterische Entscheidungen, reflektieren die Wirkung von Farbe, Kontrast und Anordnung und übertragen Erkenntnisse auf eine neue Druckaufgabe.

Einstiegsidee

Eine schöne Einstiegsidee für die Reihe ist das geheimnisvolle Spurenlabor.

Auf mehreren Karten befinden sich unterschiedliche Druckspuren.

Daneben liegen mögliche Druckwerkzeuge:

  • Schwamm,

  • Blatt,

  • Baustein,

  • Korken,

  • Wellpappe,

  • Gabel,

  • Schnur,

  • Luftpolsterfolie.

Die Kinder ordnen:

Welche Spur könnte zu welchem Gegenstand gehören?

Einige Abdrücke können bewusst irritierend sein.

Zum Beispiel wurde ein Gegenstand nicht mit seiner Fläche, sondern mit seiner Kante gedruckt.

So merken die Kinder:

Ein Gegenstand kann unterschiedliche Spuren hinterlassen.

Daraus entsteht die Forscherfrage:

Welche Spuren können Gegenstände hinterlassen und wie können wir daraus Bilder gestalten?

Diese Idee eignet sich besonders gut, weil Kinder sofort ins Vermuten, Beschreiben und Vergleichen kommen.

Differenzierung

Unterstützend

  • kleine Auswahl geeigneter Druckmaterialien

  • klar eingerichtete Druckstationen

  • bebilderte Schrittfolge

  • vorgegebene einfache Tierumrisse

  • größere Druckplatten

  • reduzierte Anzahl an Innenstrukturen

  • stumpfe Holzstifte statt Schneidewerkzeuge

  • bereits zugeschnittenes Papier

  • begrenzte Farbauswahl

  • Partnerunterstützung beim Farbauftrag

  • Druckrahmen oder Passmarkierungen

  • Kriterien mit Symbolen

  • nur ein Überarbeitungsaspekt für den zweiten Druck

  • Trockenplatz mit Namensschild

  • feste Gruppenrollen

Mögliche Satzstarter:

  • „Meine Linien sind …“

  • „Beim zweiten Druck verändere ich …“

  • „Die erhöhten Stellen …“

  • „Die eingedrückten Linien …“

  • „Mein erster Druck war …“

  • „Ich möchte verbessern, dass …“

Erweiternd

  • komplexere Fantasietiere entwickeln

  • unterschiedliche Linienstärken verwenden

  • Positiv- und Negativformen bewusst gestalten

  • mehrere Druckplatten kombinieren

  • einen zweifarbigen Druck planen

  • mit Überlagerungen experimentieren

  • Schrift oder Initialen spiegelverkehrt integrieren

  • unterschiedliche Papiere vergleichen

  • eigenen Druckcheck entwickeln

  • Ergebnisse nach technischer Qualität und Ausdruck unterscheiden

  • Druckstock gezielt für eine Serie gestalten

  • Farbstimmungen planen und begründen

Die Differenzierung funktioniert besonders gut über Motivkomplexität, Plattengröße, Anzahl der Strukturen, Farbauswahl und Reflexionstiefe.

Ideen für Klasse 1 bis 4

KlassenstufeMögliche Umsetzung
Klasse 1Körper-, Finger-, Schwamm- und Bausteindruck. Aus einfachen Abdrücken entstehen Tiere, Blumen oder Burgen. Schwerpunkt: Spuren entdecken und erste Muster erzeugen.
Klasse 2Stempel aus Moosgummi oder einfachen Formen herstellen. Blumensträuße, Gesichter, Stillleben oder Stoffmuster drucken.
Klasse 3Schablonen-, Karton- oder Materialdruck kombinieren. Muster planen, Monotypien herstellen und Drucke zeichnerisch weiterentwickeln.
Klasse 4Hochdruckprinzip vertiefen, Druckstöcke aus Styreneplatten entwickeln, Positiv- und Negativformen untersuchen und künstlerbezogene Druckserien gestalten. Besonders geeignet: Fantasietiere nach Albrecht Dürer.

Der Auer Verlag bietet ebenfalls Druckideen für verschiedene Klassenstufen an. Bei Netzwerk Lernen wird unter anderem ein Weißliniendruck mit Fantasietieren nach Albrecht Dürer für Klasse 4 genannt.

Materialideen

MaterialEinsatzmöglichkeit
Finger- und Stempelfarbeerste Körper- und Materialdruckversuche
Schwämmeflächige und strukturierte Abdrücke
Korken und Holzklötzeregelmäßige geometrische Muster
Karton und WellpappeKanten-, Flächen- und Kartondruck
Blätter und GräserNaturmaterialdruck
Schnüre und Wollrestelineare Druckstöcke und abstrakte Strukturen
Moosgummieinfache selbst hergestellte Stempel
Styrene- oder Polystyrolplattensicherer Weißlinien- beziehungsweise Hochdruck
stumpfe HolzstifteLinien und Muster in weiche Platten eindrücken
Farbwalzendünner, gleichmäßiger Farbauftrag
FarbtablettsAuswalzen der Druckfarbe
wasserlösliche Druckfarbedeutliche und langsam trocknende Abzüge
verschiedene PapiereWirkung von Farbe und Untergrund vergleichen
PassrahmenPapier beim Drucken positionieren
Wäscheleine oder TrockenständerAbzüge trocknen und präsentieren
DrucktagebuchVersuche, Veränderungen und Erkenntnisse dokumentieren
Reproduktion von Dürers „Rhinozeros“Künstlerbetrachtung und Strukturensammlung
Tablet oder DokumentenkameraWerkdetails vergrößern und Arbeitsprozesse dokumentieren
Druckcheck-Kartenersten und zweiten Abzug vergleichen
Schürzen oder alte HemdenKleidung schützen
TischschutzArbeitsplätze vorbereiten
NamenskartenTrockenplatz organisieren
ReinigungstücherStationen sauber halten

Eduki-Material ergänze ich an dieser Stelle nachträglich, sobald du es fertiggestellt hast.

Organisationstipps für Druckstunden

Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich diesen Punkt wirklich nicht unterschätzen.

Drucken kann wunderschön sein, aber organisatorisch schnell wild werden.

Hilfreich sind:

  • feste Druckstationen,

  • feste Farbstationen,

  • feste Trockenstationen,

  • feste Reinigungsstationen,

  • klare Wege im Klassenraum,

  • kleine Gruppen,

  • wenig Farbe auf einmal,

  • vorbereitete Papierstapel,

  • Namenskarten für die Trockenfläche,

  • Rollen in der Gruppe,

  • kurze Demonstration statt langer Erklärung,

  • Material nur schrittweise ausgeben,

  • klare Stoppregel,

  • ausreichend Zeit zum Aufräumen.

Mögliche Gruppenrollen:

  • Farbmeisterin oder Farbmeister,

  • Papierdienst,

  • Druckmeisterin oder Druckmeister,

  • Reinigungsdienst,

  • Materialdienst.

Ein möglicher Klassensatz:

Wir drucken langsam, sauber und mit wenig Farbe. Der erste Druck ist ein Versuch, der zweite Druck zeigt, was wir gelernt haben.

Typische Schwierigkeiten

Beim Drucken können verschiedene Schwierigkeiten auftreten.

Typische Stolperstellen sind:

  • Die Kinder verwenden zu viel Farbe.

  • Die Farbe gelangt in die vertieften Linien.

  • Der Druckstock wird nicht gleichmäßig eingefärbt.

  • Das Papier verrutscht während des Druckens.

  • Es wird nur punktuell und nicht gleichmäßig gerieben.

  • Der Druckstock wird beim Abziehen angehoben oder verschoben.

  • Die Kinder erwarten, dass jeder erste Abzug perfekt gelingt.

  • Zufällige Spuren werden sofort als Fehler bewertet.

  • Der Entwurf enthält zu viele kleine Details.

  • Die eingedrückten Linien sind zu fein oder zu flach.

  • Außenkonturen sind nicht deutlich genug.

  • Die Kinder verwechseln Druckstock und fertigen Abdruck.

  • Positiv- und Negativform werden nicht unterschieden.

  • Schrift wird nicht spiegelverkehrt geplant.

  • Stempeln wird zu einer rein dekorativen Beschäftigung ohne bewusste Bildgestaltung.

  • Die praktische Organisation verdrängt Bildbetrachtung und Reflexion.

  • Kinder vergleichen ihre Arbeiten ausschließlich nach Sauberkeit.

  • Scharfe Linolwerkzeuge werden für die Altersgruppe ungeeignet eingesetzt.

Hilfreich ist deshalb:

Eine Druckstunde braucht klare Organisation, aber trotzdem Raum für Zufall und Entdeckung.

Ein Satz, der die Reihe gut tragen kann:

Nicht jeder Abdruck muss perfekt sein. Jeder Abdruck zeigt uns etwas über Material, Farbe und Technik.

Sachanalyse

Drucken bezeichnet die Übertragung von Farbe von einer Form auf einen Untergrund.

Ein Stempel ist eine einfache Form eines Druckstocks.

Ein Druckstock kann mehrfach verwendet werden.

Jeder Abzug kann trotz gleichem Druckstock leicht anders aussehen.

Druckgrafik verbindet damit Wiederholbarkeit und Unikat-Charakter.

Grundlegende Druckverfahren sind:

  • Hochdruck,

  • Tiefdruck,

  • Flachdruck,

  • Durchdruck.

Für die Grundschule ist der Hochdruck besonders geeignet.

Beim Hochdruck drucken die erhabenen Bereiche.

Vertiefte Stellen nehmen keine oder weniger Farbe an.

Kartoffeldruck, Moosgummidruck, Holzschnitt und Linoldruck gehören zum Hochdruck.

Beim Tiefdruck befindet sich die Farbe in vertieften Linien oder Flächen.

Beim Flachdruck liegen druckende und nicht druckende Bereiche annähernd auf einer Ebene.

Der Siebdruck gehört zu den Durchdruckverfahren.

Bei einer Monotypie entsteht normalerweise nur ein vollwertiger Originalabzug.

Der Materialdruck nutzt bereits vorhandene Oberflächenstrukturen.

Der Stempeldruck ermöglicht Wiederholung und Variation.

Wichtige Ordnungsprinzipien sind:

  • Reihung,

  • Rhythmus,

  • Streuung,

  • Drehung,

  • Spiegelung,

  • Überlagerung.

Farbe, Untergrund, Druckstärke und Farbmenge beeinflussen die Bildwirkung.

Der Druckstock muss gegenüber dem Abdruck spiegelverkehrt gedacht werden.

Beim Weißliniendruck bleiben die eingeritzten oder eingedrückten Linien in der Papierfarbe sichtbar.

Mehrfarbdrucke können durch unterschiedliche Einfärbung oder mehrere Druckplatten entstehen.

Der Druckprozess umfasst:

  • Entwurf,

  • Herstellung,

  • Farbauftrag,

  • Druck,

  • Prüfung,

  • Überarbeitung.

Für den Unterricht ist besonders wichtig:

Die Beurteilung sollte technische und gestalterische Kriterien unterscheiden.

Also nicht nur:

Ist es schön?

Sondern auch:

  • Sind die Linien sichtbar?

  • Ist der Farbauftrag passend?

  • Ist der Kontrast deutlich?

  • Unterstützen die Strukturen die Bildidee?

  • Was wurde beim zweiten Druck verbessert?

Albrecht Dürers „Rhinozeros“ ist ein Holzschnitt aus dem Jahr 1515 und eignet sich als künstlerischer Impuls für Linien, Muster und Fantasieelemente: National Gallery of Art – The Rhinoceros.

Lehrplanbezug NRW

Die Reihe lässt sich im Kunstunterricht dem Bereich Zeichnen und Drucken zuordnen.

Im Lehrplan werden bereits in der Schuleingangsphase das Experimentieren mit Punkten, Linien und Strukturen sowie mit Fingern, Stempeln, Stiften und Verfahren wie Stempeln, Abklatschen und Frottieren aufgegriffen.

Bis zum Ende der Klasse 4 sollen Kinder grafische Spuren und Strukturen aus Alltag, Kunst und Natur sammeln, kategorisieren und in ihrer Wirkung beschreiben.

Außerdem sollen sie mit selbst hergestellten Werkzeugen und Druckstöcken experimentieren, Hoch- und Flachdruck erproben und Bezüge zwischen technischem Vorgehen und Wirkung erläutern.

Die Reihe verbindet dabei drei zentrale Prozessbereiche:

Rezeptive Prozesse

Die Kinder betrachten Dürers „Rhinozeros“, beschreiben Linien, Muster, Konturen und Strukturen und deuten deren Wirkung.

Produktive Prozesse

Die Kinder entwickeln Bildideen, erproben Materialien, stellen Druckstöcke her und gestalten eigene Drucke.

Reflexive Prozesse

Die Kinder vergleichen Abzüge, erkennen Zusammenhänge zwischen Druckstock und Abdruck, beurteilen Bildwirkungen und überarbeiten ihr Vorgehen.

Konkret arbeiten die Lernenden daran:

  • grafische Spuren zu sammeln und zu ordnen,

  • mit Stempeln, Druckstöcken und Untergründen zu experimentieren,

  • Zusammenhänge zwischen Material, Technik und Wirkung zu beschreiben,

  • individuelle Bildzeichen und Fantasietiere zu entwickeln,

  • eigene druckgrafische Bildideen zu realisieren,

  • den Gestaltungsprozess zu reflektieren und zu überarbeiten,

  • eigene und fremde Druckergebnisse zu präsentieren und zu beurteilen.

Medienkompetenzrahmen NRW

Ein Bezug zum Medienkompetenzrahmen ist möglich, aber für diese praktische Druckreihe nicht zwingend notwendig.

Digitale Medien sollten nur dann eingesetzt werden, wenn sie einen fachlichen Mehrwert haben.

1.2 Digitale Werkzeuge

Die Kinder können:

  • Werkdetails digital vergrößern,

  • einzelne Arbeitsschritte fotografisch dokumentieren,

  • Farbvarianten vor dem Drucken digital erproben,

  • eine digitale Galerie anlegen.

4.1 Medienproduktion und Präsentation

Die Kinder erstellen zum Beispiel:

  • eine digitale Präsentation ihrer Druckserie,

  • eine Fotodokumentation „Vom Entwurf zum Abzug“,

  • ein kurzes Erklärvideo zum Hochdruck,

  • einen digitalen Museumsrundgang.

4.2 Gestaltungsmittel

Analoge und digitale Gestaltungsmittel können verglichen werden.

Mögliche Fragen:

  • Wie wirkt eine gedruckte Linie?

  • Wie wirkt dieselbe Linie in einer digitalen Zeichnung?

  • Welche Spuren entstehen nur durch das Material?

  • Welche Zufälle können beim digitalen Arbeiten rückgängig gemacht werden?

5.1 Medienanalyse

Die Kinder vergleichen Originaldruck, Reproduktion auf dem Bildschirm und fotografierte Dokumentation.

Dabei können sie erkennen:

Eine digitale Abbildung zeigt ein Kunstwerk, aber sie ersetzt nicht vollständig die Materialwirkung eines echten Drucks.

Didaktische Begründung

Drucken knüpft an alltägliche Erfahrungen der Kinder an.

Viele Kinder kennen Stempel, Abdrücke, Fußspuren, Fingerabdrücke oder Muster.

Dadurch besitzt das Thema einen hohen Aufforderungscharakter.

Kinder erleben unmittelbar den Zusammenhang zwischen Handlung und Wirkung.

Wenn sie anders drücken, anders walzen oder ein anderes Material nutzen, verändert sich der Abdruck.

Das macht Druckprozesse besonders geeignet für entdeckendes und experimentelles Lernen.

Wiederholbare Druckstöcke laden zu Variation ein.

Ein Motiv kann mehrfach entstehen, aber jedes Ergebnis sieht ein bisschen anders aus.

Dadurch lernen Kinder, dass Kunst nicht immer aus einem einzigen fertigen Produkt bestehen muss.

Der erste Abzug kann Ausgangspunkt für einen zweiten, besseren oder einfach anderen Abzug sein.

Das Thema fördert den konstruktiven Umgang mit Fehlern.

Technisch nicht perfekte Abzüge können ästhetisch interessant sein.

Zufällige Spuren können neue Ideen eröffnen.

Das Arbeiten mit Strukturen schult die Wahrnehmung.

Wiederholung, Rhythmus, Spiegelung und Überlagerung erweitern das bildnerische Repertoire.

Der Künstlerbezug zu Albrecht Dürer verhindert, dass die Reihe rein handwerklich bleibt.

Dürers „Rhinozeros“ dient dabei nicht als enge Kopiervorlage, sondern als offener Impuls für Linien, Muster, Oberflächen und Fantasie.

Die Kinder können individuelle Tiere und Bildlösungen entwickeln.

Die Reihe verbindet Wahrnehmen, Gestalten und Reflektieren.

Der Vergleich von erstem und zweitem Abzug macht Lern- und Überarbeitungsprozesse sichtbar.

Mein wichtigster didaktischer Gedanke ist:

Beim Drucken lernen Kinder, dass Kunst ein Prozess aus Erproben, Vergleichen, Entscheiden und Weiterarbeiten sein kann.

Methodische Begründung

Methodisch eignet sich ein schrittweiser Aufbau.

Der Einstieg über unbekannte Spuren aktiviert Neugier und Vermutungen.

Experimentierphasen gehen der systematischen Begriffsbildung voraus.

Ein Spurenarchiv sichert Erfahrungen anschaulich.

Stationen ermöglichen unterschiedliche Materialien und individuelle Arbeitstempi.

Wiederkehrende Druckregeln unterstützen selbstständiges Arbeiten.

Demonstrationen sollten kurz gehalten und auf zentrale Handgriffe begrenzt werden.

Zu lange Erklärungen vor einer praktischen Druckphase überfordern schnell.

Die Progression der Reihe führt vom vorhandenen Gegenstand zum selbst entwickelten Druckstock.

Bildbetrachtung und eigenes Gestalten werden eng miteinander verbunden.

Dürers Werk dient als Impuls für Strukturen, nicht als Kopiervorlage.

Vorzeichnungen entlasten die Herstellung des Druckstocks.

Weiche Platten und stumpfe Werkzeuge reduzieren das Verletzungsrisiko.

Der erste Abzug besitzt diagnostische Funktion.

Partnergespräche fördern fachsprachliches Beschreiben.

Ein Kriterienbogen lenkt die Reflexion auf veränderbare Aspekte.

Der zweite Abzug ermöglicht eine unmittelbare Überarbeitung.

Die Präsentation von erstem und zweitem Druck macht individuelle Lernwege sichtbar.

Museumsrundgänge fördern die Wahrnehmung unterschiedlicher Lösungen.

Feste Material-, Druck- und Trockenstationen reduzieren organisatorische Unruhe.

Gruppenrollen wie Farbmeister, Papierdienst und Reinigungsdienst unterstützen das Classroom Management.

Eine Abschlussausstellung schafft einen authentischen Präsentationsanlass.

Mein Fazit

Drucken ist für mich ein Thema, bei dem ich direkt an meinen eigenen Kunst-UB im Referendariat denken muss.

Ich habe Kunst studiert und trotzdem lief dieser UB damals nicht so gut, weil ich organisatorisch einfach zu unklar war.

Heute würde ich deshalb viel stärker auf Struktur achten.

Drucken braucht gute Vorbereitung.
Drucken braucht klare Stationen.
Drucken braucht kurze Wege.
Drucken braucht Trockenplätze.
Drucken braucht Materialregeln.
Und Drucken braucht Zeit für Reflexion.

Gerade dann kann das Thema richtig stark sein.

Für einen Unterrichtsbesuch würde ich die Stunde zum Weißliniendruck wählen.

Sie verbindet Dürers „Rhinozeros“, eigene Fantasietiere, Hochdruckprinzip, praktisches Arbeiten und Reflexion über den ersten und zweiten Abzug.

Mein wichtigster Gedanke zur Reihe ist:

Drucken ist im Kunstunterricht nicht nur eine Technik, sondern ein sichtbarer Lernprozess: vom Abdruck zur Idee, vom ersten Versuch zur bewussten Gestaltung.

Eure Caro
Instagram – für das, was ich gern vor dem Ref gewusst hätte.

FAQ

Für welche Klasse eignet sich der Unterrichtsentwurf Drucken?

Der Unterrichtsentwurf eignet sich besonders für Klasse 3/4. Der Weißliniendruck mit Fantasietieren nach Albrecht Dürer passt besonders gut zu Klasse 4.

Welche UB-Stunde eignet sich zum Thema Drucken?

Eine passende UB-Stunde ist „Weiße Linien, dunkle Flächen – Wir drucken Fantasietiere nach Albrecht Dürer“. Die Kinder stellen Abzüge her, vergleichen ersten und zweiten Druck und optimieren ihr Vorgehen.

Was ist Hochdruck?

Beim Hochdruck werden die erhöhten Flächen eines Druckstocks eingefärbt und gedruckt. Vertiefte Stellen bleiben frei oder erscheinen heller.

Was ist Weißliniendruck?

Beim Weißliniendruck werden Linien in eine weiche Druckplatte gedrückt. Diese Linien bleiben beim Drucken hell, während die erhöhten Flächen Farbe auf das Papier übertragen.

Warum eignet sich Albrecht Dürers Rhinozeros für die Grundschule?

Dürers „Rhinozeros“ zeigt viele auffällige Linien, Muster und Strukturen. Da das Tier nicht rein naturgetreu wirkt, können Kinder daraus eigene Fantasietiere entwickeln.

Welche Materialien braucht man für eine Druckreihe?

Geeignet sind Stempelfarbe, Schwämme, Korken, Blätter, Karton, Moosgummi, Styreneplatten, Farbwalzen, wasserlösliche Druckfarbe, verschiedene Papiere und Trockenplätze.

Was ist beim Drucken organisatorisch wichtig?

Wichtig sind klare Druckstationen, wenig Farbe, feste Trockenplätze, vorbereitete Papierstapel, Materialregeln, Reinigungstücher und ausreichend Zeit zum Aufräumen.

Wie kann man Drucke im Kunstunterricht bewerten oder reflektieren?

Nicht nur Sauberkeit ist wichtig. Kinder können Farbauftrag, Linienwirkung, Kontrast, Struktur, Druckqualität, Überarbeitung und Bildwirkung reflektieren.

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Unterrichtsentwurf Drucken Kunst Grundschule

Meta Description

Unterrichtsentwurf Drucken Kunst Grundschule: Reihe für Klasse 3/4 mit Stempeln, Materialdruck, Hochdruck, Weißliniendruck, Dürer und UB-Stunde.

Summary

In diesem Artikel geht es um einen Unterrichtsentwurf zum Thema Drucken im Kunstunterricht der Grundschule. Die Kinder experimentieren mit Spuren, Stempeln und Materialdruck, lernen das Hochdruckprinzip kennen, betrachten Albrecht Dürers „Rhinozeros“ und entwickeln eigene Fantasietiere im Weißliniendruck. Besonders geeignet ist die UB-Stunde „Weiße Linien, dunkle Flächen“, in der Kinder ihren ersten und zweiten Abzug vergleichen und ihr druckgrafisches Vorgehen gezielt verbessern.

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