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Quick Facts: Drucken im Kunstunterricht
Drucken bedeutet, dass Farbe von einem Gegenstand, Stempel oder Druckstock auf einen Untergrund übertragen wird.
In der Grundschule können Kinder mit Alltagsmaterialien, Stempeln, Naturmaterialien, Moosgummi, Karton, Styreneplatten oder Polystyrolplatten unterschiedliche Druckverfahren erproben.
Eine passende UB-Stunde aus der Reihenplanung ist: „Weiße Linien, dunkle Flächen – Wir drucken Fantasietiere nach Albrecht Dürer.“
Allgemeines
Ich habe selbst Kunst studiert und hatte im Ref auch einen Unterrichtsbesuch zum Thema Drucken. Und ich sage es ganz ehrlich: Der lief damals nicht so gut, wie ich es mir gewünscht hätte. Nicht, weil das Thema nicht geeignet war. Im Gegenteil, ich war damals einfach zu unorganisiert. Und genau das ist beim Drucken ein riesiger Punkt.
Denn beim Drucken erleben Kinder etwas, das beim Zeichnen so nicht passiert:
Ein Motiv kann mehrfach entstehen.
Ein Abdruck ist nie ganz identisch.
Zufälle können spannend sein.
Fehler können zu neuen Ideen führen.
Linien, Strukturen und Flächen wirken plötzlich ganz anders.
Und ein erster Druck ist nicht automatisch das fertige Produkt, sondern kann Ausgangspunkt für eine Verbesserung sein.
Das finde ich für Kinder total wichtig. Im Kunstunterricht geht es nicht nur darum, am Ende ein „schönes Bild“ zu haben. Es geht darum, wahrzunehmen, zu erproben, Entscheidungen zu treffen, Ergebnisse zu vergleichen und den eigenen Gestaltungsprozess weiterzuentwickeln.
Wenn du dich für weitere Kunst- und Gestaltungsthemen interessierst, passen dazu auch meine Entwürfe zum Scherenschnitt, zum Jahreszeitenbaum, meine Themensammlung für Kunst Klasse 1 bis 4 oder meine Lehrprobenstunde zu den Gefühlsfischen.

Reihenplanung
Thema der Reihe
Spuren, Stempel und Druckstöcke – Wir entdecken die vielfältige Welt des Druckens.
Kindgerechte Themenformulierung
Wir werden Druckkünstler – Wie kommt das Bild vom Druckstock auf das Papier?
Kernanliegen der Reihe
Die Lernenden erweitern ihre bildnerischen Ausdrucks- und Reflexionsfähigkeiten, indem sie Materialien und Druckverfahren experimentell untersuchen, eigene Stempel und Druckstöcke entwickeln, deren Abdrücke gezielt anordnen und die Wirkung von Linie, Struktur, Farbe und Wiederholung reflektieren, um individuelle Bildideen zu planen und zu realisieren.
Aufbau der Reihe
| Thema der Einheit | Ziel/Kernanliegen der Einheit |
|---|---|
| 1. Auf Spurensuche – Was kann alles drucken? | Die Lernenden entdecken grafische Spuren und Strukturen, indem sie Hände, Gegenstände und Naturmaterialien als Druckwerkzeuge erproben und ihre Abdrücke sammeln, um die Vielfalt druckgrafischer Erscheinungsformen wahrzunehmen. |
| 2. Unsere Material-Werkstatt – Welche Spuren hinterlassen Gegenstände? | Die Lernenden untersuchen Zusammenhänge zwischen Materialbeschaffenheit und Abdruck, indem sie ausgewählte Alltags- und Naturmaterialien systematisch drucken, vergleichen und ordnen, um geeignete Materialien für eigene Gestaltungen auszuwählen. |
| 3. Aus Abdrücken werden Muster – Wie können wir Spuren anordnen? | Die Lernenden gestalten rhythmische Muster, indem sie Stempelabdrücke wiederholen, drehen, spiegeln, überlagern und in ihrer Größe oder Farbe variieren, um Ordnungsprinzipien gezielt für eine Bildwirkung einzusetzen. |
| 4. Was druckt beim Hochdruck? – Wir erforschen das Prinzip des Druckstocks | Die Lernenden erschließen das Hochdruckverfahren, indem sie erhabene und vertiefte Bereiche einfacher Druckstöcke untersuchen und deren Abdrücke vergleichen, um den Zusammenhang zwischen Druckstock und Druckergebnis zu erklären. |
| 5. Albrecht Dürers geheimnisvolles Rhinozeros – Wie können Linien ein Tier gestalten? | Die Lernenden untersuchen Dürers Holzschnitt, indem sie Konturen, Muster, Linien und Fantasieelemente beschreiben und deren Wirkung deuten, um Gestaltungsideen für ein eigenes Fantasietier zu entwickeln. |
| 6. Vom Entwurf zum Druckstock – Wir erfinden Fantasietiere | Die Lernenden übertragen eine eigene Bildidee in einen Druckstock, indem sie ein Fantasietier aus einfachen Umrissformen und unterschiedlichen Oberflächenstrukturen entwerfen und in eine Styrene- oder Polystyrolplatte einarbeiten, um einen druckfähigen Weißliniendruckstock herzustellen. |
| 7. Weiße Linien, dunkle Flächen – Unsere Fantasietiere im Weißliniendruck | Die Lernenden vertiefen ihr Verständnis des Hochdrucks, indem sie ihre Druckstöcke gleichmäßig einfärben, Abzüge herstellen, die entstandenen hellen und dunklen Bereiche untersuchen und den Druckprozess gezielt optimieren, um ein technisch und gestalterisch wirkungsvolles Fantasietier zu realisieren. |
| 8. Ein Druckstock – viele Wirkungen | Die Lernenden erkunden die Veränderbarkeit eines Druckmotivs, indem sie Farbe, Papier, Ausrichtung, Wiederholung und Überlagerung variieren und ihre Drucke zu einer Ausstellung zusammenstellen, um unterschiedliche Bildwirkungen zu vergleichen. |

Vertiefung der einzelnen Einheiten
Einheit 1: Auf Spurensuche
Die Reihe startet mit einem offenen Zugang. Die Lehrkraft zeigt geheimnisvolle Abdrücke.
Die Kinder vermuten:
Womit könnte dieser Abdruck entstanden sein?
Welche Form hatte der Gegenstand?
Wurde mit einer Fläche, Kante oder Spitze gedruckt?
Wurde viel oder wenig Farbe verwendet?
Ist der Abdruck deutlich oder verschwommen?
Anschließend experimentieren die Kinder selbst. Geeignete Materialien: Finger, Handflächen, Schwämme, Korken, Bausteine, Wellpappe, Luftpolsterfolie, Blätter, Schnüre, Kartonkanten. Die Ergebnisse werden in einem großen Spurenarchiv gesammelt.
Forscherfragen:
Was kann alles als Stempel verwendet werden?
Welche Form besitzt der Gegenstand und wie sieht sein Abdruck aus?
Kann ein Gegenstand unterschiedliche Spuren hinterlassen?
Der Schwerpunkt dieser Einheit liegt auf Wahrnehmung und Erprobung. Die Kinder sollen zunächst staunen und entdecken: Fast alles kann eine Spur hinterlassen.
Einheit 2: Unsere Materialdruck-Werkstatt
Jetzt Einheit wird die freie Erprobung systematischer. Die Kinder untersuchen ausgewählte Materialien genauer. Ein Gegenstand wird mehrfach gedruckt. Zum Beispiel mit wenig Farbe, mit viel Farbe, mit leichtem Druck, mit starkem Druck, mit der Fläche, mit der Kante, auf glattem Papier oder auf strukturiertem Papier. Danach werden die Ergebnisse verglichen.
Ordnungskriterien:
fein oder grob,
regelmäßig oder unregelmäßig,
flächig oder linienartig,
deutlich oder verschwommen,
hell oder kräftig,
ruhig oder bewegt.
Forscherfrage: Wovon hängt es ab, wie ein Abdruck aussieht? Dies ist wichtig, weil Kinder lernen: Der Abdruck hängt nicht nur vom Gegenstand ab, sondern auch davon, wie ich ihn benutze.
Einheit 3: Aus Abdrücken werden Muster
Nun werden aus einzelnen Spuren bewusst gestaltete Bilder. Die Kinder wählen einen oder zwei Stempel aus und erproben verschiedene Anordnungen. Zum Beispiel: Reihen, Muster, Wechsel, Drehungen, Spiegelungen, Kreise, Überlagerungen, Verdichtungen oder freie Streuungen.
Gestaltungsideen: Ein Tapetenmuster für ein Fantasiezimmer, oder ein Musterpapier für eine Schatzkiste
Forscherfrage: Wie verändert sich ein Abdruck, wenn wir ihn wiederholen und unterschiedlich anordnen?
Die Kinder merken:
Ein einzelner Abdruck kann schlicht wirken.
Viele Abdrücke können Rhythmus erzeugen.
Gedrehte Abdrücke wirken bewegter.
Überlagerungen können Tiefe erzeugen.
Wiederholung kann Ordnung schaffen.
Einheit 4: Was druckt beim Hochdruck?
In dieser Einheit wird das Hochdruckprinzip eingeführt. Die Kinder untersuchen einen einfachen Druckstock oder Stempel.
Fragen:
Welche Stellen sind erhöht?
Welche Stellen sind vertieft?
Wo bleibt Farbe hängen?
Welche Stellen erscheinen auf dem Papier?
Warum bleiben andere Stellen hell?
Was passiert, wenn zu viel Farbe aufgetragen wird?
Anschließend können die Kinder kleine Moosgummi- oder Kartondruckstöcke herstellen.
Forscherfrage: Warum werden manche Stellen gedruckt und andere nicht?
Zentrale Erkenntnis: Beim Hochdruck nehmen die erhöhten Stellen Farbe an und werden gedruckt. Vertiefte Stellen bleiben frei. Diese Erkenntnis ist die Grundlage für den späteren Weißliniendruck.

Einheit 5: Albrecht Dürers geheimnisvolles Rhinozeros
Jetzt steht die Bildbetrachtung im Mittelpunkt. Das Werk „Rhinozeros“ von Albrecht Dürer wird zunächst ohne Titel und Künstlernamen gezeigt. Die Kinder beschreiben, was sie sehen.
Bildbetrachtungsfragen:
Was entdeckt ihr zuerst?
Was für ein Tier könnte das sein?
Welche Linien erkennt ihr?
Welche Muster seht ihr?
Welche Körperteile wirken wirklichkeitsnah?
Welche Teile sehen erfunden aus?
Wie wirkt die Haut des Tieres?
Welche Strukturen könnten wir für eigene Tiere nutzen?
Die Kinder sammeln grafische Strukturen: Punkte, Schuppen, Wellenlinien, Zickzacklinien, Kreise, Platten, Netze, Spiralen, Streifen, kleine Haken, Panzerformen.
Forscherfrage: Wie lässt Albrecht Dürer sein Tier durch Linien und Muster besonders wirken?
Wichtig: Dürers Werk dient nicht als Kopiervorlage. Die Kinder sollen nicht „ein Nashorn nachmalen“. Sie sollen Strukturen untersuchen und daraus Ideen für eigene Fantasietiere entwickeln.
Einheit 6: Vom Entwurf zum Druckstock
Jetzt entwickeln die Kinder ihr eigenes Fantasietier. Sie können zwei oder drei Tiere miteinander kombinieren.
Beispiele:
Kopf eines Vogels,
Körper eines Nashorns,
Beine eines Insekts,
Schwanz eines Fisches,
Flügel eines Drachen,
Ohren eines Hasen,
Panzer einer Schildkröte,
Rücken eines Igels.
Zunächst entsteht eine einfache Vorzeichnung. Wichtig ist:
klare Außenkontur,
ausreichend große Flächen,
deutliche Linien,
nicht zu viele kleine Details,
abwechslungsreiche Strukturen,
Linien nicht zu fein,
Formen nicht zu kleinteilig.
Danach wird der Entwurf auf eine weiche Druckplatte übertragen. Für die Grundschule eignen sich Styrene- oder Polystyrolplatten, weil sie mit stumpfen Werkzeugen (Bleistiften) bearbeitet werden können. Die Kinder drücken Linien mit einem stumpfen Holzwerkzeug ein.
Forscherfrage: Welche Linien müssen wir in den Druckstock eindrücken, damit sie später hell erscheinen?
Einheit 7: Weiße Linien, dunkle Flächen
Diese Einheit ist die mögliche UB-Stunde. Die Kinder nutzen ihren eigenen Druckstock und stellen erste Abzüge her.
Sie untersuchen:
Sind die Außenkonturen erkennbar?
Sind die eingedrückten Linien hell geblieben?
Ist die Farbe gleichmäßig verteilt?
Sind interessante Strukturen sichtbar?
Ist zu viel oder zu wenig Farbe aufgetragen?
Hat sich das Papier verschoben?
Was kann beim zweiten Druck verbessert werden?
Forscherfrage: Wie entsteht ein deutlicher Weißliniendruck mit hellen Linien und dunklen Flächen?
Wichtig Der erste Druck ist nicht das Endprodukt. Er hat eine diagnostische Funktion. Die Kinder prüfen ihren ersten Abzug und verändern anschließend gezielt etwas.
Beispiele: weniger / mehr Farbe nehmen, gleichmäßiger walzen, stärker reiben, Papier ruhig auflegen, Linien nacharbeiten, größere Flächen einfärben. So wird der Lernzuwachs sichtbar.
Einheit 8: Ein Druckstock – viele Wirkungen
Zum Abschluss entdecken die Kinder, dass ein Druckstock viele verschiedene Wirkungen erzeugen kann. Sie drucken ihr Motiv auf unterschiedliche Weise.
Zum Beispiel:
helle Farbe auf dunklem Papier,
dunkle Farbe auf hellem Papier,
warme Farben,
kalte Farben,
Motiv mehrfach nebeneinander,
Motiv überlagert,
Motiv gespiegelt,
Motiv teilweise angeschnitten,
Druckserie,
gemeinsames Fantasietier-Gehege.
Danach entsteht eine kleine Ausstellung.
Forscherfrage: Wie verändert sich die Wirkung eines Motivs durch Farbe, Papier und Anordnung? Die Kinder vergleichen ihre Ergebnisse und sprechen über:
Kontrast,
Linienwirkung,
Struktur,
Farbwirkung,
Wiederholung,
Ausdruck,
Bildwirkung.

UB-Stunde
Thema der Stunde
Weiße Linien, dunkle Flächen – Wir drucken Fantasietiere nach Albrecht Dürer.
Kindgerechte Forscherfrage
Wie gelingt uns ein deutlicher Druck, bei dem die Linien hell und die Flächen dunkel erscheinen?
Ziel der Stunde
Die Lernenden erweitern ihre druckgrafischen Gestaltungs- und Reflexionsfähigkeiten, indem sie einen selbst hergestellten Weißlinien-Druckstock gleichmäßig einfärben, einen ersten Abzug hinsichtlich Farbauftrag, Linienwirkung und Druckqualität untersuchen und ihr technisches Vorgehen für einen zweiten Abzug gezielt verändern, um ein kontrastreiches und deutlich strukturiertes Fantasietier zu gestalten.
Warum diese Stunde gut passt
Diese Stunde passt gut für einen Besuch, weil sie rezeptive, produktive und reflexive Prozesse miteinander verbindet. Die Kinder haben vorher Dürers „Rhinozeros“ betrachtet und Strukturen gesammelt. Sie haben ein eigenes Fantasietier entworfen und sie haben einen Druckstock hergestellt.
In der Stunde geht es nun darum, den Druckprozess anzuwenden und zu verbessern. Der Vorteil: Der Lernzuwachs ist sichtbar. Die Kinder haben einen ersten Abzug und einen zweiten Abzug. Sie können vergleichen:
Was hat sich verändert?
Was wurde deutlicher?
Wo sind die Linien besser sichtbar?
Wie wirkt die Farbe?
Was habe ich beim zweiten Druck anders gemacht?
So wird Kunstunterricht nicht nur produktorientiert, sondern prozessorientiert. Das ist für eine UB-Stunde sehr dankbar. Außerdem ist die Stunde fachlich klar. Es geht nicht nur darum, ein Fantasietier zu drucken. Es geht um das Verständnis: Beim Weißliniendruck bleiben eingedrückte Linien hell, während die erhöhten Flächen Farbe auf das Papier übertragen.
Verlauf der Stunde
| Phase | Inhalt | Sozialform / Methode | Ziel |
|---|---|---|---|
| Einstieg | Zwei Abzüge desselben Druckstocks werden gezeigt: einer fleckig und undeutlich, einer kontrastreich und gut erkennbar. Die Kinder vergleichen die Ergebnisse. | Plenum / Bildimpuls | Qualitätsunterschiede wahrnehmen und Problem entwickeln. |
| Aktivierung | Die Kinder erinnern sich an das Hochdruckprinzip und markieren an einem vergrößerten Druckstock erhöhte und vertiefte Bereiche. | Plenum / Modell | Fachliches Vorwissen aktivieren. |
| Forscherfrage | Gemeinsam wird gefragt: „Wie gelingt uns ein deutlicher Druck, bei dem die Linien hell und die Flächen dunkel erscheinen?“ | Unterrichtsgespräch | Gestaltungsproblem und Lernziel klären. |
| Vermutungen | Die Kinder sammeln Bedingungen: gleichmäßige Farbe, nicht zu viel Farbe, ausreichend Druck, Papier nicht verschieben. | Think-Pair-Share | Kriterien für einen gelungenen Druck entwickeln. |
| Kurze Demonstration | Farbauftrag und Druckvorgang werden knapp modelliert: Farbe auswalzen, Druckstock einfärben, Papier auflegen, reiben, abziehen. | Plenum / Demonstration | sachgerechten Umgang mit Material sichern. |
| Erarbeitung I | Die Kinder färben ihren Druckstock ein und stellen einen ersten Abzug her. | Einzelarbeit an Druckstationen | Druckverfahren selbstständig anwenden. |
| Druckdiagnose | Die Kinder betrachten ihren Abzug mit einem Partnerkind und nutzen einen kurzen Druckcheck. | Partnerarbeit / ästhetisches Gespräch | Ergebnis kriteriengeleitet untersuchen. |
| Überarbeitung | Die Kinder verändern einen ausgewählten Aspekt und stellen einen zweiten Abzug her. | Einzelarbeit | technisches Vorgehen gezielt optimieren. |
| Galerie | Erster und zweiter Abzug werden nebeneinander ausgelegt. Die Kinder suchen Verbesserungen und unterschiedliche Wirkungen. | Museumsrundgang | Lernwege und individuelle Lösungen wahrnehmen. |
| Sicherung | An ausgewählten Werken werden Bedingungen für einen gelungenen Weißliniendruck festgehalten. | Plenum / Werkgespräch | Erkenntnisse aus eigenen Arbeiten ableiten. |
| Reflexion | Exit-Ticket: „Bei meinem zweiten Druck habe ich … verändert. Dadurch …“ | Einzelarbeit | individuellen Lernzuwachs verbalisieren. |
Merksatz: Beim Hochdruck werden die erhöhten Flächen gedruckt. Eingedrückte Linien bleiben hell. Ein gleichmäßiger Farbauftrag und ruhiger Druck machen den Abdruck deutlicher.

Druckcheck
Für die Diagnose nach dem ersten Druck kann ein kurzer Druckcheck helfen:
Sind die Außenkonturen gut erkennbar?
Sind die eingedrückten Linien hell geblieben?
Ist die Farbe gleichmäßig verteilt?
Sind interessante Strukturen sichtbar?
Gibt es Stellen mit zu viel Farbe?
Gibt es Stellen mit zu wenig Farbe?
Ist das Papier verrutscht?
Was möchte ich beim zweiten Druck verändern?
Reflexionssatz: Bei meinem zweiten Druck verändere ich …, damit …
Lehrplanbezug NRW
Die Reihe lässt sich im dem Bereich Zeichnen und Drucken zuordnen. Im Lehrplan werden in der Schuleingangsphase das Experimentieren mit Punkten, Linien und Strukturen sowie mit Fingern, Stempeln, Stiften und Verfahren wie Stempeln, Abklatschen und Frottieren aufgegriffen. Ende Klasse 4 sollen Kinder grafische Spuren und Strukturen aus Alltag, Kunst und Natur sammeln, kategorisieren und in ihrer Wirkung beschreiben. Außerdem sollen sie mit selbst hergestellten Druckstöcken experimentieren, Hoch- und Flachdruck erproben und Bezüge zwischen technischem Vorgehen und Wirkung erläutern.
Die Reihe verbindet dabei drei zentrale Prozessbereiche:
Rezeptive Prozesse: Die Kinder betrachten Dürers „Rhinozeros“, beschreiben Linien, Muster, Konturen und Strukturen und deuten deren Wirkung.
Produktive Prozesse: Die Kinder entwickeln Bildideen, erproben Materialien, stellen Druckstöcke her und gestalten eigene Drucke.
Reflexive Prozesse: Die Kinder vergleichen Abzüge, erkennen Zusammenhänge zwischen Druckstock und Abdruck, beurteilen Bildwirkungen und überarbeiten ihr Vorgehen.
Konkret arbeiten die Lernenden daran:
grafische Spuren zu sammeln und zu ordnen,
mit Stempeln, Druckstöcken und Untergründen zu experimentieren,
Zusammenhänge zwischen Material, Technik und Wirkung zu beschreiben,
individuelle Bildzeichen und Fantasietiere zu entwickeln,
eigene druckgrafische Bildideen zu realisieren,
den Gestaltungsprozess zu reflektieren und zu überarbeiten,
eigene und fremde Druckergebnisse zu präsentieren und zu beurteilen.

Anforderungsbereiche
AB I – Reproduzieren: Die Lernenden benennen Stempel, Druckstock, Druckfarbe, Walze und Abzug, führen vorgegebene Arbeitsschritte aus, unterscheiden erhöhte und vertiefte Bereiche und beschreiben sichtbare Linien, Flächen und Strukturen.
AB II – Zusammenhänge herstellen: Die Lernenden erklären Zusammenhänge zwischen Druckstock und Abdruck, vergleichen einen ersten und zweiten Abzug, nutzen Wiederholung, Linie und Struktur bewusst und verändern ihr Vorgehen zielgerichtet.
AB III – Reflektieren und beurteilen: Die Lernenden beurteilen Druckergebnisse anhand von Kriterien, begründen gestalterische Entscheidungen, reflektieren die Wirkung von Farbe, Kontrast und Anordnung und übertragen Erkenntnisse auf eine neue Druckaufgabe.
Differenzierung
Unterstützend
kleine Auswahl geeigneter Druckmaterialien
klar eingerichtete Druckstationen
bebilderte Schrittfolge
vorgegebene einfache Tierumrisse
größere Druckplatten
reduzierte Anzahl an Innenstrukturen
stumpfe Holzstifte statt Schneidewerkzeuge
bereits zugeschnittenes Papier
begrenzte Farbauswahl
Partnerunterstützung beim Farbauftrag
Druckrahmen oder Passmarkierungen
Kriterien mit Symbolen
nur ein Überarbeitungsaspekt für den zweiten Druck
Trockenplatz mit Namensschild
feste Gruppenrollen
Satzstarter
Erweiternd
komplexere Fantasietiere entwickeln
unterschiedliche Linienstärken verwenden
Positiv- und Negativformen bewusst gestalten
mehrere Druckplatten kombinieren
einen zweifarbigen Druck planen
mit Überlagerungen experimentieren
Schrift oder Initialen spiegelverkehrt integrieren
unterschiedliche Papiere vergleichen
eigenen Druckcheck entwickeln
Ergebnisse nach technischer Qualität und Ausdruck unterscheiden
Druckstock gezielt für eine Serie gestalten
Farbstimmungen planen und begründen
Die Differenzierung funktioniert besonders gut über Motivkomplexität, Plattengröße, Anzahl der Strukturen, Farbauswahl und Reflexionstiefe.
Ideen für Klasse 1 bis 4
| Klasse | Umsetzung |
|---|---|
| 1 | Körper-, Finger-, Schwamm- und Bausteindruck. Aus einfachen Abdrücken entstehen Tiere, Blumen oder Burgen. Schwerpunkt: Spuren entdecken und erste Muster erzeugen. |
| 2 | Stempel aus Moosgummi oder einfachen Formen herstellen. Blumensträuße, Gesichter, Stillleben oder Stoffmuster drucken. |
| 3 | Schablonen-, Karton- oder Materialdruck kombinieren. Muster planen, Monotypien herstellen und Drucke zeichnerisch weiterentwickeln. |
| 4 | Hochdruckprinzip vertiefen, Druckstöcke aus Styreneplatten entwickeln, Positiv- und Negativformen untersuchen und künstlerbezogene Druckserien gestalten. Besonders geeignet: Fantasietiere nach Albrecht Dürer. |
Der Auer Verlag bietet ebenfalls Druckideen für verschiedene Klassenstufen an. Bei Netzwerk Lernen wird ein Weißliniendruck mit Fantasietieren nach Albrecht Dürer für Klasse 4 genannt.

Materialideen
| Material | Einsatzmöglichkeit |
|---|---|
| Finger- und Stempelfarbe | erste Körper- und Materialdruckversuche |
| Schwämme | flächige und strukturierte Abdrücke |
| Korken und Holzklötze | regelmäßige geometrische Muster |
| Karton und Wellpappe | Kanten-, Flächen- und Kartondruck |
| Blätter und Gräser | Naturmaterialdruck |
| Schnüre und Wollreste | lineare Druckstöcke und abstrakte Strukturen |
| Moosgummi | einfache selbst hergestellte Stempel |
| Styrene- oder Polystyrolplatten | sicherer Weißlinien- beziehungsweise Hochdruck |
| stumpfe Holzstifte | Linien und Muster in weiche Platten eindrücken |
| Farbwalzen | dünner, gleichmäßiger Farbauftrag |
| Farbtabletts | Auswalzen der Druckfarbe |
| wasserlösliche Druckfarbe | deutliche und langsam trocknende Abzüge |
| verschiedene Papiere | Wirkung von Farbe und Untergrund vergleichen |
| Reproduktion von Dürers „Rhinozeros“ | Künstlerbetrachtung und Strukturensammlung |
| Druckcheck-Karten | ersten und zweiten Abzug vergleichen |
| Schürzen oder alte Hemden | Kleidung schützen |
| Tischschutz | Arbeitsplätze vorbereiten |
Eduki-Material ergänze ich an dieser Stelle nachträglich, sobald ich es fertiggestellt habe.
Organisationstipps
Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich diesen Punkt nicht unterschätzen. Drucken kann wunderschön sein, aber organisatorisch schnell wild werden.
Hilfreich sind:
feste Druckstationen, Farbstationen, Trockenstationen und Reinigungsstationen,
klare Wege im Klassenraum,
kleine Gruppen,
wenig Farbe auf einmal,
vorbereitete Papierstapel,
Namenskarten für die Trockenfläche,
Rollen in der Gruppe,
kurze Demonstration statt langer Erklärung,
Material nur schrittweise ausgeben,
klare Stoppregel,
ausreichend Zeit zum Aufräumen.
Typische Schwierigkeiten
Beim Drucken können verschiedene Schwierigkeiten auftreten. Typische Stolperstellen sind:
Die Kinder verwenden zu viel Farbe.
Die Farbe gelangt in die vertieften Linien.
Der Druckstock wird nicht gleichmäßig eingefärbt.
Das Papier verrutscht während des Druckens.
Es wird nur punktuell und nicht gleichmäßig gerieben.
Der Druckstock wird beim Abziehen angehoben oder verschoben.
Die Kinder erwarten, dass jeder erste Abzug perfekt gelingt.
Zufällige Spuren werden sofort als Fehler bewertet.
Der Entwurf enthält zu viele kleine Details.
Die eingedrückten Linien sind zu fein oder zu flach.
Außenkonturen sind nicht deutlich genug.
Die Kinder verwechseln Druckstock und fertigen Abdruck.
Positiv- und Negativform werden nicht unterschieden.
Schrift wird nicht spiegelverkehrt geplant.
Stempeln wird zu einer rein dekorativen Beschäftigung ohne bewusste Bildgestaltung.

Sachanalyse
Drucken bezeichnet die Übertragung von Farbe von einer Form auf einen Untergrund. Ein Stempel ist eine einfache Form eines Druckstocks. Ein Druckstock kann mehrfach verwendet werden. Jeder Abzug kann trotz gleichem Druckstock leicht anders aussehen. Druckgrafik verbindet damit Wiederholbarkeit und Unikat-Charakter.
Grundlegende Druckverfahren sind Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck, Durchdruck. Für die Grundschule ist der Hochdruck besonders geeignet.
Beim Hochdruck drucken die erhabenen Bereiche. Vertiefte Stellen nehmen keine oder weniger Farbe an. Kartoffeldruck, Moosgummidruck, Holzschnitt und Linoldruck gehören zum Hochdruck.
Beim Tiefdruck befindet sich die Farbe in vertieften Linien oder Flächen.
Beim Flachdruck liegen druckende und nicht druckende Bereiche nah auf einer Ebene.
Der Siebdruck gehört zu den Durchdruckverfahren.
Bei einer Monotypie entsteht normalerweise nur ein vollwertiger Originalabzug. Der Materialdruck nutzt bereits vorhandene Oberflächenstrukturen. Der Stempeldruck ermöglicht Wiederholung und Variation.
Wichtige Ordnungsprinzipien sind Reihung, Rhythmus, Streuung, Drehung, Spiegelung, Überlagerung. Farbe, Untergrund, Druckstärke und Farbmenge beeinflussen die Bildwirkung. Der Druckstock muss gegenüber dem Abdruck spiegelverkehrt gedacht werden.
Beim Weißliniendruck bleiben die eingeritzten oder eingedrückten Linien in der Papierfarbe sichtbar. Mehrfarbdrucke können durch unterschiedliche Einfärbung oder mehrere Druckplatten entstehen.
Der Druckprozess umfasst Entwurf, Herstellung, Farbauftrag, Druck, Prüfung, Überarbeitung.
Didaktische Begründung
Drucken knüpft an alltägliche Erfahrungen der Kinder an. Viele Kinder kennen Stempel, Abdrücke, Fußspuren, Fingerabdrücke oder Muster. Dadurch besitzt das Thema einen hohen Aufforderungscharakter. Kinder erleben den Zusammenhang zwischen Handlung und Wirkung. Wenn sie anders drücken, anders walzen oder ein anderes Material nutzen, verändert sich der Abdruck. Das eignet sich für entdeckendes und experimentelles Lernen.
Wiederholbare Druckstöcke laden zu Variation ein. Ein Motiv kann mehrfach entstehen, aber jedes Ergebnis sieht ein bisschen anders aus. Dadurch lernen Kinder, dass Kunst nicht immer aus einem einzigen fertigen Produkt bestehen muss. Der erste Abzug kann Ausgangspunkt für einen zweiten, besseren oder einfach anderen Abzug sein.
Das Thema fördert den konstruktiven Umgang mit Fehlern. Technisch nicht perfekte Abzüge können ästhetisch interessant sein. Zufällige Spuren können neue Ideen eröffnen.
Das Arbeiten mit Strukturen schult die Wahrnehmung. Wiederholung, Rhythmus, Spiegelung und Überlagerung erweitern das bildnerische Repertoire.
Der Künstlerbezug zu Dürer verhindert, dass die Reihe rein handwerklich bleibt. Dürers „Rhinozeros“ dient nicht als enge Kopiervorlage, sondern als Impuls für Linien, Muster, Oberflächen und Fantasie. Die Kinder können individuelle Tiere und Bildlösungen entwickeln.
Die Reihe verbindet Wahrnehmen, Gestalten und Reflektieren. Der Vergleich von erstem und zweitem Abzug macht Lern- und Überarbeitungsprozesse sichtbar.

Methodische Begründung
Methodisch eignet sich ein schrittweiser Aufbau.
Der Einstieg über unbekannte Spuren aktiviert Neugier und Vermutungen.
Experimentierphasen gehen der systematischen Begriffsbildung voraus.
Ein Spurenarchiv sichert Erfahrungen anschaulich.
Stationen ermöglichen unterschiedliche Materialien und individuelle Arbeitstempi.
Wiederkehrende Druckregeln unterstützen selbstständiges Arbeiten.
Demonstrationen sollten kurz gehalten und auf zentrale Handgriffe begrenzt werden.
Progression führt vom vorhandenen Gegenstand zum selbst entwickelten Druckstock.
Bildbetrachtung und eigenes Gestalten werden eng miteinander verbunden.
Dürers Werk dient als Impuls für Strukturen, nicht als Kopiervorlage.
Vorzeichnungen entlasten die Herstellung des Druckstocks.
Weiche Platten und stumpfe Werkzeuge reduzieren das Verletzungsrisiko.
Der erste Abzug besitzt diagnostische Funktion. Der zweite Abzug ermöglicht eine unmittelbare Überarbeitung.
Partnergespräche fördern fachsprachliches Beschreiben.
Die Präsentation von erstem und zweitem Druck macht individuelle Lernwege sichtbar. Museumsrundgänge fördern die Wahrnehmung unterschiedlicher Lösungen.
Feste Material-, Druck- und Trockenstationen reduzieren organisatorische Unruhe.
Eine Abschlussausstellung schafft einen authentischen Präsentationsanlass.
Mein Fazit
Drucken ist für mich ein Thema, bei dem ich direkt an meinen eigenen UB denken muss. Mein wichtigster Gedanke ist: Drucken ist nicht nur eine Technik, sondern ein wirklich sichtbarer Lernprozess: vom Abdruck zur Idee, vom ersten Versuch zur bewussten Gestaltung.
Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.
FAQ
Für welche Klasse eignet sich der Unterrichtsentwurf Drucken?
Der Unterrichtsentwurf eignet sich besonders für Klasse 3/4. Der Weißliniendruck mit Fantasietieren nach Albrecht Dürer passt besonders gut zu Klasse 4.
Welche UB-Stunde eignet sich zum Thema Drucken?
Eine UB-Idee ist „Weiße Linien, dunkle Flächen – Wir drucken Fantasietiere nach Albrecht Dürer“. Die Kinder stellen Abzüge her, vergleichen ersten und zweiten Druck und optimieren ihr Vorgehen.
Was ist Hochdruck?
Beim Hochdruck werden die erhöhten Flächen eines Druckstocks eingefärbt und gedruckt. Vertiefte Stellen bleiben frei oder erscheinen heller.
Was ist Weißliniendruck?
Beim Weißliniendruck werden Linien in eine Druckplatte gedrückt. Diese Linien bleiben beim Drucken hell, während die erhöhten Flächen Farbe auf das Papier übertragen.
Warum eignet sich Albrecht Dürers Rhinozeros für die Grundschule?
Dürers „Rhinozeros“ zeigt viele auffällige Linien, Muster und Strukturen. Da das Tier nicht rein naturgetreu wirkt, können Kinder daraus eigene Fantasietiere entwickeln.
Welche Materialien braucht man für eine Druckreihe?
Geeignet sind Stempelfarbe, Schwämme, Korken, Blätter, Karton, Moosgummi, Styreneplatten, Farbwalzen, wasserlösliche Druckfarbe, Papiere und Trockenplätze.
Was ist beim Drucken organisatorisch wichtig?
Wichtig sind klare Druckstationen, wenig Farbe, feste Trockenplätze, vorbereitete Papierstapel, Materialregeln, Reinigungstücher und ausreichend Zeit zum Aufräumen.
Wie kann man Drucke im Kunstunterricht bewerten oder reflektieren?
Nicht nur Sauberkeit ist wichtig. Kinder können Farbauftrag, Linienwirkung, Kontrast, Struktur, Druckqualität, Überarbeitung und Bildwirkung reflektieren.







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