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Quickfacts
Fächer & Klasse: Die Unterrichtsreihe zum Thema Glück und Unglück eignet sich für die Klassen 1 bis 4 und lässt sich besonders gut fachübergreifend in Praktischer Philosophie/Ethik, Religion und Deutsch einsetzen.
Zentraler Lernweg: Die Kinder entwickeln zunächst eigene Vorstellungen davon, was Glück bedeutet. Anschließend unterscheiden sie zwischen Glück haben und glücklich sein, setzen sich anhand des Bilderbuchs Herr Glück und Frau Unglück mit unterschiedlichen Blickweisen auf das Leben auseinander, reflektieren Wünsche und Bedürfnisse und fragen schließlich, ob und wie Menschen das Glück anderer beeinflussen können.
Bilderbuch-Empfehlung: Besonders gut passt „Herr Glück und Frau Unglück“ von Antonie Schneider und Susanne Straßer. Frau Unglück lebt zunächst zurückgezogen und freudlos. Mit Herrn Glück zieht ein Nachbar ein, dessen farbenfrohe und lebensbejahende Art schließlich auch Frau Unglücks Welt verändert. Das Buch bietet viele Gesprächsanlässe zu Glück, Lebenshaltung, Freundlichkeit und der Frage, ob Glück „ansteckend“ sein kann. Der Verlag empfiehlt das Bilderbuch bereits ab vier Jahren, gleichzeitig bietet es auch für ältere Grundschulkinder genügend philosophisches Potenzial. (Thienemann – Herr Glück und Frau Unglück)
UB-Idee: Besonders passend finde ich die philosophische Frage „Kann ich einen anderen Menschen glücklich machen?“. Sie besitzt bewusst keine einfache Ja-Nein-Antwort. Die Kinder untersuchen verschiedene Situationen und unterscheiden zunehmend zwischen etwas Gutes tun, Glück ermöglichen und der Vorstellung, das Glück eines anderen Menschen vollständig bestimmen zu können.
Fachübergreifender Schwerpunkt: In Praktischer Philosophie beziehungsweise Ethik stehen Gefühle, Wohlbefinden, Wünsche und begründete Urteile im Mittelpunkt. Religion eröffnet die Perspektive auf menschliche Grunderfahrungen wie Freude, Glück, Gelingen, Scheitern und Leid. Deutsch unterstützt das philosophische Gespräch durch Zuhören, Bezugnehmen, Erzählen und das begründete Vertreten eigener Positionen.
Die Links zu Materialien sind Affiliate-Links. Für Käufer*innen ändert sich der Preis nicht, ich bekomme nur eine kleine Unterstützung für meine Arbeit.
Die Reihe habe ich als Grundstruktur geplant. Ihr könnt sie selbstverständlich für euren Unterricht und auch für Unterrichtsbesuche nutzen, solltet sie aber immer an die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Lernstände eurer eigenen Klasse anpassen.
Hinweis zu den Abbildungen: Die fotorealistischen Bilder wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung. Sie zeigen keine realen Schüler*innen und dokumentieren keine tatsächlich stattgefundenen Unterrichtssituationen.
Allgemeines
Was ist eigentlich Glück?
Ein Geschenk?
Ein guter Freund?
Ein gewonnenes Fußballspiel?
Gesund sein?
Oder kann man sogar glücklich sein, obwohl gerade etwas nicht gut läuft?
Gerade deshalb eignet sich das Thema so gut zum Philosophieren mit Kindern.
Es gibt nicht die eine Definition, die am Ende ins Heft geschrieben und auswendig gelernt wird. Viel interessanter ist, wie unterschiedlich Kinder Glück wahrnehmen und welche Gründe sie für ihre Vorstellungen entwickeln.
Auch die Materialien des rbb zum Thema Glück sind bewusst fachübergreifend angelegt. Dort wird unter anderem zwischen dem kleinen Glück, dem großen Glück und dem geteilten Glück unterschieden. Besonders hervorgehoben wird außerdem die philosophisch spannende Unterscheidung zwischen „Glück haben“ und „glücklich sein“. (rbb – Aktion Schulstunde Glück, Methodisch-didaktische Hinweise)
Für mich sollte die Reihe dabei nicht die Botschaft vermitteln:
„Wenn du nur positiv denkst, kannst du immer glücklich sein.“
Auch Traurigkeit, Enttäuschung, Pech und schwierige Erfahrungen gehören zum Leben.
Spannender ist die Frage:
Was können wir beeinflussen – und was nicht?
Der rote Faden der Reihe wäre deshalb:
Glück entdecken → Glück unterschiedlich deuten → Wünsche hinterfragen → Glück teilen → Unglück zulassen → eigene Gedanken zum guten Leben entwickeln.
Reihenplanung
Thema der Reihe
Glück und Unglück – Philosophieren über Gefühle, Wünsche und ein gutes Leben
Kindgerechte Themenformulierung
„Was macht eigentlich glücklich?“
Kernanliegen der Reihe
Die Lernenden erweitern ihre Reflexions- und Urteilsfähigkeit, indem sie unterschiedliche Vorstellungen von Glück und Unglück wahrnehmen, eigene und fremde Positionen vergleichen, Wünsche, Bedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten hinterfragen sowie ihre Gedanken zunehmend begründet versprachlichen, um ein differenziertes Verständnis davon zu entwickeln, dass Glück individuell erlebt wird, teilweise beeinflussbar ist und auch neben schwierigen Erfahrungen bestehen kann.
Aufbau der Reihe
| Einheit | Forscherfrage / Thema | Kompetenzschwerpunkt |
| 1. Dem Glück auf der Spur | „Was ist für mich Glück?“ | Die Lernenden entwickeln und vergleichen unterschiedliche Glücksvorstellungen, indem sie eigene Glücksmomente sammeln, versprachlichen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herausarbeiten. |
| 2. Herr Glück und Frau Unglück | „Warum erleben zwei Menschen die Welt so unterschiedlich?“ | Die Lernenden untersuchen unterschiedliche Perspektiven auf Glück und Unglück, indem sie Figuren, Bilder und Veränderungen des Bilderbuchs deuten und mit eigenen Vorstellungen vergleichen. |
| 3. Was braucht man zum Glück? | „Macht alles, was ich mir wünsche, auch glücklich?“ | Die Lernenden unterscheiden Wünsche und Bedürfnisse, indem sie materielle und immaterielle Glücksvorstellungen vergleichen und deren Bedeutung für das eigene Wohlbefinden reflektieren. |
| 4. UB-Stunde: Geteiltes Glück | „Kann ich einen anderen Menschen glücklich machen?“ | Die Lernenden entwickeln ein differenziertes Verständnis geteilten Glücks, indem sie unterschiedliche Situationen beurteilen, Handlungsmöglichkeiten entwickeln und begründen, inwiefern Menschen das Wohlbefinden anderer beeinflussen können. |
| 5. Wenn etwas nicht glücklich läuft | „Darf man auch unglücklich sein?“ | Die Lernenden reflektieren den Umgang mit unangenehmen Gefühlen und schwierigen Situationen, indem sie zwischen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Erfahrungen unterscheiden und unterstützende Handlungsmöglichkeiten entwickeln. |
| 6. Unser Koffer voller Glück | „Was nehmen wir für ein gutes Leben mit?“ | Die Lernenden bündeln ihre Erkenntnisse, indem sie persönliche und gemeinschaftliche Glücksideen auswählen, begründen und in einem gemeinsamen Abschlussprodukt sichern. |
Vertiefung der einzelnen Einheiten
Einheit 1: Dem Glück auf der Spur – Was ist für mich Glück?
Zum Einstieg würde ich eine sehr offene Frage stellen:
„Wann warst du zuletzt glücklich?“
Kinder können ihre Antwort:
erzählen,
malen,
aufschreiben,
durch einen Gegenstand darstellen.
Anschließend werden die Glücksmomente gesammelt.
Sehr wahrscheinlich entstehen ganz unterschiedliche Kategorien:
Menschen: Familie, Freund*innen
Erlebnisse: Geburtstag, Urlaub, Spielen
Erfolg: etwas schaffen, gewinnen
Natur: Sonne, Tiere, draußen sein
Materielles: Geschenk, Spielzeug
Alltägliches: Lieblingsessen, Kuscheln, Lachen
Gerade diese Vielfalt ist der Lerngegenstand.
Die Reihe „Glücksunterricht“ von Grundschule aktuell beginnt ebenfalls mit der Frage „Was ist eigentlich Glück?“ und nutzt die unterschiedlichen Vorstellungen der Kinder als Ausgangspunkt für weitere philosophische Gespräche. (Grundschule aktuell – Glück)
In Klasse 3/4 kann zusätzlich die sprachliche Unterscheidung eingeführt werden:
Glück haben: Etwas Günstiges passiert mir.
glücklich sein: Ich empfinde Zufriedenheit beziehungsweise Freude.
Beispiel:
„Ich habe Glück, weil ich den Bus gerade noch erreicht habe.“
ist etwas anderes als:
„Ich bin glücklich, weil ich mich bei meiner Familie geborgen fühle.“
Lernzuwachs: Die Kinder erkennen, dass Glück individuell unterschiedlich erlebt wird und beginnen, zwischen einzelnen glücklichen Ereignissen und längerem Wohlbefinden zu unterscheiden.
Einheit 2: Herr Glück und Frau Unglück – Warum erleben zwei Menschen die Welt so unterschiedlich?
Nun würde ich das Bilderbuch „Herr Glück und Frau Unglück“ einsetzen.
Das Buch eignet sich besonders schön, weil bereits die Illustrationen zwei völlig unterschiedliche Welten erzeugen.
Frau Unglücks Umgebung erscheint zunächst dunkel und zurückgezogen.
Herr Glück bringt dagegen:
Farbe,
Pflanzen,
Aktivität,
Offenheit,
zahlreiche Glückssymbole
in die Geschichte.
Grundschule aktuell beschreibt ebenfalls, wie stark die Illustration mit diesen Gegensätzen arbeitet. Während Herr Glück sehr farbenfroh dargestellt wird, dominieren bei Frau Unglück zunächst dunkle Farben. Mit der Veränderung der Figur kommen zunehmend Farbtupfer hinzu.
Die Kinder können überlegen:
Ist Herr Glück glücklich, weil ihm nur gute Dinge passieren?
Warum ist Frau Unglück unglücklich?
Kann Herr Glück Frau Unglück verändern?
Hat Frau Unglück selbst Einfluss darauf?
Kann man entscheiden, glücklich zu sein?
Wichtig finde ich, hier nicht zu schnell auf:
„Herr Glück denkt positiv und deshalb geht es ihm gut.“
zu verkürzen.
Das Bilderbuch ist vielmehr ein philosophischer Impuls.
Der Verlag beschreibt die Geschichte selbst als Erzählung darüber, wo das Glück zu Hause ist.
Lernzuwachs: Die Kinder erkennen, dass dieselbe Welt unterschiedlich wahrgenommen werden kann, und entwickeln erste Gedanken darüber, wie Erlebnisse, Beziehungen und eigene Einstellungen das Wohlbefinden beeinflussen können.
Einheit 3: Was braucht man zum Glück? – Macht alles, was ich mir wünsche, auch glücklich?
An der Tafel stehen beispielsweise:
ein neues Fahrrad
eine beste Freundin
genug Essen
100 Euro
gesund sein
ein eigenes Tablet
jemanden haben, der zuhört
Die Kinder dürfen zunächst sortieren:
„Das brauche ich zum Glück.“
„Das wäre schön.“
„Das brauche ich nicht.“
Natürlich wird es keine einheitliche Lösung geben.
Genau daraus entsteht das Gespräch.
Für ältere Kinder kann anschließend zwischen Wunsch und Bedürfnis unterschieden werden.
Der NRW-Lehrplan Praktische Philosophie greift diesen Bereich ausdrücklich auf. Bereits in der Schuleingangsphase sollen Kinder individuelle materielle und immaterielle Wünsche formulieren und zwischen erfüllbaren und unerfüllbaren Wünschen unterscheiden. Bis Ende Klasse 4 sollen sie Wünsche hinsichtlich ihrer Erfüllbarkeit und Wertigkeit reflektieren und deren Bedeutung erörtern.
Spannend finde ich Fragen wie:
Kann man alles haben und trotzdem unglücklich sein?
Braucht jeder Mensch dasselbe zum Glück?
Macht Geld glücklich?
Kann etwas nur kurz glücklich machen?
Der rbb greift genau solche philosophischen Fragen ebenfalls auf und unterscheidet das kleine kurzfristige Glück von umfassenderen Vorstellungen eines guten und gelingenden Lebens.
Lernzuwachs: Die Kinder unterscheiden zunehmend zwischen Wünschen, Bedürfnissen und verschiedenen Formen des Glücks und erkennen, dass die Erfüllung eines Wunsches nicht automatisch dauerhaftes Glück bedeutet.
Einheit 4: Geteiltes Glück – Kann ich einen anderen Menschen glücklich machen?
Diese Einheit würde ich als UB-Stunde wählen.
Zum Einstieg erhält die Klasse eine Situation:
Ein Kind ist neu in der Klasse und sitzt in der Pause allein.
Die Frage:
„Kann ich dieses Kind glücklich machen?“
Erste Antwort wahrscheinlich:
„Ja! Ich spiele mit ihm.“
Dann kommt eine zweite Situation:
Ein Kind hat einen wichtigen Wettbewerb verloren und ist sehr traurig.
Hilft:
„Sei doch glücklich!“?
Oder ein Geschenk?
Oder Trost?
Plötzlich wird deutlich:
Wir können das Glück anderer beeinflussen – aber nicht vollständig bestimmen.
Nun erhalten die Kinder unterschiedliche Situationen:
jemand ist allein,
jemand hat Geburtstag,
jemand ist traurig,
jemand hat etwas geschafft,
jemand hat Angst,
jemand braucht Hilfe,
jemand möchte gerade lieber allein sein.
Sie überlegen:
Was könnte ich tun?
Würde das die Person automatisch glücklich machen?
Woher weiß ich überhaupt, was sie braucht?
Der rbb fasst den Themenbereich als „geteiltes Glück“ zusammen und lässt Kinder untersuchen, wie Menschen durch ihr Handeln zum Wohlbefinden anderer beitragen können.
Die entscheidende Erkenntnis könnte lauten:
Ich kann anderen etwas Gutes tun und Glücksmomente ermöglichen. Aber ich kann nicht bestimmen, wie ein anderer Mensch sich fühlt.
Das finde ich als Lernzuwachs deutlich differenzierter als:
„Wenn ich nett bin, mache ich andere glücklich.“
Lernzuwachs: Die Kinder erkennen, dass Menschen durch Aufmerksamkeit, Hilfe, Gemeinschaft und Freundlichkeit zum Wohlbefinden anderer beitragen können, Glück jedoch individuell bleibt und nicht vollständig von außen hergestellt werden kann.
Einheit 5: Wenn etwas nicht glücklich läuft – Darf man auch unglücklich sein?
Diese Stunde finde ich für die Reihe fast genauso wichtig wie die Glücksstunden.
Denn sonst entsteht schnell der Eindruck:
Glücklich = gut.
Traurig = schlecht und muss möglichst schnell weg.
Zum Einstieg könnten unterschiedliche Situationen gezeigt werden:
Ein Haustier ist gestorben.
Ein Freund zieht weg.
Eine Klassenarbeit ist nicht gelungen.
Ein Spiel wurde verloren.
Jemand hat Streit.
Die Kinder überlegen:
Muss man jetzt wieder möglichst schnell glücklich werden?
Vielleicht lautet die Antwort:
Nein.
Auch Traurigkeit, Enttäuschung oder Ärger dürfen da sein.
Dann kann gefragt werden:
Was hilft manchmal trotzdem?
reden,
Zeit,
Trost,
Nähe,
Bewegung,
Ruhe,
Unterstützung,
eine Lösung suchen.
Der NRW-Lehrplan Praktische Philosophie verankert ausdrücklich das Benennen angenehmer und unangenehmer Gefühle sowie Möglichkeiten des Umgangs mit eigenen Gefühlen und der Selbstsorge.
Auch im evangelischen Religionslehrplan werden menschliche Grunderfahrungen nicht auf Freude reduziert. Kinder sollen sich ausdrücklich mit Freude, Liebe, Glück, Gelingen, Scheitern, Leid und Tod beschäftigen und eigene Fragen dazu entwickeln.
Lernzuwachs: Die Kinder erkennen Unglück und unangenehme Gefühle als normale Bestandteile menschlicher Erfahrung und unterscheiden zwischen dem Zulassen eines Gefühls und Möglichkeiten, mit einer schwierigen Situation umzugehen.
Einheit 6: Unser Koffer voller Glück – Was nehmen wir für ein gutes Leben mit?
Zum Abschluss entsteht ein Koffer voller Glück.
Das passt übrigens auch schön als Verbindung zu deinem Affiliate-Buchtipp Emma und ein Koffer voller Glück.
In den Koffer kommen Karten mit Erkenntnissen der Kinder.
Zum Beispiel:
Glück kann für jeden anders aussehen.
Freunde können glücklich machen.
Nicht jeder Wunsch macht dauerhaft glücklich.
Ich kann anderen Glücksmomente schenken.
Ich darf auch traurig sein.
Manches kann ich verändern – manches nicht.
Kleine Dinge können wichtig sein.
Jedes Kind wählt beispielsweise drei Karten:
Eine Sache, die mich glücklich macht.
Etwas, das ich für andere tun kann.
Etwas, das mir hilft, wenn es mir nicht gut geht.
Klasse 3/4 kann zusätzlich eine eigene kleine Antwort auf die philosophische Ausgangsfrage formulieren:
„Glück bedeutet für mich …“
und begründen, ob sich die eigene Antwort seit der ersten Stunde verändert hat.
Lernzuwachs: Die Kinder bündeln unterschiedliche Perspektiven auf Glück und Unglück und entwickeln eine zunehmend differenzierte persönliche Position zu der Frage, was zu einem guten Leben beitragen kann.
UB-Stunde
Thema der Stunde
Geteiltes Glück – Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Einflusses auf das Glück anderer Menschen philosophisch untersuchen
Kindgerechte Forscherfrage
„Kann ich einen anderen Menschen glücklich machen?“
Ich finde die Frage für einen Unterrichtsbesuch besonders stark, weil sie nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantwortet werden kann.
Am Anfang sagen viele Kinder vermutlich:
„Natürlich!“
Im Laufe des Gesprächs wird die Antwort differenzierter:
„Ich kann etwas tun, das dem anderen gut tut.“
„Aber vielleicht möchte er etwas anderes.“
„Ich kann helfen – aber ich kann das Gefühl nicht bestimmen.“
Genau das ist für mich echtes Philosophieren.
Ziel der Stunde
Die Lernenden erweitern ihre philosophische Reflexions- und Urteilsfähigkeit, indem sie unterschiedliche Situationen hinsichtlich möglicher Beiträge zum Glück anderer Menschen untersuchen, verschiedene Handlungsmöglichkeiten und deren Grenzen miteinander vergleichen und ihre Positionen begründet vertreten, um ein zunehmend differenziertes Verständnis davon zu entwickeln, dass Menschen das Wohlbefinden anderer beeinflussen, deren Glück jedoch nicht vollständig bestimmen können.
Verlauf der Stunde
| Phase | Inhalt | Sozialform / Methode | Material |
| Einstieg | Bildimpuls: Ein Kind sitzt allein auf dem Schulhof. „Kann ich dieses Kind glücklich machen?“ | Philosophischer Sitzkreis | Bild |
| Positionierung | Kinder positionieren sich zunächst zu Ja – Nein – Vielleicht. | Positionierung | Karten |
| Problemöffnung | Unterschiedliche Begründungen werden gesammelt. „Woher wissen wir eigentlich, was das Kind braucht?“ | Gespräch | |
| Forscherfrage | „Kann ich einen anderen Menschen glücklich machen?“ | Plenum | Fragekarte |
| Erarbeitung I | Paare untersuchen unterschiedliche Alltagssituationen und entwickeln mögliche Handlungen. | Partnerarbeit | Situationskarten |
| Vertiefung | Zusatzfrage: „Macht unsere Idee die Person sicher glücklich?“ | Partnerarbeit | Denkkarte |
| Philosophisches Gespräch | Ausgewählte Situationen werden gemeinsam diskutiert. Kinder beziehen sich aufeinander und begründen ihre Position. | Sitzkreis | Gesprächsstein |
| Irritation | Beispiel: Eine Person möchte gerade allein sein. Ist „mitspielen lassen“ dann trotzdem immer hilfreich? | Plenum | Impulskarte |
| Sicherung | Gemeinsame Erkenntnisse werden gesammelt: „Glück teilen kann bedeuten … / Wir können nicht …“ | Plenum | Tafel |
| Neue Positionierung | Erneut Ja – Nein – Vielleicht. Kinder dürfen ihre Position verändern und begründen. | Positionierung | Karten |
| Abschluss | „Meine Antwort hat sich verändert, weil …“ | Blitzlicht | Satzstarter |
Mögliches Tafelbild
Kann ich andere glücklich machen?
Ich kann …
❤️ zuhören
🤝 helfen
👥 Gemeinschaft anbieten
🎁 etwas teilen
😊 freundlich sein
🫶 trösten
Aber:
❓ Ich weiß nicht immer sofort, was jemand braucht.
💭 Menschen empfinden unterschiedlich.
❤️🩹 Traurigkeit darf da sein.
➡️ Ich kann Glück ermöglichen – aber nicht bestimmen.
Anforderungsbereiche
AB I – Wahrnehmen und beschreiben:
Die Lernenden benennen Gefühle, Wünsche und offensichtliche Handlungsmöglichkeiten in konkreten Situationen.
AB II – Vergleichen und begründen:
Die Lernenden vergleichen verschiedene Möglichkeiten, zum Wohlbefinden anderer beizutragen, und erläutern, warum eine Handlung in einer bestimmten Situation passend sein könnte.
AB III – Urteilen und reflektieren:
Die Lernenden setzen sich mit der philosophischen Frage auseinander, ob Menschen andere glücklich machen können, wägen unterschiedliche Positionen ab und entwickeln eine begründete, differenzierte eigene Position.
Differenzierungsmöglichkeiten
Unterstützend
Situationen ausschließlich über Bilder darstellen
Gefühlsbilder verwenden
Bedürfnisse als Bildkarten anbieten
Antwortmöglichkeiten Ja – Nein – Vielleicht
Satzstarter: „Ich denke …, weil …“
Satzstarter: „Vielleicht hilft …“
Partnergespräch vor dem Sitzkreis
eigene Beiträge auch malen lassen
konkrete statt abstrakte Situationen
Gesprächsregeln visualisieren
begrenzte Auswahl an Handlungsmöglichkeiten
Beiträge durch Symbole sammeln
Erweiternd
ambivalente Situationen einsetzen
verschiedene Personenperspektiven vergleichen
zwischen kurzfristigem und langfristigem Glück unterscheiden
„Glück haben“ und „glücklich sein“ differenzieren
fragen: „Kann jemand glücklich sein und gleichzeitig traurig?“
untersuchen: „Macht Geld glücklich?“
zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden
Gegenargumente zu eigenen Positionen formulieren
philosophische Fragen selbst entwickeln
eigene Meinung nach dem Gespräch bewusst revidieren
Glücksvorstellungen unterschiedlicher Menschen vergleichen
fragen: „Bin ich für das Glück anderer verantwortlich?“
Für ältere Kinder würde ich nicht einfach mehr Schreibaufgaben geben. Anspruchsvoller wird das Philosophieren durch Mehrdeutigkeit, Perspektivwechsel und das Abwägen unterschiedlicher Argumente.
Ideen für Klasse 1 bis 4
| Klasse | Mögliche Umsetzung |
| 1 | stark bildgestützt über Glücksmomente, Gefühle und Herr Glück und Frau Unglück sprechen; Antworten malen oder mündlich äußern |
| 2 | Wünsche, kleine Glücksmomente und geteiltes Glück stärker versprachlichen; erste einfache Begründungen |
| 3 | zwischen Glück haben und glücklich sein unterscheiden, unterschiedliche Positionen diskutieren und Wünsche hinterfragen |
| 4 | komplexere philosophische Fragen zu Verantwortung, materiellen und immateriellen Gütern, Leid, Zufriedenheit und gelingendem Leben diskutieren |
Das Bilderbuch funktioniert damit tatsächlich durch alle Klassenstufen.
Der Unterschied liegt vor allem in der Tiefe der Fragen.
Materialideen
| Material | Einsatz |
| Herr Glück und Frau Unglück | zentraler Bilderbuchimpuls |
| Glücksbohnen / Glas | kleine Glücksmomente sammeln |
| Bildkarten | philosophische Situationen eröffnen |
| Gefühlsbilder | Emotionen differenzieren |
| Wunschkarten | Wünsche und Bedürfnisse untersuchen |
| Ja-Nein-Vielleicht-Schilder | Positionierung |
| Gesprächsstein | philosophisches Gespräch strukturieren |
| Glückstagebuch | kleine Glücksmomente dokumentieren |
| Glückskoffer | Abschlussprodukt |
| Glückssymbole | kulturelle Vorstellungen untersuchen |
| philosophische Fragekarten | Gesprächsimpulse |
| Satzstarter | Begründungen unterstützen |
| RBB-Filme zu Knietzsche | optionaler medialer Impuls |
| Karten „Glück haben / glücklich sein“ | Begriffsdifferenzierung |
Als zentrales Bilderbuch eignet sich Herr Glück und Frau Unglück – Ein Bilderbuch über das Glücklichsein.
Weitere Gesprächsimpulse bietet Einfach Glück unterrichten: 30 Glücksfragen als Impuls – inklusive Übungen und Karten.
Als weitere Bilderbuchidee passt Emma und ein Koffer voller Glück – Ein Kinderbuch über Selbstliebe, Selbstvertrauen und das Glück, das in uns wohnt.
Zusätzlich findet ihr umfangreiche kostenlose Impulse bei der rbb Aktion Schulstunde Glück, im Themen-Special Glück von Grundschule aktuell, beim Deutschen Bildungsserver sowie bei Auer.
Typische Schwierigkeiten
„Glück bedeutet immer fröhlich sein.“: Glück und Freude hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Auch Zufriedenheit, Geborgenheit oder Verbundenheit können dazugehören.
„Wenn ich positiv denke, kann ich immer glücklich sein.“: Diese Botschaft vermeiden. Nicht jedes Unglück und nicht jede belastende Situation lässt sich durch eine andere Einstellung lösen.
Traurigkeit wird als Problem behandelt, das sofort verschwinden muss: Auch unangenehme Gefühle dürfen bestehen und haben eine Funktion.
„Wer unglücklich ist, muss nur dankbarer sein.“: Zu vereinfachend und bei belastenden Lebenssituationen problematisch.
Kinder sollen sehr persönliche schwierige Erfahrungen erzählen: Persönliche Beiträge immer freiwillig halten. Philosophische Gespräche können gut mit fiktiven Figuren und Situationen geführt werden.
Das Bilderbuch wird moralisch vereindeutigt: Herr Glück und Frau Unglück lieber als Ausgangspunkt für Fragen nutzen als als Beweis dafür, dass eine bestimmte Lebenshaltung automatisch glücklich macht.
„Geld macht nicht glücklich“ wird zur fertigen Lehrkraftantwort: Spannender ist die Frage: Was kann Geld ermöglichen – und was nicht?
Materielle Wünsche werden abgewertet: Auch ein Spielzeug oder Geschenk darf glücklich machen. Interessanter ist die Frage nach Dauer, Bedeutung und Unterschiedlichkeit.
Kinder sollen Glück immer „teilen“: Auch eigene Grenzen und Bedürfnisse gehören zu einem guten Leben.
Die Unterrichtsreihe wird zur Sammlung von Wellnessübungen: Achtsamkeit, Dankbarkeit oder Entspannung können ergänzen. Der fachliche Kern bleibt aber das Nachdenken, Begründen und Urteilen.
Philosophieren wird zum Frage-Antwort-Gespräch mit gewünschter Lösung: Die Lehrkraft sollte unterschiedliche begründete Positionen zulassen und selbst nicht zu früh die „richtige“ Antwort liefern.
Lehrplanbezug NRW
Die fachübergreifende Reihe lässt sich in NRW besonders gut über Praktische Philosophie, Religionslehre und Deutsch begründen.
Praktische Philosophie / ethische Perspektive
In NRW richtet sich das Fach Praktische Philosophie in der Primarstufe an Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Es widmet sich Sinn- und Wertefragen ohne Bindung an ein bestimmtes religiöses Bekenntnis und soll insbesondere Dialog-, Reflexions- und Urteilsfähigkeit entwickeln. Unterschiedliche Positionen sollen wahrgenommen und begründet vertreten werden können. (Quelle: Lehrplannavigator NRW)
Besonders direkt passt der Bereich „Das Ich“ mit dem Schwerpunkt „Meine Gefühle und mein Wohlbefinden“.
Bereits in der Schuleingangsphase sollen die Lernenden eigene angenehme und unangenehme Gefühle benennen und beschreiben. Bis Ende Klasse 4 sollen sie Gründe für Gefühle erklären, Möglichkeiten des Umgangs mit ihnen erläutern sowie über Selbstsorge und Wohlbefinden reflektieren.
Auch der Schwerpunkt „Meine Wünsche“ ist unmittelbar relevant. Kinder sollen Wünsche formulieren, zwischen erfüllbaren und unerfüllbaren Wünschen unterscheiden und später deren Wertigkeit reflektieren. Genau daran knüpft die Einheit „Macht alles, was ich mir wünsche, auch glücklich?“ an.
Religionslehre
Besonders deutlich ist der Bezug im evangelischen Religionslehrplan im Bereich „Miteinander leben in Gottes Schöpfung – Ich, Du, Wir“.
Für Klasse 3/4 werden dort menschliche Grunderfahrungen ausdrücklich genannt:
Freude, Liebe, Glück, Gelingen, Scheitern, Leid und Tod.
Die Lernenden sollen von eigenen beziehungsweise menschlichen Erfahrungen berichten und daraus Fragen entwickeln. Außerdem sollen sie grundlegende Fragen menschlichen Lebens in religiösen beziehungsweise biblischen Texten erkennen und mit eigenen Erfahrungen verbinden.
Damit passt gerade die Verbindung von Glück und Unglück gut zum Religionsunterricht: Ein gelingendes Leben wird nicht ausschließlich über dauerhaft positive Gefühle definiert.
Deutsch
Im Fach Deutsch liegt der Schwerpunkt vor allem im Bereich „Sprechen und Zuhören“.
Die Kinder sollen eigene Gesprächsbeiträge formulieren, Gesprächsregeln einhalten und zunehmend auf die Beiträge anderer Bezug nehmen. Bis Ende Klasse 4 sollen sie sich an unterschiedlichen Gesprächsformen beteiligen und eigene Standpunkte angemessen vortragen und begründen.
Genau das geschieht im philosophischen Gespräch:
Ich entwickle eine Meinung.
Ich höre eine andere Position.
Ich prüfe meine eigene Vorstellung.
Ich begründe, warum ich zustimme oder widerspreche.
Damit ist Philosophieren gleichzeitig eine sehr intensive Form sprachlichen Lernens.
Sachanalyse
Glück ist kein eindeutig definierter einzelner Zustand.
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden mindestens zwei Bedeutungen unterschieden:Glück haben: Ein günstiges Ereignis tritt ein, teilweise unabhängig vom eigenen Handeln.glücklich sein: Ein subjektives Erleben von Freude, Zufriedenheit, Wohlbefinden oder Gelingen.
Beide Bedeutungen müssen nicht zusammenfallen.
Ein Mensch kann beispielsweise bei einer Verlosung Glück haben, ohne sich grundsätzlich glücklich zu fühlen.
Umgekehrt kann sich ein Mensch insgesamt zufrieden fühlen, obwohl ihm gerade etwas Ungünstiges widerfährt.
Wohlbefinden beschreibt einen umfassenderen positiven Zustand und ist nicht auf einen einzelnen intensiven Glücksmoment beschränkt.
Glück ist subjektiv. Situationen, Beziehungen oder Gegenstände können von verschiedenen Personen unterschiedlich bewertet werden.
Materielle Dinge können Freude und Wohlbefinden auslösen, sind aber nicht automatisch mit dauerhaftem Glück gleichzusetzen.
Beziehungen, Zugehörigkeit, Sicherheit, Selbstwirksamkeit und erfüllte Bedürfnisse können ebenfalls zum Wohlbefinden beitragen.
Zwischen Wunsch und Bedürfnis sollte unterschieden werden.
Wünsche richten sich auf etwas Erwünschtes und können sehr individuell sein.
Bedürfnisse beziehen sich auf grundlegende Erfordernisse beziehungsweise subjektiv bedeutsame Voraussetzungen des Wohlbefindens.
Nicht jedes Bedürfnis oder jeder Wunsch kann jederzeit erfüllt werden.
Unglück kann sowohl einen ungünstigen äußeren Umstand als auch einen Zustand starken Unwohlseins bezeichnen.
Traurigkeit, Angst, Enttäuschung und Ärger sind nicht automatisch „falsche“ Gefühle und sollten nicht mit einem allgemeinen Defizit an Glück gleichgesetzt werden.
Das Erleben negativer Emotionen ist Bestandteil menschlicher Erfahrung.
Menschen können teilweise Einfluss auf ihr eigenes Wohlbefinden nehmen, beispielsweise durch soziale Beziehungen, Handlungen oder Selbstfürsorge.
Dieser Einfluss ist jedoch begrenzt. Krankheit, Verlust, Armut, Gewalt oder andere schwierige Lebensumstände lassen sich nicht durch eine bloße Einstellungsänderung aufheben.
Ebenso kann niemand den Gefühlszustand eines anderen Menschen vollständig bestimmen.
Menschen können jedoch Bedingungen schaffen, die das Wohlbefinden anderer unterstützen – etwa durch Hilfe, Trost, Aufmerksamkeit, Gemeinschaft oder Fürsorge.
Beim Philosophieren mit Kindern steht deshalb nicht das Finden einer einzigen Definition von Glück im Mittelpunkt, sondern das Entwickeln, Prüfen und Begründen unterschiedlicher Vorstellungen.
Herr Glück und Frau Unglück von Antonie Schneider und Susanne Straßer erschien 2013. Das Bilderbuch erzählt von zwei sehr unterschiedlichen Nachbarfiguren und stellt damit die Frage nach dem Verhältnis von Lebenshaltung, Begegnung und Glück in kindgerechter literarischer Form.
Didaktische Begründung
Hoher Lebensweltbezug: Jedes Kind kennt Glück, Freude, Enttäuschung und unerfüllte Wünsche.
Echte philosophische Fragen: Es gibt nicht nur eine richtige Antwort.
Perspektivübernahme: Unterschiedliche Glücksvorstellungen werden miteinander verglichen.
Urteilsbildung: Kinder lernen, nicht nur Meinungen zu äußern, sondern Gründe zu nennen.
Ambiguitätstoleranz: Unterschiedliche Positionen können gleichzeitig nachvollziehbar sein.
Gefühlsbildung: Angenehme und unangenehme Gefühle werden differenziert wahrgenommen.
Schutz vor toxischer Positivität: Unglück und Traurigkeit werden nicht als persönliches Versagen verstanden.
Wünsche reflektieren: Kinder können materielle und immaterielle Vorstellungen miteinander vergleichen, ohne bestimmte Wünsche abzuwerten.
Soziale Verantwortung: Die Frage nach geteiltem Glück eröffnet den Blick auf Gemeinschaft und Fürsorge.
Literarischer Zugang: Das Bilderbuch schafft Distanz zu sehr persönlichen Erfahrungen und ermöglicht trotzdem tiefgehende Gespräche.
Sprachbildung: Philosophische Gespräche fördern Zuhören, Begründen, Nachfragen und Bezugnehmen.
Fachübergreifendes Lernen: Philosophie, Religion und Deutsch betrachten dieselbe Grundfrage aus unterschiedlichen Perspektiven.
Sichtbarer Lernzuwachs: Aus „Glück ist, wenn ich bekomme, was ich will“ kann beispielsweise werden: „Ein Wunsch kann mich glücklich machen, aber Glück kann auch bedeuten, dass ich mich sicher fühle oder Menschen bei mir habe, die mir wichtig sind.“
Methodische Begründung
Offene Impulsfragen ermöglichen unterschiedliche Zugänge und verhindern vorgegebene Antworten.
Bilderbücher schaffen einen gemeinsamen Gegenstand, ohne persönliche Offenlegung zu verlangen.
Philosophischer Sitzkreis macht das gemeinsame Nachdenken zum Zentrum.
Ja-Nein-Vielleicht-Positionierungen machen unterschiedliche Standpunkte sichtbar.
Nachpositionierungen zeigen, dass Meinungen nach guten Argumenten verändert werden dürfen.
Situationskarten übersetzen abstrakte Fragen in konkrete kindliche Lebenssituationen.
Partnergespräche ermöglichen das Probeformulieren eigener Gedanken vor dem Plenum.
Satzstarter unterstützen das argumentative Sprechen.
Glückstagebuch beziehungsweise Glücksbohnen können die Wahrnehmung kleiner positiver Momente ergänzen, sollten aber nicht als Pflicht zum Glücklichsein verstanden werden.
Abschlussprodukt Glückskoffer bündelt unterschiedliche Erkenntnisse, ohne eine einheitliche Glücksdefinition vorzugeben.
Mein Fazit
Beim Thema Glück würde ich ganz bewusst nicht auf:
„Wir sammeln zehn Dinge, die uns glücklich machen.“
beschränken.
Das kann ein schöner Einstieg sein.
Aber danach wird es eigentlich erst spannend:
Macht alles glücklich, was ich mir wünsche?
Kann man gleichzeitig glücklich und traurig sein?
Bin ich selbst dafür verantwortlich, glücklich zu sein?
Kann ich jemand anderen glücklich machen?
Gerade die letzte Frage finde ich für einen UB richtig stark.
Am Anfang steht vielleicht:
„Ja, ich schenke ihm etwas.“
Später kann daraus werden:
„Vielleicht würde ein Geschenk helfen. Vielleicht braucht die Person aber gerade jemanden, der zuhört. Ich kann etwas Gutes tun – aber ich kann nicht entscheiden, wie sich jemand anderes fühlt.“
Und genau darin liegt für mich der Lernzuwachs.
Glück wird nicht mehr als einfache Sammlung schöner Dinge verstanden, sondern als etwas Persönliches, Vielschichtiges und manchmal auch Widersprüchliches.
Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.
FAQ
Für welche Klasse eignet sich das Thema Glück?
Grundsätzlich für Klasse 1 bis 4. Jüngere Kinder arbeiten stärker bildgestützt und an konkreten Glücksmomenten. In Klasse 3/4 können philosophische Fragen zunehmend differenziert diskutiert und begründet werden.
Welches Bilderbuch eignet sich zum Thema Glück?
Besonders schön finde ich „Herr Glück und Frau Unglück“ von Antonie Schneider und Susanne Straßer. Das Buch bietet über Geschichte und Illustrationen viele Anlässe zum Nachdenken über Glück, Lebenshaltung und Begegnungen mit anderen.
Was ist der Unterschied zwischen Glück haben und glücklich sein?
Glück haben bezeichnet häufig ein günstiges Ereignis. Glücklich sein beschreibt eher einen subjektiven Zustand von Freude, Zufriedenheit oder Wohlbefinden.
Kann man Glück lernen?
Menschen können bestimmte Bedingungen ihres Wohlbefindens beeinflussen und beispielsweise ihre Aufmerksamkeit auf positive Erfahrungen richten oder soziale Beziehungen pflegen. Daraus sollte aber nicht die Aussage entstehen, jeder Mensch könne unabhängig von seinen Lebensumständen jederzeit glücklich sein.
Macht Geld glücklich?
Die Frage eignet sich hervorragend zum Philosophieren, sollte aber nicht mit einer vorgegebenen Antwort beendet werden. Geld kann Sicherheit und Wünsche ermöglichen, ist aber nur einer von vielen möglichen Faktoren eines guten Lebens.
Darf man unglücklich sein?
Ja. Traurigkeit, Enttäuschung, Ärger oder Angst gehören zu menschlichen Erfahrungen. Unterricht über Glück sollte diese Gefühle nicht abwerten oder möglichst schnell „wegmachen“ wollen.
Welche UB-Stunde eignet sich zum Thema?
Ich würde die Frage „Kann ich einen anderen Menschen glücklich machen?“ wählen. Sie bietet unterschiedliche vertretbare Positionen und ermöglicht einen sichtbaren Lernzuwachs vom spontanen Urteil hin zu einer differenzierteren Begründung.
Wie philosophiere ich bereits mit Erstklässler*innen?
Über Bilder, Geschichten und sehr konkrete Fragen. Die Kinder können zeigen, malen, sich positionieren oder kurze Gedanken äußern. Philosophieren muss nicht bedeuten, lange abstrakte Diskussionen zu führen.
Passt das Thema zu Religion?
Ja. Im evangelischen NRW-Lehrplan werden Freude, Liebe, Glück, Gelingen, Scheitern und Leid ausdrücklich als menschliche Grunderfahrungen aufgeführt.
Passt das Thema zu Praktischer Philosophie beziehungsweise Ethik?
Sehr direkt. Gefühle, Wohlbefinden und Wünsche sind im NRW-Lehrplan Praktische Philosophie ausdrücklich curricular verankert.
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Unterrichtsentwurf Glück und Unglück für Klasse 1–4: fachübergreifende Reihe für Philosophie, Ethik, Religion und Deutsch mit Bilderbuch, UB-Stunde und Lehrplanbezug NRW.
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Diese fachübergreifende Unterrichtsreihe zu Glück und Unglück eignet sich für die Klassen 1 bis 4 und verbindet Praktische Philosophie beziehungsweise Ethik, Religion und Deutsch. In sechs aufeinander aufbauenden Einheiten philosophieren die Kinder über eigene Glücksvorstellungen, setzen sich mit dem Bilderbuch „Herr Glück und Frau Unglück“ auseinander, unterscheiden Wünsche und Bedürfnisse, untersuchen geteiltes Glück und reflektieren auch den Umgang mit Unglück und unangenehmen Gefühlen. Im Mittelpunkt der vorgeschlagenen UB-Stunde steht die Frage „Kann ich einen anderen Menschen glücklich machen?“. Enthalten sind Reihenplanung, Lernzuwachs, Anforderungsbereiche, Differenzierung, Materialideen, Sachanalyse sowie didaktische und methodische Begründungen und ein fachübergreifender Lehrplanbezug NRW.
Den MKR würde ich hier weglassen. Die rbb-Filme können zwar ein schöner optionaler Impuls sein, aber der eigentliche fachliche Kern liegt eindeutig im philosophischen Gespräch, Perspektivwechsel und begründeten Urteilen.





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