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Quickfacts
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Fach & Klasse: Die Reihe zu Hundertwasser eignet sich für die Klassen 1 bis 4. Die Anforderungen lassen sich über freie oder vorgegebene Formen, unterschiedliche Gestaltungsmittel und den Grad der Selbstständigkeit differenzieren.
Zentraler Lernweg: Die Kinder lernen Hundertwasser und seine Kunst kennen. Anschließend experimentieren sie mit Farbe, Form, Linie und Fenstergestaltung, gestalten winterliche Häuser und setzen diese zu einer Winterstadt zusammen.
Die Links zu Materialien sind ggf. Affiliate-Links. Für Käufer*innen ändert sich der Preis nicht, ich bekomme nur eine kleine Unterstützung für meine Arbeit.
Die Reihe habe ich als Grundstruktur geplant. Ihr könnt sie selbstverständlich für euren Unterricht und auch für Unterrichtsbesuche nutzen, solltet sie aber immer an die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Lernstände eurer eigenen Klasse anpassen.
Hinweis zu den Abbildungen: Die fotorealistischen Bilder wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung. Sie zeigen keine realen Schüler*innen und dokumentieren keine tatsächlich stattgefundenen Unterrichtssituationen.
Der winterlicher Kontext stammt nicht aus Hundertwassers Werk selbst, sondern ist eine unterrichtliche Weiterentwicklung. Er bietet einen motivierenden Rahmen, sollte aber von den künstlerischen Merkmalen unterschieden werden.
Allgemeines
Hundertwasser gehört zu den Künstlern, deren Werke sich für die Grundschule super eignen. Seine Architektur wirkt bunt, verspielt und ungewöhnlich - dahinter stecken aber konkrete Vorstellungen über Individualität, Natur und die Gestaltung unserer Lebensräume.
Hundertwasser, geboren 1928 in Wien, arbeitete als Maler und gestaltete Architekturprojekte. Zu den wiederkehrenden Merkmalen seiner Bild- und Formensprache gehören kräftige Farben, organische Formen, Spiralen, unregelmäßige Strukturen und die bewusste Abkehr von monotonen Rasterfassaden. In seinen Architekturprojekten spielen begrünte Dächer, sogenannte „Baummieter“, unterschiedlich gestaltete Fenster und das von ihm formulierte Fensterrecht eine wichtige Rolle.
Deshalb würde ich die Reihe nicht als: „Male das Haus wie Hundertwasser.“ anlegen. Viel interessanter ist: Welche Gestaltungsideen entdecken wir und wie können wir daraus ein eigenes Haus entwickeln? Der rote Faden wäre: Hundertwasser kennenlernen → Merkmale entdecken → Farb- und Formideen erproben → Häuser gestalten → Stadt inszenieren.

Reihenplanung
Thema der Reihe
Hundertwasser im Winter. Eine farbenfrohe Stadt zwischen Kunst, Architektur und Fantasie gestalten.
Kindgerechte Themenformulierung
„Unsere bunte Winterstadt nach Hundertwasser“. Alternativ etwas stärker auf Weihnachten bezogen: „Ein Weihnachtsmarkt nach Hundertwasser“
Kernanliegen der Reihe
Die Lernenden erweitern ihr bildnerisches Ausdrucks- und Gestaltungsvermögen, indem sie Merkmale der Kunst Friedensreich Hundertwassers wahrnehmen, beschreiben und praktisch erproben sowie eigene winterliche Häuser durch den gezielten Einsatz von Farbe, Linie, Form und Material gestalten, um aus künstlerischen Impulsen individuelle Bildideen zu entwickeln und diese in einer gemeinsamen Winterstadt wirkungsvoll zu präsentieren.
Aufbau der Reihe
| Einheit | Leitfrage | Kompetenzschwerpunkt |
| 1. Hundertwassers bunte Häuserwelt | „Was macht Hundertwassers Häuser so besonders?“ | Die Lernenden untersuchen Werke und Architektur, indem sie Farben, Formen, Linien, Fenster und Naturbezüge beschreiben und daraus typische Gestaltungsideen ableiten. |
| 2. Winterhimmel voller Farbe | „Wie können Farben einen winterlichen Hintergrund wirken lassen?“ | Die Lernenden experimentieren mit Wasserfarben und Farbverläufen, indem sie einen winterlichen Himmel beziehungsweise Hintergrund gestalten und unterschiedliche Farbwirkungen vergleichen. |
| 3. Häuser, die aus der Reihe tanzen | „Wie wird aus einem gewöhnlichen Haus ein lebendiges Hundertwasser-Haus?“ | Die Lernenden untersuchen und erproben Gestaltungsmerkmale, indem sie gewöhnliche Hausformen durch unregelmäßige Linien, individuelle Fenster, kräftige Farbflächen und organische Details verändern. |
| 4. Unsere Hundertwasser-Häuser entstehen | „Wie gestalte ich mein eigenes Winterhaus?“ | Die Lernenden entwickeln eine individuelle Hausgestaltung, indem sie ausgewählte Hundertwasser-Merkmale mit eigenen Ideen kombinieren und mit unterschiedlichen Mal- und Zeichenmaterialien umsetzen. |
| 5. Unsere Winterstadt bekommt Tiefe | „Wie werden aus vielen einzelnen Häusern eine gemeinsame Winterstadt?“ | Die Lernenden komponieren ihre Einzelarbeiten zu einem Gesamtbild, indem sie Häuser räumlich anordnen, mit Abstandshaltern montieren und winterliche bzw. weihnachtliche Elemente ergänzen. |

Vertiefung der einzelnen Einheiten
Einheit 1: Hundertwassers bunte Häuserwelt – Was macht Hundertwassers Häuser so besonders?
Zum Einstieg würde ich verschiedene Architekturbeispiele groß zeigen. Die erste Frage lautet zunächst ganz offen: „Was fällt euch auf?“ Die Kinder sammeln beispielsweise:
viele kräftige Farben
unterschiedliche Fenster
geschwungene Linien
ungewöhnliche Dächer
runde / organische Formen
Spiralen, Muster und Mosaike
Anschließend kann Hundertwasser vorgestellt werden. Spannend finde ich sein Fensterrecht. Hundertwasser vertrat die Idee, dass Bewohner*innen den Bereich um ihr Fenster individuell gestalten dürfen. Dahinter steht seine Kritik an gleichförmigen Fassaden und sein Wunsch nach mehr Individualität in der Architektur.
Auch die Verbindung von Architektur und Natur spielt eine Rolle. In seinen Projekten finden sich begrünte Dächer, Pflanzen und sogenannte Baummieter. Hundertwasser setzte bewusst Vielfalt und organische Formen gegen monotone Raster und gleichförmige Architektur.
Lernzuwachs: Die Kinder benennen nicht nur „bunt“ als Merkmal, sondern unterscheiden zunehmend konkrete Gestaltungsmittel wie unregelmäßige Fenster, organische Linien, Farbflächen, Spiralen und Naturbezüge.
Einheit 2: Winterhimmel voller Farbe - Wie können Farben einen winterlichen Hintergrund wirken lassen?
Bevor die Häuser entstehen, würde ich den Hintergrund separat gestalten. Dafür eignen sich Wasserfarben besonders gut. Die Kinder können ausprobieren:
dunkles Blau und Violett ineinanderlaufen lassen,
unterschiedliche Blautöne mischen,
helle Bereiche aussparen,
einen Farbverlauf gestalten,
nach dem Trocknen Sterne oder Schneeflocken ergänzen.
Für einen Weihnachtsmarkt kann der Hintergrund wie ein Winterabend wirken. Dadurch entsteht ein Kontrast zu den später kräftigen Häuserfarben. Für jüngere Kinder reichen zwei bis drei Farben. Ältere Kinder können gezielter mit Hell-Dunkel-Kontrasten, Farbverläufen oder warm-kalt-Beziehungen experimentieren.
Das passt zum Lehrplan NRW: Kinder experimentieren mit Wasserfarben, Kreiden, Stiften und unterschiedlichen Auftragstechniken und untersuchen Farbwirkungen. Bis Klasse 4 sollen sie Bezüge zwischen Farbwahl, technischem Vorgehen und Wirkung zunehmend erläutern.
Lernzuwachs: Die Kinder setzen Wasserfarben zunehmend bewusst ein, um einen winterlichen Hintergrund mit einer bestimmten Farbwirkung zu gestalten.

Einheit 3: Häuser, die aus der Reihe tanzen – Wie wird aus einem gewöhnlichen Haus ein lebendiges Hundertwasser-Haus?
Diese Einheit würde ich als UB-Stunde wählen. Zum Einstieg stehen Häuser nebeneinander:
Haus A: symmetrisch, gerade Linien, identische Fenster.
Haus B: unterschiedlich große Fenster, geschwungene Dachform, organische Linien und unregelmäßige Farbflächen.
Die Kinder vergleichen: Was verändert die Wirkung? Dann werden Hundertwasser-Merkmale aus Einheit 1 aktiviert. Zum Beispiel:
Fenster dürfen verschieden sein.
Linien müssen nicht gerade sein.
Farben dürfen kräftig nebeneinanderstehen.
Dächer können ungewöhnliche Formen bekommen.
Spiralen und Muster können Flächen verändern.
Hundertwasser selbst setzte sich gegen gleichförmige Fassaden ein und wollte Fenster individuell gestaltet sehen. Seine Gebäude zeigen unregelmäßige Formen, verschiedenartige Fenster und organisch wirkende Fassaden. Die Kinder erhalten ein schlichtes Haus. Nun lautet der Auftrag: „Verändere mindestens drei Stellen so, dass dein Haus lebendiger und individueller wirkt.“ Dadurch wird die Stunde nicht zu: „Male Hundertwasser nach.“ sondern zu: „Nutze künstlerische Gestaltungsideen bewusst für deine eigene Lösung.“
Lernzuwachs: Die Kinder setzen Merkmale nicht mehr zufällig dekorativ ein, sondern erklären zunehmend, wie Linien, Fensterformen, Farben und Muster die Wirkung eines Hauses verändern können.
Einheit 4: Unsere Hundertwasser-Häuser entstehen – Wie gestalte ich mein eigenes Winterhaus?
Jetzt entstehen die großen Häuser für die Winterstadt. Diese Einheit würde ich als Doppelstunde planen. Die Kinder können sehr unterschiedlich arbeiten. Möglich sind:
komplett frei gezeichnete Häuser,
einfache Hausumrisse als Ausgangspunkt,
verschiedene Schablonen zur Auswahl,
einzelne Bauteile zum Kombinieren,
vorgezeichnete Häuser zum gestalterischen Weiterentwickeln.
Dadurch lässt sich die Reihe differenzieren. Für die Ausgestaltung eignen sich beispielsweise:
Wachsmalkreiden
Ölkreiden
Buntstifte
Filzstifte
Wasserfarben
Kombinationen verschiedener Materialien
Für Klasse 3/4 finde ich eine Mischtechnik schön: schwarze Konturen + kräftige Farbflächen + einzelne Muster. Dabei können die Kinder Kriterien auswählen. Mein Haus hat …
mindestens drei unterschiedliche Fenster,
eine ungewöhnliche Dachform,
kräftige Farbflächen,
geschwungene Linien,
mindestens ein Spiral- oder Musterelement,
ein Naturelement.
Lernzuwachs: Die Kinder entwickeln aus künstlerischen Impulsen eine Hausgestaltung und treffen zunehmend bewusste Entscheidungen zu Farbe, Form, Linie und Muster.
Einheit 5: Unsere Winterstadt bekommt Tiefe – Wie werden aus vielen Häusern eine gemeinsame Winterstadt?
Zum Abschluss werden die Häuser ausgeschnitten und auf dem Winterhintergrund angeordnet. Vor dem Kleben würde ich unbedingt verschiedene Varianten legen lassen:
Was passiert, wenn alle Häuser auf derselben Höhe stehen?
Was passiert, wenn sich Häuser teilweise überlappen?
Welche Häuser sollen vorne, welche hinten stehen?
Anschließend kommt ein Korken-Trick ins Spiel: Ein Korken wird in kleine Scheiben bzw. Stücke geschnitten und hinter einzelne Häuser geklebt. Dadurch schweben diese wenige Millimeter vor dem Hintergrund. So entstehen:
Vordergrund
Hintergrund
Überlagerungen
Schatten
räumliche Wirkung
Gerade diese Verbindung von flächigem Malen und einer kleinen räumlichen Erweiterung finde ich schön. Zum Schluss können winterliche Elemente ergänzt werden, aber wichtig wäre mir: Die Dekoration sollte die Hundertwasser-Häuser nicht überdecken.
Tannenbäume
Verkaufsstände
Schneemänner
Sterne
Menschen
Lichterketten
Schneeflächen
Lernzuwachs: Die Kinder erproben unterschiedliche Möglichkeiten der Bildkomposition und erzeugen durch Überlagerung und Abstand bewusst eine räumliche Wirkung.

UB-Stunde
Thema der Stunde
Häuser, die aus der Reihe tanzen – Gestaltungsmöglichkeiten der Hundertwasser-Architektur untersuchen und für eine eigene Hausgestaltung nutzen
Kindgerechte Forscherfrage
„Wie wird aus einem gewöhnlichen Haus ein lebendiges Hundertwasser-Haus?“
Ziel der Stunde
Die Lernenden erweitern ihr bildnerisches Ausdrucksvermögen, indem sie die Wirkung ausgewählter Gestaltungsmittel in Architekturbeispielen Hundertwassers untersuchen und Formen, individuelle Fenster, geschwungene Linien sowie Farb- und Mustergestaltungen gezielt zur Veränderung eines eigenen Hauses einsetzen, um aus den untersuchten künstlerischen Impulsen eine individuelle und wirkungsvolle Gestaltung zu entwickeln.

Verlauf der Stunde
| Phase | Inhalt | Sozialform | Material |
| Einstieg | Zwei stark unterschiedliche Hausdarstellungen werden gegenübergestellt. | Plenum | Haus A / Haus B |
| Bildvergleich | „Welches Haus wirkt lebendiger? Woran liegt das?“ | Bildgespräch | Häuser |
| Rückbezug | Merkmale aus der Hundertwasser-Betrachtung werden aktiviert. | Plenum | Merkmalkarten |
| Forscherfrage | „Wie wird aus einem gewöhnlichen Haus ein lebendiges Hundertwasser-Haus?“ | Plenum | Fragekarte |
| Erarbeitung I | Partner untersuchen einzelne Gestaltungsmittel: Fenster, Linien, Dächer, Farben, Muster. | Partnerarbeit | Ausschnittkarten |
| Zwischenreflexion | Erkenntnisse werden gebündelt: „Was können wir an einem Haus verändern?“ | Plenum | Tafel |
| Gestaltungsauftrag | Jedes Kind verändert ein schlichtes Ausgangshaus mithilfe mehrerer bewusst gewählter Gestaltungsideen. | Einzelarbeit | Hausblatt, Stifte |
| Mini-Galerie | Zwei bis drei Zwischenstände werden betrachtet: „Welche Veränderungen erkennt ihr?“ | Plenum | Kinderarbeiten |
| Weiterarbeit | Kinder überarbeiten beziehungsweise ergänzen gezielt. | Einzelarbeit | Material |
| Sicherung | Arbeiten werden nebeneinandergelegt. Kinder benennen Wirkung und Gestaltungsmittel. | Museumsgang | Ergebnisse |
| Transfer | „Müssen unsere Häuser alle gleich aussehen, damit man Hundertwasser erkennen kann?“ | Think-Pair-Share | Impuls |
| Abschluss | „Mein Haus wirkt besonders, weil …“ | Blitzlicht | Satzstarter |
Anforderungsbereiche
AB I – Wahrnehmen und benennen: Die Lernenden erkennen und beschreiben Farben, Formen, Linien, Fenster und Muster in Hundertwassers Architektur.
AB II – Anwenden und gestalten: Die Lernenden übertragen Gestaltungsmerkmale auf eine eigene Hausidee und kombinieren diese mit individuellen Gestaltungslösungen.
AB III – Begründen und reflektieren: Die Lernenden vergleichen Bildlösungen, erläutern die Wirkung ihrer Entscheidungen und begründen, welche Mittel ihr Haus lebendig oder individuell erscheinen lassen.

Differenzierungsmöglichkeiten
Unterstützend
fertige Hausumrisse anbieten
Fensterformen als einzelne Vorlagen
Merkmalkarten mit Bildern
nur zwei oder drei Gestaltungskriterien
größere Papierformate
kräftige Filz- oder Wachsmalstifte statt feiner Materialien
einzelne Bereiche bereits abgrenzen
Farbpalette begrenzen
Partnergespräch vor dem Gestalten
Haus aus vorbereiteten Teilen zusammensetzen
Korkmontage durch Lehrkraft oder Partnerkind unterstützen
Erweiternd
Häuser vollständig frei entwerfen
mehrere Hauskörper miteinander verbinden
bewusste Farbkontraste planen
Wirkung unterschiedlicher Linien untersuchen
verschiedene Fensterarten selbst entwickeln
Natur stärker in das Gebäude integrieren
Fassaden mit eigenen Mosaikmustern strukturieren
Vorder-, Mittel- und Hintergrund bewusst planen
unterschiedlich starke Abstandshalter für räumliche Staffelung nutzen
Hausgestaltung schriftlich oder mündlich begründen
nur ausgewählte Hundertwasser-Ideen übernehmen und mit Ideen weiterentwickeln
ein Gebäude für eine bestimmte Funktion entwerfen, beispielsweise ein Café, eine Schule oder einen Weihnachtsmarktstand
Für stärkere Kinder würde ich nicht verlangen, noch mehr Muster hinzuzufügen. Anspruchsvoller wird die Aufgabe, wenn Gestaltungsmittel bewusst ausgewählt und ihre Wirkung begründet werden müssen.

Ideen für Klasse 1 bis 4
| Klasse | Mögliche Umsetzung |
| 1 | stark reduzierte Hausvorlagen, wenige charakteristische Merkmale, große Flächen, Wachsmalkreide oder Wasserfarbe; Schwerpunkt auf Wahrnehmen und Experimentieren |
| 2 | einfache eigene Hausformen, verschiedene Fenster und Farben selbst entwickeln, Kombination aus Zeichnen und Malen |
| 3 | weitgehend freie Hausgestaltung, bewusste Auswahl mehrerer Gestaltungsmittel, einfache Reflexion der Wirkung |
| 4 | komplexere Architekturentwürfe, bewusste Komposition, Bezüge zu Fensterrecht, Natur und Individualität sowie stärker begründete Gestaltungsentscheidungen |
Die Reihe eignet sich für Klasse 1 bis 4. Der Gegenstand bleibt derselbe, aber Selbstständigkeit, Reflexion und bildnerische Komplexität können gesteigert werden.
Materialideen
| Material | Einsatz |
| Bildkarten zu Hundertwasser | Künstler und Architektur kennenlernen |
| Architekturdetails | Fenster, Linien und Formen untersuchen |
| Wasserfarben | Winterhintergrund |
| breite Pinsel | Farbverläufe anlegen |
| Ölkreiden | kräftige Hausgestaltung |
| Wachsmalkreiden | großflächige Gestaltung |
| Bunt- und Filzstifte | Muster und Details |
| schwarzer Fineliner | Konturen, je nach Klassenstufe |
| Hausvorlagen | unterstützende Differenzierung |
| Blankopapier | freie Architekturentwürfe |
| Fensterschablonen | Formideen unterstützen |
| Scheren | Häuser ausschneiden |
| Karton | stabile Hausformen |
| Korken | Abstandshalter für 3D-Wirkung |
| Klebepistole nur durch Erwachsene / Keber | Montage |
| Watte beziehungsweise weiße Papierformen | optionale Schneeeffekte |

Typische Schwierigkeiten
„Hundertwasser bedeutet bunt.“: Farbigkeit ist nur ein Aspekt. Auch organische Formen, Individualität, unterschiedliche Fenster, Spiralen, Natur und die bewusste Abkehr von Gleichförmigkeit sind wichtig.
Alle Kinder produzieren dasselbe Haus: Kriterien offen formulieren und Auswahl ermöglichen. Die Beschäftigung mit Hundertwasser sollte gerade Individualität fördern.
Vorlagen werden nur ausgemalt: Vorlagen können unterstützen, sollten aber zumindest durch Fenster, Muster, Dächer oder Linien individuell verändert werden.
Die Reihe wird zum reinen Bastelprojekt: Bildbetrachtung, Gestaltungserprobung und Reflexion müssen mit dem praktischen Arbeiten verbunden bleiben.
Hundertwasser wird nur als „Architekt“ bezeichnet: Er war in erster Linie Künstler und entwickelte architektonische Ideen; viele seiner Projekte wurden gemeinsam mit ausführenden Architekt*innen realisiert. Auf seiner Seite beschreibt er sich unter anderem als Maler, „architecture doctor“, ökologischen Aktivisten und Philosophen.
Gerade Linien werden pauschal als „verboten“ dargestellt: Hundertwasser kritisierte die monotone gerade Linie und Rasterarchitektur deutlich. Für Kinder würde ich aber keine formale Regel „Gerade Linien sind bei Hundertwasser verboten“ machen.
Der Weihnachtsbezug überdeckt Hundertwasser: Schnee, Weihnachtsbaum und Marktstände bilden den Rahmen. Der eigentliche künstlerische Lerngegenstand bleiben Farbe, Form, Linie, Architektur und Individualität.
Zu viele Materialien gleichzeitig: Gerade bei jüngeren Kindern lieber wenige Werkzeuge auswählen und deren Möglichkeiten gezielt erkunden.
3D-Effekt wird zum Selbstzweck: Der Abstand sollte helfen, Vorder- und Hintergrund sichtbar zu machen und die Bildwirkung zu verstärken.
Korkstücke werden von Kindern geschnitten: Korken vorher durch Erwachsene vorbereiten oder Abstandshalter wie dicke Pappe bzw. Moosgummi verwenden.
Lehrplanbezug NRW
Die Reihe lässt sich gut mit dem Bereich „Malen“ des Kunstlehrplans NRW verbinden.
Bereits in der Schuleingangsphase sollen die Kinder mit Malwerkzeugen und Materialien experimentieren, darunter Wasserfarben, Farbkreiden und Farbstifte, neue Farbtöne herstellen und eigene Bildideen realisieren. Bis Ende Klasse 4 wird diese Kompetenz weiterentwickelt: Die Kinder sollen Farbwirkungen beschreiben und Gestaltungsmittel zunehmend gezielt für eine bildnerische Absicht einsetzen. (Lehrplan NRW)
Genau dazu passt die zweite Einheit: Die Kinder experimentieren mit Wasserfarben und gestalten den Winterhintergrund nicht nur „blau“, sondern untersuchen, wie unterschiedliche Farbaufträge und Farbkombinationen einen Abend- oder Winterhimmel wirken lassen.
Auch „Zeichnen und Drucken“ ist relevant. Der Lehrplan nennt die Auseinandersetzung mit Punkt, Linie und Struktur sowie das Experimentieren mit zeichnerischen Mitteln und Werkzeugen. Später sollen die Kinder Bezüge zwischen technischem Vorgehen und bildnerischer Wirkung erläutern. Die Linien, individuellen Fensterformen und Fassadenmuster der Hundertwasser-Häuser bieten hierfür einen passenden Gegenstand. (Lehrplan NRW)
Darüber hinaus beschreibt der Lehrplan Kuns als Zusammenspiel von Wahrnehmen und Deuten, praktischem Gestalten sowie Reflektieren und Urteilen. Die Kinder sollen nicht nur Produkte herstellen, sondern Bilder und Kunstwerke wahrnehmen, Vorstellungen entwickeln und bildnerische Entscheidungen reflektieren. Deshalb ist die Bildbetrachtung für diese Reihe kein vorgeschalteter „Theorieteil“, sondern Grundlage der eigenen Gestaltung.

Sachanalyse
Friedensreich Hundertwasser wurde 1928 als Friedrich Stowasser in Wien geboren und starb im Jahr 2000.
Er arbeitete als Maler, Grafiker, Architekturgestalter und engagierte sich für ökologische Fragen.
Die Spirale gehört zu den zentralen Motiven seiner Bildsprache.
Hundertwasser kritisierte monotone, streng gerasterte Architektur und setzte sich für individuellere, organischere Gebäudeformen ein.
In seiner Architektur spielen unregelmäßige Formen und Fenster, unterschiedliche Farbflächen und die bewusste Abkehr von gleichförmigen Fassaden eine wichtige Rolle.
Ein zentrales Konzept ist das Fensterrecht. Er forderte, dass Bewohner*innen die Möglichkeit erhalten sollten, den Fassadenbereich um individuell mitzugestalten.
Natur und Architektur sollten nach seiner Vorstellung nicht voneinander getrennt sein.
In vielen Architekturprojekten finden sich deshalb begrünte Dächer, Bäume, Pflanzen und sogenannte Baummieter.
Beim Hundertwasserhaus in Wien gehören unregelmäßige Mosaike, unterschiedlich gestaltete Fassadenbereiche, das Fensterrecht und umfangreiche Vegetation zu wichtigen Gestaltungsmerkmalen.
Hundertwasser betrachtete Gebäude sinngemäß als eine Art „dritte Haut“ des Menschen und betonte deshalb die Bedeutung individueller Gestaltung.
Für den Unterricht lassen sich aus seinem Werk besonders gut die bildnerischen Kategorien Farbe, Form, Linie, Struktur, Natur und Individualität herausarbeiten.
Unterricht „nach Hundertwasser“ sollte nicht darauf abzielen, ein Original möglichst genau zu kopieren. Didaktisch produktiver ist es, ausgewählte Gestaltungsprinzipien zu untersuchen und daraus eigene Bildideen zu entwickeln.
Ein winterlicher bzw. weihnachtlicher Kontext stammt nicht aus Hundertwassers Werk selbst, sondern ist eine unterrichtliche Weiterentwicklung. Er bietet einen motivierenden Rahmen, sollte aber von den künstlerischen Merkmalen unterschieden werden.
Didaktische Begründung
Hoher Aufforderungscharakter: Kräftige Farben und ungewöhnliche Häuserformen sind für Kinder unmittelbar zugänglich.
Künstlerbegegnung mit Funktion: Die Beschäftigung mit Hundertwasser liefert konkrete Impulse für die eigene Gestaltung.
Wahrnehmung differenzieren: Aus dem spontanen Urteil „Das ist bunt“ entstehen präzisere Beobachtungen zu Farbe, Linie, Fenster, Form und Natur.
Individualität: Es gibt bewusst nicht die eine richtige Hausgestaltung.
Gestaltungsentscheidungen statt Ausmalen: Kinder wählen aus künstlerischen Ideen aus und kombinieren diese selbstständig.
Materialerfahrung: Wasserfarbe, Stifte, Kreiden und Collage- beziehungsweise Montagetechniken können sinnvoll miteinander verbunden werden.
Zwei- und Dreidimensionalität: Durch die Abstandsmontage wird eine flächige Arbeit leicht räumlich erweitert.
Komposition: Beim Zusammensetzen der Winterstadt müssen Größen, Überlagerungen, Abstände und Bildpositionen bedacht werden.
Reflexion: Kinder können die Wirkung von Lösungen vergleichen und begründen.
Natürliche Differenzierung: Dieselbe Aufgabe kann über Vorlage, Schablone oder vollständig freien Entwurf bearbeitet werden.
Sichtbarer Lernzuwachs: Aus „Hundertwasser malt bunte Häuser“ wird zunehmend: „Ich habe unterschiedlich große Fenster und geschwungene Linien benutzt, damit mein Haus weniger gleichförmig und lebendiger wirkt.“

Methodische Begründung
Bildbetrachtung zu Beginn schafft einen echten künstlerischen Bezug und verhindert bloßes dekoratives Nachahmen.
Merkmalskarten helfen insbesondere jüngeren Kindern, Beobachtungen zu bündeln.
Explorationsphasen ermöglichen es, einzelne Gestaltungsmittel vor dem großen Endprodukt auszuprobieren.
Der Hintergrund wird getrennt hergestellt, damit die Wasserfarben vollständig trocknen können und der komplexe Arbeitsprozess entzerrt wird.
Eine Doppelstunde für die Häuser gibt ausreichend Zeit für individuelle Entscheidungen und sorgfältige Gestaltung.
Offene und vorstrukturierte Zugänge parallel ermöglichen Differenzierung ohne unterschiedliche Lerngegenstände.
Zwischenreflexionen verhindern, dass Kinder wahllos immer weitere Muster ergänzen.
Vor dem Festkleben legen unterstützt die bewusste Bildkomposition.
Kork bzw. Abstandshalter schafft mit einfachen Mitteln eine räumliche Erweiterung.
Der abschließende Museumsgang macht Unterschiede zwischen den Lösungen sichtbar und ermöglicht künstlerische Sprachbildung.
Mein Fazit
Hundertwasser finde ich super, weil die Kinder entdecken: Es muss nicht alles gerade, gleich und perfekt sein. Deshalb würde ich die Reihe nicht auf: „Male ein buntes Haus.“ reduzieren. Spannender ist: Warum wirken die Häuser so anders - und mit welchen Gestaltungsmitteln kann ich diese Wirkung erzeugen?
Der Winter bietet einen schönen Rahmen. Am Ende kann aus vielen Häusern eine Stadt entstehen, mit Wasserfarbenhimmel, leuchtenden Fenstern und Häusern, die durch kleine Korkstücke ein Stück aus dem Bild herausragen. Und trotzdem bleibt jedes Haus erkennbar die eigene Lösung eines Kindes. Das finde ich bei Hundertwasser besonders passend.
Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.
FAQ
Für welche Klasse eignet sich Hundertwasser?
Hundertwasser eignet sich für Klasse 1 bis 4. In Klasse 1/2 kann mit Vorlagen und wenigen Kriterien gearbeitet werden, während Klasse 3/4 freier plant, kombiniert und reflektiert.
Wer war Friedensreich Hundertwasser?
Friedensreich Hundertwasser war ein österreichischer Künstler, der als Maler, Grafiker und Architekturgestalter arbeitete und sich außerdem intensiv mit ökologischen Themen beschäftigte. Er lebte von 1928 bis 2000.
Was ist typisch für Hundertwasser?
Besonders bekannt sind kräftige Farben, Spiralen, organische und unregelmäßige Formen, unterschiedlich gestaltete Fenster sowie die starke Verbindung von Architektur und Natur.
Was bedeutet das Fensterrecht?
Hundertwasser forderte, dass Bewohner*innen den Fassadenbereich rund um ihr eigenes Fenster individuell gestalten dürfen. Damit wandte er sich gegen monotone, völlig einheitliche Fassaden.
Welche UB-Stunde eignet sich?
Ich würde die Frage „Wie wird aus einem gewöhnlichen Haus ein lebendiges Hundertwasser-Haus?“ wählen. Die Kinder untersuchen Gestaltungsmittel und setzen ausgewählte Merkmale anschließend bewusst in einer eigenen Hausidee ein.
Welche Farben eignen sich für den Winterhintergrund?
Schön funktionieren Blau-, Violett- und Türkistöne. Für einen Weihnachtsmarkt am Abend können dunkle Farbverläufe einen starken Kontrast zu den farbenfrohen Häusern bilden.
Welche Materialien eignen sich für die Häuser?
Je nach Klassenstufe eignen sich Ölkreide, Wachsmalkreide, Buntstifte, Filzstifte oder Wasserfarben. Auch Mischtechniken sind möglich.
Wie kann ich die Häuser differenzieren?
Kinder können frei zeichnen, aus mehreren Hausvorlagen auswählen oder vorgegebene Umrisse individuell verändern. Entscheidend ist, dass auch bei einer Vorlage eigene Gestaltungsentscheidungen möglich bleiben.
Wie entsteht der 3D-Effekt?
Hinter einzelne ausgeschnittene Häuser können Korkstücke, Kartonstücke oder geeignete Abstandspads geklebt werden. Dadurch stehen die Häuser leicht vom Hintergrund ab.
Passt Hundertwasser zum Lehrplan NRW?
Ja. Gut passen die Bereiche Malen, Zeichnen und Drucken. Die Kinder experimentieren mit Farben, Linien, Strukturen und Werkzeugen und entwickeln individuelle Bildideen. Auch Bildbetrachtung, Deutung und Reflexion sind Bestandteile des Lehrplans. (Lehrplan NRW)







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