Unterrichtsentwurf Josef: Unterrichtsreihe, UB-Stunde und Material

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Unterrichtsentwurf Josef

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Quickfacts

  • Die Josefsgeschichte eignet sich besonders für Klasse 2, weil Gefühle wie Neid, Angst, Ungerechtigkeit, Schuld und Versöhnung für Kinder nachvollziehbar sind und gleichzeitig die religiöse Frage eröffnet wird, was es bedeuten kann, von Gott auf dem eigenen Lebensweg begleitet zu werden.

  • Josef und seine Brüder werden im Lehrplan NRW sowohl für die evangelische als auch für die katholische Religionslehre ausdrücklich als biblische Glaubens- bzw. Weggeschichte in der Schuleingangsphase genannt.

  • Besonders schön lässt sich die Reihe mit dem Kleidermotiv strukturieren: Die unterschiedlichen Kleider begleiten die Höhen und Tiefen von Josefs Weg und bieten gerade jüngeren Kindern einen anschaulichen Zugang zu Gefühlen, Veränderungen und der Frage nach Gottes Begleitung. Wer weitere Ideen für einen Unterrichtsbesuch sucht, findet sie auch in meiner Themensammlung Unterrichtsbesuche Religion.

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Allgemeines

Die Geschichte von Josef und seinen Brüdern gehört zu den biblischen Geschichten, die sich super für den Reliunterricht eignen. Nicht nur, weil auf Josefs Lebensweg unglaublich viel passiert, sondern vor allem, weil die Geschichte Themen aufgreift, die auch für Kinder eine Bedeutung haben: Bevorzugung, Neid, Streit, Angst, Ungerechtigkeit, Hoffnung, Schuld, Vergebung und Versöhnung.

Gerade in Klasse 2 würde ich deshalb darauf achten, aus der Josefsgeschichte keine reine „Abenteuergeschichte“ zu machen. Natürlich sind der Brunnen, die Reise nach Ägypten, das Gefängnis und Josefs Aufstieg spannend. Der eigentliche religionsdidaktische Kern liegt für mich aber an einer anderen Stelle:

Was trägt Josef durch all diese Höhen und Tiefen – und wo können Menschen Gott auf ihrem Lebensweg entdecken?

Das passt sehr gut zum Lehrplan, denn sowohl im evangelischen als auch im katholischen Lehrplan wird Josef im Schwerpunkt „Gott begleitet auf dem Lebensweg“ genannt. Die Kinder sollen biblische Weg- beziehungsweise Glaubensgeschichten wiedergeben und Erfahrungen biblischer Personen mit Gott zu eigenen Erfahrungen und Fragen in Beziehung setzen.

Ein möglicher Ansatz: Josefs Kleider werden zum roten Faden der gesamten Geschichte. Das bunte Kleid steht zunächst für die besondere Stellung Josefs in seiner Familie. Später können ein schlichtes Sklavengewand, Gefängniskleidung und schließlich ein prächtiges Gewand als Minister die Höhen und Tiefen seines Weges sichtbar machen. 

Ich finde diesen Zugang für Klasse 2 richtig stark, weil etwas ziemlich Abstraktes sichtbar wird. Die Kinder müssen nicht sofort über die große theologische Frage nach Gottes verborgener Begleitung sprechen, sondern können zunächst wahrnehmen: Josefs Leben verändert sich immer wieder. Mal geht es ihm gut, dann scheint plötzlich alles verloren. Später bekommt er wieder Verantwortung, und schließlich begegnet er sogar seinen Brüdern wieder.

Die Geschichte sollte nicht so vermittelt werden, als habe Gott Neid, Gewalt, Versklavung oder Gefängnis verursacht, damit am Ende etwas Gutes daraus entsteht. Die Josefserzählung spricht Gottes Handeln nur zurückhaltend an. Gerade darin liegt eine spannende theologische Deutung, denn Gottes Begleitung ist nicht immer sichtbar oder eindeutig, sondern lässt sich teilweise erst im Rückblick entdecken. Das finde ich für Kinder sogar viel spannender als die vereinfachte Botschaft „Wenn du an Gott glaubst, wird alles gut“. Denn die Geschichte zeigt gerade nicht, dass Josef keine schwierigen Erfahrungen machen muss.

Sie eröffnet vielmehr die Frage: Kann Gott auch da sein, wenn gerade gar nichts gut ist?

Unterrichtsentwurf Josef

Reihenplanung

Thema der Reihe

Josef und seine Brüder – Gott begleitet Josef durch die Höhen und Tiefen seines Lebens.

Kindgerechte Themenformulierung

„Josefs Weg mit Gott – Mal geht es hoch, mal geht es runter.“

Kernanliegen der Reihe

Die Lernenden erschließen zentrale Stationen der Josefsgeschichte, indem sie sich in die Gefühle und Perspektiven der Personen hineinversetzen, Veränderungen auf Josefs Lebensweg mithilfe des Kleidermotivs deuten und nach Gottes Begleitung in schwierigen und hoffnungsvollen Situationen fragen, um die Josefsgeschichte als biblische Weggeschichte wahrzunehmen und erste Bezüge zu Erfahrungen des eigenen Lebens herzustellen.

Aufbau der Reihe

EinheitForscherfrage / ThemaKompetenzschwerpunkt
1. Josef und seine Familie„Was ist bei Josef zu Hause los?“Die Lernenden erschließen die Familiensituation Josefs, indem sie Beziehungen zwischen Josef, Jakob und seinen Brüdern darstellen und Perspektiven einnehmen, um erste Ursachen des Konflikts zu verstehen.
2. UB: Josefs besonderes Kleid„Was macht das besondere Kleid mit Josef und seinen Brüdern?“Die Lernenden setzen sich mit Neid und Bevorzugung auseinander, indem sie die Gefühle Josefs und seiner Brüder wahrnehmen, beschreiben und begründen, um Perspektiven innerhalb des Familienkonflikts zu verstehen.
3. Josefs Träume und der Brunnen„Wie fühlt sich Josef, als plötzlich alles anders wird?“Die Lernenden erschließen Josefs Absturz vom bevorzugten Sohn zum verkauften Bruder, indem sie Gefühle und Gedanken zu zentralen Situationen ausdrücken, um die erste große Krise seines Lebensweges nachzuvollziehen.
4. Josef in Ägypten und im Gefängnis„Ist Gott auch da, wenn alles ungerecht ist?“Die Lernenden setzen sich mit Josefs Erfahrungen von Fremdsein Ungerechtigkeit auseinander, indem sie seine Situation deuten und Fragen nach Gottes Nähe formulieren, um Gottes Begleitung nicht nur mit gelungenen Lebenssituationen zu verbinden.
5. Josef hilft dem Pharao„Wie wird aus dem Gefangenen ein wichtiger Helfer?“Die Lernenden erschließen Josefs neuen Lebensabschnitt, indem sie seine Fähigkeiten und seinen verantwortungsvollen Umgang damit untersuchen, um wahrzunehmen, wie sich sein Lebensweg erneut verändert.
6. Die Brüder kommen nach Ägypten„Kann man sich verändern, wenn man etwas Falsches getan hat?“Die Lernenden setzen sich mit Schuld, Reue und Veränderung auseinander, indem sie die Perspektive der Brüder einnehmen und deren Verhalten reflektieren, um Voraussetzungen für Versöhnung zu entdecken.
7. Josef vergibt seinen Brüdern„Kann Josef seinen Brüdern wirklich verzeihen?“Die Lernenden erschließen die Versöhnung Josefs mit seinen Brüdern, indem sie Gefühle und Handlungsmöglichkeiten vergleichen, um Vergebung als möglichen, aber anspruchsvollen Weg nach einem Konflikt zu verstehen.
8. Josefs Weg mit Gott„Wo war Gott auf Josefs Weg?“Die Lernenden betrachten Josefs Lebensweg im Rückblick, indem sie seine Kleider, Gefühle und Lebensstationen ordnen und deuten, um die biblische Vorstellung von Gott als verborgenem Begleiter auf dem Lebensweg zu erschließen.
Unterrichtsentwurf Josef

Vertiefung der einzelnen Einheiten

Einheit 1: Josef und seine Familie – Was ist bei Josef zu Hause los?

Ich würde die Reihe bewusst noch nicht mit dem Brunnen oder den Träumen beginnen, sondern zunächst mit der Familie. Die Kinder lernen Josef, seinen Vater Jakob und seine Brüder kennen. Mit Figuren oder einem Bodenbild kann die Familie aufgebaut werden.

Dabei wird deutlich:Jakob behandelt Josef besonders. Genau hier würde ich stoppen.

Die Kinder können zunächst Vermutungen äußern:

  • Wie fühlt sich Josef?

  • Wie könnten sich seine Brüder fühlen?

  • Ist es schön, besonders behandelt zu werden?

  • Wie fühlt es sich an, wenn jemand anderes immer bevorzugt wird?

Das finde ich als Ausgangspunkt sinnvoll, weil der spätere Konflikt nicht aus dem Nichts kommt.

Zentrale Erkenntnis: Menschen können dieselbe Situation ganz unterschiedlich erleben. Bevorzugung kann Freude bei einem Menschen und gleichzeitig Verletzung oder Neid bei einem anderen auslösen.

Einheit 2: Josefs besonderes Kleid – Was macht das besondere Kleid mit Josef und seinen Brüdern?

Jakob schenkt Josef ein besonderes Kleid. Für Josef ist das zunächst etwas Schönes. Für seine Brüder wird dasselbe Kleid dagegen zum sichtbaren Zeichen dafür, dass ihr Vater Josef bevorzugt. Ein Gegenstand hat nicht einfach nur eine Bedeutung.

  • Für Josef könnte das Kleid bedeuten: „Mein Vater hat mich besonders lieb.“

  • Für einen Bruder vielleicht: „Warum bekommt immer Josef etwas Besonderes?“

Die Kinder können deshalb sehr konkret Perspektiven übernehmen. Das Kleid liegt in der Mitte eines Bodenbildes. Auf einer Seite steht Josef, auf der anderen ein Bruder. Die Kinder erhalten Gefühlswörter, Gesichter oder Gedankenblasen und ordnen sie begründet zu.

Dabei würde ich nicht vermitteln, dass Neid grundsätzlich ein „schlechtes Gefühl“ ist. Viel interessanter ist: Gefühle entstehen – entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. Handreichungen greifen genau diese Verbindung von Kleidung und Emotionen auf und schlagen vor, Gefühle sprachlich, mimisch, gestisch oder über Figuren sichtbar zu machen.

Zentrale Erkenntnis: Josef und seine Brüder erleben das gleiche Kleid unterschiedlich. Gefühle wie Freude, Neid und Wut können unser Handeln beeinflussen.

Einheit 3: Josefs Träume und der Brunnen – Wie fühlt sich Josef, als plötzlich alles anders wird?

Nun hören die Kinder von Josefs Träumen und davon, wie der Konflikt mit seinen Brüdern immer größer wird. Schließlich werfen die Brüder Josef in eine Zisterne und verkaufen ihn nach Ägypten. Für Klasse 2 würde ich diesen Teil nicht unnötig dramatisieren.

Entscheidend ist nicht jede historische Einzelheit, sondern der abrupte Wechsel: Gerade noch war Josef der bevorzugte Sohn – plötzlich ist er allein, machtlos und weit weg von seiner Familie. Hier kann das Kleidermotiv erneut aufgenommen werden. Das prächtige Kleid verschwindet. Josef bekommt symbolisch ein einfaches Sklavengewand.

Die Kinder können überlegen:

  • Was hat sich äußerlich verändert?

  • Was hat sich in Josefs Leben verändert?

  • Was könnte Josef jetzt fühlen?

  • Was könnte er sich wünschen?

  • An wen könnte er sich in seiner Angst wenden?

Zentrale Erkenntnis: Josefs Lebensweg geht plötzlich stark nach unten. Angst, Wut, Traurigkeit und Hoffnung können gleichzeitig zu seinem Erleben gehören.

Einheit 4: Josef in Ägypten und im Gefängnis – Ist Gott auch da, wenn alles ungerecht ist?

Diese Einheit finde ich religionsdidaktisch wichtig. Josef lebt zunächst bei Potifar und übernimmt Verantwortung. Später wird er zu Unrecht beschuldigt und landet im Gefängnis. Für die Kinder reicht die Erfahrung: Josef hat etwas nicht getan und wird trotzdem bestraft.

Das eröffnet eine echte Frage: Ist Gott jetzt noch bei Josef?  Ich würde darauf bewusst keine vorschnelle Antwort geben. Vielleicht sagen einige Kinder:

  • „Ja, Gott ist immer da.“ 

  • „Aber Josef merkt davon doch gar nichts.“ 

  • „Warum lässt Gott dann zu, dass Josef im Gefängnis ist?“

Der Lehrplan sieht bereits in der Schuleingangsphase vor, Erfahrungen biblischer Personen mit Gott als Begleiter zu eigenen Erfahrungen und Fragen in Beziehung zu setzen. Auch Gebete werden als Ausdruck einer vertrauenden Kommunikation mit Gott aufgegriffen. 

Die Kinder könnten einen Gedanken oder ein Gebet aus Josefs Perspektive formulieren:

  • ​„Gott, ich habe Angst.“

  • „Gott, bist du noch da?“

  • „Bitte lass mich nicht allein.“

Zentrale Erkenntnis: Die Josefsgeschichte erzählt von Gottes Begleitung nicht nur in schönen Situationen. Auch in schwierigen Situationen können Menschen nach Gott fragen, klagen und hoffen.

Einheit 5: Josef hilft dem Pharao – Wie wird aus dem Gefangenen ein wichtiger Helfer?

Jetzt verändert sich Josefs Weg erneut. Josef kann Träume deuten und hilft dem Pharao zu verstehen, dass auf sieben gute Jahre sieben Jahre mit großer Hungersnot folgen werden. Er übernimmt Verantwortung und sorgt dafür, dass Vorräte angelegt werden. 

Für Klasse 2 würde ich  fragen: Was kann Josef besonders gut – und was macht er aus dieser Fähigkeit? Denn er nutzt seine Gabe nicht nur für sich selbst, sondern übernimmt Verantwortung für Andere. Das Kleid verändert sich. Aus der Gefängniskleidung wird ein Ministergewand. Die Kinder können seine Kleider nebeneinanderlegen und feststellen:

Josefs Leben geht immer wieder hoch und runter.

Zentrale Erkenntnis: Josef nutzt seine Fähigkeiten, um anderen zu helfen und Verantwortung zu übernehmen.

Einheit 6: Die Brüder kommen nach Ägypten – Kann man sich verändern, wenn man etwas Falsches getan hat?

Jahre später kommen Josefs Brüder wegen der Hungersnot nach Ägypten. Jetzt verschiebt sich die Perspektive. Nicht nur Josef hat sich verändert, auch seine Brüder stehen vor der Frage, wie sie miteinander umgehen und ob sie noch genauso handeln würden wie früher.

Für Klasse 2 würde ich die Abfolge der Prüfungen Josefs reduzieren. Entscheidend ist: Sind die Brüder noch dieselben wie damals?  Die Kinder können Handlungsmöglichkeiten sammeln:

  • ehrlich sein,

  • Verantwortung übernehmen,

  • füreinander einstehen,

  • einen Fehler zugeben,

  • sich entschuldigen,

  • zeigen, dass man sich verändert hat.

Damit wird Versöhnung vorbereitet, ohne sie zu vereinfachen.

Zentrale Erkenntnis: Menschen können Fehler machen und trotzdem die Möglichkeit bekommen, ihr Verhalten zu verändern.

Einheit 7: Josef vergibt seinen Brüdern – Kann Josef seinen Brüdern wirklich verzeihen?

Die Versöhnung ist für mich einer der wichtigsten Teile der Reihe, aber auch hier würde ich vermeiden, eine einfache Regel daraus zu machen: „Man muss immer verzeihen.“ Die Brüder haben Josef schwer verletzt. Vergebung ist deshalb kein automatischer Schritt und auch keine Pflicht, die sich einfach einfordern lässt.

Viel interessanter ist die Frage: Welche Möglichkeiten hat Josef jetzt?

Die Kinder könnten verschiedene Standbilder entwickeln:

  • Josef schickt seine Brüder weg.

  • Josef spricht mit ihnen.

  • Josef ist noch wütend.

  • Josef vergibt ihnen.

  • Josef braucht erst Zeit.

Anschließend hören sie, wie die biblische Geschichte weitererzählt wird. Josef entscheidet sich für Versöhnung.

Zentrale Erkenntnis: Versöhnung kann möglich werden, wenn Menschen sich verändern, Verantwortung übernehmen und aufeinander zugehen.

Einheit 8: Josefs Weg mit Gott – Wo war Gott auf Josefs Weg?

Zum Abschluss würde ich den gesamten Lebensweg noch einmal sichtbar machen. Auf dem Boden entsteht ein langer Weg mit Höhen und Tiefen.

Dazu legen die Kinder die verschiedenen Kleider:

  • besonderes Kleid,

  • Sklavengewand,

  • Gefängniskleidung,

  • Ministergewand,

  • gegebenenfalls ein symbolisches Versöhnungskleid.

Daneben werden Gefühle und zentrale Situationen gelegt. Dann kommt die entscheidende Frage: Wo war Gott auf diesem Weg? Wichtig finde ich, dass die Kinder hier unterschiedliche Antworten geben dürfen. Wer dieses Thema später noch stärker vertiefen möchte, kann daran sehr gut eine Reihe zu Gottesvorstellungen anschließen.

Zentrale Erkenntnis: Die Bibel erzählt Josef als Menschen, dessen Weg viele Höhen und Tiefen hat und der darin Gottes Begleitung erfährt. Gottes Nähe ist dabei nicht immer sofort sichtbar.

Unterrichtsentwurf Josef

UB-Stunde

Thema der Stunde

Josefs besonderes Kleid – Perspektivübernahme zu Freude, Neid und Bevorzugung in der Familie Josefs

Kindgerechte Forscherfrage

„Was macht das besondere Kleid mit Josef und seinen Brüdern?“

Ziel der Stunde

Die Lernenden erweitern ihre Fähigkeit zur Perspektivübernahme, indem sie das besondere Kleid aus der Sicht Josefs und seiner Brüder betrachten, passende Gefühle und Gedanken formulieren und diese anhand der erzählten Familiensituation begründen, um zu erkennen, dass dieselbe Situation von Menschen unterschiedlich wahrgenommen werden kann und Gefühle das Zusammenleben beeinflussen können.

Ich finde diese Stunde für einen UB passend, weil der Lernzuwachs klar eingegrenzt und gut beobachtbar ist. Zu Beginn sehen die Kinder vielleicht ein wunderschönes Kleid und denken: „Josef freut sich.“ Am Ende können sie erklären: „Für Josef ist das Kleid etwas Schönes, aber für seine Brüder zeigt es, dass ihr Vater ihn bevorzugt. Deshalb können sie neidisch oder traurig sein.“

Genau diese Verschiebung von einer einzigen Sichtweise hin zu mehreren begründeten Perspektiven ist ein sichtbarer Lernzuwachs.

Verlauf der Stunde

PhaseInhaltSozialform / MethodeMaterial
EinstiegIn der Mitte liegt ein auffälliges, buntes Kleid bzw. ein Stoffstück. Die Kinder beschreiben zunächst frei, was sie sehen und welche Wirkung es auf sie hat.Sitzkreis / stummer Impulsbuntes Kleid oder Stoff
HinführungDie bekannte Familiensituation wird kurz erinnert. Die Lehrkraft erzählt, dass Jakob ausgerechnet Josef dieses besondere Kleid schenkt.Erzählung / KamishibaiErzählfiguren oder Kamishibai
ProblemöffnungZwei Figuren werden links und rechts neben das Kleid gestellt: Josef und ein Bruder. Impuls: „Ist dieses Geschenk eigentlich für alle etwas Schönes?“PlenumFiguren, Kleid
ForscherfrageGemeinsam wird die Frage formuliert: „Was macht das besondere Kleid mit Josef und seinen Brüdern?“PlenumTafel / Forscherfrage
Erarbeitung IDie Kinder versetzen sich zunächst in Josef und anschließend in einen Bruder. Sie wählen passende Gefühlskarten aus und begründen ihre Auswahl.PartnerarbeitGefühlskarten, Figuren
Erarbeitung IIDie Kinder formulieren Gedanken für beide Perspektiven: „Josef denkt …“ / „Ein Bruder denkt …“. Unterstützend stehen Satzstarter und Gefühlswörter zur Verfügung.Partnerarbeit / EinzelarbeitGedankenblasen, Wortkarten
SicherungDie Gedanken werden am Bodenbild gesammelt. Gefühle werden verglichen und begründet.Plenum / BodenbildGedankenblasen
VertiefungImpuls: „Das Kleid kann nichts sagen. Warum wird es trotzdem zum Problem?“ Die Kinder erkennen das Kleid als sichtbares Zeichen der Bevorzugung.UnterrichtsgesprächKleid
TransferBehutsamer Lebensweltbezug: „Kennst du Situationen, in denen zwei Menschen dieselbe Sache ganz unterschiedlich erleben können?“ Persönliche Erfahrungen müssen nicht erzählt werden.Plenum / freiwilliger Austauschggf. Situationskarten
AbschlussRückbezug auf die Forscherfrage. Möglicher Merksatz: „Das gleiche Geschenk kann bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Gefühle auslösen.“BlitzlichtTafel
Unterrichtsentwurf Josef

Anforderungsbereiche

AB I: Die Lernenden benennen die beteiligten Personen der Familiensituation und ordnen bekannte Gefühle wie Freude, Traurigkeit, Neid oder Wut zu.

AB II: Die Lernenden nehmen die Perspektive Josefs und eines Bruders ein und begründen anhand der Situation, warum beide das besondere Kleid unterschiedlich erleben.

AB III: Die Lernenden erkennen Zusammenhänge zwischen Bevorzugung, Gefühlen und menschlichem Handeln und übertragen die Erkenntnis auf vergleichbare Situationen des Zusammenlebens.

Differenzierungsmöglichkeiten

Unterstützend:

  • Gefühlskarten mit eindeutigen Gesichtsausdrücken verwenden.

  • Gefühle zusätzlich über Farben oder Symbole darstellen.

  • Satzstarter anbieten: „Josef fühlt sich …, weil …“, „Der Bruder denkt …“.

  • Nur zwischen zwei oder drei Gefühlen auswählen lassen.

  • Die Geschichte zusätzlich mit Figuren oder einem Kamishibai visualisieren.

  • Partner*innen dürfen Gedanken zunächst mündlich formulieren.

  • Gedankenblasen können mit einzelnen Wörtern statt ganzen Sätzen gefüllt werden.

  • Für einzelne Kinder kann die Perspektive bereits festgelegt werden.

  • Szenische Standbilder ermöglichen einen Zugang ohne viel Schriftsprache.

  • Ein Gefühlswortschatz bleibt während der gesamten Reihe sichtbar.

Erweiternd:

  • Mehrere Brüder können unterschiedliche Gefühle und Gedanken formulieren.

  • Kinder unterscheiden zwischen Gefühl und Handlung: „Neid darf ich fühlen – aber was mache ich damit?“

  • Unterschiedliche Handlungsalternativen der Brüder werden entwickelt und bewertet.

  • Kinder überlegen, wie Jakob die Situation wahrnehmen könnte.

  • Stärkere Kinder formulieren innere Monologe.

  • Die Bedeutung des Kleides als Symbol der Bevorzugung wird selbstständig erklärt.

  • Ambivalente Gefühle werden zugelassen, beispielsweise: „Ich freue mich für Josef und bin trotzdem neidisch.“

  • Kinder entwickeln eine mögliche Lösung für den Familienkonflikt, bevor die Geschichte weitererzählt wird.

Ideen für Klasse 1 bis 4

KlassenstufeMögliche Umsetzung
Klasse 1Stark erzählerisch und bildgestützt arbeiten. Gefühle über Emojis, Farben, Stoffe, Mimik und Standbilder ausdrücken. Die Josefsgeschichte auf wenige zentrale Stationen reduzieren.
Klasse 2Perspektivübernahme, Gefühlswörter und das Kleidermotiv stärker ausbauen. Erste Fragen nach Gottes Begleitung, Schuld, Vergebung und Versöhnung formulieren.
Klasse 3Ambivalente Gefühle, Verantwortung und Schuld differenzierter betrachten. Die Frage vertiefen, wie Gottes verborgenes Handeln in der Geschichte verstanden werden kann.
Klasse 4Die Josefsgeschichte stärker als zusammenhängende biblische Erzählung untersuchen, unterschiedliche Gottesdeutungen diskutieren und Gen 50,20 kritisch auf die Frage beziehen, ob und wie aus schwierigen Erfahrungen später Gutes entstehen kann.
Unterrichtsentwurf Josef

Materialideen

MaterialEinsatz
Kamishibai: Josef und seine Brüder – 8 Bildkarten*Besonders für Klasse 2 eine schöne Möglichkeit, die Geschichte abschnittsweise und bildgestützt zu erzählen.
Josef und seine Brüder*Als ergänzendes Kinderbuch, zum Nachlesen einzelner Episoden oder für eine Leseecke zur Unterrichtsreihe.
Die Josefsgeschichte entdecken*Ergänzende Ideen und vorbereitete Materialien speziell für die Schuleingangsphase.
Josef und seine Brüder*Als weitere kindgerechte Darstellung der Josefsgeschichte.
Buntes Kleid / StoffresteZentraler Gegenstand für das Kleidermotiv und besonders für die UB-Stunde.
ErzählfigurenZum Nachspielen, für Bodenbilder und für Perspektivwechsel.
GefühlskartenUnterstützen das Verbalisieren von Neid, Wut, Angst, Freude, Trauer und Hoffnung.
Gedanken- und SprechblasenZum Hineinversetzen in Josef, die Brüder, Jakob oder andere Figuren.
Josef-Säckchen oder ErzählkisteIn jeder Einheit kommt ein Symbol oder Kleid hinzu. Am Ende enthält die Kiste den gesamten Lebensweg.
Seil oder Weg aus TüchernZur abschließenden Visualisierung der Höhen und Tiefen von Josefs Lebensweg.
Kleider-VorlagenDie Kinder gestalten für wichtige Lebensstationen unterschiedliche Kleider.
BodenbildmaterialTücher, Figuren, Steine, Symbole und Gefühlswörter machen die Geschichte sichtbar.

Typische Schwierigkeiten

  • Die Josefsgeschichte ist sehr lang: Für Klasse 2 müssen die Kapitel Genesis 37–50 bewusst auf zentrale Stationen reduziert werden.

  • Die Kinder verlieren den roten Faden: Das Kleidermotiv, eine Erzählschiene oder eine fortlaufende Josef-Kiste helfen bei der Orientierung.

  • Josef wird als durchgehend „gut“ und die Brüder als „böse“ eingeordnet: Unterschiedliche Perspektiven und Gefühle sollten bewusst zugelassen werden.

  • Neid wird moralisch verurteilt: Besser zwischen einem Gefühl und der daraus entstehenden Handlung unterscheiden.

  • „Gott macht am Ende alles gut“ wird zur einfachen Botschaft: Schwierige Erfahrungen dürfen nicht nachträglich gerechtfertigt oder verharmlost werden.

  • Kinder fragen, warum Gott Josef nicht sofort geholfen hat: Diese Frage sollte stehen bleiben dürfen und als echte religiöse Frage ernst genommen werden.

  • Die Lebensweltübertragung wird zu persönlich: Kinder sollten niemals dazu gedrängt werden, eigene familiäre Konflikte, Eifersucht oder belastende Erfahrungen öffentlich zu erzählen.

  • Versöhnung wird als Pflicht vermittelt: Vergebung sollte als Möglichkeit der Geschichte betrachtet werden, nicht als Aufforderung, jede Verletzung zu verzeihen.

  • Die Kleider werden mit biblischen Details verwechselt: Nicht jedes verwendete „Kleid“ ist ausdrücklich Teil des Bibeltextes; einige Gewänder dienen als didaktisches Symbol für Josefs wechselnde Lebenssituationen.

  • Zu viele ägyptische Sachinformationen lenken vom religiösen Kern ab: Landeskunde zu Ägypten kann spannend sein, sollte aber das Thema „Gott begleitet auf dem Lebensweg“ nicht verdrängen.

Lehrplanbezug NRW

Die Josefsgeschichte ist für Klasse 2 curricular besonders eindeutig anschlussfähig. Im evangelischen Lehrplan gehört sie zum Bereich der Frage nach Gott und zum Schwerpunkt „Gott begleitet auf dem Lebensweg“. Für das Ende der Schuleingangsphase wird ausdrücklich erwartet, dass die Schüler*innen ausgewählte biblische Weggeschichten – darunter „Josef und seine Brüder“ – wiedergeben und Erfahrungen biblischer Personen mit Gott als Wegbegleiter zu eigenen Erfahrungen und Fragen in Beziehung setzen. 

Auch der katholische Lehrplan führt unter „Gott begleitet auf dem Lebensweg“ exemplarische Glaubensgeschichten des Alten Testaments auf und nennt ausdrücklich Noah, Abraham und Sara sowie Josef und seine Brüder. 

Darüber hinaus passt die Reihe zum grundlegenden religionsdidaktischen Prinzip, biblische Überlieferungen nicht isoliert zu behandeln, sondern mit Erfahrungen und Fragen der Kinder in Beziehung zu bringen. Der evangelische Lehrplan beschreibt die Verknüpfung von Lebenswirklichkeit und biblisch-christlicher Tradition; der katholische Lehrplan formuliert vergleichbar das Prinzip der Korrelation zwischen christlicher Botschaft und Lebenswirklichkeit der Schüler*innen.

Für die Reihe sind insbesondere folgende Kompetenzen zentral:

  • biblische Geschichten wahrnehmen, erschließen und wiedergeben,

  • Gefühle und menschliche Grunderfahrungen in biblischen Erzählungen entdecken,

  • Perspektiven unterschiedlicher Personen einnehmen,

  • Fragen nach und an Gott entwickeln,

  • Gottes Begleitung in biblischen Weggeschichten deuten,

  • Erfahrungen biblischer Personen mit eigenen Fragen in Beziehung setzen,

  • über Schuld, Veränderung, Vergebung und Versöhnung nachdenken,

  • eigene Deutungen sprachlich, gestalterisch oder szenisch ausdrücken.

Wer vorher bereits die Geschichte von Abraham und Sara behandelt hat, kann sehr schön an die Vorstellung einer biblischen Weggeschichte anknüpfen.

Sachanalyse

  • Die Josefsgeschichte befindet sich in Genesis 37–50 und bildet den Abschluss der Erzelternerzählungen.

  • Josef ist ein Sohn Jakobs und wird von seinem Vater besonders bevorzugt. Diese Bevorzugung wird unter anderem durch das besondere Gewand sichtbar.

  • Josefs Träume verschärfen den Konflikt mit seinen Brüdern zusätzlich.

  • Die Brüder werfen Josef in eine Zisterne und verkaufen ihn. Josef gelangt nach Ägypten.

  • In Ägypten erlebt Josef Aufstieg und erneuten Absturz. Er erhält Verantwortung in Potifars Haus, wird später zu Unrecht beschuldigt und kommt ins Gefängnis.

  • Durch seine Fähigkeit zur Traumdeutung gelangt Josef zum Pharao und erhält eine verantwortungsvolle Position. Kindgerecht wird häufig vom „Minister“ gesprochen.

  • Josef trägt durch die Vorratshaltung dazu bei, die Folgen einer Hungersnot abzumildern.

  • Als seine Brüder wegen der Hungersnot nach Ägypten kommen, begegnet Josef seiner eigenen Vergangenheit.

  • Die Erzählung endet mit Wiederbegegnung, Vergebung und Versöhnung.

  • Theologisch ist auffällig, dass Gott innerhalb der Josefsgeschichte vergleichsweise selten unmittelbar handelt oder spricht. Die Erzählung lässt Gottes Begleitung häufig indirekt beziehungsweise erst im Rückblick erkennen.

  • Eine zentrale Deutung findet sich in Genesis 50,20: Das von Menschen böse Beabsichtigte wird rückblickend in einen größeren Zusammenhang gestellt. Dieser Vers sollte mit Grundschulkindern nicht so verkürzt werden, als verursache Gott Leid, um anschließend etwas Gutes daraus entstehen zu lassen.

  • Das Kleidermotiv eignet sich didaktisch gut, weil äußere Veränderungen Josefs wechselnde Lebenssituation sichtbar machen. Die religionspädagogische Handreichung entwickelt daraus unter anderem Geschenk-, Sklaven-, Gefängnis- und Ministergewand.

  • Nicht alle dieser einzelnen Gewänder werden im Bibeltext in dieser Form erzählt. Sie sind zum Teil didaktische Symbole und sollten auch als solche behandelt werden.

  • Zentral für Klasse 2 ist die elementarisierte Auseinandersetzung mit Lebensweg, Gefühlen, menschlichem Handeln, Gottesbegleitung und Versöhnung.

Unterrichtsentwurf Josef

Didaktische Begründung

  • Hoher Lebensweltbezug: Kinder kennen Erfahrungen von Freundschaft, Geschwisterkonflikten, Bevorzugung, Neid, Ungerechtigkeit und Versöhnung.

  • Keine Gleichsetzung notwendig: Die Kinder müssen nicht selbst eine vergleichbare Situation erlebt haben. Die biblische Geschichte eröffnet einen geschützten Raum, in dem zunächst über Josef und seine Familie gesprochen werden kann.

  • Perspektivübernahme: Josef, seine Brüder und Jakob erleben dieselben Situationen unterschiedlich. Dadurch eignet sich die Erzählung hervorragend zum Aufbau von Empathie und Perspektivbewusstsein.

  • Gefühle werden ernst genommen: Neid, Wut oder Angst werden nicht vorschnell bewertet. Die Kinder lernen, zwischen einem Gefühl und dem daraus folgenden Handeln zu unterscheiden.

  • Subjektorientierter Unterricht: Fragen der Kinder wie „Warum hilft Gott Josef nicht sofort?“ oder „Ist Gott im Gefängnis auch da?“ werden nicht durch fertige Antworten geschlossen, sondern zum Ausgangspunkt theologischen Nachdenkens.

  • Theologische Tiefe trotz einfacher Sprache: „Gott begleitet“ bedeutet nicht „Gott verhindert alles Schlimme“. Gerade die verborgene Gottesbegleitung ermöglicht eine altersangemessene, aber nicht trivialisierende Auseinandersetzung.

  • Symbolorientierung: Das wechselnde Kleid macht Status, Gefühle und Wendepunkte sichtbar und bietet Kindern einen Zugang zu einem langen Erzählzusammenhang.

  • Roter Faden: Die Episoden werden durch das Kleidermotiv miteinander verbunden.

  • Versöhnung statt einfacher Moral: Die Geschichte ermöglicht die Auseinandersetzung mit Schuld, Veränderung, Verantwortung und Vergebung, ohne daraus die Regel „Du musst immer verzeihen“ abzuleiten.

  • Religiöse Sprachfähigkeit: Die Kinder lernen, Fragen, Hoffnungen, Zweifel und mögliche Gottesvorstellungen sprachlich oder symbolisch auszudrücken.

  • Sichtbarer Lernzuwachs im UB: Die Kinder wechseln von einer eindimensionalen Betrachtung des Kleides zu mehreren begründeten Perspektiven und erkennen den Zusammenhang zwischen Bevorzugung, Gefühlen und Zusammenleben.

  • Curriculare Passung: Josef wird im NRW-Lehrplan ausdrücklich für die Schuleingangsphase genannt.

Methodische Begründung

  • Bodenbild: Die Erzählung wird sichtbar und kann Stunde für Stunde ergänzt werden.

  • Kamishibai: Besonders in Klasse 2 ermöglicht die Verbindung aus Bild und Erzählung eine konzentrierte Begegnung mit dem Bibeltext, ohne die Kinder zu überfordern.

  • Kleidermotiv: Der wiederkehrende konkrete Gegenstand schafft Orientierung innerhalb der komplexen Geschichte.

  • Stoffe und Kleidung: Haptische Materialien ermöglichen einen zusätzlichen sinnlichen Zugang und machen Veränderungen unmittelbar erfahrbar.

  • Gefühlskarten: Sie unterstützen Kinder dabei, Emotionen zunächst wahrzunehmen und anschließend sprachlich auszudrücken.

  • Gedankenblasen: Innere Vorgänge werden sichtbar und ermöglichen eine klare Trennung verschiedener Perspektiven.

  • Szenisches Spiel und Standbilder: Gefühle und Beziehungen können auch von Kindern ausgedrückt werden, denen eine ausführliche Versprachlichung noch schwerfällt.

  • Partnerarbeit: Gedanken können zunächst in einem geschützten Rahmen entwickelt werden, bevor sie im Plenum vorgestellt werden.

  • Wiederkehrende Josef-Kiste: Symbole und Kleider aus vorherigen Stunden bleiben verfügbar und unterstützen Erinnerung sowie selbstständiges Nacherzählen.

  • Lebensweg am Boden: Die abschließende Visualisierung verbindet einzelne Episoden wieder zu einer Gesamtgeschichte und ermöglicht die zentrale Deutungsfrage nach Gottes Begleitung.

  • Offene Impulsfragen: Gerade im Religionsunterricht sollte nicht jede Frage auf eine einzige vorgesehene Antwort hinauslaufen.

  • Freiwilliger Lebensweltbezug: Persönliche Erfahrungen dürfen eingebracht werden, müssen aber nicht öffentlich gemacht werden.

Mein Fazit

Ich finde die Josefsgeschichte für Klasse 2 unglaublich ergiebig, weil sie auf mehreren Ebenen funktioniert. Die Kinder können zunächst ganz konkret mitfühlen: Josef freut sich über sein Kleid. Seine Brüder sind neidisch. Josef bekommt Angst. Er erlebt Ungerechtigkeit. Später übernimmt er Verantwortung. Und irgendwann steht er den Menschen wieder gegenüber, die ihn so schwer verletzt haben.

Gleichzeitig öffnet sich hinter diesen Situationen eine viel größere religionspädagogische Frage: Wo ist Gott eigentlich, wenn das Leben nicht nur geradeaus geht? Genau diese Frage würde ich zum roten Faden der Reihe machen.

Besonders gut gefällt mir dafür das Kleidermotiv. Die Kinder sehen an jedem neuen Kleid, dass sich Josefs äußere Situation verändert. Am Ende können alle Kleidungsstücke auf seinem Lebensweg liegen – und plötzlich wird sichtbar, wie viele Höhen und Tiefen dieser Weg hatte.

Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.

FAQ

  • Für welche Klasse eignet sich die Josefsgeschichte?

    Die Josefsgeschichte eignet sich gut für Klasse 2 und damit für die Schuleingangsphase. Einzelne Zugänge können bereits in Klasse 1 genutzt werden, während sich die theologischen Fragen in Klasse 3 und 4 noch stärker vertiefen lassen.

  • Ist Josef im Lehrplan NRW vorgesehen?

    Ja. Sowohl der evangelische als auch katholische Lehrplan nennt Josef und seine Brüder im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt „Gott begleitet auf dem Lebensweg“. 

  • Welche UB-Stunde eignet sich zur Josefsgeschichte?

    Für Klasse 2 finde ich eine Stunde zu Josefs besonderem Kleid besonders geeignet. Die Kinder nehmen die Perspektive Josefs und seiner Brüder ein und untersuchen, warum das gleiche Geschenk ganz unterschiedliche Gefühle auslösen kann.

  • Warum eignet sich das Kleidermotiv für die Josefsgeschichte?

    Die verschiedenen Kleider machen Veränderungen auf Josefs Lebensweg sichtbar. Sie können für Bevorzugung, Verlust, Gefangenschaft, neuen Status und Versöhnung stehen und helfen Kindern dabei, die lange Erzählung zu strukturieren.

  • Welche Gefühle können bei Josef behandelt werden?

    Besonders passend sind Freude, Stolz, Angst, Wut, Trauer, Einsamkeit, Hoffnung, Erleichterung und Freude über die Versöhnung. Bei den Brüdern kommen vor allem Neid, Eifersucht, Wut, Schuld und Unsicherheit hinzu.

  • Wie kann Gottes Begleitung kindgerecht thematisiert werden?

    Statt die fertige Aussage „Gott war immer bei Josef“ vorzugeben, können die Kinder selbst fragen, wo Gott auf Josefs Weg gewesen sein könnte. Gerade Situationen wie Brunnen und Gefängnis ermöglichen dabei echte Fragen nach Gottes Nähe in schwierigen Zeiten.

  • Sollte man den Kindern sagen, dass Gott Josefs Leid verursacht hat?

    Nein. Die Josefsgeschichte kann als Geschichte verborgener Gottesbegleitung gelesen werden, ohne das Handeln der Brüder oder Josefs ungerechte Erfahrungen als von Gott verursacht darzustellen.

  • Wie lässt sich Versöhnung thematisieren?

    Die Kinder können Handlungsmöglichkeiten Josefs entwickeln und anschließend mit der biblischen Erzählung vergleichen. Wichtig ist, Vergebung nicht als Pflicht zu vermitteln, sondern die Entscheidung Josefs und die Veränderung seiner Brüder zu untersuchen.

  • Wie lang sollte eine Unterrichtsreihe zu Josef sein?

    Mit etwa sieben bis acht Einheiten lassen sich die wichtigsten Stationen gut erzählen und gleichzeitig genügend Zeit für Gefühle, Perspektivübernahme, Gottesfrage und Versöhnung einplanen.

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