Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik: Unterrichtsreihe, UB-Stunde und Material

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Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

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Quickfacts

  • Die Unterrichtsreihe zur Kaschiertechnik eignet sich für Klasse 1 bis 4. Die Kinder entwickeln aus Papier, Kleister und einer Grundform eigene dreidimensionale Plastiken und untersuchen dabei besonders die Zusammenhänge zwischen Material, Form, Stabilität und Wirkung.

  • Kaschieren ist nicht ganz dasselbe wie das Arbeiten mit Papiermaché-Masse: Bei der Kaschiertechnik werden Papierstreifen beziehungsweise Papierlagen übereinandergeschichtet und mit Kleister oder Leim verbunden. (Kunst Realschule)

  • Als Künstlerbezug eignet sich Niki de Saint Phalle gut. Ihre farbintensiven und körperhaften Skulpturen eröffnen einen kindgerechten Zugang zu Volumen, Bewegung, Silhouette, Farbe und Oberflächengestaltung. Der Bezug dient dabei als Inspiration und nicht als Vorlage zum bloßen Nachgestalten. (Niki Charitable Art Foundation)

  • Diese Reihe habe ich als Grundstruktur geplant. Ihr könnt sie selbstverständlich für euren Unterricht und auch für Unterrichtsbesuche nutzen, solltet sie aber immer an die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Lernstände eurer eigenen Klasse anpassen.

  • Die Links zu Materialien sind Affiliate-Links. Für Käufer*innen ändert sich der Preis nicht, ich bekomme nur eine kleine Unterstützung für meine Arbeit.

Allgemeines

Kaschieren finde ich für den Kunstunterricht schön, weil Kinder erleben, wie aus einem sehr alltäglichen Material etwas Dreidimensionales und überraschend Stabiles entstehen kann.

  • Papier wird gerissen.

  • Mit Kleister bestrichen.

  • Über eine Grundform gelegt.

  • Überlappt.

  • Geschichtet.

  • Getrocknet.

  • Und irgendwann entsteht aus einzelnen dünnen Papierstücken eine eigene Plastik.

Fachlich ist dabei eine Unterscheidung sinnvoll: Papiermaché bezeichnet eine plastische Papiermasse aus zerkleinertem beziehungsweise eingeweichtem Papier. Beim Kaschieren werden dagegen Papierlagen oder -streifen schichtweise aufgebracht. Für beide Verfahren können tragende Grundformen notwendig sein. (Kunst Realschule)

Als Künstlerbezug würde ich Niki de Saint Phalle integrieren. Ihre Skulpturen wirken häufig voluminös, farbstark und bewegt. Gerade ihre Nanas eignen sich, um mit Kindern zu fragen: „Wie kann eine Figur schon durch ihre Form und Haltung fröhlich, stark, ruhig oder bewegt wirken?“ Die Kinder sollen sie nicht kopieren, können ihre Beobachtungen aber für eigene Fantasiefiguren nutzen.

Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

Reihenplanung

Thema der Reihe

Kaschiertechnik – dreidimensionale Fantasiefiguren aus Papier entwickeln, formen und farbig gestalten

Kindgerechte Themenformulierung

„Papier wird zur Skulptur! – Wir bauen bunte Fantasiefiguren.“

Kernanliegen der Reihe

Die Lernenden erweitern ihre plastischen Gestaltungskompetenzen, indem sie Eigenschaften von Papier und unterschiedlichen Grundformen untersuchen, Möglichkeiten des Formens, Verbindens und Kaschierens erproben, eine eigene dreidimensionale Figur planen und deren Körperform sowie Oberfläche bewusst gestalten, um Zusammenhänge zwischen technischem Vorgehen, Stabilität, räumlicher Form und künstlerischer Wirkung für eine eigene Gestaltungsidee zu nutzen.

Aufbau der Reihe

EinheitForscherfrage / ThemaKompetenzschwerpunkt
1. Papier wird stark„Wie kann aus dünnem Papier eine feste Form entstehen?“Die Lernenden experimentieren mit Papier, Kleister, Grundformen und mehreren Papierlagen, um das Prinzip der Kaschiertechnik und erste Zusammenhänge zwischen Schichtung, Form und Stabilität zu entdecken.
2. Skulpturen mit Persönlichkeit – Niki de Saint Phalle„Wie kann eine Figur allein durch ihre Form und Haltung wirken?“Die Lernenden betrachten ausgewählte Skulpturen von Niki de Saint Phalle hinsichtlich Volumen, Haltung, Silhouette und Farbe, um Anregungen für eigene plastische Gestaltungsideen zu gewinnen.
3. Unsere Fantasiefigur entsteht im Kopf„Welche Form soll meine Figur bekommen?“Die Lernenden entwickeln eigene Figurideen und planen Körperform, Proportionen, Haltung und Farbgestaltung, um ihre individuelle bildnerische Absicht vorzubereiten.
4. Ein stabiles Innenleben„Wie bauen wir eine Grundform, die unsere Figur trägt?“Die Lernenden erproben geeignete Materialien und Verbindungen für eine Grundkonstruktion, um Stabilität und gewünschte Körperform miteinander zu verbinden.
5. UB: Papier um die Kurve„Wie müssen wir Papierstreifen kaschieren, damit unsere Form sichtbar bleibt?“Die Lernenden untersuchen unterschiedliche Möglichkeiten des Kaschierens an Rundungen, Übergängen und schmalen Stellen, um Papiergröße, Überlappung und Schichtung gezielt an die Form ihres Objekts anzupassen.
6. Farbe verändert unsere Figur„Wie können Farben und Muster die Wirkung unserer Figur verstärken?“Die Lernenden entwickeln nach der Trocknung ein eigenes Farb- und Musterkonzept und setzen Farbe wirkungsbezogen auf der dreidimensionalen Oberfläche ein.
7. Unsere Skulpturengalerie„Wie wirkt unsere Figur von verschiedenen Seiten?“Die Lernenden präsentieren ihre Plastiken im Raum, betrachten sie aus verschiedenen Perspektiven und reflektieren Form, Oberfläche, Stabilität und individuelle Wirkung.
Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

Vertiefung der einzelnen Einheiten

Einheit 1: Papier wird stark – Wie kann aus dünnem Papier eine feste Form entstehen?

Die Kinder erhalten Papier, Kleister und einfache Grundformen wie kleine Schalen, Papprollen oder mit Folie geschützte Formen. Sie testen, was passiert, wenn Papier einmal, mehrfach oder überlappend aufgetragen wird. Dabei wird die Kaschiertechnik eingeführt: Papierstücke/ -streifen werden schichtweise mit Kleister oder Leim verbunden. (Kunst Realschule)

Lernzuwachs: Die Kinder verstehen das Grundprinzip des Kaschierens und erkennen, dass mehrere gut verbundene Papierlagen nach dem Trocknen eine tragfähigere Hülle bilden.

Einheit 2: Skulpturen mit Persönlichkeit – Wie kann eine Figur durch Form und Haltung wirken?

Ausgewählte Werke von Niki de Saint Phalle werden betrachtet. Im Mittelpunkt stehen nicht kunsthistorische Daten, sondern Beobachtungen: rund – groß – klein – gebogen – bewegt – ruhig – farbig – gemustert. Ihre Nanas zeigen besonders deutlich voluminöse Körperformen, unterschiedliche Bewegungen und intensive Farbigkeit. (Niki Charitable Art Foundation)

Lernzuwachs: Die Kinder erkennen, dass bereits Körperform, Haltung und Oberfläche die Wirkung einer Skulptur bestimmen können.

Einheit 3: Unsere Fantasiefigur entsteht im Kopf – Welche Form soll meine Figur bekommen?

Die Kinder entwickeln eine eigene Fantasiefigur. Skizzen helfen dabei, Haltung, Volumen und besondere Merkmale zu planen. Statt eine Künstlerfigur nachzubauen, überlegen die Kinder: Soll meine Figur hüpfen, tanzen, stehen, sich drehen oder ganz ruhig wirken?

Lernzuwachs: Die Kinder entwickeln eine eigene bildnerische Absicht und übersetzen eine zweidimensionale Idee zunehmend in eine räumliche Vorstellung.

Einheit 4: Ein stabiles Innenleben – Wie bauen wir eine Grundform?

Nun wird die Unterkonstruktion gebaut. Je nach Jahrgang eignen sich Pappe, zerknülltes Papier, Rollen, leichte Verpackungen oder Folie. Draht würde ich in Klasse 1/2 nicht einsetzen. Ältere Kinder können komplexere Konstruktionen entwickeln.

Lernzuwachs: Die Kinder erkennen, dass die Grundkonstruktion sowohl die Stabilität als auch die spätere Form ihrer Plastik beeinflusst.

Einheit 5: Papier um die Kurve – Wie müssen wir Papierstreifen kaschieren, damit unsere Form sichtbar bleibt?

Diese Einheit würde ich für einen UB wählen. An Testformen untersuchen die Kinder:

  • große versus kleine Papierstücke,

  • lange versus kurze Streifen,

  • stark beziehungsweise wenig überlappende Lagen,

  • Rundungen und schmale Übergänge.

Anschließend übertragen sie ihre Erkenntnisse auf ihre eigene Figur.

Lernzuwachs: Die Kinder kaschieren nicht mehr einfach „irgendwie“, sondern treffen material- und formbezogene Entscheidungen, damit Rundungen, Übergänge und Körperformen erhalten bleiben.

Einheit 6: Farbe verändert unsere Figur – Wie können Farben und Muster ihre Wirkung verstärken?

Nach vollständiger Trocknung werden verschiedene Farbkonzepte betrachtet. Niki de Saint Phalle kann hier erneut als Impuls dienen: intensive Farben, starke Kontraste und Muster prägen viele ihrer Skulpturen. (Niki Charitable Art Foundation) Die Kinder entwickeln anschließend eine eigene Oberflächengestaltung.

Lernzuwachs: Farbe wird nicht nur dekorativ eingesetzt, sondern bewusst auf die gewünschte Wirkung der dreidimensionalen Form abgestimmt.

Einheit 7: Unsere Skulpturengalerie – Wie wirkt unsere Figur von verschiedenen Seiten?

Die fertigen Plastiken werden so ausgestellt, dass die Kinder sie umrunden können. Reflexionsfragen:

  • „Wo ist die Form besonders gelungen?“

  • „Wie verändert sich die Figur von der Seite?“

  • „Welche Farben unterstützen ihre Wirkung?“

Lernzuwachs: Die Kinder betrachten Plastiken als räumliche Arbeiten, reflektieren eigene Gestaltungsentscheidungen und vergleichen unterschiedliche individuelle Lösungswege.

Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

UB-Stunde

Thema der Stunde

Einheit 5: Papier um die Kurve – Möglichkeiten des Kaschierens an unterschiedlichen Körperformen untersuchen und für die eigene Plastik gezielt nutzen

Kindgerechte Forscherfrage

„Wie müssen wir Papierstreifen kaschieren, damit unsere Form sichtbar bleibt?“

Ziel der Stunde

Die Lernenden erweitern ihre Fähigkeiten im plastischen Gestalten, indem sie unterschiedliche Größen, Anordnungen und Überlappungen von Papierstreifen an Rundungen, Übergängen und schmalen Körperformen erproben, die entstehenden Oberflächen vergleichen und geeignete Vorgehensweisen auf ihre eigene Plastik übertragen, um das technische Verfahren des Kaschierens zunehmend bewusst auf Stabilität, Form und gewünschte Wirkung abzustimmen.

Verlauf der Stunde

PhaseInhaltSozialform / MethodeMaterial
EinstiegZwei vorbereitete kaschierte Formen werden gezeigt: Bei einer sind Rundung und Übergänge gut erkennbar, bei der anderen entstehen starke Falten / unklare Formen. „Was ist hier passiert?“Plenum / Werkbetrachtungzwei Testobjekte
Forscherfrage„Wie müssen wir Papierstreifen kaschieren, damit unsere Form sichtbar bleibt?“PlenumForscherfrage
VermutungenDie Kinder vermuten Zusammenhänge zwischen Papiergröße, Streifenform, Kleistermenge und Überlappung.PlenumPapierbeispiele
ErprobungKleine Gruppen testen Papierstücke an vorbereiteten Rundungen, Ecken und Übergängen.Partner-/GruppenarbeitTestkörper, Papier, Kleister
ZwischenreflexionErkenntnisse werden gesammelt: Wo funktionieren kleinere Streifen? Wie stark sollten sie überlappen? Was passiert bei zu viel Kleister?PlenumTeststücke
GestaltungsphaseDie Kinder kaschieren an der eigenen Grundform weiter und wählen Papierstücke passend zur jeweiligen Körperstelle.Einzelarbeiteigene Plastiken
PartnerblickEin Partner betrachtet die Figur von mehreren Seiten: „Welche Form kann ich noch gut erkennen? Wo müsste noch nachgearbeitet werden?“PartnerarbeitFiguren
SicherungZwei unterschiedliche Lösungen werden betrachtet und anhand des Vorgehens verglichen.Plenum / WerkreflexionKinderarbeiten
AbschlussGemeinsame Erkenntnis: „Beim Kaschieren passen wir unsere Papierstücke an die Form an und lassen die Lagen überlappen.“PlenumMerksatz
Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

Anforderungsbereiche

AB I: Die Lernenden führen grundlegende Arbeitsschritte der Kaschiertechnik aus und beschreiben Materialeigenschaften sowie beobachtbare Oberflächen.

AB II: Die Lernenden vergleichen unterschiedliche Möglichkeiten des Kaschierens und wählen Papiergröße, Überlappung und Vorgehen passend zur jeweiligen Körperform aus.

AB III: Die Lernenden begründen ihre materialtechnischen Entscheidungen hinsichtlich Form, Stabilität und Wirkung und entwickeln für schwierige Stellen eigenständige Lösungen.

Differenzierungsmöglichkeiten

Unterstützend:

  • Einfache geschlossene Grundformen wie Kugeln oder ovale Körper verwenden.

  • Fertige Grundkörper zur Verfügung stellen.

  • Auf komplexe Drahtarmierungen verzichten.

  • Papierstreifen bereits in unterschiedlichen Größen vorbereiten.

  • Nur eine Papierart verwenden.

  • Arbeitsschritte über Bildkarten visualisieren.

  • Eine kleine Musterfläche gemeinsam kaschieren.

  • Bereiche der Figur markieren, die zuerst bearbeitet werden.

  • Partnerarbeit an schwierigen Übergängen ermöglichen.

  • Jüngeren Kindern einfache Formen mit wenigen angesetzten Körperteilen anbieten.

  • Kleister bereits passend anrühren und in kleinen Mengen bereitstellen.

  • Farbgestaltung auf wenige Farben beziehungsweise einfache Muster konzentrieren.

Erweiternd:

  • Eigene komplexe Grundkonstruktionen entwickeln.

  • Mehrere unterschiedliche Körperformen miteinander verbinden.

  • Bewusst starke Veränderungen der Silhouette planen.

  • Bewegung über Körperhaltung darstellen.

  • Durchbrüche oder ungewöhnliche räumliche Formen entwickeln.

  • Unterschiedliche Papierarten hinsichtlich ihrer Oberflächenwirkung vergleichen.

  • Gezielt raue und glatte Oberflächen erzeugen.

  • Farbgestaltung aus der gewünschten Wirkung der Figur ableiten.

  • Ansicht aus mehreren Perspektiven bereits beim Entwurf berücksichtigen.

  • Eine Figur mit besonders ausdrucksstarker Bewegung entwickeln.

  • Eigene technische Lösungen für instabile Bereiche entwickeln und dokumentieren.

  • Wirkung der eigenen Figur mit Skulpturen von Niki de Saint Phalle vergleichen.

Ideen für Klasse 1 bis 4

KlasseMögliche Umsetzung
1Mit einfachen vorhandenen Grundformen wie kleinen Kartons, Papprollen oder vorbereiteten Körpern arbeiten. Schwerpunkt: Papier reißen, überlappend auflegen und erste Erfahrungen mit dreidimensionaler Form sammeln.
2Einfache Tiere oder Fantasiefiguren aus wenigen verbundenen Grundkörpern gestalten. Die Kinder planen erste besondere Merkmale und kaschieren weitgehend selbstständig.
3Eigene Fantasiefiguren mit bewusster Körperhaltung entwickeln, Grundkonstruktionen selbst herstellen und die Kaschiertechnik zunehmend materialgerecht an unterschiedliche Formen anpassen.
4Komplexere Plastiken planen, technische Lösungen für Stabilität eigenständig entwickeln und Form, Bewegung, Oberfläche und Farbwirkung begründet auf eine individuelle Gestaltungsabsicht abstimmen.
Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

Materialideen

MaterialEinsatz
Fasziniert von Pappmaché: Techniken und figuratives Gestalten*Ergänzende Inspiration zu plastischen Papierverfahren und figürlichen Gestaltungsmöglichkeiten.
Methoden und Techniken für den Kunstunterricht*Meine Empfehlung als allgemeines Nachschlagewerk für verschiedene Verfahren in Malerei, Grafik und Objektkunst.
Zeitungs- und dünnes RecyclingpapierHauptmaterial für die Kaschierlagen; dünnere Papiere lassen sich gut an Formen anlegen.
Tapetenkleister beziehungsweise geeigneter PapierkleisterZum Verbinden der einzelnen Papierlagen.
Pappe und PapprollenFür stabile einfache Grundkonstruktionen.
Zerknülltes PapierZum Aufbau leichter Volumen.
Kreppband beziehungsweise geeignetes KlebebandZum vorläufigen Fixieren von Grundformen vor dem Kaschieren.
LuftballonsKönnen für runde Hohlformen genutzt werden; mögliche Latexallergien und das Platzen der Ballons müssen berücksichtigt werden.
DrahtNur bei geeigneter Altersstufe und unter klaren Sicherheitsbedingungen für komplexere Armierungen.
BorstenpinselZum Auftragen beziehungsweise Verteilen des Kleisters.
Abdeckfolie und MalkittelKaschieren ist materialintensiv – der Arbeitsplatz sollte entsprechend vorbereitet sein.
Deckende FarbenFür die Oberflächengestaltung nach vollständiger Trocknung.
SkizzenpapierZur Planung von Silhouette, Haltung, Proportion und Farbschema.
Plastisches Gestalten: Papiermaché – ISB BayernKompakter fachlicher Überblick zur Unterscheidung von Papiermaché und Kaschieren sowie zu Armierung, Schichtung und Nachbearbeitung. (Kunst Realschule)
Deavita – Pappmaché-FigurenZusätzliche Projektideen zur Inspiration; fachliche und sicherheitsbezogene Entscheidungen würde ich jedoch immer selbst für die jeweilige Lerngruppe treffen.

Typische Schwierigkeiten

  • Kaschieren und Papiermaché werden gleichgesetzt: Transparent erklären, dass beim Kaschieren Papierlagen aufgeschichtet werden, während Papiermaché häufig als Papierbrei beziehungsweise plastische Masse verarbeitet wird. (Kunst Realschule)

  • Die Reihe wird zu einer reinen Bastelarbeit: Immer wieder nach Form, Raumwirkung, Oberfläche und individueller Gestaltungsabsicht fragen.

  • Die Kinder kopieren Niki de Saint Phalles Nanas: Künstlerwerke als Beobachtungs- und Inspirationsquelle verwenden, danach eigene Fantasiefiguren entwickeln lassen.

  • Künstlerbezug wird technisch falsch hergestellt: Nicht behaupten, Niki de Saint Phalle habe ihre Nanas in Kaschiertechnik produziert. Der Bezug liegt vor allem in Plastik, Volumen, Bewegung und Oberfläche. (Niki Charitable Art Foundation)

  • Die Grundkonstruktion ist zu instabil: Vor dem Kaschieren testen, ob die Figur eigenständig hält und angesetzte Teile sicher verbunden sind.

  • Zu große Papierstücke bilden starke Falten: An Rundungen und kleinen Formen mit kleineren beziehungsweise schmaleren Stücken arbeiten.

  • Papier wird nur nebeneinander gelegt: Deutlich machen, dass sich die Lagen überlappen müssen.

  • Zu viel Kleister macht die Konstruktion weich: Kleister sparsam und gleichmäßig verwenden.

  • Zu viele Schichten werden auf einmal aufgetragen: Bei umfangreicheren Arbeiten Trocknungsphasen einplanen. Die technische Handreichung empfiehlt mehrere Schichten und ausreichendes Trocknen zwischen Arbeitsgängen. (Kunst Realschule)

  • Die Kinder beginnen zu früh mit dem Bemalen: Erst vollständig trocknen lassen.

  • Die Oberfläche wird sofort möglichst glatt gemacht: Auch raue, faltige oder strukturierte Oberflächen können eine bewusste künstlerische Wirkung besitzen.

  • Alle Figuren sehen ähnlich aus: Schon bei Haltung, Proportion und Silhouette individuelle Entscheidungen einfordern.

  • Farbe wird am Ende nur noch „draufgemalt“: Vorher ein Farbkonzept entwickeln und überlegen, wie Farbe die Figur verändern soll.

  • Draht wird in jungen Klassen unkritisch eingesetzt: Für Klasse 1/2 lieber sichere Grundformen aus Papier und Pappe nutzen; scharfkantige Materialien vermeiden.

  • Ballons werden selbstverständlich eingesetzt: Latexallergien und den Umgang mit platzenden Ballons vorher prüfen.

  • Trocknungszeiten werden unterschätzt: Die Reihe organisatorisch über mehrere Tage beziehungsweise Wochen planen und ausreichende Trockenplätze vorbereiten.

Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

Lehrplanbezug NRW

Die Kaschiertechnik passt im Kunstlehrplan NRW besonders zum Bereich „Plastizieren und Montieren“. Er beschreibt plastisches Gestalten als dreidimensionales Arbeiten, bei dem sensomotorische Erfahrungen und räumliche Wahrnehmung eng miteinander verbunden sind.

Für die Reihe relevant sind die Kompetenzen, unterschiedliche Materialien hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Ausdrucksqualitäten zu untersuchen sowie Bearbeitungs- und Verbindungsmöglichkeiten wie Formen, Schneiden, Kleben und Verbinden zu erproben. Bis Ende Klasse 4 sollen die Kinder Zusammenhänge zwischen technischem Vorgehen, Stabilität und Wirkung beurteilen und eigene Plastiken beziehungsweise Montagen zielgerichtet realisieren. (Lehrplan NRW)

Auch der Künstlerbezug ist curricular sinnvoll: Der Lehrplan betont, dass die Beschäftigung mit Gestaltungsweisen und Bildstrategien von Künstler*innen Impulse für eigenes experimentelles Arbeiten und individuelle Ausdrucksformen geben kann.

Genau darum geht es hier: Kunst betrachten → Gestaltungswirkungen entdecken → Material erproben → eigene plastische Lösung entwickeln.

Sachanalyse

  • Kaschieren bezeichnet im plastischen Gestalten ein Verfahren, bei dem Papierstücke oder -streifen in mehreren Lagen mit Kleister beziehungsweise Leim auf eine Grundform aufgebracht werden. (Kunst Realschule)

  • Die einzelnen Papierlagen verbinden sich beim Trocknen zu einer zusammenhängenden Hülle. Mehrere Schichten erhöhen grundsätzlich die Festigkeit; Anzahl und Aufbau müssen jedoch zur Größe und Funktion des Objekts passen.

  • Papier muss sich an die jeweilige Körperform anschmiegen. Kleine / schmale Stücke lassen sich an starken Rundungen und Übergängen leichter verarbeiten als sehr Große.

  • Überlappungen verbinden angrenzende Papierbereiche miteinander.

  • Die Grundform / Armierung gibt zunächst Volumen, Haltung und Stabilität vor.

  • Als schulische Grundformen eignen sich unter anderem Pappe, Papier, leichte Verpackungen oder andere geeignete formgebende Materialien.

  • Drahtarmierungen ermöglichen komplexere Formen, erfordern in der Grundschule aber besondere Sicherheitsmaßnahmen.

  • Kaschierte Arbeiten benötigen ausreichende Trocknungsphasen. Erst nach vollständiger Trocknung sollte die Oberfläche weiterbearbeitet / bemalt werden. (Kunst Realschule)

  • Papiermaché und Kaschiertechnik sind verwandte, aber nicht identische Verfahren: Bei Papiermaché wird häufig mit einer plastischen Papiermasse gearbeitet; beim Kaschieren werden Papierlagen geschichtet. (Kunst Realschule)

  • Die Technik eignet sich für figürliche und abstrakte dreidimensionale Formen.

  • Beim plastischen Gestalten spielt die Silhouette eine wichtige Rolle: Eine Figur wird auch über ihre äußere Kontur wahrgenommen.

  • Eine Plastik ist aus mehreren Blickrichtungen erfahrbar. Vorder-, Seiten- und Rückansicht gehören deshalb zur Gestaltung.

  • Körperhaltung, Proportion und Volumen können unterschiedliche Wirkungen erzeugen.

  • Farbe und Muster verändern die Wahrnehmung einer plastischen Oberfläche zusätzlich.

  • Niki de Saint Phalle begann ihre Nanas Mitte der 1960er-Jahre. Sie entwickelte zahlreiche Figuren unterschiedlicher Größe, Farbe und Materialität; besonders charakteristisch sind voluminöse Formen und bewegte beziehungsweise kraftvolle Haltungen. (Niki Charitable Art Foundation)

  • Ihre Originaltechnik wird in der Reihe nicht nachgeahmt. Die Werke dienen als künstlerischer Impuls für plastische Form- und Oberflächenwirkung.

Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

Didaktische Begründung

  • Materialerfahrung: Kinder erleben Papier nicht nur als Zeichen- oder Malgrund, sondern als formbares Material für dreidimensionale Gestaltung.

  • Vom Flächigen zum Räumlichen: Die Transformation von Papier in einen Körper erweitert räumliche Vorstellung und gestalterische Handlungsmöglichkeiten.

  • Technik mit gestalterischer Funktion: Kaschieren wird nicht nur als Bastelverfahren eingeübt; Papiergröße, Schichtung und Verbindung beeinflussen die spätere Form.

  • Experimentelles Lernen: Materialtechnische Erkenntnisse entstehen durch eigenes Erproben und Vergleichen.

  • Künstlerbezug: Niki de Saint Phalles Arbeiten eröffnen einen anschaulichen Zugang zu Volumen, Haltung, Bewegung und farbiger Oberfläche.

  • Keine Kopieraufgabe: Werke dienen als Impuls für individuelle Lösungen.

  • Eigene Bildidee: Kinder entwickeln Figur mit eigener Haltung, Proportion und Wirkung.

  • Plastisches Denken: Die Arbeit muss aus mehreren Blickrichtungen funktionieren.

  • Oberflächengestaltung: Farbe und Muster werden mit räumlicher Form verbunden.

  • Handwerkliche Kompetenzen: Formen, Verbinden, Kleben und Schichten werden zielgerichtet eingesetzt.

  • Natürliche Differenzierung: Von einfachen geschlossenen Grundformen bis zu komplexen bewegten Figuren können alle Kinder am gleichen Kern arbeiten.

  • Sichtbarer Lernzuwachs: Aus dem bloßen Aufkleben von Papier wird ein bewusstes Anpassen der Kaschiertechnik an Rundung, Übergang und gewünschte Form.

  • Curriculare Passung: Materialeigenschaften, Verbindungstechniken, Stabilität, plastisches Gestalten und individuelle Bildideen sind im Kunstlehrplan unmittelbar verankert. (Lehrplan NRW)

Methodische Begründung

  • Materialexperiment am Anfang: Die Kinder lernen die Technik über eigene Beobachtungen statt ausschließlich über eine fertige Schrittfolge.

  • Werkbetrachtung: Werke von Niki de Saint Phalle lenken den Blick auf plastische Form, Haltung, Volumen und Oberfläche.

  • Skizzen: Unterstützen die Entwicklung einer Gestaltungsabsicht, ohne die dreidimensionale Form vollständig vorzugeben.

  • Grundkonstruktion: Trennt zunächst die Frage nach Volumen und Stabilität von der späteren Oberfläche.

  • Vergleich unterschiedlicher Lösungen: Macht deutlich, dass es nicht nur einen richtigen handwerklichen Weg gibt.

  • Partnerblick: Die Figur wird aus einer anderen Perspektive betrachtet und auf Formlesbarkeit überprüft.

  • Trocknungsphasen: Gehören bewusst zur Planung des plastischen Arbeitsprozesses.

  • Farbentwurf vor dem Bemalen: Verhindert rein zufällige Oberflächengestaltung.

  • Galeriegang: Plastiken können aus unterschiedlichen Blickrichtungen betrachtet und miteinander verglichen werden.

  • Werkgespräch: Kinder beschreiben nicht nur, ob ihnen etwas gefällt, sondern wie Material, Form, Farbe und Technik eine bestimmte Wirkung erzeugen.

Unterrichtsentwurf Kaschiertechnik

Mein Fazit

Ich finde Kaschiertechnik für den Kunstunterricht schön, weil die Kinder erleben: Aus dünnem Papier kann eine eigene Plastik entstehen. Dabei würde ich die Reihe nicht als Bastelanleitung aufbauen. Die Frage ist: „Wie beeinflusst meine Technik die Form, die ich gestalten möchte?“

Der Künstlerbezug zu Niki de Saint Phalle ergänzt das für mich sehr schön. Ihre Skulpturen geben starke Impulse zu Volumen, Bewegung und Farbe – die eigene Figur bleibt aber wirklich eine individuelle Kinderidee.

Eure Caro
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FAQ

  • Was ist die Kaschiertechnik?

    Bei der Kaschiertechnik werden Papierstücke oder Papierstreifen schichtweise auf eine Grundform gelegt und mit Kleister beziehungsweise Leim verbunden. Nach dem Trocknen entsteht eine feste Papierhülle. (Kunst Realschule)

  • Was ist der Unterschied zwischen Kaschieren und Pappmaché?

    Beim Kaschieren werden einzelne Papierlagen übereinandergeschichtet. Bei Papiermaché wird mit einer formbaren Masse aus zerkleinertem und eingeweichtem Papier gearbeitet. Beide Verfahren gehören zum plastischen Arbeiten mit Papier. (Kunst Realschule)

  • Ab welcher Klasse eignet sich Kaschiertechnik?

    Die Technik kann grundsätzlich von Klasse 1 bis 4 eingesetzt werden. In Klasse 1 und 2 sollten die Grundformen deutlich einfacher und teilweise vorbereitet sein. Ab Klasse 3 und 4 können Kinder komplexere eigene Konstruktionen entwickeln.

  • Welcher Künstler eignet sich für Kaschiertechnik in der Grundschule?

    Als künstlerischer Bezug eignet sich Niki de Saint Phalle gut. Ihre farbigen Skulpturen bieten viele Impulse zu Form, Haltung, Bewegung und Oberflächengestaltung. Wichtig ist, ihre Originaltechnik nicht mit schulischer Kaschiertechnik gleichzusetzen. (Niki Charitable Art Foundation)

  • Was können Kinder nach Niki de Saint Phalle gestalten?

    Ich würde keine Nana kopieren lassen. Spannender sind eigene Fantasiefiguren, bei denen die Kinder einzelne Gestaltungsideen wie starke Volumen, bewegte Körperhaltungen, intensive Farben oder Muster aufgreifen.

  • Wie viele Schichten braucht man beim Kaschieren?

    Dafür gibt es keine sinnvolle allgemeine Zahl für jedes Projekt. Die benötigte Schichtzahl hängt unter anderem von Papier, Größe, Grundform und gewünschter Stabilität ab. Wichtig sind überlappende Lagen und ausreichende Trocknungszeiten.

  • Wie lange muss eine kaschierte Figur trocknen?

    Das hängt von Größe, Papiermenge, Kleister, Raumtemperatur und Luftzirkulation ab. Für den Unterricht würde ich deshalb grundsätzlich mindestens zwischen Unterrichtsterminen ausreichende Trocknungszeit einplanen, statt mit einer festen Stundenangabe zu arbeiten.

  • Welche Grundformen eignen sich in Klasse 1/2?

    Besonders geeignet sind Papprollen, kleine Kartons, zerknülltes Papier und andere leichte, sichere Formen. Komplexe Drahtgerüste würde ich hier vermeiden.

  • Passt Kaschiertechnik zum Lehrplan NRW?

    Ja. Besonders passend ist der Bereich „Plastizieren und Montieren“. Die Kinder sollen Materialien untersuchen, Bearbeitungs- und Verbindungsmöglichkeiten erproben sowie Zusammenhänge zwischen technischem Vorgehen, Stabilität und Wirkung bei eigenen Plastiken beurteilen. (Lehrplan NRW)

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