Unterrichtsentwurf Lesetandems: Unterrichtsreihe, UB-Stunde und Material

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Unterrichtsentwurf Lesetandems

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Quickfacts

  • Lesetandems gehören zu den Lautleseverfahren und eignen sich besonders ab Klasse 2, um Lesegenauigkeit, Automatisierung, angemessenes Lesetempo und sinngestaltendes Lesen regelmäßig zu trainieren. Einen Überblick über weitere Möglichkeiten findest du in meinem Artikel zu 30 Lautleseverfahren. (Grundschul-Blog)

  • Im Mittelpunkt steht ein festes Tandem aus Lesetrainer und Lesesportler, das einen kurzen Text mehrfach gemeinsam halblaut liest. Das stärkere Lesevorbild gibt Orientierung bei Tempo, Aussprache und Satzmelodie und unterstützt bei Lesefehlern nach klar vereinbarten Regeln. (BiSS-Transfer)

  • Für Klasse 2/3 passt das Verfahren besonders gut zum Lehrplan NRW: Im Bereich „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“ wird das Erlesen von Texten in kooperativen Verfahren ausdrücklich am Beispiel des Lautlese-Tandems genannt. (Lehrplan NRW)

Allgemeines

Das Lesetandem ist für mich ein Beispiel dafür, dass Leseförderung nicht immer eine riesige Reihe braucht, denn das Lesetandem ist nur ein Verfahren unter vielen. Deshalb würde ich daraus auch keine acht- oder zehnstündige Reihe machen. Viel sinnvoller finde ich: Methode verstehen → Regeln einüben → gemeinsam trainieren → Verfahren als Routine weiterführen.

Nach drei oder vier Einführungsstunden sollte das Lesetandem im besten Fall nicht mehr als eigenes Unterrichtsthema wahrgenommen werden, sondern zu einer selbstverständlichen Trainingsform werden, die regelmäßig in die Lesezeit eingebaut werden kann. Wenn du unterschiedliche Lautleseverfahren kennenlernen möchtest, habe ich in meinem Artikel zu den Lautleseverfahren noch viele Möglichkeiten gesammelt. Dort geht es auch um chorisches Lesen, Echolesen, wiederholtes Lautlesen, Lesetheater oder Partner-Vorlese-Coaching.

Beim Lesetandem arbeiten zwei Kinder miteinander: Ein etwas sicherer lesendes Kind übernimmt die Rolle des/der Lesetrainer*in. Ein Kind, das seine Leseflüssigkeit noch stärker trainieren soll, übernimmt die Rolle des/der Lesesportler*in. Beide beginnen auf ein Signal hin gleichzeitig und lesen denselben Text halblaut und möglichst synchron.

Der Trainer führt dabei mit dem Finger / Stift unter der Zeile entlang. So kann der Sportler sich am Text als auch am Lesetempo und an der Satzmelodie des Trainers orientieren. Passiert ein Lesefehler, bekommt der Sportler die Möglichkeit, ihn selbst zu verbessern. Gelingt das nicht, hilft der Trainer freundlich. Anschließend wird am Anfang des Satzes erneut gemeinsam begonnen. Wenn sich der Sportler sicher fühlt, kann er ein vereinbartes Zeichen geben und allein weiterlesen. Der Trainer liest dann still mit und führt die Zeile weiter. Tritt erneut ein Fehler auf, lesen beide wieder gemeinsam. (BiSS-Transfer)

Der gleiche Text wird mehrfach gelesen. Im klassischen Verfahren werden mindestens vier Durchgänge empfohlen. Genau diese Wiederholung ist wichtig.

  • Beim ersten Lesen muss ein Kind vielleicht noch viele Wörter mühsam entschlüsseln.

  • Beim zweiten Lesen kennt es bereits einzelne Wörter.

  • Beim dritten Lesen werden Satzstrukturen vertrauter.

  • Irgendwann muss nicht mehr jedes einzelne Wort mit voller Aufmerksamkeit erlesen werden.

Dadurch kann Lesen zunehmend automatisierter und flüssiger werden. Leseflüssigkeit meint dabei mehr als „schnell lesen“. Zu einem flüssigen Lesen gehören:

  • genaues Lesen,

  • zunehmend automatisierte Worterkennung,

  • ein angemessenes Lesetempo,

  • sinnvolle Pausen,

  • passende Betonung und Satzmelodie.

Und genau hier liegt auch die Verbindung zum Leseverständnis. Wenn ein Kind einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit dafür benötigt, einzelne Wörter überhaupt erst zu entschlüsseln, stehen weniger kognitive Ressourcen für den Inhalt des Textes zur Verfügung. Flüssiges Lesen bildet deshalb eine wichtige Brücke zwischen dem Dekodieren und dem eigentlichen Textverstehen. (Grundschul-Blog)

Unterrichtsentwurf Lesetandems

Reihenplanung

Thema der Reihe

Lesetandems – Gemeinsam unsere Leseflüssigkeit trainieren

Kindgerechte Themenformulierung

„Gemeinsam werden wir lesefit! – Wir trainieren im Lesetandem.“

Kernanliegen der Reihe

Die Lernenden erweitern ihre Leseflüssigkeit und ihre Fähigkeit zum kooperativen Lesen, indem sie das Verfahren des Lautlese-Tandems kennenlernen, die Rollen und Regeln von Lesetrainer*in und Lesesportler*in einüben, kurze Texte synchron und wiederholt lesen sowie Veränderungen ihres eigenen Lesens reflektieren, um zunehmend genauer, automatisierter, angemessen schnell und sinngestaltend lesen zu können und das Lesetandem anschließend selbstständig als regelmäßige Trainingsform zu nutzen.

Aufbau der Reihe

EinheitForscherfrage / ThemaKompetenzschwerpunkt
1. Was bedeutet flüssig lesen?„Woran hören wir, dass jemand flüssig liest?“Die Lernenden untersuchen unterschiedliche Leseweisen, indem sie genaue, stockende und sinngestaltende Lesevorbilder vergleichen, um Merkmale flüssigen Lesens zu erkennen und eigene Trainingsziele zu entwickeln.
2. Wir werden ein Lesetandem„Wie trainieren Lesetrainer und Lesesportler gemeinsam?“Die Lernenden lernen die Rollen und Abläufe des Lesetandems kennen, indem sie Startsignal, synchrones Lesen, Zeilenführung, Fehlerkorrektur und Allein-Lese-Zeichen handelnd erproben, um das Verfahren zunehmend regelgerecht auszuführen.
3. UB: Viermal lesen – was verändert sich?„Was passiert mit unserem Lesen, wenn wir denselben Text mehrmals im Tandem lesen?“Die Lernenden untersuchen die Wirkung wiederholten Tandemlesens, indem sie denselben Text mehrfach nach den vereinbarten Regeln lesen, ihre einzelnen Durchgänge vergleichen und Veränderungen hinsichtlich Genauigkeit, Sicherheit, Tempo und Betonung beschreiben, um den Nutzen regelmäßigen Lesetrainings zu erkennen.
4. Lesetandems werden zur Routine„Wie können wir als Tandem langfristig erfolgreich trainieren?“Die Lernenden reflektieren hilfreiche Verhaltensweisen und Trainingsbedingungen, indem sie Kriterien für gutes Tandemlesen sammeln, geeignete Texte auswählen und ihr Training zunehmend selbstständig organisieren, um das Verfahren regelmäßig in der Lesezeit einzusetzen.
Unterrichtsentwurf Lesetandems

Vertiefung der einzelnen Einheiten

Einheit 1: Was bedeutet eigentlich flüssig lesen? – Woran hören wir, dass jemand flüssig liest?

Bevor die Kinder ein Lesetandem kennenlernen, würde ich zunächst die Frage klären: Was wollen wir eigentlich trainieren? Denn „flüssiger lesen“ ist für Kinder zunächst ziemlich abstrakt. Ich würde deshalb denselben kurzen Text auf zwei oder drei unterschiedliche Arten vorlesen. Einmal bewusst: stockend, mit falschen Pausen, sehr langsam, ohne passende Betonung. Und anschließend möglichst flüssig und sinngestaltend.

Dann frage ich: „Was war beim zweiten Lesen anders?“ Wahrscheinlich kommt dann:

  • „Du hast nicht so oft gestoppt.“

  • „Die Wörter kamen schneller.“

  • „Man konnte besser verstehen, was passiert.“

  • „Bei der Frage hat deine Stimme anders geklungen.“

  • „Du hast am Punkt Pause gemacht.“

Daraus kann ein gemeinsames Plakat entstehen: Flüssig lesen bedeutet für uns …

  • möglichst genau lesen,

  • Wörter sicher erkennen,

  • nicht unnötig stocken,

  • ein passendes Tempo finden,

  • an Satzzeichen Pausen machen,

  • passend betonen.

Diese Kriterien passen auch zur lesedidaktischen Beschreibung von Leseflüssigkeit als Zusammenspiel aus Lesegenauigkeit, Automatisierung, angemessenem Tempo und Prosodie beziehungsweise sinngestaltendem Lesen. (Grundschul-Blog)

Zentrale Erkenntnis: Flüssiges Lesen besteht aus mehreren Dingen. Genauigkeit, Sicherheit, Tempo, Pausen und Betonung gehören zusammen.

Einheit 2: Wir werden ein Lesetandem – Wie trainieren Lesetrainer und Lesesportler gemeinsam?

Jetzt wird das Verfahren eingeführt. Ich würde dabei den Sportvergleich nutzen, weil er die Rollen für Kinder sehr verständlich macht. Wer eine Sportart besser beherrschen möchte, übt nicht einmal 45 Minuten und kann danach alles. Man trainiert regelmäßig und manchmal hilft dabei jemand, der etwas bereits sicherer kann. Genau daraus entstehen Lesesportler*in und Lesetrainer*in. Auch die Handreichungen zum Lautlesetandem greifen bewusst auf dieses Bild zurück, um Kindern zu vermitteln, dass Leseflüssigkeit trainierbar ist. (BiSS-Transfer)

Den Ablauf würde ich vormachen. Dabei können die anderen Kinder beobachten:

  • Was macht der Trainer?

  • Was macht der Sportler?

  • Was machen beide gemeinsam?

Ein übersichtliches Regelplakat könnte anschließend so aussehen: 

Beide:

  • sitzen nebeneinander und schauen in denselben Text,

  • starten gemeinsam,

  • lesen halblaut,

  • lesen im Tempo des Sportlers,

  • arbeiten als Team.

Der Lesetrainer:

  • liest sicher mit,

  • führt die Zeile mit dem Finger,

  • hört genau zu,

  • wartet kurz, ob der Sportler einen Fehler selbst verbessert,

  • hilft sachlich,

  • lobt und ermutigt.

Der Lesesportler:

  • liest aktiv mit,

  • versucht Fehler selbst zu bemerken,

  • verbessert sich,

  • nimmt Hilfe an,

  • gibt ein Zeichen, wenn er sich sicher genug zum Alleinlesen fühlt.

Der Ablauf entspricht dem klassischen Lautlesetandem: Nach einem Lesefehler wird die Stelle korrigiert und anschließend wieder am Satzanfang gemeinsam begonnen. Wenn der Sportler sicher liest, kann der Trainer das laute Mitlesen zeitweise beenden und nur noch still begleiten. (BiSS-Transfer)

Diese Stunde würde ich nicht nur erklären. Die Kinder müssen den Ablauf ausprobieren. Dafür reicht ein kurzer Text. Die erste Trainingsphase kann anschließend reflektiert werden:

  • „Was war als Trainer leicht?“

  • „Was war schwierig?“

  • „Wie muss ich auf einen Fehler hinweisen, damit wir als Team weiterarbeiten können?“

Gerade diese soziale Ebene finde ich wichtig. Der Trainer ist keine kleine Lehrkraft, sondern soll den Sportler nicht bewerten oder verbessern mit: „Das war falsch!“ Die Rückmeldung bleibt sachlich. Die BiSS-Handreichung betont, dass Fehler ohne negative Kommentare korrigiert werden sollen und die partnerschaftliche Zusammenarbeit ein wesentlicher Teil der Methode ist. (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

Zentrale Erkenntnis: Ein gutes Lesetandem arbeitet nicht gegeneinander, sondern gemeinsam. Beide Rollen tragen dazu bei, dass das Lesen sicherer wird.

Einheit 3: Viermal lesen – was verändert sich?

Jetzt kennen die Kinder die Methode. Damit kann im UB die eigentliche Wirkung des wiederholten Lesens in den Mittelpunkt rücken. Alle Tandems bekommen einen kurzen, ihrem Leseniveau angemessenen Text. Der Text sollte nicht so schwierig sein, dass das gesamte Training an unbekanntem Wortschatz scheitert.

BiSS empfiehlt für Grundschulkinder überschaubare Texte von ungefähr 200 Wörtern, die sprachlich grundsätzlich bewältigt werden können und nur wenige unbekannte Wörter enthalten. (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

Vor dem ersten Lesen würde ich die Kinder bitten: „Achtet heute genau darauf, was sich von Runde zu Runde verändert.“ Anschließend wird derselbe Text viermal gelesen. Nach jedem Durchgang wird nicht lange ausgewertet. Ein kurzer Blick auf vier Symbole reicht: genau – sicher – Tempo – Betonung

Nach dem vierten Durchgang vergleichen die Kinder. Vielleicht sagt ein Kind:

  • „Beim ersten Mal bin ich bei Abenteuerreise hängen geblieben. Später konnte ich das Wort direkt lesen.“

  • „Beim vierten Mal musste der Trainer kaum noch helfen.“

  • „Ich habe erst beim letzten Lesen gemerkt, dass da ein Fragezeichen steht.“

Zentrale Erkenntnis: Wenn wir denselben Text wiederholt lesen, müssen wir uns immer weniger auf einzelne Wörter konzentrieren und können sicherer und flüssiger lesen.

Einheit 4: Lesetandems werden zur Routine – Wie können wir langfristig erfolgreich trainieren?

Nach dieser Stunde würde ich die „Reihe“ eigentlich beenden. Denn jetzt soll das Lesetandem nicht mehr Unterrichtsgegenstand, sondern Trainingsroutine werden. Dazu braucht die Klasse noch einmal eine kurze gemeinsame Sicherung: Wann funktioniert unser Tandem gut?

Zum Beispiel:

  • Wir starten gemeinsam.

  • Wir lesen halblaut.

  • Der Sportler gibt das Tempo vor.

  • Der Trainer führt die Zeile mit.

  • Wir korrigieren freundlich.

  • Wir beginnen nach Fehlern wieder am Satzanfang.

  • Wir lesen denselben Text mehrfach.

  • Wir sprechen kurz darüber, was besser funktioniert hat.

Anschließend kann das Lesetandem regelmäßig eingesetzt werden. Bewährt haben sich mehrere kurze Einheiten pro Woche statt einer langen Einzelstunde. Die BiSS-Handreichung nennt drei Trainingseinheiten pro Woche mit etwa 20 Minuten Gesamtzeit, davon ungefähr 15 Minuten reiner Lesezeit, über einen längeren Zeitraum. Andere Umsetzungshilfen empfehlen ebenfalls 15 bis 20 Minuten regelmäßiges Training. 

Unterrichtsentwurf Lesetandems

UB-Stunde

Thema der Stunde

Einheit 3: Viermal lesen – die Wirkung wiederholten Tandemlesens auf die eigene Leseflüssigkeit wahrnehmen und reflektieren

Kindgerechte Forscherfrage

„Was passiert mit unserem Lesen, wenn wir denselben Text mehrmals im Tandem lesen?“

Ziel der Stunde

Die Lernenden untersuchen die Wirkung wiederholten Tandemlesens, indem sie denselben Text mehrfach nach den vereinbarten Regeln lesen, ihre einzelnen Durchgänge vergleichen und Veränderungen hinsichtlich Genauigkeit, Sicherheit, Tempo und Betonung beschreiben, um den Nutzen regelmäßigen Lesetrainings zu erkennen.

Verlauf der Stunde

PhaseInhaltSozialform / MethodeMaterial
EinstiegEin kurzer Satz / Textausschnitt wird zunächst unbekannt und anschließend nach kurzer Wiederholung erneut vorgelesen. Impuls: „Was könnte sich verändern, wenn wir einen Text nicht nur einmal, sondern mehrmals lesen?“Plenum / Hörimpulskurzer Beispieltext
Vorwissen aktivierenDie bekannten Kriterien flüssigen Lesens werden aufgegriffen: genau – sicher – angemessenes Tempo – passende Pausen und Betonung.PlenumKriterienplakat
Forscherfrage„Was passiert mit unserem Lesen, wenn wir denselben Text mehrmals im Tandem lesen?“PlenumForscherfrage
Regeln sichernDie Regeln werden kurz über Symbolkarten wiederholt: gemeinsam starten, halblaut lesen, Finger mitführen, freundlich korrigieren, nach einem Fehler neu beginnen.PlenumRegelkarten
1. LesedurchgangDie Tandems lesen ihren Text gemeinsam. Anschließend markieren sie auf einer kleinen Reflexionskarte, was noch schwierig war.Tandemarbeitdifferenzierte Lesetexte, Reflexionskarte
2. und 3. LesedurchgangDer gleiche Text wird erneut gelesen. Der Sportler kann bei ausreichender Sicherheit das Allein-Lese-Zeichen nutzen. Der Trainer begleitet weiterhin still.TandemarbeitLesetext
4. LesedurchgangDer Text wird ein letztes Mal gelesen. Die Kinder achten nun zusätzlich bewusst auf Pausen und Betonung.TandemarbeitLesetext
TandemreflexionDie Kinder vergleichen den ersten und letzten Durchgang: „Was ist leichter?“ – „Wo hat der Trainer weniger helfen müssen?“ – „Welche Wörter konnte ich jetzt direkt lesen?“PartnergesprächReflexionskarte, Satzstarter
SicherungAusgewählte Beobachtungen werden gesammelt und den Kriterien Genauigkeit, Sicherheit, Tempo, Betonung zugeordnet.PlenumTafel
VertiefungImpuls: „Warum kann Wiederholen helfen?“ Die Kinder entwickeln Erklärungen: Wörter werden vertrauter, schwierige Stellen sind bekannt, man muss weniger stocken.Unterrichtsgesprächggf. Wortkarten
AbschlussRückbezug auf die Forscherfrage. Möglicher Merksatz: „Durch wiederholtes Lesen wird ein Text vertrauter und wir können ihn zunehmend sicher und flüssig lesen.“BlitzlichtMerksatz

Anforderungsbereiche

AB I: Die Lernenden führen das bekannte Lesetandem nach vereinbarten Regeln durch und benennen Merkmale flüssigen Lesens wie Genauigkeit, Sicherheit, Tempo und Betonung.

AB II: Die Lernenden vergleichen mehrere Lesedurchgänge desselben Textes und beschreiben konkrete Veränderungen ihres eigenen Lesens beziehungsweise des Tandempartners.

AB III: Die Lernenden erklären Zusammenhänge zwischen Wiederholung und zunehmender Leseflüssigkeit und leiten daraus Konsequenzen für ein wirksames regelmäßiges Lesetraining ab.

Differenzierungsmöglichkeiten

Unterstützend:

  • Kürzere Texte mit überschaubaren Satzstrukturen verwenden.

  • Texte konsequent nach dem Leseniveau des Sportlers auswählen.

  • Schwierige Wörter vor Beginn des Tandemlesens gemeinsam klären.

  • Lange Wörter vorab in Wortbausteine oder Silben gliedern.

  • Häufig schwierige Wörter als Blitzlesewörter vorbereiten.

  • Größere Schrift und einen großzügigen Zeilenabstand anbieten.

  • Einen Lesepfeil oder ein Leselineal zum Mitführen verwenden.

  • Satzzeichen im Text optisch hervorheben.

  • Die Tandemregeln mit Symbolen statt viel Schrift darstellen.

  • Satzstarter: „Beim ersten Lesen …“, „Beim vierten Lesen …“, „Leichter wurde …“.

  • Bei sehr unsicheren Kindern zunächst mit der Lehrkraft oder einer pädagogischen Fachkraft trainieren.

  • Vor dem eigentlichen Tandemtraining einen Text gemeinsam chorisch lesen.

  • Inhaltlich vertraute Texte einsetzen, damit nicht gleichzeitig umfangreicher neuer Wortschatz erschlossen werden muss.

Erweiternd:

  • Schwierigkeit und Länge der Texte zunehmend steigern.

  • Texte aus anderen Fächern im Tandem lesen.

  • Vor jedem neuen Text ein persönliches Trainingsziel festlegen.

  • Gezielt auf Prosodie, Satzmelodie und sinnvolle Pausen achten.

  • Schwierige Stellen selbstständig markieren und vorm nächsten Durchgang gezielt üben.

  • Nach dem Lesen eine kurze Inhaltsfrage gegenseitig beantworten.

  • Eigene Fortschritte über mehrere Wochen in einem Lesepass dokumentieren.

  • Verschiedene Texte hinsichtlich ihrer Schwierigkeit vergleichen.

  • Erklären, warum ein bestimmter Text für das eigene Tandem zu leicht / schwer ist.

  • Eine besonders gelungene Textstelle nach dem Training sinngestaltend präsentieren.

Ideen für Klasse 1 bis 4

KlasseMögliche Umsetzung
1Das klassische Lesetandem würde ich noch nicht flächendeckend voraussetzen. In der Phase des Schriftspracherwerbs eignen sich zunächst chorisches Lesen, Echolesen, Blitzlesen und gemeinsame Lesesequenzen. Einzelne bereits sicher lesende Kinder können gegen Ende des Schuljahres erste vereinfachte Tandemformen ausprobieren.
2Das Lesetandem kann mit sehr kurzen und leicht verständlichen Texten eingeführt werden. Rollen, Fehlerkorrektur und synchrones Lesen werden stark visualisiert und gemeinsam eingeübt. Lautlese-Tandems werden in fachlichen Handreichungen ausdrücklich ab Klasse 2 empfohlen.
3Hier würde ich den Schwerpunkt setzen: feste Tandems, kurze differenzierte Texte, vier Lesedurchgänge, zunehmend selbstständige Durchführung und Reflexion über Lesegenauigkeit, Automatisierung, Tempo und Betonung.
4Das Verfahren kann stärker selbstständig durchgeführt und auf längere / fachbezogene Texte übertragen werden. Zusätzlich können Textverständnis, Prosodie und die eigenständige Auswahl geeigneter Trainingsziele stärker berücksichtigt werden.

Auch die Zebra-Lesetandem-Karteien sind entsprechend gestaffelt: Es gibt Materialien für 1/2 sowie eine eigene Kartei mit unterschiedlich anspruchsvollen Texten für 3/4. (Zebrafanclub)

Unterrichtsentwurf Lesetandems

Materialideen

MaterialEinsatz
Kurze differenzierte LesetexteZentral für das Training. Die Schwierigkeit sollte zum Leseniveau des Sportlers passen.
Regelkarte LesetandemVisualisiert Startsignal, gemeinsames Lesen, Zeilenführung, Fehlerkorrektur und Allein-Lese-Zeichen.
Trainer-/SportlerkartenMachen die Rollen während der Einführung eindeutig.
Leselineal oder LesefingerUnterstützt das kontinuierliche Mitführen der Zeile.
Vierer-LesepassNach jedem Lesedurchgang kann ein Feld, Symbol oder Pfotenabdruck markiert werden.
ReflexionskarteEnthält beispielsweise die Bereiche genau – sicher – Tempo – Betonung.
Wortkarten mit schwierigen WörternWörter können vor dem eigentlichen Text als Blitzlesewörter geübt werden.
Stoppuhr nur für diagnostische ZweckeKann bei gezielter Diagnostik eingesetzt werden, sollte im täglichen Tandem aber nicht zu einem Schnelligkeitswettbewerb führen.
Zebra Lesetandem-Kartei Klasse 3/4Kostenlose Texte mit unterschiedlichen Themen und Schwierigkeitsstufen für das regelmäßige Training. Zebra Lesetandem-Kartei Klasse 3/4
Lehrerhandreichung Tandem-Lesen mit den wilden SchulzwergenAusführliche Darstellung von Rollen, Regeln und Einführung der Methode. Lehrerhandreichung zum Tandem-Lesen
BiSS-Broschüre „Gemeinsam fit im Lesen“Fachlicher Hintergrund zu Leseflüssigkeit, Tandembildung, Trainingsdauer und Durchführung. Lautlese-Tandems im Schulunterricht
Lesetandem-PlakatKann nach den ersten beiden Einheiten gemeinsam mit der Klasse formuliert und anschließend dauerhaft im Raum aufgehängt werden.

Typische Schwierigkeiten

  • Der Trainer liest zu schnell: Das gemeinsame Tempo orientiert sich am Sportler, nicht am schnellstmöglichen Tempo des Trainers.

  • Der Trainer wird zur „Mini-Lehrkraft“: Rückmeldungen müssen sachlich, freundlich und unterstützend bleiben.

  • Jeder Fehler wird sofort unterbrochen: Dem Sportler zunächst kurz Zeit zur Selbstkorrektur geben. 

  • Nach einem Fehler wird einfach mitten im Wort weitergelesen: Nach der Korrektur wieder am Anfang des betroffenen Satzes gemeinsam einsetzen.

  • Der Finger wird nicht mitgeführt: Gerade für unsichere Leser*innen ist die sichtbare Zeilenführung eine wichtige Orientierung.

  • Der Text ist zu schwer: Ein Tandemtext sollte das Kind fordern, aber nicht permanent an unbekannten Wörtern scheitern lassen. (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

  • Der Text ist zu lang: Für Grundschulkinder eignen sich überschaubare Textabschnitte; BiSS nennt als Orientierung 200 Wörter. (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

  • Das Lesen wird zum Wettrennen: Leseflüssigkeit bedeutet nicht maximale Geschwindigkeit.

  • Alle Tandems bekommen unabhängig vom Leistungsstand denselben Text: Die Textauswahl muss insbesondere zum Sportler passen.

  • Rollen werden täglich willkürlich getauscht: Im klassischen Modell werden Trainer und Sportler anhand ihres Leseniveaus zusammengestellt; nach einer Trainingsphase können die Tandems anhand aktueller Leistungen neu gebildet werden. 

  • Das Tandem wird nach zwei Stunden wieder aufgegeben: Der Trainingseffekt entsteht erst durch regelmäßige Wiederholung über mehrere Wochen. (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

  • Kinder lesen nur mechanisch: Nach dem Training sollte immer wieder kurz über den Inhalt gesprochen werden, damit Lesen nicht vom Textverstehen entkoppelt wird. 

  • Die Tandems werden nach „gut“ und „schlecht“ sortiert: Die Zusammenstellung sollte sensibel erfolgen und nicht zu einer sichtbaren Rangliste der Lesestärke werden.

  • Stärkere Kinder fühlen sich nur als Helfer: Auch Trainer trainieren genaues Mitlesen, Aufmerksamkeit, Aussprache und Leseflüssigkeit und brauchen passende Texte sowie Anerkennung für ihre eigene Lernleistung. 

  • Sehr große Leistungsunterschiede im Tandem: Die Differenz sollte so sein, dass ein echtes gemeinsames Lesen möglich bleibt. Bei sehr großen Unterschieden können andere Förderformate geeigneter sein.

Lehrplanbezug NRW

Das Lesetandem lässt sich im Lehrplan dem Bereich „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“ und dort dem Schwerpunkt „Über Lesefähigkeiten verfügen“ zuordnen.

Der Lehrplan NRW beschreibt Lesen als zentrale Schlüsselkompetenz. Beim Leselernprozess greifen unterschiedliche Teilfähigkeiten ineinander. Mit zunehmender Lesekompetenz sollen Buchstabenverbindungen, Wortbausteine und Wörter immer geläufiger beziehungsweise simultan erkannt werden, sodass Kinder zunehmend Kapazität für die eigentliche Texterschließung gewinnen. 

Für das Lesetandem relevant sind die Kompetenzerwartungen „Über Lesefähigkeiten verfügen“. Der Lehrplan erwartet für die Schuleingangsphase unter anderem, dass Kinder:

  • häufig wiederkehrende Morpheme und Silben zunehmend auf einen Blick identifizieren,

  • vertraute Wörter auf einen Blick erkennen,

  • Texte durch die Identifikation von Wörtern und Sätzen erlesen,

  • einfache Texte lesen.

Bis Ende Klasse 4 wird erwartet, dass die Kinder unter anderem:

  • Texte in kooperativen Verfahren erlesen,

  • Informationen innerhalb von Texten miteinander verknüpfen,

  • ein Gesamtverständnis des Textes entwickeln,

  • auch komplexere Texte flüssig lesen.

Besonders bemerkenswert für diese Reihe ist, dass der Lehrplan das kooperative Lesen sogar ausdrücklich konkretisiert: „u. a. Lautlese-Tandem“. (Lehrplan NRW). Damit ist das Verfahren nicht nur allgemein mit dem Bereich Lesen vereinbar, sondern wird im Lehrplan selbst als mögliches Beispiel genannt.

Sachanalyse

  • Das Lesetandem gehört zu den kooperativen Lautleseverfahren.

  • Ziel des Verfahrens ist in erster Linie die Förderung der Leseflüssigkeit.

  • Leseflüssigkeit umfasst Lesegenauigkeit, automatisierte Worterkennung, Lesetempo und sinngestaltendes bzw. prosodisch angemessenes Lesen. (Grundschul-Blog)

  • Leseflüssigkeit bildet eine wichtige Verbindung zwischen basaler Dekodierfähigkeit und Textverstehen, weil automatisiertes Lesen weniger kognitive Ressourcen für das Entschlüsseln einzelner Wörter beansprucht. 

  • Im klassischen Lesetandem bildet ein etwas sicherer lesendes Kind als Trainer mit einem weniger flüssig lesenden Kind als Sportler ein Tandem.

  • Beide lesen denselben Text zunächst synchron und halblaut.

  • Der Trainer orientiert sich beim Lesetempo am Sportler und führt die gelesene Zeile mit Finger oder Stift mit. 

  • Bei einem Lesefehler erhält der Sportler zunächst Gelegenheit zur Selbstkorrektur.

  • Erfolgt keine Selbstkorrektur, unterstützt der Trainer sachlich.

  • Nach einer Korrektur wird erneut am Beginn des betreffenden Satzes eingesetzt.

  • Fühlt sich der Sportler sicher, kann er ein vereinbartes Allein-Lese-Zeichen geben. Der Trainer liest dann still weiter mit.

  • Bei einem erneuten Fehler wechseln beide wieder zum gemeinsamen Lautlesen.

  • Derselbe Text wird wiederholt gelesen; in der klassischen Umsetzung werden mindestens vier Lesedurchgänge empfohlen.

  • Der Trainingseffekt entsteht nicht durch eine einzelne Unterrichtsstunde, sondern durch regelmäßiges Üben über mehrere Wochen.

  • Die Texte sollten hinsichtlich Wortschatz und Schwierigkeit zum Leseniveau der Lernenden passen. Für Grundschulkinder werden häufig Textabschnitte von ungefähr 200 Wörtern empfohlen. 

  • Das Verfahren unterstützt zugleich kooperatives Lernen, weil beide Kinder gemeinsam für das Gelingen des Trainings verantwortlich sind.

  • Das Lesetandem ersetzt keine umfassende Leseförderung. Es ist ein Baustein, der insbesondere die Leseflüssigkeit adressiert und mit Lesemotivation, Textverständnis, Lesestrategien und vielfältigen Leseerfahrungen kombiniert werden sollte.

Unterrichtsentwurf Lesetandems

Didaktische Begründung

  • Leseflüssigkeit als Voraussetzung: Kinder, die noch sehr stockend lesen, benötigen einen großen Teil ihrer Aufmerksamkeit für die Dekodierung einzelner Wörter. Das erschwert die Konzentration auf den Textinhalt.

  • Konkretes Trainingsziel: Das Lesetandem setzt gezielt an basalen Lesefähigkeiten an, statt lediglich allgemein zu fordern: „Du musst mehr lesen.“

  • Wiederholung mit Funktion: Derselbe Text wird nicht aus Beschäftigungsgründen mehrfach gelesen, sondern damit Worterkennung und Satzstrukturen zunehmend automatisiert werden.

  • Lesevorbild: Der Sportler hört während des Lesens unmittelbar ein etwas sichereres Lesemodell und kann sich an Tempo, Aussprache und Satzmelodie orientieren.

  • Unmittelbare Rückmeldung: Fehler können zeitnah und in einem geschützten Partnerrahmen korrigiert werden.

  • Selbstkorrektur: Der Sportler erhält zuerst die Möglichkeit, einen Fehler selbst wahrzunehmen und zu verbessern.

  • Sicherheit für unsichere Leser*innen: Das gemeinsame Lesen entlastet Kinder, die sich beim alleinigen Vorlesen vor der Klasse unwohl fühlen. 

  • Kooperatives Lernen: Beide Kinder tragen Verantwortung für den Trainingsprozess.

  • Auch Trainer lernen: Genaues Mitlesen, Fehlerwahrnehmung, Satzmelodie und verantwortungsvolles Feedback stellen auch für das stärkere Kind Anforderungen dar.

  • Fortschritte werden wahrnehmbar: Da derselbe Text mehrfach gelesen wird, können Kinder innerhalb einer kurzen Trainingsphase Veränderungen bemerken.

  • Motivationspotenzial: Das Bild von Trainer und Sportler vermittelt Lesen als trainierbare Fähigkeit und kann Fortschritte weniger defizitorientiert erscheinen lassen.

  • Keine öffentliche Leistungssituation: Anders als beim reihum Vorlesen steht ein Kind nicht allein vor der Klasse.

  • Klare Begrenzung der Reihe: Da das Lesetandem ein Verfahren und kein umfassender Inhaltsbereich ist, reicht eine kurze Einführung. Danach entsteht der Lernerfolg durch regelmäßige Anwendung.

  • Curriculare Passung: Das Lautlese-Tandem wird im NRW-Lehrplan ausdrücklich als kooperatives Verfahren genannt.

Methodische Begründung

  • Modellieren vor dem selbstständigen Arbeiten: Die Methode wird sichtbar mit einem Kind vorgemacht, damit abstrakte Regeln in konkrete Handlungen übersetzt werden.

  • Sportmetapher: Trainer und Sportler verdeutlichen, dass Lernen durch regelmäßiges Training und Zusammenarbeit verbessert werden kann.

  • Feste Ritualisierung: Gleiches Startsignal, gleiche Fehlerkorrektur und gleiche Rollen reduzieren organisatorische Belastung.

  • Feste Tandems: Eine gewisse Stabilität unterstützt Routinen und verhindert, dass jede Trainingszeit mit neuer Organisation beginnt.

  • Leistungsbezogene Zusammenstellung: Die Tandems sollten gezielt und sensibel gebildet werden statt rein zufällig.

  • Kurze Texte: Die begrenzte Textlänge ermöglicht mehrere vollständige Lesedurchgänge innerhalb einer Trainingsphase.

  • Mehrfaches Lesen: Die Wiederholung ist der Kern des Verfahrens und ermöglicht Automatisierungsprozesse.

  • Vier Durchgänge als sichtbare Struktur: Ein kleiner Lesepass mit vier Feldern macht das Training für Kinder transparent.

  • Fingerführung: Unterstützt Zeilenorientierung und ermöglicht dem Trainer, das Lesen genau zu verfolgen.

  • Symbolkarten: Gerade während der Einführung helfen wenige klare Symbole mehr als ein langer Regeltext.

  • Reflexionskarte statt umfangreichem Arbeitsblatt: Die eigentliche Lernzeit soll im Lesen liegen.

  • Kurze Reflexionsstopps: Kinder lernen, Veränderungen ihres eigenen Lesens wahrzunehmen und sprachlich zu fassen.

  • Differenzierte Textauswahl: Die Textschwierigkeit wird angepasst, nicht die Grundidee des Verfahrens verändert.

  • Kein permanentes Stoppen der gesamten Klasse: Nach der Einführung arbeiten die Tandems möglichst selbstständig.

  • Lehrkraft als Beobachterin: Während der Trainingszeit kann die Lehrkraft einzelne Paare gezielt beobachten und Rückmeldungen geben.

  • Überführung in Routine: Nach der kurzen Einführungsreihe wird die Methode regelmäßig in die Lesezeit integriert, statt weitere Unterrichtsstunden über das Verfahren selbst zu führen.

Mein Fazit

Die Kinder sollen verstehen, was Leseflüssigkeit bedeutet, den Ablauf kennenlernen, die Rollen sicher beherrschen und ganz bewusst erleben: „Was passiert eigentlich, wenn ich denselben Text mehrfach lese?“

Danach beginnt der wichtige Teil. Das Training. Denn eine Lesetandem-Stunde macht ein Kind natürlich nicht plötzlich zu einem flüssigen Leser. Die Stärke des Verfahrens liegt in der Regelmäßigkeit. Dreimal die Woche für eine kurze Zeit gemeinsam lesen, korrigieren, wiederholen. Genau deshalb würde ich das Lesetandem auch nicht isoliert betrachten.

Es passt für mich als ein Baustein in eine breitere Leseförderung mit Lautleseverfahren, Lesestrategien, sinnentnehmendem Lesen, Kinderliteratur und ganz viel echter Lesezeit.

Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.

FAQ

  • Was ist ein Lesetandem?

    Ein Lesetandem ist ein kooperatives Lautleseverfahren. Ein etwas sicherer lesendes Kind übernimmt die Rolle des Trainers, ein weniger flüssig lesendes Kind die Rolle des Sportlers. Beide lesen einen Text zunächst gemeinsam halblaut und wiederholen ihn mehrfach. 

  • Ab welcher Klasse eignet sich das Lesetandem?

    Das klassische Lautlesetandem wird in Handreichungen bereits ab Klasse 2 empfohlen. Für Klasse 3 eignet es sich besonders gut, weil viele Kinder grundsätzlich lesen können, die Leseflüssigkeit aber noch unterschiedlich stark entwickelt ist. 

  • Wie oft sollte ein Lesetandem stattfinden?

    Entscheidend ist die Regelmäßigkeit. Der Landesbildungsserver Baden-Württemberg nennt drei Trainingseinheiten pro Woche von etwa 20 Minuten, davon ungefähr 15 Minuten tatsächliche Lesezeit. Das Training sollte über mehrere Wochen durchgeführt werden. 

  • Wie oft wird derselbe Text gelesen?

    Im klassischen Lesetandem wird der Text mehrfach gelesen; mindestens vier Wiederholungen werden häufig empfohlen. 

  • Was macht der Lesetrainer?

    Der Trainer liest zunächst gemeinsam mit dem Sportler, führt die Zeile mit, gibt ein geeignetes Lesemodell und hilft bei Fehlern nach den vorher vereinbarten Regeln. Dabei soll die Rückmeldung sachlich und unterstützend erfolgen.

  • Was macht der Lesesportler?

    Der Sportler liest aktiv mit, versucht Fehler zunächst selbst zu verbessern und kann ein vereinbartes Zeichen geben, wenn er sich sicher genug fühlt, um allein weiterzulesen.

  • Wer gibt beim Lesetandem das Tempo vor?

    Das Tempo orientiert sich am Sportler. Der Trainer soll das weniger sichere Kind nicht dazu zwingen, in seinem eigenen schnelleren Lesetempo mitzulesen.

  • Müssen Trainer und Sportler regelmäßig die Rollen tauschen?

    Nicht zwingend. Im klassischen Modell werden die Rollen anhand der Leseflüssigkeit vergeben und die Tandems zunächst über einen gewissen Zeitraum stabil gehalten. Nach erneuter Überprüfung können Paare neu zusammengesetzt werden. Bei ähnlich starken Kindern sind flexiblere Rollenmodelle möglich. 

  • Welche Texte eignen sich für Lesetandems?

    Die Texte sollten zum Leseniveau des Sportlers passen, nicht zu viele unbekannte Wörter enthalten und so kurz sein, dass sie innerhalb einer Trainingszeit mehrfach gelesen werden können. Für Grundschulkinder dienen ungefähr 200 Wörter als Orientierung. 

  • Fördert das Lesetandem auch das Leseverständnis?

    Das primäre Ziel ist die Leseflüssigkeit. Flüssigeres und stärker automatisiertes Lesen schafft jedoch bessere Voraussetzungen für das Textverstehen, weil weniger Aufmerksamkeit für das mühsame Entziffern einzelner Wörter benötigt wird. Nach dem Tandemlesen kann deshalb ein kurzer Austausch über den Inhalt sinnvoll sein.

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