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Quick Facts: Matisse und Scherenschnitt
Das Thema Matisse und Scherenschnitt passt gut in Kunst Klasse 3/4, weil Kinder mit Farbe, Form, Fläche, Anordnung und Wirkung arbeiten. (Lehrplan NRW)
Henri Matisse nutzte in seiner späten Werkphase farbige Papierausschnitte, sogenannte Cut-Outs, und beschrieb diese Arbeitsweise sinngemäß als Zeichnen oder Malen mit der Schere. (MoMA; Tate – Henri Matisse)
Eine UB-Stunde ist: „Welche Anordnung wirkt? – Wir gestalten ein Cut-Out-Bild nach Henri Matisse.“

Allgemeines
Das Thema Matisse und Scherenschnitt finde ich für den Kunstunterricht richtig schön, weil es handwerklich überschaubar ist und gleichzeitig unglaublich viel gestalterisches Potenzial bietet. Die Kinder brauchen im Grunde nur Papier, Schere, Kleber und einen Hintergrund. Trotzdem arbeiten sie an sehr kunstfachlichen Fragen: Welche Form wirkt spannend? Welche Farbe fällt auf? Was passiert, wenn ich eine Form drehe, verschiebe oder überlagere?
Eine Freundin von mir hatte das Thema Matisse und Scherenschnitt als Unterrichtsbesuch im Referendariat. Und ich kann total verstehen, warum sich das Thema für einen UB eignet. Es ist anschaulich, kindgerecht, praktisch und trotzdem fachlich gut begründbar. Denn es geht nicht einfach darum, bunte Formen auszuschneiden und aufzukleben. Der eigentliche Lernzuwachs liegt darin, dass Kinder bewusste Gestaltungsentscheidungen treffen.
Besonders spannend finde ich den Gedanken: Die Schere ersetzt den Stift. Beim Scherenschnitt wird nicht mit einer Linie gezeichnet, sondern durch das Schneiden entsteht direkt eine Form. Kinder erleben also: Ich kann mit der Schere gestalten. Ich kann Formen erfinden. Ich kann mit Farbe und Fläche arbeiten, ohne realistisch zeichnen zu müssen.
Der Künstlerbezug zu Henri Matisse ist dabei sehr dankbar. Matisse arbeitete in seiner späten Werkphase mit farbigen Papierausschnitten, die er zu großen, lebendigen Kompositionen arrangierte. Das MoMA beschreibt, dass er bemalte Papierbögen in Formen schnitt und diese zu Kompositionen zusammensetzte. Tate spricht im Zusammenhang mit seinen Cut-Outs von „carving into colour“, also vom Arbeiten direkt in Farbe. (MoMA; Tate)
Im Lehrplan NRW passt das Thema zu den Bereichen Bilder herstellen und gestalten sowie Bilder betrachten und verstehen. Die Kinder setzen sich praktisch gestaltend mit Farbe, Form und Material auseinander, betrachten Kunstwerke, beschreiben Wirkungen und entwickeln eigene Bildideen. (Lehrplan NRW)
Wenn du gerade allgemein nach Ideen für Kunst-Unterrichtsbesuche suchst, passen dazu auch meine Artikel zur Themensammlung Unterrichtsbesuche Kunst Klasse 1 bis 4, zum Unterrichtsentwurf Farben mischen und zur Lehrprobenstunde Kunst Gefühlsfische.

Reihenplanung
Thema der Reihe
Malen mit der Schere – Wir gestalten farbige Scherenschnitte nach Henri Matisse.
Kindgerechte Themenformulierung
Mit der Schere malen – Wir schneiden bunte Formen und lassen Bilder tanzen.
Kernanliegen der Reihe
Die Lernenden erweitern ihre bildnerische Gestaltungs- und Wahrnehmungskompetenz, indem sie Scherenschnitte und Cut-Outs betrachten, Formen durch Schneiden erproben, mit Farbe, Form, Fläche und Anordnung experimentieren, eigene Kompositionen nach einer Bildidee gestalten und ihre Wirkung beschreiben, um Papier als künstlerisches Material bewusst und ausdrucksstark einzusetzen. (Lehrplan NRW; MoMA)

Aufbau der Reihe
| Thema der Einheit | Ziel/Kernanliegen der Einheit |
|---|---|
| 1. Was ist ein Scherenschnitt? – Wir entdecken Kunst aus Papier. | Die Lernenden lernen den Scherenschnitt als künstlerische Technik kennen, indem sie verschiedene Beispiele betrachten, Formen, Umrisse, Farben und Anordnungen beschreiben und erste kleine Schneideversuche durchführen, um Papier als Gestaltungsmaterial bewusst wahrzunehmen. |
| 2. Schneiden statt zeichnen – Wir erproben Formen mit der Schere. | Die Lernenden erkunden die Schere als bildnerisches Werkzeug, indem sie gerade, runde, gezackte, geschwungene und freie Formen aus Papier schneiden, um den Zusammenhang zwischen Handbewegung, Umriss und Formwirkung zu erfahren. |
| 3. Henri Matisse und seine Cut-Outs – Wir betrachten „Malen mit der Schere“. | Die Lernenden setzen sich mit Henri Matisse auseinander, indem sie ausgewählte Cut-Outs betrachten, Farben, Formen, Bewegung und Anordnung beschreiben und Vermutungen zur Wirkung äußern, um einen künstlerischen Impuls für die eigene Gestaltung zu erhalten. |
| 4. Formen, die tanzen – Wir gestalten bewegte Papierformen. | Die Lernenden gestalten freie, organische Formen, indem sie sich von Matisse inspirieren lassen und Formen schneiden, die an Pflanzen, Tiere, Figuren, Bewegung oder Fantasieformen erinnern, um Ausdrucksmöglichkeiten von Papierformen zu erproben. |
| 5. Welche Anordnung wirkt? – Wir komponieren mit Farbe und Form. | Die Lernenden entwickeln ein Bewusstsein für Komposition, indem sie ihre ausgeschnittenen Formen zunächst legen, verschieben, überlagern und vergleichen, bevor sie diese aufkleben, um die Wirkung von Anordnung, Größe, Farbe und Figur-Grund-Bezug zu untersuchen. |
| 6. Mein Matisse-Garten – Wir gestalten ein eigenes Cut-Out-Bild. | Die Lernenden realisieren eine eigene Bildidee, indem sie farbige Papierformen passend zu einem Thema wie Traumgarten, Unterwasserwelt, Dschungel oder Tanz der Formen schneiden, arrangieren und aufkleben, um ein ausdrucksstarkes Scherenschnittbild zu gestalten. |
| 7. Galerie der Scherenschnitte – Wir betrachten und beschreiben Wirkungen. | Die Lernenden reflektieren ihre eigenen und fremden Gestaltungen, indem sie in einem Galeriegang Farben, Formen, Anordnungen und Bildwirkungen beschreiben und wertschätzende Rückmeldungen geben, um gestalterische Entscheidungen bewusster wahrzunehmen. |
| 8. Erweiterung: Muster, Symmetrie oder traditioneller Scherenschnitt. | Die Lernenden erweitern ihr Verständnis für Scherenschnittkunst, indem sie traditionelle, ornamentale oder symmetrische Scherenschnitte betrachten und erproben, um Unterschiede zwischen freiem Cut-Out und stärker regelgebundenem Scherenschnitt kennenzulernen. |
Der Aufbau der Reihe geht vom Entdecken zum eigenen Gestalten. Erst betrachten die Kinder Scherenschnitte und Cut-Outs. Dann erproben sie die Schere als Gestaltungsmittel, lernen Matisse kennen, schneiden eigene Formen, arrangieren diese bewusst und reflektieren am Ende die Wirkung ihrer Bilder.

Vertiefung der einzelnen Einheiten
Einheit 1: Was ist ein Scherenschnitt?
In der ersten Einheit lernen die Kinder den Scherenschnitt als Gestaltungstechnik kennen. Dafür können ganz unterschiedliche Beispiele betrachtet werden: klassische schwarze Scherenschnitte, farbige Papierbilder, symmetrische Faltschnitte oder moderne Cut-Outs.
Die Kinder beschreiben zunächst, was sie sehen: Welche Formen erkennst du? Sind die Formen rund, eckig, gezackt oder geschwungen? Welche Farben werden genutzt? Sind die Formen einzeln oder überlappen sie sich? Wirkt das Bild ruhig oder bewegt?
Wichtig ist, dass die Kinder Scherenschnitt nicht nur als Basteltechnik wahrnehmen. Es geht um eine künstlerische Arbeitsweise, bei der Formen durch Schneiden entstehen.
Einheit 2: Schneiden statt zeichnen
In dieser Einheit steht die Schere als bildnerisches Werkzeug im Mittelpunkt. Die Kinder erproben Schneidebewegungen und merken, dass jede Bewegung eine andere Form erzeugt. Formübungen: gerade / wellig / zackig / spiralförmig schneiden, frei aus der Hand, große und kleine Formen schneiden, Innenformen ausschneiden, Restformen weiterverwenden.
Der wichtigste Gedanke ist: Die Form entsteht nicht durch Vorzeichnen, sondern durch Schneiden. Das kann für Kinder sehr befreiend sein, weil nicht die Frage im Vordergrund steht: „Kann ich gut zeichnen?“ Stattdessen geht es um Experimentieren.
Einheit 3: Henri Matisse und seine Cut-Outs
Jetzt kommt der Künstlerbezug ins Spiel. Die Kinder betrachten ausgewählte Cut-Outs von Henri Matisse. Dabei sollten nicht zu viele Werke auf einmal gezeigt werden. Besser ist es, ein oder zwei Bilder genauer anzuschauen. Impulsfragen:
Welche Farben fallen dir auf? Welche Formen erkennst du?
Erinnern dich die Formen an Pflanzen, Tiere, Körper oder Bewegung?
Wirkt das Bild ruhig oder lebendig? Welche Form ist besonders auffällig?
Wie sind die Formen angeordnet?
Matisse ist für Kinder gut zugänglich, weil seine Cut-Outs farbenfroh, großflächig und offen deutbar sind. Die Kinder müssen nicht „richtig“ erkennen, was gemeint ist. Sie dürfen sehen, vermuten, vergleichen und Wirkungen beschreiben.
Einheit 4: Formen, die tanzen
In dieser Einheit schneiden die Kinder eigene freie Formen. Sie lassen sich von Matisse inspirieren, ohne seine Werke zu kopieren. Es geht nicht darum, Matisse-Formen exakt nachzumachen, sondern die Arbeitsweise zu erproben. Themenimpulse: tanzende Formen, Fantasieblätter, Unterwasserpflanzen, Dschungelformen oder Traumgarten.
Die Kinder schneiden mehrere Formen und legen sie zunächst lose auf den Tisch. Noch wird nicht geklebt. Diese Sammlung bildet die Grundlage für die spätere Komposition.

Einheit 5: Welche Anordnung wirkt?
Diese Einheit eignet sich gut als UB-Stunde. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Ausschneiden, sondern auf dem bewussten Arrangieren. Dadurch wird die Stunde kunstfachlich stark. Die Kinder legen ihre Formen auf einen Hintergrund und probieren Anordnungen aus: weit verteilt, dicht zusammen, überlappend, am Rand, in der Mitte, diagonal, ruhig geordnet oder wild bewegt.
Sie vergleichen: Welche Anordnung wirkt spannender? Welche Farbe hebt sich gut ab? Wo entsteht Bewegung? Was passiert, wenn eine große Form neben einer kleinen liegt? Erst nach dem Ausprobieren wird geklebt. Das ist wichtig, weil Kinder sonst oft zu schnell festlegen und den gestalterischen Entscheidungsprozess überspringen.
Einheit 6: Mein Matisse-Garten
Jetzt gestalten die Kinder ein eigenes Cut-Out-Bild. Der Gestaltungsauftrag kann offen oder thematisch gerahmt sein. Themen: Mein Matisse-Garten, Unterwasserwelt, Dschungel der Formen, Tanzende Farben, Fantastische Pflanzen, Formenfest oder eine Traumlandschaft.
Die Kinder wählen Farben, schneiden Formen, arrangieren sie und kleben ihre Komposition auf. Wichtig ist, dass sie ihre Bildidee nicht nur umsetzen, sondern bewusst mit Mitteln arbeiten: Farbe, Form, Größe, Anordnung, Überlagerung und Figur-Grund-Beziehung.
Einheit 7: Galerie der Scherenschnitte
In dieser Einheit werden die fertigen Bilder betrachtet. Ein Galeriegang eignet sich sehr gut. Die Kinder gehen herum, schauen sich die Werke an und beschreiben Wirkungen. Satzstarter: Das Bild wirkt auf mich … / Besonders auffällig ist … / Die Farben wirken … / Die Formen erinnern mich an … / Die Anordnung ist spannend, weil … / Ich sehe Bewegung, weil …
Diese Reflexion ist wichtig, weil Kunst nicht nur aus Herstellung besteht. Kinder sollen auch lernen, über Bilder zu sprechen und gestalterische Entscheidungen wahrzunehmen.
Einheit 8: Erweiterung Scherenschnitt
Zum Abschluss oder als Erweiterung können andere Formen des Scherenschnitts betrachtet werden. Zum Beispiel symmetrische Faltschnitte, ornamentale Muster oder traditionelle farbige Scherenschnitte.
So erkennen die Kinder: Scherenschnitt kann sehr unterschiedlich aussehen. Matisse steht eher für freie, farbige, organische Cut-Outs. Andere Scherenschnittformen arbeiten stärker mit Symmetrie, Wiederholung oder Ornamenten.

UB-Stunde
Thema der Stunde
Welche Anordnung wirkt? – Wir gestalten ein Cut-Out-Bild nach Henri Matisse.
Kindgerechte Forscherfrage
Wie können wir unsere Papierformen so anordnen, dass ein spannendes Bild entsteht?
Ziel der Stunde
Die Lernenden gestalten eine wirkungsvolle Cut-Out-Komposition, indem sie farbige Papierformen schneiden, auf einem Hintergrund erproben, mehrfach anordnen, die Wirkung von Farbe, Form, Größe, Überlagerung und Platzierung vergleichen und ihre endgültige Komposition bewusst aufkleben, um Gestaltungsmittel nach dem Vorbild von Henri Matisse reflektiert einzusetzen. (Lehrplan NRW; MoMA; Tate)
Warum diese Stunde gut passt
Diese Stunde passt gut für einen Unterrichtsbesuch, weil der gestalterische Lernprozess sichtbar wird. Die Kinder schneiden nicht nur Formen aus und kleben sie auf. Sie probieren verschiedene Anordnungen aus, vergleichen Bildwirkungen und entscheiden bewusst.
Das macht die Stunde kunstfachlich stärker. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Produkt, sondern auf der Gestaltung: Farbe, Form, Größe, Bewegung, Überlagerung und Figur-Grund-Bezug. Für einen UB ist die Stunde außerdem dankbar, weil man den Lernzuwachs gut beobachten kann. Kinder können vor dem Kleben erklären:
Welche Anordnung wirkt ruhiger / bewegter?
Welche Form fällt besonders auf?
Welche Farben bilden einen Kontrast?
Warum klebst du die Form genau dort hin?
So wird deutlich, dass Kunstunterricht nicht nur „schön machen“ bedeutet, sondern bewusstes Wahrnehmen, Entscheiden und Gestalten.

Verlauf der Stunde
| Phase | Inhalt | Sozialform / Methode | Ziel |
|---|---|---|---|
| Einstieg | Ein Cut-Out von Henri Matisse wird betrachtet. Die Kinder beschreiben Farben, Formen, Bewegung und Anordnung. | Plenum / Bildbetrachtung | Die Kinder nehmen zentrale Gestaltungsmittel wahr und aktivieren den Künstlerbezug. |
| Zieltransparenz | Die Forscherfrage wird eingeführt: „Wie können wir unsere Papierformen so anordnen, dass ein spannendes Bild entsteht?“ | Plenum | Die Kinder kennen den gestalterischen Schwerpunkt der Stunde. |
| Erarbeitung | Gestaltungskriterien werden gesammelt: Farbe, Form, Größe, Überlagerung, Platzierung, Bewegung oder Ruhe. | Plenum / Tafelbild | Die Kinder entwickeln Kriterien für ihre eigene Komposition. |
| Schneidephase | Die Kinder schneiden freie Formen aus farbigem Papier. Sie können organische, gezackte, runde oder geschwungene Formen gestalten. | Einzelarbeit | Die Kinder erproben die Schere als Gestaltungsmittel. |
| Kompositionsphase | Die Kinder legen ihre Formen auf den Hintergrund, verschieben, drehen und überlagern sie. Es wird noch nicht geklebt. | Einzelarbeit / Partnerimpuls | Die Kinder erproben verschiedene Anordnungen und vergleichen Wirkungen. |
| Partnerfeedback | Ein Partnerkind gibt eine kurze Rückmeldung: „Diese Anordnung wirkt …, weil …“ | Partnerarbeit | Die Kinder versprachlichen Bildwirkungen und erhalten Impulse vor dem Kleben. |
| Klebephase | Die Kinder entscheiden sich für eine Anordnung und kleben ihre Formen bewusst auf. | Einzelarbeit | Die Kinder setzen ihre endgültige Komposition um. |
| Sicherung | Einzelne Arbeiten werden betrachtet oder ein Galeriegang findet statt. Die Kinder beschreiben Wirkungen. | Plenum / Galeriegang | Die Kinder reflektieren Gestaltungsmittel und Bildwirkung. |
| Abschluss | Merksatz: „Beim Scherenschnitt malen wir mit der Schere und gestalten mit Farbe, Form und Anordnung.“ | Plenum / Blitzlicht | Die Kinder sichern den Lernzuwachs. |
Der Verlauf der Stunde ist so angelegt, dass das Kleben erst spät kommt. Dadurch wird der wichtigste Lernschritt sichtbar: Die Kinder probieren Anordnungen aus, verändern ihr Bild und entscheiden sich begründet für eine Komposition.

Anforderungsbereiche
AB I – Reproduzieren: Die Lernenden benennen sichtbare Gestaltungsmittel wie Farbe, Form, Größe, Hintergrund und Anordnung in einem Cut-Out-Bild.
AB II – Zusammenhänge herstellen: Die Lernenden erproben verschiedene Anordnungen ihrer Papierformen und beschreiben, wie sich die Wirkung durch Verschieben, Drehen oder Überlagern verändert.
AB III – Verallgemeinern und Reflektieren: Die Lernenden begründen ihre endgültige Komposition, reflektieren die Wirkung ihrer Gestaltung und übertragen den Gedanken des „Malens mit der Schere“ auf eigene Bildideen.

Einstiegsidee
Meine Einstiegsidee ist die Bildbetrachtung eines Matisse-Cut-Outs. Wichtig ist, dass das Bild groß und gut sichtbar gezeigt wird. Die Kinder dürfen zunächst frei äußern, was sie sehen. Mögliche Impulse:
„Welche Formen entdeckst du?“
„Welche Farben springen dir ins Auge?“
„Wirkt das Bild eher ruhig oder bewegt?“
„Warum könnte man sagen, dass Matisse mit der Schere gemalt hat?“
Anschließend kann die Lehrkraft zwei ausgeschnittene Formen auf einem Hintergrund unterschiedlich anordnen. Einmal liegen sie weit auseinander, einmal überlappen sie sich. Die Kinder vergleichen die Wirkung. So wird die Forscherfrage vorbereitet: Wie können wir unsere Papierformen so anordnen, dass ein spannendes Bild entsteht?

Differenzierung
Unterstützend
größere Papierformate nutzen
dünneres Papier verwenden
vorgegebene Grundformen zum Weiterverändern anbieten
Schablonen als Einstieg bereitstellen
weniger Farben zur Auswahl geben
Hintergrund bereits vorgeben
Bildbeispiele als Inspiration zeigen
Partnerarbeit beim Anordnen ermöglichen
Klebepunkte erst nach Partner- oder Lehrkraftcheck
Satzstarter: „Meine Form sieht aus wie …“ / „Mein Bild wirkt …“ / „Ich lege die Form hierhin, weil …“ / „Diese Farbe fällt auf, weil …“
Erweiternd
ohne Schablonen frei aus der Hand schneiden
mehrere Ebenen und Überlagerungen nutzen
bewusst mit Farbkontrasten arbeiten
Negativformen einbauen
mit Figur-Grund-Bezug experimentieren
Komposition vor dem Kleben fotografieren und vergleichen
eine eigene Bildidee verfolgen, z.B. „Unterwasserwelt“ oder „Dschungel“
Bildtitel formulieren
Künstlerstatement schreiben: „Mein Bild heißt …, weil …“
traditionellen und modernen Scherenschnitt vergleichen
Die Differenzierung funktioniert sehr natürlich. Einige Kinder arbeiten mit wenigen großen Formen und klaren Farben. Andere gestalten komplexere Kompositionen mit Überlagerungen, Kontrasten und eigener Bildidee.

Ideen für Klasse 1 bis 4
| Klassenstufe | Mögliche Umsetzung |
|---|---|
| Klasse 1 | Kinder schneiden einfache Formen, legen sie auf farbige Hintergründe und beschreiben, was sie sehen. |
| Klasse 2 | Kinder erproben freie Formen, Farben und erste Anordnungen, zum Beispiel zu Fantasieblumen oder Tieren. |
| Klasse 3 | Kinder betrachten Matisse-Cut-Outs, schneiden eigene Formen und gestalten bewusst eine Komposition mit Farbe, Form und Bewegung. |
| Klasse 4 | Kinder experimentieren stärker mit Überlagerung, Figur-Grund-Bezug, Bildwirkung und Künstlerstatement. |
Für Klasse 3 finde ich die Reihe besonders passend, weil die Kinder motorisch schon sicherer schneiden können und gleichzeitig noch sehr offen für experimentelle Bildideen sind. In Klasse 4 kann die Reflexion stärker vertieft werden.

Materialideen
| Material | Einsatzmöglichkeit |
|---|---|
| farbiges Tonpapier oder Kopierpapier | Grundlage für die Cut-Out-Formen |
| ggf. Hintergrundkarton | Bildträger für die Komposition |
| Scheren | Gestaltungsmittel zum Schneiden der Formen |
| Klebestifte | Fixieren der endgültigen Anordnung |
| ablösbare Klebepunkte | Probelegen vor dem festen Aufkleben |
| Bildkarten mit Matisse-Cut-Outs | Künstlerbezug und Bildbetrachtung |
| Formenkarten | Unterstützung für verschiedene Schneideformen |
| Kompositionskarten | Impulse zum Legen, Drehen, Überlagern und Verteilen |
| Satzstarterkarten | Unterstützung bei Reflexion und Bildbeschreibung |
| Galeriegang-Karten | Rückmeldung zu fertigen Arbeiten |
| Bildtitel-Kärtchen | Präsentation und Reflexion des eigenen Werks |
Eduki-Material ergänze ich an dieser Stelle nachträglich, sobald ich es fertiggestellt habe.

Typische Schwierigkeiten
Beim Thema Matisse und Scherenschnitt können verschiedene Schwierigkeiten auftreten. Viele davon lassen sich gut auffangen, wenn der Gestaltungsprozess klar strukturiert wird.
Typische Schwierigkeiten sind:
Kinder kleben zu schnell, ohne vorher verschiedene Anordnungen zu testen.
Die Formen werden zu klein und gehen auf dem Hintergrund unter.
Kinder wollen erst alles vorzeichnen und verlieren dadurch den freien Charakter.
Das Schneiden freier Formen fällt motorisch schwer.
Die Komposition wirkt zufällig, weil keine bewusste Anordnung ausprobiert wurde.
Kinder nutzen zu viele Farben, sodass das Bild unruhig wird.
Die Bildwirkung wird nur mit „schön“ oder „cool“ beschrieben.
Der Künstlerbezug bleibt oberflächlich.
Einige Kinder orientieren sich stark an Beispielen und trauen sich keine eigene Form zu.
Beim Kleben verrutschen Formen.
Kinder verstehen nicht sofort, warum das Legen vor dem Kleben wichtig ist.
Gerade deshalb ist die UB-Stunde zur Anordnung so sinnvoll. Sie verlangsamt den Prozess und macht Gestaltung bewusst.

Sachanalyse
Der Scherenschnitt ist eine Gestaltungstechnik, bei der Formen durch Schneiden entstehen. Anders als beim Zeichnen wird die Linie nicht mit einem Stift erzeugt, sondern durch die Bewegung der Schere. Dadurch entstehen Umrissformen und Flächen.
Scherenschnitte können sehr unterschiedlich aussehen. Es gibt klassische einfarbige Silhouetten, symmetrische Faltschnitte, ornamentale Muster oder farbige mehrschichtige Papierarbeiten. Im modernen Kunstunterricht bietet sich besonders der Zugang über Henri Matisse und seine Cut-Outs an.
Henri Matisse nutzte in seiner späten Werkphase farbige Papierausschnitte. Er schnitt Formen aus bemaltem Papier und ließ diese zu großen Kompositionen arrangieren. Seine Cut-Outs wirken häufig durch kräftige Farben, organische Formen, Kontraste, Bewegung und freie Anordnung. Das MoMA beschreibt, dass Matisse in den späten 1940er-Jahren fast ausschließlich mit geschnittenem Papier arbeitete und bemalte Bögen in Formen verschiedener Größen schnitt, von pflanzenähnlichen bis abstrakten Formen. (MoMA)
Wichtige Gestaltungsmittel bei Cut-Outs sind: Farbe, Form, Größe, Richtung, Kontrast, Überlagerung, Rhythmus, Figur-Grund-Beziehung und Anordnung im Bildraum.
Für Kinder ist diese Technik geeignet, weil sie ohne realistisches Zeichnen auskommt. Gleichzeitig fordert sie bewusste Entscheidungen: Welche Form schneide ich? Welche Farbe wähle ich? Wie verändert sich das Bild, wenn ich die Form drehe oder überlagere?
Der gestalterische Prozess besteht also nicht nur aus Schneiden und Kleben. Besonders wichtig sind das Erproben, Legen, Verschieben, Vergleichen, Entscheiden und Reflektieren.

Didaktische Begründung
Das Thema Matisse und Scherenschnitt ist didaktisch wertvoll, weil Kinder eine einfache Technik nutzen und dabei zentrale bildnerische Gestaltungsmittel kennenlernen. Sie arbeiten praktisch, experimentell und zugleich reflektiert.
Der Künstlerbezug zu Henri Matisse ist kindgerecht, weil seine Cut-Outs farbenfroh, großflächig und offen deutbar sind. Kinder müssen nicht realistisch zeichnen können. Sie können Formen frei erfinden und trotzdem ausdrucksstarke Bilder gestalten.
Wichtig ist der Gedanke, dass Kunst nicht immer abbilden muss. Formen können an Pflanzen, Tiere oder Bewegung erinnern, ohne eindeutig zu sein. Das eröffnet Kindern Freiräume und stärkt ihr Vorstellungsvermögen.
Die UB-Stunde ist didaktisch geeignet, weil sie einen klaren Lerngegenstand hat: die Wirkung von Anordnung und Komposition. Dadurch wird der Unterricht nicht zu einer reinen Bastelstunde. Die Kinder lernen, dass ein Bild durch bewusste Entscheidungen entsteht.
Die Reihe bietet natürliche Differenzierung. Manche Kinder schneiden wenige große Formen und ordnen sie klar an. Andere arbeiten mit vielen Formen, Überlagerungen, Farbkontrasten oder Negativformen. Alle arbeiten am gleichen künstlerischen Problem, aber auf unterschiedlicher Tiefe.

Methodische Begründung
Methodisch ist die Verbindung aus Bildbetrachtung und eigenem Gestalten besonders sinnvoll. Die Kinder begegnen zunächst einem Kunstwerk und nehmen Farben, Formen und Anordnungen wahr. Danach übertragen sie die Arbeitsweise in eine eigene Gestaltung.
Das freie Schneiden fördert Experimentierfreude. Kinder müssen nicht erst eine perfekte Vorzeichnung anfertigen, sondern dürfen direkt mit der Schere Formen entwickeln. Dadurch entsteht ein anderer Zugang zu Linie und Fläche.
Wichtig ist das Legen vor dem Kleben. Wenn Kinder sofort kleben, ist die Komposition schnell festgelegt. Durch das vorherige Legen können sie Formen verschieben, drehen, überlagern und vergleichen. Dadurch wird der gestalterische Entscheidungsprozess sichtbar.
Partnerfeedback unterstützt diese bewusste Entscheidung. Ein Partnerkind kann sagen: „Diese Anordnung wirkt bewegter“ oder „Diese Form fällt hier stärker auf“. So lernen Kinder, Bildwirkungen sprachlich zu beschreiben.
Ein Galeriegang würdigt die individuellen Arbeiten und bietet Anlass zur Reflexion. Die Kinder sehen, dass aus ähnlichen Materialien ganz unterschiedliche Bilder entstehen können.
Mein Fazit
Ich finde Matisse und Scherenschnitt als Thema für den Kunstunterricht richtig dankbar. Es ist bunt, praktisch, kreativ und trotzdem fachlich stark. Gerade für einen Unterrichtsbesuch eignet es sich gut, weil der Gestaltungsprozess sichtbar wird.
Für mich ist der wichtigste Gedanke der Reihe: Die Kinder malen mit der Schere. Sie zeichnen nicht erst alles vor, sondern gestalten direkt mit Form und Farbe. Und sie merken, dass ein Bild nicht zufällig wirkt. Schon kleine Entscheidungen verändern das Ganze.
Schön finde ich, dass jedes Kind ein eigenes Bild gestalten kann. Kein Scherenschnitt sieht aus wie der andere. Genau das passt für mich zu Kunstunterricht in der Grundschule.
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FAQ
Für welche Klasse eignet sich Matisse und Scherenschnitt?
Das Thema eignet sich besonders gut für Klasse 3/4. In Klasse 3 können Kinder freie Formen schneiden, anordnen und Wirkungen beschreiben. In Klasse 4 kann stärker mit Komposition, Kontrasten und Künstlerstatements gearbeitet werden.
Zu welchem Bereich gehört das Thema im Kunstunterricht?
Das Thema passt besonders zu den Bereichen Bilder herstellen und gestalten sowie Bilder betrachten und verstehen. Kinder gestalten eigene Bilder und setzen sich mit Kunstwerken von Henri Matisse auseinander. (Lehrplan NRW)
Was ist ein Cut-Out?
Ein Cut-Out ist eine ausgeschnittene Papierform, die zu einer Bildkomposition angeordnet wird. Henri Matisse arbeitete in seiner späten Werkphase intensiv mit solchen farbigen Papierausschnitten. (MoMA)
Was ist eine gute UB-Stunde zu Matisse und Scherenschnitt?
Eine passende UB-Stunde ist „Welche Anordnung wirkt? – Wir gestalten ein Cut-Out-Bild nach Henri Matisse“. Die Kinder schneiden Formen, legen verschiedene Kompositionen, vergleichen Wirkungen und kleben erst danach.
Warum sollte man die Formen erst legen und dann kleben?
Das Legen vor dem Kleben macht den Gestaltungsprozess bewusster. Kinder können ausprobieren, wie sich die Wirkung verändert, wenn Formen verschoben, gedreht oder überlagert werden.
Welche Materialien brauche ich für die Stunde?
Du brauchst farbiges Papier, Hintergrundkarton, Scheren, Klebestifte, Bildbeispiele von Matisse, Formenkarten, Satzstarter und eventuell Klebepunkte zum Probelegen.
Wie kann man beim Scherenschnitt differenzieren?
Unterstützend helfen größere Formen, Schablonen, weniger Farben und Satzstarter. Erweiternd können Kinder mit Überlagerungen, Kontrasten, Negativformen, Bildtiteln oder Künstlerstatements arbeiten.
Warum eignet sich Henri Matisse für die Grundschule?
Matisse eignet sich gut, weil seine Cut-Outs farbenfroh, klar, großflächig und offen deutbar sind. Kinder können sich inspirieren lassen, ohne realistisch zeichnen zu müssen.








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