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Quickfacts
Fach & Klasse: Die kleine Unterrichtsreihe eignet sich besonders für den Deutschunterricht und die allgemeine Schuleinführung in Klasse 1. Ausgangspunkt ist das Bilderbuch „Mutmurmeln für den ersten Schultag“ von Sarah Welk mit Illustrationen von Caroline Opheys. Das Buch richtet sich laut Verlag an angehende Erstklässler*innen und greift typische Unsicherheiten rund um den Schulanfang auf. (arsEdition)
Zentraler Lernweg: Die Kinder sprechen zunächst über die Gefühle und Gedanken der Buchfiguren, entwickeln anschließend ein erstes Verständnis davon, was Mut bedeuten kann, und sammeln konkrete Möglichkeiten, die bei Unsicherheit im neuen Schulalltag helfen können.
Besonders schön für den Schulanfang: Die Mutmurmel kann vom Gegenstand aus der Geschichte zu einem kleinen Symbol für den eigenen Schulalltag werden. Ein gemeinsames Mutmurmeln-Glas kann die Idee außerdem über die erste Stunde hinaus in der Klasse verankern.
Die Reihe habe ich als allgemeine Grundstruktur geplant. Ihr könnt sie natürlich genau so für euren Unterricht und Unterrichtsbesuche nutzen, solltet sie aber immer an die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Lernstände eurer eigenen Klasse anpassen.
Die Links zu Materialien sind Affiliate-Links. Für Käufer*innen ändert sich der Preis nicht, ich bekomme nur eine kleine Unterstützung für meine Arbeit.
Allgemeines
Der erste Schultag ist für viele Kinder gleichzeitig spannend, schön und ziemlich aufregend. Neue Räume, neue Menschen, neue Regeln und ganz viele Situationen, bei denen noch niemand genau weiß, wie alles funktioniert. Genau daran knüpft das Bilderbuch „Mutmurmeln für den ersten Schultag“ sehr passend an.
Im Buch stehen Lolle und Linus kurz vor ihrer Einschulung. Besonders Linus macht sich Gedanken darüber, was in der Schule passieren könnte – beispielsweise, ob er den Weg zurück ins Klassenzimmer findet oder was passiert, wenn er während des Unterrichts zur Toilette muss. Gemeinsam entstehen schließlich die Mutmurmeln. (arsEdition)
Für den Unterricht finde ich spannend, die Idee nicht einfach als Sammlung von Mutproben nachzuspielen. Viel ergiebiger ist die Übertragung auf den wirklichen Schulalltag: jemanden ansprechen, um Hilfe bitten, etwas Neues ausprobieren, einen Fehler zugeben oder sich melden, obwohl man sich noch nicht ganz sicher ist.
Reihenplanung
Thema der Reihe
Mutig in die Schule starten – Mit Murmeln entdecken wir, was uns bei neuen Situationen helfen kann
Kindgerechte Themenformulierung
Was macht uns mutig?
Kernanliegen der Reihe
Die Lernenden erweitern ihre mündliche Sprach- und literarische Verstehenskompetenz, indem sie die Gefühle und Handlungen der Figuren im Bilderbuch beschreiben, über Vorstellungen von Mut sprechen und Handlungsmöglichkeiten für unsichere schulische Situationen entwickeln, um Mut als das Bewältigen einer Herausforderung trotz möglicher Unsicherheit zu verstehen und passende Mutmacher für den Schulalltag kennenzulernen.
Dabei ist mir besonders wichtig: Kein Kind muss vor der Klasse erzählen, wovor es selbst Angst hat. Gerade am Schulanfang würde ich persönliche Erfahrungen immer freiwillig lassen und zusätzlich mit Figuren und erfundenen Schulsituationen arbeiten.
Aufbau der Reihe
| Einheit | Forscherfrage | Kompetenzschwerpunkt |
|---|---|---|
| 1. Lolle und Linus starten in die Schule | Wie fühlen sich Lolle und Linus vor ihrem ersten Schultag? | Die Lernenden erschließen das Bilderbuch, indem sie Gefühle, Gedanken und Handlungen der Figuren beschreiben, um deren Situation und die Grundidee der Murmeln zu verstehen. |
| 2. Was macht Mut? | Was kann uns helfen, wenn wir uns etwas noch nicht trauen? | Die Lernenden entwickeln Handlungsmöglichkeiten für unsichere Schulsituationen, indem sie fiktive Situationen betrachten, passende Mutmacher auswählen und ihre Entscheidung erklären, um Mut nicht mit Angstfreiheit, sondern mit dem Bewältigen einer Herausforderung zu verbinden. |
| 3. Meine Murmel | Woran kann mich meine Murmel erinnern? | Die Lernenden übertragen die Buchidee auf den Schulalltag, indem sie einen möglichen Mutmoment malen, erzählen oder diktieren und einen persönlichen Mutmacher auswählen. |
| 4. Unser Mut wächst weiter | Wie können wir uns als Klasse immer wieder Mut machen? | Die Lernenden entwickeln ein Klassenritual, indem sie gemeinsame Mutmomente sammeln und in einem Mutmurmeln-Glas sichtbar machen, um die Idee des Buches nachhaltig in den Schulalltag zu übertragen. |
Vertiefung der einzelnen Einheiten
Einheit 1: Lolle und Linus starten in die Schule – Wie fühlen sich Lolle und Linus vor ihrem ersten Schultag?
Zum Einstieg würde ich mit einer Murmel beginnen. Sie liegt im Sitzkreis und die Kinder überlegen zunächst: Was könnte eine Murmel mit Mut zu tun haben? Danach wird das Bilderbuch vorgelesen. Das Buch von Sarah Welk umfasst 32 Seiten und ist laut Verlag ab fünf Jahren empfohlen, wodurch es sich sehr passend für die Einschulung bzw. den Beginn der ersten Klasse anbietet. (arsEdition)
Beim Vorlesen können kurze Gesprächspausen eingebaut werden:
Wie fühlt sich Linus gerade?
Woran können wir das erkennen?
Warum macht er sich Gedanken über die Schule?
Was hilft ihm?
Muss man sich immer sicher fühlen, um mutig zu sein?
Gerade diese letzte Frage finde ich stark. Die Kinder können entdecken: Mutig sein heißt nicht unbedingt, dass man gar keine Angst oder Unsicherheit fühlt. Man kann auch mutig sein, wenn man etwas trotzdem versucht.
Lernzuwachs: Die Kinder können Gefühle und Handlungen der Figuren beschreiben und erklären, welche Funktion die Mutmurmeln innerhalb der Geschichte bekommen.
Einheit 2: Was macht Mut? – Was kann uns helfen, wenn wir uns etwas noch nicht trauen?
Diese Einheit würde ich als UB-Stunde wählen. Die Geschichte ist den Kindern bekannt. Nun geht es um die Übertragung auf typische fiktive Schulsituationen. Zum Beispiel:
Ein Kind versteht eine Aufgabe nicht.
Ein Kind möchte die Lehrerin etwas fragen.
Ein Kind kennt in der Pause noch niemanden.
Ein Kind möchte sich melden, ist sich aber nicht ganz sicher.
Ein Kind hat einen Fehler gemacht.
Ein Kind soll etwas Neues ausprobieren.
Zu jeder Situation überlegen die Kinder: Was könnte helfen? Mutmacher sind jemanden um Hilfe bitten, gemeinsam beginnen, noch einmal nachfragen, erst zuschauen, etwas üben, sich selbst einen ermutigenden Satz sagen oder die Mutmurmel in der Tasche fühlen.
Lernzuwachs: Die Kinder gehen über „Mut bedeutet, keine Angst zu haben“ bzw. „Mut bedeutet eine schwere Mutprobe“ hinaus und erkennen, dass auch alltägliche Schulsituationen Mut erfordern können und Unterstützung dabei erlaubt ist.
Einheit 3: Meine Murmel – Woran kann mich meine Murmel erinnern?
Nun darf jedes Kind eine eigene Murmel auswählen. Gemeinsam wird überlegt, wofür sie stehen könnte: „Meine Murmel erinnert mich daran: Ich darf etwas ausprobieren, auch wenn ich noch unsicher bin.“ Für den Schulanfang würde ich Schreiben nicht voraussetzen. Ein Bild oder das Erzählen im Partnergespräch sind genauso passende Ausdrucksformen.
Sehr schön finde ich, dass arsEdition sogar eine kostenlose Karte „Mein Mutmurmelmoment“ als Begleitmaterial zum Buch anbietet. Darauf können Kinder einen Moment festhalten, in dem sie sich mutig gefühlt haben. (arsEdition – Begleitmaterial) (arsEdition)
Lernzuwachs: Die Kinder übertragen das Symbol der Murmel auf Herausforderungen ihres eigenen Schulalltags und kennen mindestens eine Strategie, die ihnen in einer unsicheren Situation helfen kann.
Einheit 4: Unser Mut wächst weiter – Wie können wir uns als Klasse immer wieder Mut machen?
Zum Abschluss würde ich ein Murmel-Glas im Klassenraum einführen. Immer wenn die Klasse etwas Neues bewältigt hat, kann eine Murmel hineingelegt werden. Zum Beispiel:
Wir haben zum ersten Mal selbstständig unsere Materialien gefunden.
Wir haben uns getraut nachzufragen.
Wir haben uns gegenseitig geholfen.
Wir haben zum ersten Mal etwas vor der Klasse gezeigt.
Wir haben eine schwierige Aufgabe nicht sofort aufgegeben.
Wir haben einen neuen Ablauf allein geschafft.
Wichtig wäre mir, daraus keine öffentliche Mut-Leistungsschau einzelner Kinder zu machen. Das Glas soll nicht zeigen, wer „am mutigsten“ ist. Vielmehr macht es sichtbar: In der Schule lernen wir ständig Neues – und manches davon braucht Mut.
Lernzuwachs: Die Kinder verstehen Mut zunehmend als etwas, das im Alltag wachsen kann und durch Unterstützung, Übung und Gemeinschaft erleichtert wird.
UB-Stunde
Thema der Stunde
Was macht uns mutig? – Wir entwickeln Mutmacher für neue und unsichere Situationen im Schulalltag
Kindgerechte Forscherfrage
Was kann uns helfen, wenn wir uns etwas noch nicht trauen?
Ziel der Stunde
Die Lernenden erweitern ihre mündliche Sprach- und Reflexionskompetenz, indem sie fiktive schulische Situationen betrachten, mögliche Gefühle der beteiligten Figuren beschreiben und Mutmacher auswählen und begründen, um zu erkennen, dass Mut auch bedeutet, eine Herausforderung trotz Unsicherheit anzugehen und dabei Unterstützung nutzen zu dürfen.
Verlauf der Stunde
| Phase | Inhalt | Sozialform / Methode | Material |
|---|---|---|---|
| Einstieg | Eine Murmel liegt im Kreis. Kurze Erinnerung: Warum hatten Lolle und Linus Murmeln? | Sitzkreis / Gespräch | Bilderbuch, Murmel |
| Problemöffnung | Bildimpuls: Ein fiktives Kind steht vor einer neuen Schulsituation und wirkt unsicher. „Ist das Kind schon mutig? Was könnte jetzt passieren?“ | Plenum | Situationskarte |
| Forscherfrage | Was kann uns helfen, wenn wir uns etwas noch nicht trauen? | Plenum | visualisierte Forscherfrage |
| Erarbeitung | Partner*innen erhalten unterschiedliche Schulsituationen und mögliche Mutmacher. Sie überlegen, was helfen könnte. | Partnerarbeit | Bildkarten, Mutmacher-Karten |
| Zwischenreflexion | Erste Ideen werden gesammelt: Hilfe holen, nachfragen, gemeinsam beginnen, üben, sich Zeit geben, ermutigender Satz, Murmel. | Plenum | Karten / Tafel |
| Weiterarbeit | Kinder bearbeiten eine zweite Situation und wählen nun bewusst einen passenden Mutmacher. | Partnerarbeit | Situationskarten |
| Sicherung | Satzstarter: „Das Kind braucht Mut, weil …“ – „Helfen könnte …, weil …“ | Sitzkreis | Satzstarter |
| Transfer | Neue Situation: „Ein Kind möchte etwas sagen, traut sich aber noch nicht.“ Welche unserer Ideen könnten helfen? | Plenum | Bildkarte |
| Abschluss | Jede*r darf – ohne Begründung – einen Mutmacher auswählen, den er oder sie besonders hilfreich findet. | individuelles Zeichen | Mutmacher-Karten |
Für Klasse 1 würde ich die Reihe sehr stark visualisieren. Die Kinder müssen noch keine langen Begründungen formulieren. Schon ein Satz wie „Ein Freund kann helfen, weil man dann nicht allein ist“ zeigt einen echten Lernschritt.
Anforderungsbereiche
AB I: Die Lernenden benennen Gefühle, Situationen und Mutmacher aus dem Bilderbuch bzw. von Bildkarten.
AB II: Die Lernenden ordnen einer fiktiven Schulsituation einen passenden Mutmacher zu und erklären den Zusammenhang.
AB III: Die Lernenden entwickeln für eine neue Situation eine eigene Handlungsmöglichkeit und begründen, warum diese helfen könnte.
Differenzierungsmöglichkeiten
Unterstützend:
Gefühle durch Piktogramme und Bildkarten darstellen.
Situationen vollständig bildgestützt anbieten.
zwei Mutmacher zur Auswahl statt einer offenen Fragestellung geben.
Satzstarter: „Helfen könnte …“
Antworten zeigen oder legen lassen statt sie vollständig versprachlichen zu müssen.
Partner*innen bewusst zusammensetzen.
Situationen aus dem Schulalltag sehr konkret und überschaubar halten.
Kinder einen Satz diktieren lassen, statt selbst schreiben zu müssen.
Erweiternd:
mehrere Mutmacher miteinander vergleichen.
begründen, warum unterschiedliche Kinder in derselben Situation unterschiedliche Hilfen brauchen könnten.
zwischen „mutig“, „gefährlich“ und „unnötig riskant“ unterscheiden.
eigene fiktive Schulsituationen erfinden.
erklären, warum Hilfe annehmen ebenfalls mutig sein kann.
einen Mutmach-Satz für eine Figur formulieren.
Wichtig finde ich die emotionale Differenzierung: Kein Kind muss persönliche Ängste nennen. Wer nicht über sich sprechen möchte, kann über Lolle, Linus oder eine erfundene Figur sprechen.
Ideen für Klasse 1 bis 4
Der Schwerpunkt dieser Reihe liegt ganz klar auf Klasse 1. Trotzdem lässt sich die Grundidee altersgemäß weiterdenken.
| Klasse | Mögliche Umsetzung |
|---|---|
| 1 | Bilderbuch vorlesen, Gefühle anhand von Bildern erschließen, einfache Mutmacher sammeln, eigene Mutmurmel gestalten und ein Klassenritual aufbauen. |
| 2 | Mut-Situationen stärker begründen, Mutmach-Sätze schreiben und zwischen Mut, Angst und Leichtsinn unterscheiden. |
| 3 | Unterschiedliche Perspektiven untersuchen: Warum braucht eine Situation für ein Kind viel Mut und für ein anderes kaum? Eigene Mutgeschichten schreiben. |
| 4 | Mut differenzierter diskutieren: Wann ist Mut sinnvoll? Kann Nein-Sagen mutig sein? Wann wird aus Mut unnötiges Risiko? |
Für die Einschulung finde ich das Buch super. Der Verlag empfiehlt es ab fünf Jahren und beschreibt es als Bilderbuch zur Vorbereitung auf den ersten Schultag. (arsEdition)
Materialideen
| Material | Einsatz |
|---|---|
| „Mutmurmeln für den ersten Schultag“* | Zentrale Bilderbuchgrundlage der Reihe und Gesprächsanlass rund um Schulstart, Unsicherheit und Mut. |
| Murmeln* | Jedes Kind kann eine eigene Mutmurmel erhalten; weitere Murmeln können für das gemeinsame Klassen-Glas genutzt werden. |
| Kleine Tütchen* | Möglichkeit, die persönliche Mutmurmel am Einschulungstag oder nach der Reihe mit nach Hause zu geben. |
| Großes Glas | Als gemeinsames Mutmurmeln-Glas für Mutmomente und neue bewältigte Herausforderungen der Klasse. |
| Gefühlskarten | Unterstützen beim Beschreiben von Lolle, Linus und fiktiven Schulkindern. |
| Situationskarten | Zeigen typische neue Schulsituationen, ohne persönliche Erfahrungen einzelner Kinder öffentlich machen zu müssen. |
| Mutmacher-Karten | Visualisieren mögliche Strategien wie fragen, Hilfe holen, zusammen beginnen oder üben. |
| Satzstarter | „Das Kind fühlt sich …“, „Helfen könnte …“, „Mutig ist …“ |
| Mal- und Schreibblatt | Für „Ich bin mutig, wenn …“, „Das macht mir Mut …“ oder einen fiktiven Mutmoment. |
| „Mein Mutmurmelmoment“ von arsEdition | Kostenlose Vorlage des Verlags zum Festhalten eines Mutmoments. (arsEdition) |
Eine ähnliche Umsetzungsidee findet sich auch bei Materialwiese: Dort wird das Bilderbuch für den ersten Schultag vorgeschlagen und die Idee aufgegriffen, den Kindern anschließend eine eigene Mutmurmel mitzugeben. (Materialwiese)
Typische Schwierigkeiten
Kinder denken bei Mut nur an Mutproben: Alltagssituationen gegenüberstellen und deutlich machen, dass Mut nicht bedeutet, unnötige Risiken einzugehen.
„Mutige Kinder haben keine Angst.“: Behutsam herausarbeiten, dass Unsicherheit und Mut gleichzeitig vorkommen können.
Kinder sollen öffentlich ihre Ängste erzählen: Das würde ich vermeiden. Persönliche Beiträge bleiben freiwillig; fiktive Figuren bieten immer eine Alternative.
Die Murmel wird zum „Zaubergegenstand“: Transparent bleiben: Die Murmel löst Probleme nicht. Sie ist ein Symbol / Erinnerung an hilfreiche Gedanken und Strategien.
Alle Kinder bekommen denselben Mutmacher: Unterschiedliche Hilfen zulassen. Ein Kind möchte fragen, ein anderes erst beobachten, üben oder gemeinsam starten.
Die Stunde wird zu abstrakt: Für Klasse 1 mit konkreten Bildern, Gegenständen und kurzen Situationen arbeiten.
Das Murmel-Glas wird zum Belohnungssystem: Es sollte keine Murmel für „gutes Verhalten“ geben, sondern gemeinsame Lern- und Mutmomente sichtbar machen.
Die Mutproben aus dem Buch werden nachgespielt: Für den Unterricht finde ich den Transfer auf sinnvolle Herausforderungen im Schulalltag fachlich wesentlich ergiebiger.
Mut wird mit Leistung verknüpft: Ein Kind ist nicht „mutiger“ oder „besser“, weil es vor der Klasse spricht. Ausgangspunkte und Herausforderungen sind individuell verschieden.
Lehrplanbezug NRW
Der schulische Rahmen ist zwar die Schuleinführung, fachlich lässt sich die Reihe besonders gut an den Deutschunterricht anbinden. Im Bereich „Sprechen und Zuhören“ beschreibt der aktuelle Lehrplan die mündliche Verständigung als zentrales Mittel des Lernens. Kinder sollen lernen, sich in Gespräche einzubringen, zuzuhören und Gesprächsregeln zu nutzen.
Für das Ende der Schuleingangsphase wird erwartet, dass die Kinder Gesprächsbeiträge unter Einhaltung vereinbarter Regeln formulieren. Passend für die Reihe ist die Erwartung, dass Kinder eigene Gefühle auch mithilfe visueller Hilfsmittel wie Symbolen beschreiben.
Auch der Bereich „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“ passt. Am Ende der Schuleingangsphase sollen Kinder Texte der Kinderliteratur erschließen und ihre Leseeindrücke beschreiben. Außerdem sollen sie Figuren und Handlungsverläufe kurzer literarischer Texte beschreiben sowie Gedanken und Gefühle zu Texten äußern.
Da es sich hier um Klasse 1 handelt, sind diese Erwartungen selbstverständlich nicht bereits vollständig vorauszusetzen. Die kleine Reihe bahnt sie innerhalb der Schuleingangsphase an: Die Kinder hören einem Bilderbuch zu, erschließen Figuren und Gefühle, äußern eigene Gedanken und beteiligen sich zunehmend an gemeinsamen Gesprächen. (Lehrplan NRW)
Sachanalyse
„Murmeln für den ersten Schultag“ ist ein Bilderbuch von Sarah Welk mit Illustrationen von Caroline Opheys, erschienen bei arsEdition. Das Buch wurde am 28. Mai 2024 veröffentlicht, umfasst 32 Seiten und wird ab fünf Jahren empfohlen. (arsEdition)
Im Zentrum stehen Lolle und Linus, die kurz vor ihrem ersten Schultag stehen. Linus beschäftigt sich mit verschiedenen Unsicherheiten rund um den neuen Schulalltag. Die Murmeln entstehen innerhalb der Geschichte als symbolische Unterstützung vor der Einschulung. (arsEdition)
Für den Unterricht ist weniger entscheidend, konkrete „Mutproben“ zu übernehmen, sondern die Metapher der Murmel auf Herausforderungen zu übertragen.
Mut sollte nicht als Angstfreiheit vermittelt werden. Für die Grundschule ist eine tragfähige Annäherung: Ein Mensch kann sich unsicher fühlen und trotzdem etwas versuchen, Hilfe suchen oder für etwas einstehen.
Mut ist individuell. Dieselbe Situation kann für ein Kind selbstverständlich und für ein anderes eine große Herausforderung sein. Mut ist nicht mit Leichtsinn gleichzusetzen. Unnötig gefährliche Handlungen müssen nicht durchgeführt werden, um mutig zu sein.
Die Murmel besitzt im Unterricht eine symbolische Funktion. Sie kann erinnern und eine Idee sichtbar machen, ist aber natürlich kein Gegenstand, der selbst Mut erzeugt.
Bilderbücher ermöglichen gerade zu Beginn der ersten Klasse ein gemeinsames literarisches Lernen, ohne selbstständige Lesefähigkeit vorauszusetzen. Die Kinder können über Zuhören, Illustrationen und Gespräche am Text teilnehmen.
Didaktische Begründung
Direkter Lebensweltbezug: Der Schulanfang ist genau die Situation, in der sich die Kinder aktuell befinden.
Literarische Distanz: Über Lolle und Linus können Kinder über Aufregung und Unsicherheit sprechen, ohne sofort persönliche Erfahrungen offenlegen zu müssen.
Emotionale Sprachbildung: Gefühle werden nicht nur erlebt, sondern mithilfe von Wörtern, Bildern und Symbolen zunehmend versprachlicht.
Übertragung statt bloßes Nacherzählen: Die Geschichte wird zum Ausgangspunkt für neue Schulsituationen und konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Handlungsfähigkeit: Das Thema bleibt nicht bei „Angst haben“. Kinder entdecken: Ich kann fragen, üben, jemanden mitnehmen, mir Zeit geben oder Hilfe holen.
Individualität: Mut wird nicht als einheitliche Leistung verstanden. Unterschiedliche Kinder dürfen unterschiedliche Herausforderungen und Unterstützungen haben.
Anfangsunterricht: Die Reihe verlangt noch keine sicheren Schreib- oder Lesefähigkeiten und ermöglicht Beteiligung über Zuhören, Sprechen, Malen und Zeigen.
Nachhaltigkeit: Durch die persönliche Mutmurmel und das gemeinsame Glas kann die Bilderbuchidee in den weiteren Schulalltag hineinwirken.
Methodische Begründung
Der konkrete Gegenstand als Einstieg macht die abstrakte Frage nach Mut für Erstklässler*innen unmittelbar greifbar.
Vorlesen mit kurzen Gesprächspausen verbindet literarisches Erleben mit ersten Verstehens- und Reflexionsprozessen, ohne die Geschichte durch zu viele Unterbrechungen zu zerlegen.
Fiktive Situationskarten schützen Kinder vor erzwungener Selbstoffenbarung und schaffen trotzdem lebensnahe Gesprächsanlässe.
Partnerarbeit ermöglicht deutlich mehr Sprechzeit als ein ausschließliches Unterrichtsgespräch und senkt die Hürde, eine Idee zu äußern.
Bildgestützte Mutmacher reduzieren sprachliche Anforderungen und ermöglichen auch Kindern mit geringerer Deutschkompetenz eine aktive Beteiligung.
Malen und Diktieren berücksichtigen, dass Erstklässler*innen zu diesem Zeitpunkt noch sehr unterschiedliche schriftsprachliche Voraussetzungen mitbringen.
Das Murmeln-Glas überführt die Unterrichtsidee in ein Ritual. Dadurch bleibt die Reihe nicht bei einer einmaligen Vorlesestunde stehen.
Mein Fazit
Ich finde die Idee mit den Murmeln für den Schulanfang wunderschön, gerade weil man daraus so viel mehr machen kann als eine Vorlesestunde. Für mich liegt der Gedanke darin, Kindern zu zeigen: Ich muss mich nicht immer sicher fühlen, bevor ich etwas Neues ausprobieren darf.
Besonders schön finde ich die Kombination aus Bilderbuch, eigener Murmel und einem Murmel-Glas für die Klasse. So begleitet die Idee die Kinder nicht nur am Einschulungstag, sondern kann gerade in den ersten Wochen immer wieder aufgegriffen werden.
Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.
FAQ
Für welche Klasse eignet sich „Mutmurmeln für den ersten Schultag“?
Besonders gut für Klasse 1 und den Zeitraum rund um Einschulung und erste Schulwochen. Der Verlag empfiehlt das Bilderbuch ab fünf Jahren. (arsEdition)
Kann ich das Buch direkt am ersten Schultag vorlesen?
Ja. Gerade am Einschulungstag kann es einen schönen gemeinsamen Gesprächsanlass bieten. Je nach Zeit würde ich die weiterführenden Aufgaben aber auf die folgenden Schultage verteilen.
Was ist eine gute Leitfrage?
Für die gesamte Reihe finde ich „Was macht uns mutig?“ sehr passend. Für eine vertiefende Stunde würde ich die Frage konkretisieren zu: „Was kann uns helfen, wenn wir uns etwas noch nicht trauen?“
Welche UB-Stunde eignet sich?
Die zweite Einheit eignet sich gut: Die Kinder untersuchen fiktive Schulsituationen und entwickeln passende Mutmacher. Dadurch ist ein Lernzuwachs sichtbar, der über das bloße Sprechen über Gefühle hinausgeht.
Was ist der konkrete Lernzuwachs?
Die Kinder erkennen, dass Mut nicht voraussetzt, dass man keinerlei Unsicherheit empfindet. Sie entwickeln konkrete Handlungsmöglichkeiten, mit denen eine herausfordernde Situation bewältigt werden kann.
Soll jedes Kind erzählen, wovor es Angst hat?
Nein. Persönliche Ängste würde ich niemals verpflichtend öffentlich machen. Die Arbeit mit Buchfiguren und fiktiven Situationen ermöglicht Distanz und ist für das Thema völlig ausreichend.
Kann jedes Kind eine eigene Mutmurmel bekommen?
Ja, das finde ich gerade zum Schulstart sehr schön. Auch andere Unterrichtsideen zum Buch greifen auf, Kindern eine eigene Murmel mitzugeben. (Materialwiese)
Was kann ich auf ein Arbeitsblatt schreiben?
Sehr einfache Satzanfänge passen am besten: „Ich bin mutig, wenn …“, „Mut brauche ich, wenn …“ oder „Das macht mir Mut: …“. Ein Bild mit diktiertem Satz reicht für Klasse 1 vollkommen aus.
Gibt es kostenloses Material zum Buch?
Ja. arsEdition bietet unter anderem die kostenlose Karte „Mein Mutmurmelmoment“ an, auf der Kinder einen mutigen Moment festhalten können. (arsEdition – Begleitmaterial) (arsEdition)
Wie kann die Idee länger in der Klasse bleiben?
Mit einem Mutmurmeln-Glas. Neue gemeinsame Herausforderungen und mutige Lernmomente können im Laufe des Schuljahres immer wieder durch eine zusätzliche Murmel sichtbar gemacht werden.
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Unterrichtsentwurf Mutmurmeln für den ersten Schultag in Klasse 1: kleine Unterrichtsreihe zum Schulanfang mit Bilderbuch, Mutmurmel, UB-Stunde und Material.
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Diese kleine Unterrichtsreihe zum Bilderbuch „Mutmurmeln für den ersten Schultag“ von Sarah Welk eignet sich für die Einschulung und die ersten Schulwochen in Klasse 1. Die Kinder erschließen Gefühle und Handlungen der Buchfiguren, überlegen, was Mut bedeutet, entwickeln Mutmacher für typische Schulsituationen und erhalten eine eigene Mutmurmel. Eine mögliche UB-Stunde beschäftigt sich mit der Frage „Was kann uns helfen, wenn wir uns etwas noch nicht trauen?“. Ergänzt wird die Reihe durch ein Mutmurmeln-Glas, Differenzierungsideen, Materialvorschläge und den Lehrplanbezug NRW.





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