Unterrichtsentwurf Naturfarben herstellen Unterrichtsreihe, UB-Stunde und Material

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Unterrichtsentwurf Naturfarben

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Quickfacts

  • Die Unterrichtsreihe zum Herstellen von Farben aus Naturmaterialien eignet sich für die Klassen 1 bis 4, wobei ich den Schwerpunkt in Klasse 3 setze, weil die Kinder hier bereits zunehmend systematisch experimentieren, Farbwirkungen vergleichen und eigene gestalterische Entscheidungen begründen können.

  • Das Thema passt wirklich erstaunlich genau zum Kunstlehrplan NRW: Im Bereich Malen wird ausdrücklich das Experimentieren mit Farbaufträgen, Untergründen und der „Farbherstellung (Erd-/Pflanzenfarben)“ genannt. (Lehrplan NRW)

  • Die Reihe lässt sich schön mit meinem Unterrichtsentwurf zum Farben mischen verbinden, geht aber noch einen Schritt zurück und stellt die spannende Frage: Woher kommt Farbe eigentlich, bevor sie im Malkasten landet?

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Allgemeines

Ich finde die Idee, Farben selbst aus Naturmaterialien herzustellen, für den Kunstunterricht richtig schön, weil die Kinder etwas erleben, das im normalen Alltag schnell selbstverständlich wird: Wir nehmen einen Malkasten, öffnen eine Tube oder greifen zum Filzstift – und die Farbe ist einfach da.

  • Aber woher kommt Farbe eigentlich?

  • Kann braune Erde zu Malfarbe werden?

  • Was passiert mit einem Stück Roter Bete?

  • Warum hinterlässt ein Blatt manchmal eine grüne Spur und manchmal fast gar keine?

  • Und weshalb hält fein gemahlene Erde mit Wasser zunächst auf dem Papier, kann nach dem Trocknen aber teilweise wieder herunterbröseln?

Genau solche Fragen machen aus einer zunächst einfachen Bastelidee für mich eine wirklich ergiebige Kunstreihe. Denn der Schwerpunkt liegt nicht nur darauf, irgendeine Farbe herzustellen. Die Kinder setzen sich intensiv mit Farbe als Material auseinander.

Sie sammeln, fühlen, zerreiben, mörsern, sieben, mischen, streichen, tupfen und vergleichen. Dabei merken sie, dass sich Naturfarben anders verhalten als die Farben aus ihrem Lasten.

  • Manche sind körnig.

  • Manche sind fast durchsichtig.

  • Andere wirken kräftig und deckend.

  • Einige verändern sich beim Trocknen.

  • Und Pflanzenfarben können sogar nach einiger Zeit verblassen.

Gerade diese Unvorhersehbarkeit gefällt mir für den Kunstunterricht. Es geht nicht darum, möglichst schnell eine perfekte Farbe herzustellen. Die Kinder dürfen Materialeigenschaften entdecken und für ihre Gestaltung nutzen.

Das ist auch fachlich sehr passend. Der Lehrplan NRW beschreibt für den Bereich Malen, dass Kinder unterschiedliche Malwerkzeuge, Auftragstechniken, Malgründe und farbige Materialien erforschen und dabei die Veränderbarkeit und Wirkung von Farbe erproben und beschreiben sollen. 

Auch praktisch lässt sich das Thema wirklich gut umsetzen. Der WWF schlägt Erde, Beeren, Blätter, morsches Holz, Kohle oder Ziegelscherben als Ausgangsmaterialien vor. Für Erdfarben wird das Material möglichst fein zerkleinert und mit Wasser und Kleister gemischt. Als Orientierung nennt die Anleitung ein Verhältnis von 10 Teilen Erde, 10 Teilen Wasser und 1 Teil Kleister.

Bei Pflanzenfarben funktioniert die Herstellung anders. Farbstarke Pflanzen können zerkleinert, ausgepresst oder mit Wasser ausgekocht werden. Ökoeleo nennt Rote Bete für Rot bis Pink, Rotkohl für Violett, Spinat für Grün, Löwenzahn für Gelb sowie Brombeeren und Holunderbeeren für Rot- und Blautöne. 

Für meine Reihe würde ich allerdings nicht sofort alle Möglichkeiten gleichzeitig anbieten. Gerade mit einer dritten Klasse würde ich zuerst mit Erdfarben arbeiten. Sie sind für die fachliche Frage besonders geeignet, weil die Kinder gut beobachten können, wie sich ein trockenes Naturmaterial durch Zerkleinern, Sieben und das Hinzufügen eines Bindemittels in ein neues Gestaltungsmaterial verwandelt. Pflanzenfarben würde ich anschließend als Erweiterung dazunehmen.

So entsteht ein roter Faden: Naturmaterial entdecken → Farbspur untersuchen → Pigment gewinnen → Malfarbe herstellen → Farbwirkung vergleichen → bewusst damit gestalten.

Unterrichtsentwurf Naturfarben

Reihenplanung

Thema der Reihe

Farben aus der Natur – Naturmaterialien erforschen, eigene Farben herstellen und ihre Wirkung gestalterisch nutzen

Kindgerechte Themenformulierung

„Wo versteckt sich Farbe in der Natur? – Wir werden Naturfarben-Forscher*innen.“

Kernanliegen der Reihe

Die Lernenden erweitern ihre Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten, indem sie farbige Naturmaterialien sammeln und untersuchen, Verfahren der Farbgewinnung erproben, selbst hergestellte Erd- und Pflanzenfarben hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Wirkungen vergleichen und Farben sowie Werkzeuge für eigene Gestaltungsideen einsetzen, um Zusammenhänge zwischen Material, Herstellungsweise, Farbauftrag und Bildwirkung zu entdecken und zunehmend bewusst zu nutzen.

Aufbau der Reihe

EinheitForscherfrage / ThemaKompetenzschwerpunkt
1. Wo versteckt sich Farbe?„Welche Farben finden wir draußen in der Natur?“Die Lernenden untersuchen farbige Naturmaterialien, indem sie diese sammeln, betrachten, fühlen, vergleichen und nach selbst entwickelten Kriterien ordnen, um Natur als vielfältigen Farbraum wahrzunehmen.
2. Naturmaterialien hinterlassen Spuren„Welche Dinge aus der Natur können eigentlich malen?“Die Lernenden erproben unterschiedliche Naturmaterialien direkt auf verschiedenen Untergründen, indem sie reiben, drücken, streichen und zeichnen, um Materialeigenschaften und unterschiedliche Farbspuren wahrzunehmen und zu beschreiben.
3. Vom Fundstück zum Farbpulver„Wie bekommen wir die Farbe aus Erde, Stein und Ziegel heraus?“Die Lernenden untersuchen die Veränderbarkeit von Naturmaterialien, indem sie Materialien trocknen, zerkleinern, mörsern und sieben, um aus ihnen möglichst feine Farbpigmente für die weitere Gestaltung zu gewinnen.
4. UB: Unsere Naturfarben-Werkstatt„Wie verändert sich unsere Erdfarbe, wenn wir sie unterschiedlich anmischen?“Die Lernenden untersuchen Mischungen aus Erdpigment, Wasser und Bindemittel, indem sie Farbproben herstellen, auftragen und hinsichtlich Deckkraft, Struktur und Farbwirkung vergleichen, um Zusammenhänge zwischen Herstellung und malerischer Wirkung zu erkennen.
5. Pinsel aus der Natur„Welche Spuren können unsere selbst gebauten Pinsel hinterlassen?“Die Lernenden experimentieren mit hergestellten Malwerkzeugen aus Naturmaterialien, indem sie Werkzeugspuren untersuchen und vergleichen, um deren Ausdrucksmöglichkeiten für eigene Gestaltungen zu entdecken.
6. Pflanzen werden zu Farbe„Welche Pflanzen schenken uns Farbe?“Die Lernenden erweitern ihr Repertoire an Naturfarben, indem sie Pflanzenfarben gewinnen, ihre Farbintensität und Transparenz vergleichen und Veränderungen beobachten, um Unterschiede zwischen wahrzunehmen.
7. Mein Bild aus Naturfarben„Welche Naturfarbe und welches Werkzeug passen zu meiner Bildidee?“Die Lernenden entwickeln individuelle Bildideen, indem sie Naturfarben, Farbaufträge und selbst hergestellte Werkzeuge begründet auswählen und kombinieren, um entdeckte Materialwirkungen bewusst für eine eigene Gestaltung zu nutzen.
8. Unsere Naturfarben-Galerie„Was erzählen unsere Bilder über ihre Farben?“Die Lernenden reflektieren ihre Prozesse und Produkte, indem sie Farbproben und Bilder präsentieren, verwendete Materialien und Verfahren erklären und Wirkungen vergleichen, um ihre Erfahrungen sprachlich zu sichern.
Unterrichtsentwurf Naturfarben

Vertiefung der einzelnen Einheiten

Einheit 1: Wo versteckt sich Farbe? – Welche Farben finden wir draußen in der Natur?

Ich würde die Reihe nicht mit fertigen Farbgläsern im Klassenraum beginnen. Viel schöner finde ich die Frage: „Wenn wir keinen Malkasten hätten – wo könnten wir trotzdem Farbe finden?“ Daraus kann eine kleine Farbsuche entstehen.

Auf dem Schulhof, im Schulgarten oder bei einem Unterrichtsgang sammeln die Kinder:

  • verschiedenfarbige Erde,

  • Sand,

  • kleine Tonstücke,

  • heruntergefallene Blätter,

  • Blüten,

  • Beeren,

  • Rinde,

  • Kohle,

  • Ziegelsplitter,

  • kleine Steine.

Natürlich wird vorher besprochen, was gesammelt werden darf und was nicht. Lebende Pflanzen werden nicht herausgerissen und unbekannte Beeren oder Pflanzen nicht probiert. Zurück im Klassenraum entsteht ein großes Naturfarben-Archiv.

Die Kinder sortieren ihre Fundstücke vielleicht zunächst nach sichtbaren Farben:

gelb – rot – braun – grün – grau – schwarz.

Spannend wird es aber, wenn die Kategorien genauer werden:

  • „Das sind doch zwei ganz unterschiedliche Brauntöne!“

  • „Diese Erde ist gelblicher.“

  • „Der Stein sieht außen grau aus, innen aber heller.“

Genau solche Beobachtungen sind bereits Kunstlernen. Der Lehrplan sieht vor, dass Kinder Farben und farbige Materialien aus Alltag, Kunst und Natur sammeln, ordnen, beschreiben und hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Wirkungen untersuchen. 

Zentrale Erkenntnis: Farbe befindet sich nicht nur im Malkasten. Naturmaterialien besitzen ganz unterschiedliche Farbtöne und Materialeigenschaften.

Einheit 2: Naturmaterialien hinterlassen Spuren – Welche Dinge aus der Natur können eigentlich malen?

Jetzt würde ich noch keine Farbe anrühren. Die Kinder bekommen zunächst die Aufgabe:„Probiert aus, welche Fundstücke direkt eine Spur auf dem Papier hinterlassen.“

  • Ein Stück Kohle funktioniert sofort.

  • Eine weiche Blüte vielleicht ebenfalls.

  • Mit einem Stein passiert kaum etwas.

  • Ein Blatt lässt sich zerreiben.

  • Erde kann über das Papier gerieben oder mit dem Finger verteilt werden.

Verschiedene Quellen schlagen ebenfalls vor, mit Naturmaterialien auf unterschiedlichen Untergründen zu malen und neben Pinseln beispielsweise Finger, Federn oder Stöckchen als Werkzeuge einzusetzen.  Ich würde für diese Einheit ein Farbprobenblatt vorbereiten. 

Neben jede Spur schreiben oder zeichnen die Kinder:

  • Material,

  • Farbton,

  • Oberfläche,

  • Wirkung.

In Klasse 3 können Begriffe wie hell – dunkel – kräftig – blass – körnig – weich – deckend – durchscheinend nach und nach in einen gemeinsamen Wortspeicher aufgenommen werden.

Zentrale Erkenntnis: Unterschiedliche Naturmaterialien erzeugen unterschiedliche Farbspuren – und gerade diese Unterschiede können für das Gestalten interessant sein.

Einheit 3: Vom Fundstück zum Farbpulver – Wie bekommen wir die Farbe aus Erde, Stein und Ziegel heraus?

Jetzt geht es einen Schritt weiter. Die Kinder entdecken, dass ein festes Naturmaterial zuerst verändert werden muss, wenn daraus eine streichfähige Farbe entstehen soll. Gut eignen sich verschiedenfarbige Erden, trockener Ton, Kohle oder kleine Ziegelscherben. Das Material wird zunächst vollständig getrocknet.

Anschließend:

  • grob von Pflanzenresten und Steinchen befreit,

  • zerbröselt,

  • im Mörser möglichst fein gemahlen,

  • durch ein feines Sieb gegeben,

  • als Farbpulver gesammelt.

Auch das BIOTOPIA Lab beschreibt das Sieben und Mörsern als wichtigen Arbeitsschritt: Je feiner das entstandene Pulver ist, desto gleichmäßiger lässt es sich später als Farbe verarbeiten. Hier lässt sich schön der Begriff Pigment einführen. Kindgerecht würde ich sagen: „Das Pigment ist das feine Farbpulver. Es sorgt dafür, dass unsere Farbe überhaupt ihre Farbe bekommt.“

Noch spannender wird es, wenn die Kinder das trockene Pigment direkt auf ein Blatt geben. Es färbt, aber es haftet nicht richtig. Wenn man das Blatt bewegt, fällt ein Teil wieder herunter. Damit entsteht ganz natürlich die Frage für die nächste Einheit: Was fehlt unserem Farbpulver noch, damit daraus richtige Malfarbe wird?

Zentrale Erkenntnis: Viele Erdfarben entstehen erst, wenn ein farbiges Naturmaterial sehr fein zerkleinert wird. Das entstandene Farbpulver nennt man Pigment.

Einheit 4: Unsere Naturfarben-Werkstatt – Wie verändert sich unsere Erdfarbe, wenn wir sie unterschiedlich anmischen?

Diese Einheit würde ich als UB-Stunde auswählen. Wichtig wäre mir dabei, dass die Kinder nicht erst während des Unterrichtsbesuchs eine halbe Stunde Erde mörsern. Die Pigmente würde ich in der vorherigen Einheit herstellen und trocken in kleinen Gläsern aufbewahren.

Jetzt steht wirklich die malerische Wirkung im Mittelpunkt. Jede Gruppe erhält möglichst dasselbe oder ein vergleichbares Erdpigment und stellt unterschiedliche Farbproben her.

  • Probe A: Pigment + relativ viel Wasser

  • Probe B: Pigment + Wasser + wenig Kleister

  • Probe C: Pigment + Wasser + etwas mehr Bindemittel

Die Kinder tragen alle drei Varianten auf eine Farbprobenkarte auf. Dann vergleichen sie:

  • Welche Farbe ist eher durchsichtig?

  • Welche wirkt deckend?

  • Wo sieht man die Körnigkeit besonders?

  • Welche lässt sich leicht verstreichen?

  • Welche haftet nach dem Antrocknen gut?

  • Welche Farbspur gefällt mir für welche Wirkung?

Das finde ich als Kunststunde viel stärker als die reine Frage: „Wie stellt man Farbe her?“ Denn die Kinder merken: Die Art, wie ich ein Material herstelle, beeinflusst später mein Bild.

Das BIOTOPIA Lab erklärt, dass Farbe grundsätzlich aus unterschiedlichen Bestandteilen bestehen kann und bei Erdfarben insbesondere Pigment und Bindemittel wichtig sind. Das Bindemittel sorgt dafür, dass die Pigmentteilchen auf dem Untergrund haften. Der WWF nennt für Erdfarben als praktikable Orientierung ungefähr Erde : Wasser : Kleister = 10 : 10 : 1. Das würde ich aber nicht als einzig „richtiges Rezept“ vorgeben. Gerade das Variieren und Vergleichen ist für den Kunstunterricht interessant.

Zentrale Erkenntnis: Eine Naturfarbe verändert ihre Wirkung je nachdem, wie sie hergestellt und angemischt wird. Künstler*innen können diese Unterschiede für ihre Gestaltung nutzen.

Einheit 5: Pinsel aus der Natur – Welche Spuren können unsere selbst gebauten Pinsel hinterlassen?

Nachdem die Kinder ihre eigenen Farben hergestellt haben, würde ich auch die Werkzeuge hinterfragen. Muss ein Pinsel immer aussehen wie unser Schulpinsel? Aus kleinen Zweigen können Pinsel mit Gräsern, Blättern, Federn oder Pflanzenfasern entstehen.

Auch ein Stock kann zum Ritz-, Tupf- oder Zeichenwerkzeug werden. Der WWF nennt neben klassischen Pinseln unter anderem Federn und zugespitzte Stöckchen als mögliche Malwerkzeuge für Naturfarben. Jedes Werkzeug bekommt einen Platz auf dem Spurenarchiv.

Die Kinder streichen – tupfen – ziehen – spritzen – rollen – drücken. Dann wird verglichen. Damit kommt ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Nicht nur die Farbe beeinflusst das Bild – auch das Werkzeug verändert seine Wirkung.

Zentrale Erkenntnis: Verschiedene Malwerkzeuge erzeugen unterschiedliche Spuren. Diese Spuren können bewusst für eine Bildidee ausgewählt werden.

Einheit 6: Pflanzen werden zu Farbe – Welche Pflanzen schenken uns Farbe?

Erst jetzt würde ich die Erdfarben um Pflanzenfarben erweitern. Das ist für die Kinder meistens überraschend, weil die entstehenden Farben teilweise nicht so aussehen wie die Pflanze selbst. Sehr einfach lassen sich beispielsweise verwenden:

  • Rote Bete für Rot- und Pinktöne,

  • Rotkohl für Violett,

  • Spinat für Grün,

  • Löwenzahn für Gelbtöne,

  • Brombeeren für kräftige Rot- und Blautöne.

Ökoeleo beschreibt sowohl das Zerkleinern und Auskochen als auch die einfachere Möglichkeit, frische Blätter oder Blüten im Mörser mit wenigen Tropfen Wasser zu zerreiben. Manche Blüten lassen sich sogar unmittelbar über das Papier reiben. 

Mit einer dritten Klasse würde ich möglichst viele kalte Herstellungsverfahren nutzen. Alles, was gekocht werden muss, würde ich entweder vorher vorbereiten oder selbst übernehmen.

Besonders schön finde ich als kleine Erweiterung Rotkohlfarbe. Rotkohlsaft verändert seine Farbe abhängig davon, womit er in Kontakt kommt. Mit etwas Zitronensaft kann sich der violette Farbton beispielsweise deutlich in Richtung Pink oder Rot verändern. (Leseliebe)

Zentrale Erkenntnis: Auch Pflanzen enthalten Farbstoffe. Pflanzenfarben besitzen andere Eigenschaften als Erdfarben und können sich während des Gestaltens sogar verändern.

Einheit 7: Mein Bild aus Naturfarben – Welche Naturfarbe und welches Werkzeug passen zu meiner Bildidee?

Bis zu diesem Punkt haben die Kinder viel experimentiert. Jetzt ist mir wichtig, dass aus den Farbproben nicht nur eine Materialwerkstatt bleibt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in eine eigene Gestaltung übergehen. Der Arbeitsauftrag könnte bewusst offen sein: „Gestalte ein Bild, bei dem du die besonderen Wirkungen deiner Naturfarben bewusst nutzt.“

Denkbar wären:

  • Landschaften,

  • Fantasiewelten,

  • abstrakte Naturbilder,

  • Tierdarstellungen,

  • Muster,

  • Spurenbilder,

  • Bilder, die nur aus unterschiedlichen Erdschichten bestehen.

Die Kinder planen zunächst:

  • Welche Farbe möchte ich verwenden?

  • Soll sie deckend oder eher durchscheinend wirken?

  • Welche Oberfläche passt zu meinem Motiv?

  • Welche Spur möchte ich mit meinem Werkzeug erzeugen?

Dadurch wird aus dem vorherigen Experimentieren eine echte gestalterische Entscheidung und genau darin sehe ich den entscheidenden Lernzuwachs der Reihe: „Ich weiß, wie meine Naturfarbe wirkt, und kann diese Wirkung für mein Bild nutzen.“

Einheit 8: Unsere Naturfarben-Galerie – Was erzählen unsere Bilder über ihre Farben?

Zum Abschluss entsteht eine kleine Ausstellung. Dabei würde ich nicht nur die fertigen Bilder präsentieren, sondern auch den Entstehungsprozess sichtbar machen. Neben einem Bild könnten liegen:

  • das ursprüngliche Naturmaterial,

  • das Pigment,

  • eine Farbprobe,

  • das verwendete Naturwerkzeug,

  • ein kleiner Erklärungssatz.

Zum Beispiel: „Ich habe gelbe Erde fein gemörsert und mit wenig Kleister gemischt. Die Farbe wurde dadurch ziemlich deckend.“ Oder: „Mit meinem Gräserpinsel habe ich viele dünne Linien bekommen. Deshalb habe ich ihn für das Gras in meinem Bild verwendet.“

Genau diese Reflexion macht sichtbar, dass es in der Reihe nicht nur um ein schönes Endprodukt ging. Die Kinder haben Material untersucht, Wirkungen entdeckt und daraus gestalterische Entscheidungen entwickelt.

Zentrale Erkenntnis: Künstlerische Ergebnisse entstehen aus Entscheidungen über Material, Werkzeug und Gestaltung – und diese Entscheidungen können wir erklären und miteinander vergleichen.

Unterrichtsentwurf Naturfarben

UB-Stunde

Thema der Stunde

Unsere Naturfarben-Werkstatt – Zusammenhänge zwischen der Herstellung von Erdfarben und ihrer malerischen Wirkung untersuchen

Kindgerechte Forscherfrage

„Wie verändert sich unsere Erdfarbe, wenn wir sie unterschiedlich anmischen?“

Ziel der Stunde

Die Lernenden erweitern ihre Erfahrungen im Umgang mit selbst hergestellten Farben, indem sie unterschiedliche Mischungen aus Erdpigment, Wasser und Bindemittel herstellen, deren Farbauftrag hinsichtlich Deckkraft, Struktur und Verarbeitbarkeit vergleichen und ihre Beobachtungen versprachlichen, um Zusammenhänge zwischen Herstellungsweise und malerischer Wirkung zu erkennen und für spätere eigene Gestaltungen nutzen zu können.

Verlauf der Stunde

PhaseInhaltSozialform / MethodeMaterial
EinstiegDie Lehrkraft zeigt zwei unterschiedliche Farbproben aus demselben Erdpigment: eine dünne, durchscheinende und eine kräftigere, deckendere Spur. Impuls: „Beide Farben wurden aus genau derselben Erde hergestellt. Wie kann das sein?“Plenum / stummer Impulszwei Farbproben
Vorwissen aktivierenDie Kinder erinnern sich an Pigment und an die Herstellung des Farbpulvers. Ein wenig trockenes Pigment wird auf Papier gegeben: „Können wir damit schon richtig malen?“PlenumErdpigment, Papier
ForscherfrageGemeinsam wird formuliert: „Wie verändert sich unsere Erdfarbe, wenn wir sie unterschiedlich anmischen?“PlenumTafel / Forscherfrage
ArbeitsauftragDie Gruppen erhalten vorbereitete Mischaufträge. Sie stellen zwei oder drei Varianten derselben Erdfarbe her und tragen jede Variante auf eine Farbprobenkarte auf.KleingruppePigment, Wasser, Kleister, Pipetten/Löffel, Schälchen
ErprobungDie Kinder verstreichen ihre Farben mit möglichst gleichem Werkzeug. Sie untersuchen Deckkraft, Struktur, Farbintensität und Verarbeitbarkeit.Gruppenarbeit / MaterialexperimentPinsel, festes Papier, Farbprobenkarte
ZwischenreflexionDie Gruppen vergleichen ihre Proben: „Was fällt euch auf?“ Begriffe wie durchscheinend, deckend, körnig, flüssig, dick werden gesammelt.Partnergespräch / WortspeicherWortkarten
SicherungAusgewählte Farbproben werden nebeneinander präsentiert. Die Kinder stellen Beziehungen her: „Wenn …, dann wirkt die Farbe …“Plenum / VergleichFarbproben, Dokumentenkamera
TransferZwei Bildausschnitte werden gezeigt, beispielsweise „leichter Himmel“ und „kräftiger Erdboden“. Frage: „Welche unserer Farben würdet ihr wofür wählen – und warum?“Plenum / begründete AuswahlBildimpulse
AbschlussRückbezug auf die Forscherfrage. Möglicher Merksatz: „Wie wir eine Farbe anmischen, verändert, wie sie auf dem Bild wirkt.“BlitzlichtTafel

Anforderungsbereiche

AB I: Die Lernenden benennen bekannte Materialien und Arbeitsschritte der Farbherstellung und beschreiben sichtbare Merkmale ihrer Farbproben, beispielsweise hell, dunkel, dick, flüssig, körnig oder durchscheinend.

AB II: Die Lernenden vergleichen unterschiedliche Mischungen und stellen Zusammenhänge zwischen Mischungsverhältnis, Farbauftrag und Wirkung her.

AB III: Die Lernenden beurteilen die Eignung unterschiedlicher Naturfarben für bestimmte gestalterische Absichten und begründen, welche Mischung sie für eine gewünschte Bildwirkung auswählen würden.

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Differenzierungsmöglichkeiten

Unterstützend:

  • Mischmengen über farbige Dosierlöffel oder Symbole darstellen.

  • Nur zwei statt drei Mischungen vergleichen lassen.

  • Bereits fein gemahlenes Pigment bereitstellen.

  • Bildkarten für Begriffe wie deckend, durchscheinend, körnig, glatt verwenden.

  • Satzstarter anbieten: „Diese Farbe wirkt …, weil …“

  • Vergleichsfragen auf Karten bereitstellen.

  • Einen Teil der Mischung gemeinsam vormachen.

  • Kinder in festen Zweierteams arbeiten lassen.

  • Größere Schälchen und dickere Pinsel verwenden.

  • Farbproben bereits in klar abgegrenzte Felder eintragen lassen.

  • Beobachtungen dürfen zunächst angekreuzt statt vollständig verschriftlicht werden.

Erweiternd:

  • Mischungsverhältnisse selbstständig verändern und dokumentieren.

  • Unterschiedliche Untergründe zusätzlich untersuchen.

  • Die Begriffe deckend und lasierend fachsprachlich verwenden.

  • Zwei verschiedene Erdpigmente miteinander vergleichen.

  • Eigene Mischrezepte entwickeln.

  • Eine gewünschte Wirkung vorgeben und die passende Mischung selbst herstellen.

  • Farbwirkung nach dem Trocknen erneut untersuchen.

  • Zusammenhänge zwischen Pigmentgröße und Oberflächenwirkung beschreiben.

  • Naturfarben gezielt miteinander kombinieren.

  • Ein persönliches Naturfarben-Buch mit besonders gelungenen Mischungen anlegen.

Ideen für Klasse 1 bis 4

KlasseMögliche Umsetzung
1Vor allem sinnlich und spielerisch arbeiten: Naturfarben sammeln, sortieren, mit Blüten, Erde und Kohle direkte Spuren erzeugen und erste Malwerkzeuge aus der Natur ausprobieren. Die Herstellung komplexerer Farbmischungen übernimmt teilweise die Lehrkraft.
2Naturmaterialien zunehmend selbstständig zerkleinern und einfache Erd- oder Pflanzenfarben herstellen. Unterschiede über Begriffe wie hell, dunkel, kräftig, blass, glatt und körnig beschreiben.
3Herstellungsverfahren systematisch vergleichen, Mischungen variieren, Wirkungen versprachlichen und die gewonnenen Erkenntnisse bewusst für eigene Bildideen einsetzen. Hier würde ich die beschriebene Reihe vollständig durchführen.
4Wirkungszusammenhänge noch stärker untersuchen und begründen. Unterschiedliche Farbaufträge, Untergründe und Mischungsverhältnisse gezielt für eine gestalterische Absicht wählen und den eigenen Prozess ausführlicher reflektieren.

Materialideen

MaterialEinsatz
Verschiedenfarbige ErdeHauptmaterial für Erdpigmente; besonders schön sind gelbliche, rötliche, graue und dunkle Böden.
Sand und TonErgänzen die Farbpalette und ermöglichen unterschiedliche Oberflächenwirkungen.
ZiegelscherbenKönnen vorsichtig zu rötlichem Pigment verarbeitet werden; nur geeignete, saubere Fundstücke verwenden.
KohleErgibt ein kräftiges dunkles Pigment und kann auch unmittelbar zeichnerisch eingesetzt werden.
MörserZum möglichst feinen Zerkleinern trockener Naturmaterialien.
Grobes und feines SiebEntfernt Pflanzenteile und größere Partikel aus der Erde.
KleisterEinfaches Bindemittel für Erdpigmente.
Wasser und PipettenErmöglichen relativ kontrolliertes Variieren der Farbflüssigkeit.
Kleine Gläser oder SchälchenFür einzelne Farbmischungen und Pigmente.
Festes Zeichen- oder AquarellpapierBesonders für wasserreiche Pflanzenfarben sinnvoll, da dünnes Kopierpapier schnell aufweicht. Ökoeleo empfiehlt ebenfalls stärkeres Aquarellpapier für Pflanzenfarben. 
Rote BeteErgibt kräftige Rot- bis Pinktöne.
RotkohlErgibt violette Farbtöne und eignet sich zusätzlich für Farbveränderungen mit Zitronensaft.
SpinatFür grüne Pflanzenfarbe; für Klasse 3 würde ich Spinat eher verwenden als Brennnesseln.
Löwenzahn / geeignete BlütenKönnen für gelbliche Farbspuren genutzt werden.
Federn, Zweige, Gräser und BlätterFür selbst hergestellte Malwerkzeuge.
Schürzen und TischunterlagenNaturfarben färben teilweise sehr stark – besonders Rote Bete und Beeren.
FarbprobenkartenDokumentieren Materialien, Mischungen, Farbaufträge und Wirkungen.
Naturfarben-ArchivKleine Gläser, Farbkarten und Fundstücke machen den Lernprozess über die gesamte Reihe sichtbar.
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Typische Schwierigkeiten

  • Die Erde ist noch feucht: Vor dem Sieben und Mörsern sollte sie vollständig trocknen.

  • Das Pigment bleibt grob: Mehrfaches Mörsern und Sieben verbessert den Farbauftrag.

  • Die Farbe bröselt nach dem Trocknen ab: Bei Erdpigmenten kann ein geeignetes Bindemittel notwendig sein; Wasser allein bindet die Partikel nur eingeschränkt. 

  • Alle Gruppen mischen völlig unterschiedliche Mengen: Für vergleichbare Ergebnisse im UB zunächst klare Dosierungen vorgeben.

  • Die Kinder suchen nach der „richtigen“ Mischung: Deutlich machen, dass unterschiedliche Mischungen unterschiedliche gestalterische Wirkungen ermöglichen.

  • Pflanzenfarben sind blass: Farbintensität variiert stark und gehört zum Experimentieren dazu.

  • Pflanzenfarben verändern sich beim Trocknen: Dies nicht als Fehler, sondern als Materialeigenschaft thematisieren.

  • Pflanzenfarben verderben: Frisch herstellen und nur kleine Mengen ansetzen. Reste gekühlt lagern und vor erneuter Verwendung Geruch, Aussehen und Konsistenz prüfen.

  • Unbekannte Pflanzen: Nur eindeutig bestimmte, ungiftige Pflanzen verwenden.

  • Brennnesseln werden angefasst: Für Klasse 3 würde ich lieber Spinat nutzen oder Brennnesseln ausschließlich vorbereitet mit Schutzmaßnahmen einsetzen.

  • Heiße Pflanzenextrakte werden im Klassenraum hergestellt: Kochen und der Umgang mit heißen Flüssigkeiten bleiben Aufgabe der erwachsenen Person.

  • Pürierstab oder Mixer: Diese Geräte ausschließlich durch Erwachsene bedienen.

  • Rote Bete und Beeren: Schürzen, Tischschutz und klare Materialplätze vorbereiten.

  • Die Herstellung nimmt die gesamte Kunststunde ein: Materialien auf mehrere Einheiten verteilen und beispielsweise Pigmente bereits vor dem UB vorbereiten.

  • Das Thema wird zu naturwissenschaftlich: Immer wieder zur kunstfachlichen Frage zurückkehren: Wie verändert das Material die Wirkung meines Bildes?

  • Alle Bilder sollen am Ende gleich aussehen: Der Schwerpunkt liegt auf individuellen Materialentscheidungen und nicht auf einem vorgegebenen Bastelprodukt.

Lehrplanbezug NRW

Kaum ein Recherchethema hat bisher so unmittelbar zu einer einzelnen Formulierung im Lehrplan gepasst wie dieses. Die Reihe ist insbesondere dem Bereich Malen zuzuordnen.

Der Lehrplan NRW beschreibt grundsätzlich, dass Kinder unterschiedliche Malwerkzeuge, Auftragstechniken, Malgründe und farbige Materialien erforschen sollen. Sie sollen die Veränderbarkeit und Wirkung von Farben erproben und beschreiben. 

Für die Schuleingangsphase sieht der Lehrplan unter anderem vor, dass die Kinder:

  • Farben und farbige Materialien aus Alltag, Kunst und Natur sammeln und eigene Ordnungen herstellen,

  • mit Malwerkzeugen, Auftragstechniken und farbigen Materialien experimentieren,

  • experimentell neue Farbtöne herstellen und deren Entstehung und Wirkung beschreiben,

  • individuelle Bildideen mit malerischen Gestaltungsmitteln und Werkzeugen realisieren.

Bis zum Ende von Klasse 4 werden diese Kompetenzen weiter ausgebaut. Besonders relevant ist die ausdrückliche Erwartung, dass die Schüler*innen mit Farbaufträgen, Untergründen und „Farbherstellung“ experimentieren und Zusammenhänge zwischen Einsatz und Wirkung erläutern.  Damit eignet sich Klasse 3 aus meiner Sicht besonders gut.

Die Kinder befinden sich zwischen den Kompetenzerwartungen der Schuleingangsphase und denen am Ende der vierten Klasse. Das reine Ausprobieren kann deshalb zunehmend erweitert werden um: Beobachten → Vergleichen → Zusammenhänge erkennen → Gestaltungsentscheidungen treffen → Wirkungen begründen.

Zusätzlich ist der Bereich „Bilder betrachten und verstehen“ mitgedacht. Der Lehrplan fordert, dass produktive Bereiche mit Wahrnehmung und Reflexion verbunden werden. Kinder sollen Sinneseindrücke beschreiben, Gestaltungsprozesse vergleichen und eigene Produkte sowie Prozesse präsentieren. 

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Sachanalyse

  • Naturfarben ist im schulischen Kontext ein Sammelbegriff für Farben, deren farbgebende Bestandteile aus natürlichen Materialien wie Erde, Gestein oder Pflanzen gewonnen werden.

  • Bei Erdfarben bilden sehr fein zerkleinerte mineralische beziehungsweise erdige Bestandteile das farbgebende Pigment.

  • Ein Pigment ist vereinfacht gesagt ein sehr feines farbiges Material, das der Farbe ihren sichtbaren Farbton gibt.

  • Für eine gut haftende Malfarbe reicht trockenes Pigment allein nicht aus. Ein Bindemittel verbindet die Partikel miteinander und unterstützt die Haftung auf dem Malgrund.

  • Erde kann unterschiedliche Farbtöne besitzen: gelblich, rötlich, grau oder dunkelbraun. Unterschiede hängen unter anderem von der Zusammensetzung des Bodens und den enthaltenen Mineralien beziehungsweise organischen Bestandteilen ab.

  • Durch Trocknen, Zerkleinern und Sieben entsteht ein feineres Pigment. Je feiner das Material ist, desto gleichmäßiger kann die daraus hergestellte Farbe erscheinen. 

  • Eine schulpraktische Möglichkeit besteht darin, Erde, Wasser und Kleister ungefähr im Verhältnis 10 : 10 : 1 zu mischen.

  • Unterschiedliche Wassermengen und Bindemittelanteile beeinflussen Konsistenz, Deckkraft, Oberflächenstruktur und Verarbeitung.

  • Pflanzenfarben unterscheiden sich von klassischen Erdpigmenten. Hier werden Farbstoffe durch Zerreiben, Pressen oder Auskochen aus Pflanzenmaterial gewonnen.

  • Geeignete Ausgangsmaterialien sind unter anderem Rote Bete, Rotkohl, Spinat, Löwenzahn und bestimmte Beeren.

  • Pflanzenfarben wirken häufig transparenter als Erdfarben und können stärker auf Licht, Zeit und andere Stoffe reagieren.

  • Rotkohlfarbe eignet sich für eine besondere Farbveränderung: Saure Stoffe wie Zitronensaft verändern den violetten Farbton in Richtung Rot beziehungsweise Pink.

  • Selbst hergestellte Pflanzenfarben sind nur begrenzt haltbar. Für den Unterricht sollten deshalb kleine Mengen möglichst frisch angesetzt werden. 

  • Naturfarben sind nicht automatisch ungefährlich. Für den Grundschulunterricht dürfen ausschließlich eindeutig bestimmte und ungiftige Materialien verwendet werden.

  • Die Herstellung von Naturfarben ist kunsthistorisch keineswegs neu. Menschen verwendeten natürliche Pigmente lange bevor industriell produzierte Farben verfügbar waren.

  • Für den Kunstunterricht steht nicht die naturwissenschaftlich vollständige Analyse der Stoffe im Mittelpunkt, sondern die ästhetische Erfahrung und der Zusammenhang zwischen Material, Bearbeitung, Farbe, Auftrag und Wirkung.

Didaktische Begründung

  • Perspektivwechsel auf Farbe: Kinder erleben Farbe normalerweise als fertiges Produkt. Die Reihe öffnet den Blick dafür, dass Farbe selbst ein gestaltbares Material ist.

  • Ästhetisches Forschen: Die Kinder entdecken nicht nur über Erklärungen, sondern durch Wahrnehmen, Sammeln, Reiben, Mörsern, Mischen und Malen.

  • Hoher sinnlicher Anteil: Optik, Haptik und teilweise auch Geruch spielen eine Rolle. Dadurch wird Farbe nicht nur visuell wahrgenommen.

  • Materialerfahrung: Unterschiedliche Erden, Pflanzen und Werkzeuge erzeugen jeweils eigene Oberflächen und Spuren.

  • Offene Ergebnisse: Naturfarben sind nicht völlig kontrollierbar. Intensität, Körnigkeit und Veränderung schaffen Raum für Entdeckungen statt identischer Endprodukte.

  • Selbstwirksamkeit: Aus einem zunächst unscheinbaren Stück Erde entsteht durch die eigene Bearbeitung tatsächlich ein Gestaltungsmaterial.

  • Prozess vor Produkt: Nicht nur das fertige Bild zählt. Proben, Fehlversuche, veränderte Mischungen und Entdeckungen gehören ausdrücklich zum künstlerischen Prozess.

  • Vom Experiment zur Gestaltung: Die Reihe endet nicht beim Ausprobieren. Kinder nutzen ihre Materialerfahrungen anschließend bewusst für eigene Bildideen.

  • Fachsprachliche Entwicklung: Begriffe wie Pigment, Bindemittel, deckend, durchscheinend/lasierend, Farbauftrag entstehen aus konkreten eigenen Erfahrungen.

  • Gestalterische Entscheidungsfähigkeit: Kinder lernen zunehmend zu begründen, warum sie eine bestimmte Farbe oder ein bestimmtes Werkzeug auswählen.

  • Naturwahrnehmung: Ein zunächst „brauner“ Boden wird plötzlich als Raum vieler Gelb-, Rot-, Grau- und Brauntöne wahrgenommen.

  • Nachhaltigkeitsgedanke ohne Moralkeule: Kinder erfahren, dass Gestaltungsmaterialien nicht ausschließlich industriell hergestellt sein müssen.

  • Natürliche Differenzierung: Während einige Kinder zunächst Materialspuren vergleichen, können andere bereits Mischverhältnisse systematisch untersuchen und Wirkungszusammenhänge begründen.

  • UB-Eignung: Die Veränderung einer Farbe ist unmittelbar sichtbar. Dadurch lassen sich Hypothesen, Handlung, Wahrnehmung und Reflexion innerhalb einer Stunde gut miteinander verbinden.

  • Curriculare Passung: Farbherstellung mit Erd- und Pflanzenfarben wird im Lehrplan aufgeführt. 

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Methodische Begründung

  • Sammeln und Ordnen: Macht die Vielfalt von Naturfarben zunächst sichtbar und knüpft unmittelbar an Wahrnehmung an.

  • Materialtische: Ermöglichen übersichtliches, selbstständiges Arbeiten und begrenzen gleichzeitig das Chaos.

  • Farbprobenkarten: Machen flüchtige Materialexperimente vergleichbar und sichern Beobachtungen.

  • Mörsern und Sieben: Die Kinder erleben unmittelbar, dass sich Materialeigenschaften durch Bearbeitung verändern.

  • Vergleichsexperimente: Gleiche Pigmente mit unterschiedlichen Mischungen ermöglichen klare Aussagen über die Wirkung des Herstellungsverfahrens.

  • Variablen im UB: Statt viele Pflanzen und Erden gleichzeitig anzubieten, wird eine zentrale Veränderung untersucht. Dadurch bleibt der Lerngegenstand sichtbar.

  • Wortspeicher: Unterstützt die genaue Beschreibung ästhetischer Wahrnehmungen.

  • Partner- und Gruppenarbeit: Materialherstellung eignet sich für kooperative Arbeit und ermöglicht sprachlichen Austausch während des Gestaltens.

  • Naturwerkzeuge: Erweitern das Verständnis davon, was ein künstlerisches Werkzeug sein kann.

  • Freie Erprobungsphasen: Ermöglichen individuelle Entdeckungen, ohne sofort auf ein bestimmtes Produkt hinzuarbeiten.

  • Gezielte Reflexionsstopps: Verhindern, dass die Reihe ausschließlich aus praktischem Tun besteht.

  • Transferfragen: „Für welche Bildwirkung würdest du diese Farbe wählen?“ verbinden Experiment und Gestaltung.

  • Individuelle Abschlussgestaltung: Die Kinder wenden die zuvor gewonnenen Erkenntnisse selbstständig an.

  • Galerie und Prozesspräsentation: Nicht nur das Endprodukt, sondern auch Material, Farbproben und Entscheidungen werden sichtbar und wertgeschätzt.

  • Dokumentation über ein Naturfarben-Archiv: Unterstützt den roten Faden der gesamten Unterrichtsreihe.

Mein Fazit

Ich hätte ehrlich gesagt zunächst gedacht, dass Farben aus Naturmaterialien herstellen eher eine nette einzelne Kunststunde oder vielleicht sogar eine Sachunterrichtsidee ist. Aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto spannender finde ich es aber gerade aus kunstfachlicher Sicht.

Denn die zentrale Erkenntnis lautet: „Material, Herstellung, Werkzeug und Farbauftrag verändern die Wirkung meines Bildes.“ Und genau daraus lässt sich für mich eine richtig schöne Unterrichtsreihe entwickeln.

Die Kinder beginnen draußen mit einer simplen Suche nach Farbe und entdecken nach und nach, dass Erde zu Pigment werden kann, dass ein Bindemittel die Farbe verändert, dass Pflanzen völlig andere Farbqualitäten besitzen und dass selbst ein Bündel aus Gräsern plötzlich zum Malwerkzeug werden kann.

Die Kinder können bereits zunehmend systematisch vergleichen und ihre Beobachtungen versprachlichen, sind gleichzeitig aber noch unglaublich offen für dieses unmittelbare Staunen.

Eure Caro
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FAQ

  • Für welche Klasse eignet sich das Herstellen von Naturfarben?

    Naturfarben lassen sich grundsätzlich von Klasse 1 bis 4 einsetzen. Während in Klasse 1/2 das sinnliche Entdecken und Experimentieren im Mittelpunkt stehen kann, eignen sich Klasse 3 / 4 für Vergleiche von Herstellungsverfahren, Aufträgen und Wirkungen.

  • Passt das Thema zum Kunstlehrplan NRW?

    Ja, sogar sehr direkt. Im Bereich Malen nennt der Kunstlehrplan ausdrücklich das Experimentieren mit „Farbherstellung (Erd-/Pflanzenfarben)“ sowie die Untersuchung von Farbaufträgen und Wirkungen. (Lehrplan NRW)

  • Welche Naturmaterialien eignen sich für Farben?

    Für Erdfarben eignen sich Erde, Sand, Ton, Kohle und Ziegelscherben. Pflanzenfarben können aus Roter Bete, Rotkohl, Spinat, Löwenzahn und farbstarken Beeren gewonnen werden.

  • Wie stellt man Erdfarbe her?

    Trockene Erde wird fein gesiebt und gemörsert. Das Pigment kann anschließend mit Wasser und einem Bindemittel wie Kleister vermischt werden. Als Orientierung dient ein Mischungsverhältnis von etwa 10 Teilen Erde, 10 Teilen Wasser und 1 Teil Kleister.

  • Warum benötigt Erdfarbe ein Bindemittel?

    Ein Bindemittel unterstützt die Verbindung der Pigmentteilchen und sorgt dafür, dass die Farbe besser auf dem Malgrund haftet. Ohne Bindemittel können getrocknete Pigmente leichter wieder vom Papier abbröseln.

  • Welche UB-Stunde eignet sich zu Naturfarben?

    Für Klasse 3 eignet sich eine Farbwerkstatt, in der Kinder dasselbe Pigment unterschiedlich anmischen und untersuchen, wie sich Deckkraft, Struktur und Farbwirkung verändern.

  • Welche selbst gemachten Pinsel können Kinder verwenden?

    Aus Zweigen lassen sich Werkzeuge mit Gräsern, Federn oder geeigneten Blättern herstellen. Auch einzelne Stöcke, Finger und Federn erzeugen interessante Spuren.

  • Kann man mit Rotkohl experimentieren?

    Ja. Rotkohlfarbe reagiert auf unterschiedliche Stoffe. Durch Zitronensaft verändert sich der violette Farbton in Richtung Rot oder Pink. Für den Kunstunterricht kann diese Veränderung als zusätzliche gestalterische Möglichkeit untersucht werden.

  • Wie lange halten selbst gemachte Naturfarben?

    Das hängt von Material und Herstellungsweise ab. Pflanzenfarben sollten frisch verwendet werden. Reste können verschlossen und gekühlt aufbewahrt werden, sollten vor einer Nutzung aber immer hinsichtlich Geruch, Aussehen und Konsistenz kontrolliert werden. 

  • Was muss ich bei der Sicherheit beachten?

    Es sollten ausschließlich bekannte und ungiftige Naturmaterialien verwendet werden. Unbekannte Pflanzen oder Beeren gehören nicht in die Farbküche. Heiße Flüssigkeiten sowie elektrische Küchengeräte werden ausschließlich von Erwachsenen verwendet und Kleidung sowie Tische sollten wegen möglicher Verfärbungen geschützt werden.

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