Home > Religion/Ethik > Unterrichtsentwurf Stärken und Schwächen
Quickfacts
Die Reihe „Stärken und Schwächen“ eignet sich für Klasse 1 bis 4 und kann sowohl im sozialen Lernen als auch in Praktischer Philosophie bzw. Religion eingesetzt werden. Die Kinder setzen sich mit eigenen Fähigkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten, Unterschieden und gegenseitiger Wertschätzung auseinander.
Wichtig ist für mich, Schwächen nicht als feststehende Defizite zu behandeln. Formulierungen wie „Das fällt mir noch schwer“, „Ich brauche Unterstützung“ oder "Hier möchte ich mich weiterentwickeln“ öffnen den Blick für Veränderung und Entwicklung.
Der NRW-Lehrplan Praktische Philosophie passt direkt: Im Bereich „Das Ich – Das bin ich und das kann ich“ sollen Kinder unterschiedliche Stärken und Fähigkeiten erörtern, deren Bedeutung für das eigene Selbst beschreiben und Möglichkeiten zum Umgang mit eigenem Entwicklungspotenzial reflektieren. Auch der katholische Religionslehrplan greift die Einzigartigkeit jedes Menschen mit seinen Fähigkeiten, Möglichkeiten, Grenzen und Potenzialen ausdrücklich auf. (Lehrplan NRW)
Die Unterrichtsreihe ist als allgemeine Grundstruktur geplant. Ihr könnt sie genau so für euren Unterricht und auch für Unterrichtsbesuche nutzen, solltet sie aber immer an die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Lernstände eurer eigenen Klasse anpassen.
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Allgemeines
„Was kannst du super gut?“ Für manche Kinder ist diese Frage leicht, andere antworten: „Nichts.“ Und genau deshalb finde ich das Thema Stärken und Schwächen so wichtig. Dabei würde ich aber nicht bei einer Sammlung von Talenten wie: gut Fußball spielen, schön malen, schnell rechnen stehen bleiben. Auch Eigenschaften können Stärken sein: zuhören, geduldig sein, andere trösten, neugierig fragen, zuverlässig sein, mutig ausprobieren, genau beobachten oder Hilfe annehmen. Gleichzeitig muss kein Kind alles können.
Eine Schwierigkeit beschreibt außerdem nicht die ganze Person. Aus: „Ich bin schlecht in Mathe.“ kann werden: „Das Einmaleins fällt mir gerade noch schwer.“ Dieser Unterschied ist klein – aber pädagogisch enorm wichtig.
Für mich entwickelt sich die Reihe deshalb von der Frage: „Was sind überhaupt Stärken?“ über Selbst- und Fremdwahrnehmung hin zu einem tieferen Gedanken: „Macht mich das, was ich gut kann, eigentlich wertvoller?“ Gerade dadurch wird das Thema für Praktische Philosophie und Religion mehr als eine klassische Selbstwert-Einheit.

Reihenplanung
Thema der Reihe
Stärken und Schwächen – sich selbst und andere wahrnehmen, Entwicklungsmöglichkeiten erkennen und menschliche Vielfalt wertschätzen
Kindgerechte Themenformulierung
„Ich kann viel – und ich muss nicht alles können.“
Kernanliegen der Reihe
Die Lernenden erweitern ihre Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie zur ethischen beziehungsweise religiösen Reflexion, indem sie unterschiedliche Formen von Stärken kennenlernen, eigene Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten wahrnehmen, wertschätzende Rückmeldungen geben und die Verschiedenheit von Menschen reflektieren, um ein differenziertes Selbstbild zu entwickeln und zu erkennen, dass Fähigkeiten und Schwierigkeiten zum Menschsein gehören, ohne den Wert einer Person zu bestimmen.
Aufbau der Reihe
| Einheit | Forscherfrage | Kompetenzschwerpunkt |
|---|---|---|
| 1. Jeder kann etwas | „Was ist eigentlich eine Stärke?“ | Die Lernenden untersuchen unterschiedliche Fähigkeiten und Eigenschaften anhand fiktiver Figuren und Situationen, um ihr Verständnis von Stärken über sichtbare Leistungen hinaus zu erweitern. |
| 2. Das kann ich schon | „Welche Stärken stecken in mir?“ | Die Lernenden setzen sich mit eigenen Fähigkeiten, Eigenschaften und Interessen auseinander, um ein differenziertes und wertschätzendes Selbstbild zu entwickeln. |
| 3. Das sehe ich in dir | „Sehen andere Stärken in mir, die ich selbst nicht bemerke?“ | Die Lernenden vergleichen Selbst- und Fremdwahrnehmung und formulieren konkrete wertschätzende Rückmeldungen, um unterschiedliche Perspektiven auf eine Person wahrzunehmen. |
| 4. Noch nicht – aber vielleicht bald | „Was mache ich, wenn mir etwas schwerfällt?“ | Die Lernenden reflektieren Schwierigkeiten als mögliche Entwicklungsfelder und entwickeln Strategien wie Üben, Hilfe annehmen oder andere Lösungswege ausprobieren. |
| 5. Gemeinsam können wir mehr | „Warum ist es gut, dass wir nicht alle dieselben Stärken haben?“ | Die Lernenden untersuchen an kooperativen Situationen, wie unterschiedliche Fähigkeiten einander ergänzen, um Vielfalt als Ressource für Gemeinschaft wahrzunehmen. |
| 6. Was macht einen Menschen wertvoll? | „Bin ich mehr wert, wenn ich etwas besonders gut kann?“ | Die Lernenden unterscheiden Fähigkeiten und Leistungen vom Wert einer Person, indem sie ein Gedankenexperiment / fiktive Beispiele diskutieren und ihre Position begründen. Im Relisunterricht kann die christliche Perspektive der bedingungslosen Annahme einbezogen werden. |
| 7. Meine Stärken-Schatzkiste | „Was nehme ich über mich aus der Reihe mit?“ | Die Lernenden bündeln eigene Stärken, hilfreiche Rückmeldungen und ein persönliches Entwicklungsziel, um ihre Erkenntnisse aus der Reihe individuell zu sichern. |

Vertiefung der einzelnen Einheiten
Einheit 1: Jeder kann etwas – Was ist eigentlich eine Stärke?
Eine Tiergeschichte oder mehrere fiktive Figuren bilden den Einstieg. Ein Kind ist mutig, eines kann gut zuhören, ein anderes findet kreative Lösungen. Passend dazu kann die Geschichte um Spatz Ole aus dem Persen-Material genutzt werden. Anschließend sammeln und sortieren die Kinder verschiedene Stärken. Persen / Lehrerwelt – Stärken und Schwächen*
Lernzuwachs: Die Kinder erkennen, dass Stärken nicht nur schulische Leistungen oder besondere Talente sind, sondern auch Eigenschaften und soziale Fähigkeiten.
Einheit 2: Das kann ich schon – Welche Stärken stecken in mir?
Mit Stärkekarten, Bildimpulsen oder Satzanfängen wie: „Ich kann gut …“ „Andere können sich auf mich verlassen, wenn …“ entwickeln die Kinder ein eigenes Stärkenprofil. Die Ergebnisse müssen nicht öffentlich vorgestellt werden.
Lernzuwachs: Die Kinder können eigene Stärken konkreter benennen und zwischen Fähigkeiten, Interessen und Eigenschaften unterscheiden.
Einheit 3: Das sehe ich in dir – Was sehen andere in mir?
Jetzt kommt die Fremdwahrnehmung hinzu. Jedes Kind erhält wertschätzende Rückmeldungen, die möglichst konkret begründet werden: „Ich finde, dass du hilfsbereit bist, weil du …“ Wichtig: In dieser Stunde werden keine Schwächen anderer Kinder gesammelt.
Lernzuwachs: Die Kinder erleben, dass Selbst- und Fremdbild unterschiedlich sein können und andere Menschen manchmal Fähigkeiten wahrnehmen, die man selbst übersieht.
Einheit 4: Noch nicht – aber vielleicht bald – Was mache ich, wenn mir etwas schwerfällt?
An fiktiven Situationen wird zunächst unterschieden: „Ich kann das nicht.“ und: „Ich kann das noch nicht.“ Anschließend sammeln die Kinder Möglichkeiten: üben, um Hilfe bitten, einen anderen Weg ausprobieren, Pausen machen, sich kleine Ziele setzen. Hier passt auch eine Verbindung zum Growth Mindset in der Grundschule.
Lernzuwachs: Schwierigkeiten werden nicht als feste Eigenschaften einer Person verstanden, sondern als Bereiche, in denen Lernen, Unterstützung und Entwicklung möglich sind.
Einheit 5: Gemeinsam können wir mehr – Warum brauchen wir unterschiedliche Stärken?
Die Kinder erhalten eine fiktive Gruppenaufgabe. Verschiedene Figuren besitzen unterschiedliche Fähigkeiten:
eine Person kann gut planen,
eine gut zeichnen,
eine ruhig zuhören,
eine Ideen erklären,
eine erkennt kleine Fehler.
Die Kinder überlegen: „Warum wäre ein Team aus fünf vollkommen gleichen Menschen vielleicht gar nicht besonders praktisch?“
Lernzuwachs: Die Kinder erkennen, dass Unterschiede nicht nur toleriert werden müssen, sondern eine Gemeinschaft tatsächlich bereichern können.
Einheit 6: Was macht einen Menschen wertvoll? – Bin ich mehr wert, wenn ich etwas besonders gut kann?
Diese Einheit würde ich für den UB wählen. Ausgangspunkt ist eine fiktive Situation: Ein Kind kann viele Dinge besonders gut und bekommt ständig Anerkennung. Ein anderes braucht häufiger Unterstützung. Dann die Frage: „Ist eines der beiden Kinder deshalb mehr wert?“ In Praktischer Philosophie werden unterschiedliche Begründungen diskutiert.
In Reli kann eine christliche Perspektive ergänzt werden: Ein Mensch besitzt Würde und Bedeutung nicht erst durch seine Leistungen. Gut kann hierzu auch Petrus betrachtet werden – ein Mensch, der mutig und überzeugt auftreten kann, gleichzeitig aber Angst hat, scheitert und Jesus verleugnet. RAABE – Petrus, ein Mann mit Schwächen und Stärken*
Lernzuwachs: Die Kinder unterscheiden zunehmend zwischen „Was jemand kann“ und „was ein Mensch wert ist“.
Einheit 7: Meine Stärken-Schatzkiste – Was nehme ich über mich mit?
Zum Abschluss entsteht eine persönliche Stärken-Schatzkiste, ein kleines Portfolio oder ein Stärkenheft. Darin können stehen:
Das kann ich gut.
Das haben andere in mir gesehen.
Darauf bin ich stolz.
Das möchte ich noch lernen.
Dabei kann mir helfen …
Lernzuwachs: Die Kinder bündeln ihre Erkenntnisse in einem differenzierten Selbstbild aus Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten.

UB-Stunde
Thema der Stunde
Einheit 6: Was macht einen Menschen wertvoll? – Den Zusammenhang zwischen Fähigkeiten, Schwierigkeiten und dem Wert eines Menschen reflektieren und begründet beurteilen
Kindgerechte Forscherfrage
„Bin ich mehr wert, wenn ich etwas besonders gut kann?“
Ziel der Stunde
Die Lernenden erweitern ihre ethische / religiöse Urteilsfähigkeit, indem sie anhand fiktiver Personen unterschiedliche Fähigkeiten, Stärken und Schwierigkeiten mit deren Wert als Mensch in Beziehung setzen, verschiedene Positionen diskutieren und eigene Begründungen entwickeln, um zwischen Leistung / Können und dem grundsätzlich gleichen Wert eines Menschen zu unterscheiden.
Im Reliunterricht kann die Erkenntnis anschließend um die christliche Perspektive erweitert werden, dass menschliche Würde und Annahme nicht verdient werden müssen. Der katholische Lehrplan formuliert hier besonders deutlich die Einzigartigkeit jedes Menschen mit Fähigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen sowie Gottes bedingungslose Annahme.
Verlauf der Stunde
| Phase | Inhalt | Sozialform / Methode | Material |
|---|---|---|---|
| Einstieg | Zwei fiktive Kinder werden vorgestellt. Kind A kann vieles sehr gut und erhält häufig Anerkennung. Kind B braucht in mehreren Situationen Unterstützung. Impuls: „Ist eines der beiden Kinder mehr wert?“ | Plenum / Gedankenexperiment | Figurenkarten |
| Positionierung | Die Kinder positionieren sich zunächst zu unterschiedlichen Aussagen, beispielsweise: „Wer mehr kann, ist wichtiger.“ | Positionierung | Aussagekarten |
| Forscherfrage | „Bin ich mehr wert, wenn ich etwas besonders gut kann?“ | Plenum | Forscherfrage |
| Erarbeitung | Kleingruppen untersuchen weitere Situationen: Ein Kind kann schnell rechnen, eines tröstet gut, eines braucht selbst häufig Hilfe. Sie diskutieren, welche Eigenschaften wichtig sind und ob sie den Wert der Person verändern. | Gruppenarbeit | Fallkarten |
| Austausch | Die Gruppen stellen ihre Überlegungen vor. Gemeinsam wird zwischen Fähigkeit/Leistung und Wert der Person unterschieden. | Plenum / philosophisches Gespräch | Tafel |
| Religiöse Vertiefung – optional | Im Reliunterricht kann ein Ausschnitt aus der Petrusgeschichte oder ein Impuls zur bedingungslosen Annahme jedes Menschen eingebracht werden. | Plenum | Bibelgeschichte / Impuls |
| Sicherung | Die Kinder formulieren eigene Gedanken, z. B.: „Menschen können unterschiedliche Dinge gut. Ihr Wert hängt aber nicht davon ab.“ | Einzelarbeit / Plenum | Satzstreifen |
| Transfer | Neue Situation: Ein Kind sagt nach einer schlechten Arbeit: „Ich bin nichts wert.“ Die Kinder formulieren mögliche Antworten und begründen diese. | Partnerarbeit | Impulskarte |
| Abschluss | Rückbezug auf die Forscherfrage und erneute Positionierung. Veränderungen in den Begründungen werden sichtbar gemacht. | Plenum | Forscherfrage |

Anforderungsbereiche
AB I: Die Lernenden benennen unterschiedliche Fähigkeiten, Eigenschaften, Stärken und Schwierigkeiten von Personen.
AB II: Die Lernenden vergleichen unterschiedliche Menschen und Situationen und erklären, warum verschiedene Stärken unterschiedlich bedeutsam sein können.
AB III: Die Lernenden beurteilen die Aussage, der Wert eines Menschen hänge von seinen Fähigkeiten oder Leistungen ab, entwickeln eigene Begründungen und beziehen im Religionsunterricht gegebenenfalls christliche Deutungsangebote ein.
Differenzierungsmöglichkeiten
Unterstützend:
Stärken über Bildkarten darstellen.
Zunächst ausschließlich mit fiktiven Figuren arbeiten.
Eine begrenzte Auswahl an Stärkenkarten anbieten.
Satzstarter nutzen: „Eine Stärke von … ist …“
Satzstarter: „Das fällt … noch schwer.“
Eigene Stärken zeichnen statt aufschreiben.
Situationen vorlesen beziehungsweise bildlich darstellen.
Partnergespräche vor einer Plenumsäußerung ermöglichen.
Aussagen über Bodenpositionen beziehungsweise Symbolkarten bewerten lassen.
In Klasse 1/2 mit konkreten Alltagssituationen statt abstrakten Begriffen arbeiten.
Persönliche Reflexion nicht öffentlich machen.
Entwicklungsziele freiwillig und privat halten.
Erweiternd:
Zwischen Talent, Fähigkeit, Eigenschaft und Stärke unterscheiden.
Diskutieren: „Ist eine Eigenschaft immer eine Stärke?“
Situationen untersuchen, in denen Mut hilfreich, aber auch unvorsichtig sein kann.
Selbst- und Fremdbild vergleichen.
Geschlechterstereotype hinterfragen: „Können bestimmte Stärken nur Mädchen oder Jungen haben?“
Über angeborene und erworbene Fähigkeiten nachdenken.
Diskutieren, ob man jede Schwierigkeit unbedingt verändern muss.
Untersuchen, warum Menschen ihre eigenen Stärken manchmal nicht wahrnehmen.
Aussagen wie „Jeder ist in irgendetwas der Beste“ kritisch prüfen.
Über den Unterschied zwischen Selbstwert und Leistung sprechen.
Eine philosophische Definition von „Stärke“ entwickeln.
In Reli biblische Figuren hinsichtlich Stärken, Grenzen und Entwicklung vergleichen.

Ideen für Klasse 1 bis 4
| Klasse | Mögliche Umsetzung |
|---|---|
| 1 | Stärken vor allem anhand von Geschichten, Bildern und konkreten Situationen entdecken. Eigene Stärken können gemalt oder über einfache Satzanfänge beschrieben werden. „Schwächen“ würde ich eher als „Das übe ich noch“ formulieren. |
| 2 | Selbst- und Fremdwahrnehmung stärker miteinander verbinden. Die Kinder geben wertschätzende Rückmeldungen und entwickeln erste Strategien für Dinge, die ihnen noch schwerfallen. |
| 3 | Verschiedene Arten von Stärken unterscheiden, Entwicklungsfelder reflektieren und philosophische Fragen wie „Muss jeder alles können?“ oder „Machen Leistungen einen Menschen wertvoll?“ diskutieren. |
| 4 | Selbstbild, Fremdbild, gesellschaftliche Erwartungen und Stereotype differenzierter hinterfragen. Im Religionsunterricht können biblische Figuren mit ihren Ambivalenzen stärker einbezogen werden. |
Materialideen
| Material | Einsatz |
|---|---|
| Ich bin genau richtig. Genauso, wie ich bin!* | Tiergeschichten als kindgerechte Gesprächsimpulse zu Selbstbild, Selbstannahme und persönlichen Eigenschaften. |
| Gefühle wahrnehmen, beschreiben und zuordnen mit Eddie – 30 Bildkarten* | Besonders geeignet, wenn die Reihe mit Selbstwahrnehmung und dem sprachlichen Beschreiben eigener Gefühle verbunden wird. |
| Ich bin anders als du – Ich bin wie du: 20 Wendebildkarten* | Für Gespräche über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Vielfalt innerhalb einer Gemeinschaft. |
| Stärken-Schatzkiste für Kinder und Jugendliche – 120 Karten* | Umfangreiche Auswahl an Stärkenbegriffen für Selbstreflexion, Gespräch und Stärkenprofile. |
| So bleib ich stark – 52 Karten* | Ergänzend für Strategien rund um innere Stärke und den Umgang mit herausfordernden Situationen. |
| Großer Panda und Kleiner Drache Affirmationskarten* | Als einzelne Impulse für Reflexionsphasen oder ruhige Stundenanfänge einsetzbar. |
| 40 Stärkekarten für Kinder* | Besonders praktisch zum Sortieren, Auswählen und Versprachlichen unterschiedlicher Charakterstärken. |

Typische Schwierigkeiten
Stärken werden nur mit Leistung verbunden: Auch soziale, emotionale, kreative und charakterliche Fähigkeiten sichtbar machen.
„Schwäche“ klingt wie ein festes Defizit: Formulierungen wie „Das fällt mir noch schwer“ oder „Hier möchte ich mich weiterentwickeln“ verwenden.
Kinder sagen „Ich kann nichts gut“: Mit konkreten Alltagssituationen und Fremdwahrnehmung arbeiten, statt sofort weitere Selbstaussagen zu verlangen.
Stärken werden zu Etiketten: Nicht sagen „Du bist eben der schüchterne Typ“, sondern konkrete Verhaltensweisen beschreiben.
Kinder bewerten die Schwächen anderer: Fremdrückmeldungen nur wertschätzend auf Stärken beziehen; Entwicklungsfelder gehören der jeweiligen Person selbst.
Stärkenzettel werden zum Beliebtheitswettbewerb: Rückmeldungen strukturiert verteilen, damit jedes Kind gleichermaßen berücksichtigt wird.
Nur extrovertierte Eigenschaften gelten als Stärke: Auch Zuhören, Geduld, Beobachtung, Ruhe und Nachdenklichkeit sichtbar machen.
Kinder müssen Persönliches öffentlich preisgeben: Bei sensiblen Themen immer die Möglichkeit geben, fiktive Beispiele zu nutzen oder Ergebnisse privat zu halten.
„Jeder hat eine Superkraft“ erzeugt neuen Druck: Es muss nicht jedes Kind in irgendeinem Bereich außergewöhnlich sein. Alltägliche Fähigkeiten und Eigenschaften sind genauso bedeutsam.
Schwierigkeiten werden künstlich positiv umgedeutet: Nicht jede Schwierigkeit muss heimlich eine Stärke sein. Entscheidend ist ein wertschätzender und realistischer Umgang damit.
Kinder denken, sie müssten alle Schwächen beseitigen: Verdeutlichen, dass Menschen Unterstützung brauchen dürfen und niemand alles können muss.
Selbstoptimierung verdrängt Selbstannahme: Entwicklungsmöglichkeiten thematisieren, ohne daraus den Anspruch abzuleiten, ständig „besser“ werden zu müssen.
Leistung und Menschenwert werden vermischt: Gerade diese Unterscheidung ausdrücklich philosophisch beziehungsweise religiös reflektieren.
Religionsunterricht wird zu allgemeinem Sozialtraining: Die religiöse Perspektive wirklich über biblische Texte und christliche Deutungen erschließen.
Petrus wird auf „Er hatte halt auch Schwächen“ reduziert: Seine biblischen Erfahrungen differenziert betrachten: Mut, Vertrauen, Angst, Versagen und Neubeginn.
Kinder werden gezwungen, Glaubensaussagen zu übernehmen: Im Religionsunterricht biblisch-christliche Perspektiven als ernsthafte Deutungsangebote erschließen und unterschiedliche persönliche Zugänge respektieren.

Lehrplanbezug NRW
Für Praktische Philosophie passt die Reihe zum Bereich „Das Ich – Das bin ich und das kann ich“. Bereits in der Schuleingangsphase beschreiben Kinder ihre eigene Persönlichkeit einschließlich Eigenschaften und Fähigkeiten und setzen sich mit der Vielfalt unterschiedlicher Stärken auseinander. Bis Ende Klasse 4 sollen sie zwischen gegebenen und erworbenen Fähigkeiten unterscheiden, die Bedeutung eigener Stärken reflektieren und Möglichkeiten zum Umgang mit dem eigenen Entwicklungspotenzial formulieren. (Lehrplan NRW)
Das Fach Praktische Philosophie zielt dabei ausdrücklich auf Dialog-, Reflexions- und Urteilsfähigkeit und nimmt die Erfahrungen, Vorstellungen und Fragen der Kinder als Ausgangspunkt philosophischer Auseinandersetzung.
Im katholischen Reliunterricht ist der Bereich „Miteinander leben in Gottes Schöpfung – Ich – Du – Wir“ besonders passend. Die Kinder sollen die Einzigartigkeit jedes Menschen mit seinen Fähigkeiten, Möglichkeiten, Grenzen und Potenzialen erläutern, Vielfalt für das Zusammenleben beschreiben und Gottes bedingungslose Annahme jedes Menschen erschließen. Auch für den evangelischen Religunterricht ist der Gedanke der Selbstannahme und der Einmaligkeit im Kontext gelingender Gemeinschaft anschlussfähig; der Lehrplan verbindet Selbstwahrnehmung mit der Erfahrung, von Gott und anderen angenommen zu sein.
Damit trägt die Reihe je nach Fachprofil entweder stärker die philosophische Frage: „Was macht mich zu mir – und was macht einen Menschen wertvoll?“ oder die religiöse Frage: „Was bedeutet es, mit meinen Fähigkeiten und Grenzen von Gott angenommen zu sein?“

Sachanalyse
Stärken können als Fähigkeiten, Kompetenzen oder Persönlichkeitseigenschaften verstanden werden, die einer Person in bestimmten Situationen hilfreiche Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Dabei gehören nicht nur sichtbare Leistungen wie sportliche oder schulische Fähigkeiten zu Stärken, sondern auch Empathie, Ausdauer, Kreativität, Mut, Genauigkeit, Hilfsbereitschaft oder Zuhörfähigkeit.
Eine Stärke ist immer auch situationsbezogen. Eine Eigenschaft kann in einer Situation hilfreich und in einer anderen weniger angemessen sein.
Schwächen sollten pädagogisch nicht als unveränderliche negative Wesensmerkmale verstanden werden.
Sinnvoll ist die Unterscheidung zwischen einer Person und einem konkreten Bereich, der ihr momentan schwerfällt. Fähigkeiten können teilweise entwickelt und durch Übung, Erfahrung und Unterstützung verändert werden. Gleichzeitig muss nicht jede individuelle Grenze vollständig überwunden werden.
Selbstwahrnehmung beschreibt, wie eine Person sich selbst und ihre Eigenschaften wahrnimmt. Fremdwahrnehmung bezeichnet die Wahrnehmung einer Person durch andere. Beide Perspektiven können voneinander abweichen.
Wertschätzende Fremdrückmeldungen können bislang wenig wahrgenommene eigene Fähigkeiten sichtbar machen. Gleichzeitig darf Fremdwahrnehmung nicht zur Festlegung von Personen auf bestimmte Rollen führen.
Das Thema berührt die Frage nach dem Selbstwert: Der Wert eines Menschen ist nicht mit der Summe seiner Leistungen oder Fähigkeiten gleichzusetzen.
Im Kontext Praktischer Philosophie eröffnet dies Fragen nach Würde, Gleichwertigkeit, Identität und menschlicher Vielfalt.
In christlicher Perspektive kann Würde mit der Einzigartigkeit und der bedingungslosen Annahme des Menschen durch Gott in Beziehung gesetzt werden. Der Lehrplan formuliert eine Würde des Menschen jenseits bloßer Funktionalität und Verwertbarkeit.
Die Figur Petrus eignet sich als Beispiel für Ambivalenz: Menschen können Mut und Angst, Vertrauen und Versagen in sich vereinen und bleiben trotzdem nicht auf ihr Scheitern reduziert.
Ziel der Reihe sollte nicht sein, Kinder in „Starke“ und „Schwache“ einzuteilen, sondern ein differenziertes, entwicklungsorientiertes und wertschätzendes Menschenbild zu fördern.
Didaktische Begründung
Hoher Lebensweltbezug: Kinder vergleichen sich früh mit anderen und erleben unterschiedliche Fähigkeiten im Schulalltag unmittelbar.
Differenziertes Selbstbild: Der Blick wird von einzelnen Leistungen auf soziale, emotionale, kreative und persönliche Fähigkeiten erweitert.
Selbstwahrnehmung: Kinder üben, eigene Eigenschaften genauer zu beschreiben.
Fremdwahrnehmung: Wertschätzende Rückmeldung eröffnet zusätzliche Perspektiven auf die eigene Person.
Entwicklungsorientierung: Schwierigkeiten werden weder beschönigt noch als unveränderliche Defizite festgeschrieben.
Philosophisches Lernen: Fragen nach Identität, Verschiedenheit und menschlichem Wert besitzen keine bloße Arbeitsblattlösung und laden zum Nachdenken ein.
Religiöses Lernen: Im Reliunterricht können Selbst- und Gemeinschaftserfahrungen mit biblisch-christlichen Deutungen in Beziehung gesetzt werden.
Vielfalt: Unterschiedliche Fähigkeiten werden nicht nur toleriert, sondern als Ressource für Gemeinschaft untersucht.
Kritik an Leistungsorientierung: Die Reihe bietet einen geschützten Raum, um den Unterschied zwischen Können und Wert zu reflektieren.
Keine erzwungene Selbstoffenbarung: Sensible persönliche Themen können zunächst und bei Bedarf vollständig über fiktive Figuren bearbeitet werden.
Natürliche Differenzierung: Jüngere Kinder arbeiten stärker bildlich und situativ, ältere Kinder philosophisch und argumentativ.
Curriculare Passung: Stärken, Fähigkeiten und Entwicklungspotenzial sind im Lehrplan Praktische Philosophie ausdrücklich verankert; Religion greift Einzigartigkeit, Grenzen, Potenziale und bedingungslose Annahme auf. (Lehrplan NRW)

Methodische Begründung
Tier- und Bildergeschichten: Schaffen Distanz zu sensiblen persönlichen Themen und ermöglichen trotzdem einen leichten Transfer.
Stärkekarten: Erweitern den Wortschatz und helfen Kindern, Fähigkeiten zu benennen, an die sie spontan nicht denken.
Stärkenprofil: Unterstützt strukturierte Selbstreflexion.
Wertschätzendes Peerfeedback: Ergänzt die Selbstwahrnehmung, ohne Schwächen öffentlich zu thematisieren.
Konkrete Begründungen: Aussagen wie „Du bist nett“ werden zu beobachtbaren Rückmeldungen wie „Du hörst mir zu, wenn …“
Fallbeispiele: Ermöglichen ethische Urteile ohne persönliche Offenlegung.
Philosophisches Gespräch: Unterschiedliche Positionen werden geprüft und begründet statt eine Antwort vorschnell vorzugeben.
Positionierung: Macht erste Vorstellungen sichtbar und erlaubt einen Vergleich mit der Position am Stundenende.
Religiöser Impuls: Kann im Religionsunterricht einen zusätzlichen Deutungshorizont eröffnen, ohne die vorherige eigene Urteilsbildung zu ersetzen.
Stärken-Schatzkiste: Sichert die Reihe individuell und verbindet Selbstannahme mit realistischen Entwicklungsmöglichkeiten.
Mein Fazit
Ich finde an diesem Thema wichtig, dass am Ende nicht einfach jedes Kind fünf Stärken auf ein hübsches Arbeitsblatt geschrieben hat. Spannend wird die Reihe dort, wo die Kinder erkennen: Ich kann vieles. Andere können anderes. Manche Dinge fallen mir schwer. Und nichts davon bestimmt, wie wertvoll ich bin.
Deshalb würde ich für einen UB die Frage: „Bin ich mehr wert, wenn ich etwas besonders gut kann?“ wählen. Gerade in einer Welt, in der Kinder sehr früh vergleichen, wer schneller, besser oder erfolgreicher ist, finde ich diese Unterscheidung unglaublich wertvoll. Und in Reli lässt sich daran die Perspektive anschließen, dass ein Mensch nicht erst durch Leistung, Stärke oder Fehlerfreiheit angenommen wird.
Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.
FAQ
Für welche Klasse eignet sich das Thema Stärken und Schwächen?
Die Reihe kann von Klasse 1 bis 4 umgesetzt werden. In 1/2 würde ich stärker mit Geschichten, Bildern und konkreten Situationen arbeiten. In 3/4 können philosophische Fragen, Selbst- und Fremdbild sowie Entwicklungspotenziale stärker reflektiert werden.
Sollte ich in der Grundschule überhaupt von Schwächen sprechen?
Der Begriff kann verwendet werden, sollte aber nicht als festes Etikett verstanden werden. Hilfreicher sind häufig Formulierungen wie „Das fällt mir noch schwer“, „Hier brauche ich Unterstützung“ oder „Das möchte ich noch lernen.“
Was zählt als Stärke?
Neben schulischen und sportlichen Fähigkeiten gehören beispielsweise Zuhören, Hilfsbereitschaft, Kreativität, Ausdauer, Mut, Empathie, Geduld oder Genauigkeit dazu.
Wie kann ich verhindern, dass Kinder sagen „Ich habe keine Stärken“?
Stärkekarten, Geschichten und konkrete Alltagssituationen erweitern zunächst die Vorstellung davon, was eine Stärke sein kann. Anschließend kann wertschätzende Fremdwahrnehmung weitere Fähigkeiten sichtbar machen.
Sollten Kinder die Schwächen ihrer Mitschüler*innen benennen?
Davon würde ich abraten. Fremdrückmeldungen sollten auf wertschätzende Stärken konzentriert bleiben. Persönliche Entwicklungsfelder gehören zur Selbstreflexion des jeweiligen Kindes.
Welche UB-Stunde eignet sich zum Thema?
Besonders ergiebig finde ich die Frage „Bin ich mehr wert, wenn ich etwas besonders gut kann?“ Die Kinder diskutieren anhand fiktiver Figuren den Unterschied zwischen Fähigkeiten beziehungsweise Leistungen und dem Wert einer Person.
Wie kann ich die Reihe in Religion gestalten?
Neben der persönlichen Reflexion kann die christliche Perspektive auf Einzigartigkeit, Grenzen und bedingungslose Annahme einbezogen werden. Petrus eignet sich als biblische Figur, an der Mut, Angst, Versagen und Neubeginn gemeinsam betrachtet werden können.
Wie kann ich das Thema in Praktischer Philosophie umsetzen?
Passend sind philosophische Fragen wie „Was ist eine Stärke?“, „Muss jeder alles können?“, „Ist eine Stärke immer gut?“ und „Was macht einen Menschen wertvoll?“ Dabei werden unterschiedliche Positionen begründet und miteinander verglichen.
Was ist bei dem Thema besonders sensibel?
Kinder sollten weder öffentlich auf vermeintliche Schwächen festgelegt noch zur Offenlegung persönlicher Unsicherheiten gezwungen werden. Fiktive Situationen, Freiwilligkeit und private Reflexionsmöglichkeiten sind deshalb besonders wichtig.
Passt das Thema zum Lehrplan NRW?
Ja. Praktische Philosophie nennt die Vielfalt unterschiedlicher Stärken und Fähigkeiten, die Bedeutung eigener Stärken und den Umgang mit Entwicklungspotenzial. Im katholischen Relilehrplan werden Einzigartigkeit, Fähigkeiten, Möglichkeiten, Grenzen und Potenziale sowie die bedingungslose Annahme jedes Menschen aufgegriffen. (Lehrplan NRW)







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