Unterrichtsentwurf Tangram: Unterrichtsreihe, UB-Stunde und Material

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Quickfacts

  • Das Tangram eignet sich besonders gut für jahrgangsgemischten Mathematikunterricht von Klasse 1 bis 4, weil alle Kinder mit denselben sieben Teilen arbeiten können, während sich die Anforderungen vom einfachen Nachlegen bis zum systematischen Problemlösen und Begründen steigern lassen.

  • Im Lehrplan NRW lässt sich das Tangram vor allem dem Bereich „Raum und Form“ zuordnen: Die Kinder sollen ebene Figuren erkennen, beschreiben sowie durch Legen, Nachlegen, Auslegen, Zerlegen und Zusammensetzen herstellen. (Lehrplan NRW)

  • Einen besonders schönen gemeinsamen Einstieg finde ich über das Bilder- und Spielebuch Tangramkatze: Die Geschichte verbindet das Legespiel mit immer neuen Figuren und kann damit gerade in einer jahrgangsgemischten Lerngruppe einen gemeinsamen Ausgangspunkt schaffen, bevor die Kinder auf unterschiedlichen Niveaus geometrisch weiterarbeiten. (schaltzeitverlag.de)

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Allgemeines

Ich finde Tangram für jahrgangsgemischten Mathematikunterricht fast ideal.

Alle Kinder sitzen zunächst vor denselben sieben Teilen.

Und trotzdem kann ein Erstklässler damit an einer ganz anderen mathematischen Frage arbeiten als ein Kind aus Klasse 4.

Ein Kind legt vielleicht zunächst einfach eine Katze nach und versucht dabei, Dreiecke und Quadrat richtig zu drehen.

Ein anderes beschreibt bereits:

„Das kleine Dreieck liegt rechts neben dem Quadrat und seine Spitze zeigt nach oben.“

Und ein älteres Kind überlegt:

„Kann ich dieselbe Figur noch auf eine andere Weise auslegen – und woher weiß ich, dass ich wirklich alle Möglichkeiten gefunden habe?“

Genau diese Offenheit gefällt mir an dem Material.

Das klassische Tangram besteht aus sieben Teilen, den sogenannten Tans:

  • zwei großen Dreiecken,

  • einem mittelgroßen Dreieck,

  • zwei kleinen Dreiecken,

  • einem Quadrat,

  • einem Parallelogramm.

Alle sieben Teile lassen sich zu einem Quadrat zusammensetzen. Beim klassischen Legespiel werden für eine Figur alle sieben Teile verwendet; sie dürfen sich nicht überlagern und sollen sich berühren. (Betzold) (Betzold)

Das allein macht aber natürlich noch keinen guten Mathematikunterricht.

Entscheidend ist für mich, welche mathematischen Fragen wir an das Material stellen.

Mit dem Tangram können Kinder ebene Figuren erkennen und benennen, Formen drehen und verschieben, Figuren zerlegen und zusammensetzen, Lagebeziehungen beschreiben, Umrisse analysieren, verschiedene Lösungswege entwickeln und ihre Strategien erklären.

PIKAS nennt beispielsweise als zentrale Ziele, dass Kinder geometrische Formen in Tangramfiguren wiedererkennen, Figuren nachlegen, unterschiedlich stark vorstrukturierte Umrissfiguren auslegen, verschiedene Lösungen finden und begründen können, weshalb sich eine bestimmte Figur nicht legen lässt. (PIKAS) (Pikas)

Besonders stark finde ich die natürliche Differenzierung.

Eine Katze kann beispielsweise vorliegen:

Stufe 1: Alle sieben Teile sind farbig und ihre Grenzen eingezeichnet.

Stufe 2: Die Figur ist in Originalgröße vorgegeben und die Teile sind noch eingezeichnet.

Stufe 3: Nur der Umriss ist sichtbar.

Stufe 4: Der Umriss ist verkleinert und kann nicht mehr unmittelbar ausgelegt werden.

Stufe 5: Es gibt nur eine mündliche oder schriftliche Beschreibung.

Genau solche Abstufungen werden auch in den Tangram-Anregungen von PIKAS, KIRA und Betzold beschrieben. Das Material muss also nicht automatisch nach Jahrgangsstufe getrennt werden – die mathematische Anforderung wird verändert. (Pikas)

Das ist für mich der entscheidende Punkt bei einer jahrgangsgemischten Klasse.

Klasse 4 sollte nicht einfach „mehr Katzen legen“ als Klasse 1.

Die älteren Kinder sollten anders denken müssen.

Und genau daraus würde ich die folgende Reihe entwickeln.

Reihenplanung

Thema der Reihe

Tangram – Geometrische Figuren legen, untersuchen, beschreiben und mathematische Rätsel lösen

Kindgerechte Themenformulierung

„Sieben Teile – unendlich viele Ideen! Wir werden Tangram-Expert*innen.“

Kernanliegen der Reihe

Die Lernenden erweitern ihre Kompetenzen im Bereich Raum und Form, indem sie die sieben Tangramteile untersuchen, ebene Figuren legen, zerlegen und zusammensetzen, räumliche Lagebeziehungen beschreiben sowie zunehmend anspruchsvolle Tangramprobleme durch Probieren, systematisches Vorgehen, Vergleichen und Begründen lösen, um geometrische Beziehungen handelnd zu erfassen, ihre Raumvorstellung weiterzuentwickeln und mathematische Lösungswege zunehmend präzise zu kommunizieren.

Dabei bearbeiten alle Jahrgänge einen gemeinsamen mathematischen Gegenstand. Die Differenzierung erfolgt insbesondere über Vorstrukturierung, Anzahl notwendiger gedanklicher Operationen, sprachliche Anforderungen und Reflexionstiefe.

Aufbau der Reihe

EinheitForscherfrage / ThemaKompetenzschwerpunkt
1. Die Tangramkatze erwacht„Was kann aus nur sieben Teilen entstehen?“Die Lernenden erkunden das Tangram, indem sie die sieben Teile kennenlernen, erste Figuren frei und nach Vorlage legen und die Spielregeln erproben, um sich mit dem Material vertraut zu machen und erste geometrische Entdeckungen zu formulieren.
2. Wir untersuchen die sieben Tans„Welche Formen verstecken sich in unserem Tangram?“Die Lernenden untersuchen und vergleichen die Tangramteile, indem sie Dreiecke, Quadrat und Parallelogramm erkennen, sortieren und mit zunehmend präzisen Fachbegriffen beschreiben, um Eigenschaften ebener Figuren wahrzunehmen.
3. Aus Formen entstehen neue Formen„Welche neuen Figuren können wir aus Tangramteilen bauen?“Die Lernenden untersuchen Beziehungen zwischen ebenen Figuren, indem sie einzelne Tans zu Quadraten, Dreiecken und anderen Vierecken zusammensetzen und unterschiedliche Zerlegungen vergleichen, um Teil-Ganzes-Beziehungen geometrischer Figuren zu erkennen.
4. Tangram-Knobelei„Wie können wir einen Umriss mit unseren sieben Teilen auslegen?“Die Lernenden entwickeln Problemlösestrategien, indem sie unterschiedlich stark vorstrukturierte Tangramfiguren auslegen, ihre Vorgehensweisen überprüfen und bei Schwierigkeiten verändern, um zunehmend systematisch geometrische Probleme zu lösen.
5. UB: Lege genau, was ich meine!„Wie müssen wir eine Tangramfigur beschreiben, damit jemand anderes sie legen kann?“Die Lernenden erweitern ihre mathematische Kommunikationsfähigkeit, indem sie Lage und Orientierung von Tangramteilen zunehmend präzise beschreiben und nach Partneranweisungen legen, um geometrische Fachbegriffe und Lagebeziehungen funktional einzusetzen.
6. Gleich groß und trotzdem ganz anders„Was bleibt gleich, wenn wir alle sieben Teile immer wieder neu legen?“Die Lernenden untersuchen Eigenschaften verschiedener Tangramfiguren, indem sie Figuren vergleichen und zunehmend begründen, was sich beim Umlegen verändert und was erhalten bleibt, um erste Vorstellungen zu Flächeninhalt und geometrischer Invarianz anzubahnen bzw. zu vertiefen.
7. Drehen, Spiegeln, Wenden„Warum passt ein Teil manchmal einfach nicht?“Die Lernenden untersuchen Lageveränderungen ebener Figuren, indem sie Tangramteile drehen, verschieben, spiegeln bzw. wenden und die Veränderungen beschreiben, um ihre Raumvorstellung und ihr Verständnis geometrischer Operationen weiterzuentwickeln.
8. Unsere eigene Tangram-Geschichte„Welche Geschichte können unsere sieben Teile erzählen?“Die Lernenden wenden ihre geometrischen Erfahrungen kreativ an, indem sie eigene Tangramfiguren entwickeln, dokumentieren und je nach Lernstand beschreiben oder als Rätsel für andere aufbereiten, um mathematisches Gestalten, Darstellen und Kommunizieren miteinander zu verbinden.

Vertiefung der einzelnen Einheiten

Einheit 1: Die Tangramkatze erwacht – Was kann aus nur sieben Teilen entstehen?

Als gemeinsamen Einstieg für eine jahrgangsgemischte Klasse finde ich die Tangramkatze: Bilder- und Spielebuch richtig schön.

Das Buch von Maranke Rinck und Martijn van der Linden verbindet Geschichte und Tangramspiel: Aus den sieben Teilen entsteht zunächst eine Katze, anschließend verwandelt sich die Figur immer weiter – unter anderem in andere Tiere, Pflanzen und Gegenstände. Mehr als 50 Motive können mit den im Buch enthaltenen Tangramteilen nachgelegt werden. (Schaltzeit Verlag) (schaltzeitverlag.de)

Gerade für Klasse 1 bis 4 gemeinsam ist das ein schöner Einstieg, weil zunächst alle dasselbe erleben können.

Ich würde die Katze legen, aber noch nicht erklären, wie das Tangram funktioniert.

Dann könnten Fragen entstehen:

„Wie viele Teile wurden benutzt?“

„Sind einige Teile gleich?“

„Welche Formen erkennst du?“

„Könnten wir daraus auch etwas völlig anderes bauen?“

Anschließend bekommt jedes Kind oder jedes Zweierteam ein eigenes Tangram.

Die Kinder dürfen zunächst frei ausprobieren.

Das ist wichtig, denn KIRA weist ausdrücklich darauf hin, dass auch das Tangram selbst zunächst ein neuer Lerngegenstand ist: Kinder müssen Material und Gebrauch erst kennenlernen, bevor anspruchsvollere geometrische Aufgaben daran gestellt werden können. (KIRA) (Kira)

Gemeinsam werden anschließend die grundlegenden Spielregeln gesammelt:

Alle sieben Teile werden verwendet.

Die Teile überdecken sich nicht.

Die Teile berühren sich.

Für Klasse 1 kann die erste Herausforderung bereits sein, eine deutlich vorstrukturierte Katze nachzulegen.

Klasse 3 und 4 kann gleichzeitig versuchen, dieselbe Katze nur anhand ihres Umrisses zu rekonstruieren.

Alle arbeiten also am gleichen Gegenstand – aber nicht an der gleichen Denkanforderung.

Zentrale Erkenntnis: Mit denselben sieben geometrischen Teilen können sehr viele unterschiedliche Figuren entstehen.

Einheit 2: Wir untersuchen die sieben Tans – Welche Formen verstecken sich in unserem Tangram?

Jetzt wird das Material selbst zum mathematischen Gegenstand.

Die sieben Teile werden auf dem Tisch verteilt.

Welche sehen gleich aus?

Welche unterscheiden sich?

Welche Namen kennen wir bereits?

Die Kinder entdecken:

fünf Dreiecke – ein Quadrat – ein Parallelogramm.

Dabei würde ich die Anforderungen je nach Lernstand öffnen.

Ein Kind aus Klasse 1 kann beispielsweise die fünf Dreiecke finden und nach Größe sortieren.

Ein Kind aus Klasse 2 beschreibt:

„Das Quadrat hat vier Seiten und vier Ecken.“

Klasse 3 und 4 kann Formen bereits genauer vergleichen und beispielsweise gleiche Seiten, parallele Seiten oder rechte Winkel untersuchen.

Der NRW-Lehrplan sieht entsprechend eine Progression vor: Am Ende der Schuleingangsphase sollen Kinder geometrische Grundformen wie Rechteck, Quadrat, Dreieck und Kreis identifizieren und mit Fachbegriffen beschreiben; bis Ende Klasse 4 kommen weitere Figuren wie das Parallelogramm sowie Begriffe wie parallel und rechter Winkel hinzu. (Lehrplan NRW)

Für eine jahrgangsgemischte Gruppe finde ich ein gemeinsames Tangram-Wörterplakat sinnvoll.

Darauf können nach und nach Begriffe gesammelt werden:

Dreieck – Quadrat – Parallelogramm – Ecke – Seite – Fläche – groß – klein – rechts – links – neben – über – unter – Spitze.

Die älteren Kinder ergänzen Fachsprache, ohne dass jüngere Kinder bereits alles beherrschen müssen.

PIKAS empfiehlt ebenfalls, die Tangramteile gezielt zu erkunden, miteinander zu vergleichen und einen Wortspeicher aufzubauen. (PIKAS) (Pikas)

Zentrale Erkenntnis: Unser Tangram besteht aus verschiedenen ebenen Figuren, die wir erkennen, vergleichen und immer genauer beschreiben können.

Einheit 3: Aus Formen entstehen neue Formen – Welche neuen Figuren können wir aus Tangramteilen bauen?

Jetzt würde ich die sieben Teile zunächst bewusst nicht alle gleichzeitig verwenden.

Stattdessen bekommen die Kinder kleine Forscheraufträge.

Zum Beispiel:

„Lege aus zwei kleinen Dreiecken ein Quadrat.“

„Kannst du aus denselben beiden Dreiecken auch ein größeres Dreieck legen?“

„Welche Vierecke kannst du aus zwei oder drei Tangramteilen herstellen?“

Dadurch wird etwas sichtbar, das beim bloßen Legen fertiger Tiere leicht untergeht:

Figuren können aus anderen Figuren zusammengesetzt und wieder in Teilfiguren zerlegt werden.

PIKAS beschreibt genau solche Formenbeziehungen als wichtiges Ziel geometrischen Lernens: Kinder sollen beispielsweise entdecken, dass sich zwei Dreiecke zu einem Viereck zusammensetzen lassen. (PIKAS – Geometrische Figuren) (Pikas)

In Klasse 1 könnte die Aufgabe lauten:

„Welche neue Form kannst du aus diesen zwei Dreiecken legen?“

In Klasse 4 dagegen:

„Finde möglichst viele unterschiedliche Vierecke aus genau drei Tangramteilen. Wie weißt du, dass zwei Lösungen wirklich verschieden sind?“

Damit entsteht wieder dieselbe mathematische Grundidee auf unterschiedlichen Niveaus.

Zentrale Erkenntnis: Eine geometrische Figur kann aus anderen Figuren zusammengesetzt sein. Durch Zerlegen und Zusammensetzen entdecken wir Beziehungen zwischen Formen.

Einheit 4: Tangram-Knobelei – Wie können wir einen Umriss mit unseren sieben Teilen auslegen?

Jetzt kommt das klassische Tangram-Knobeln.

Und genau hier zeigt sich die Stärke des Materials für jahrgangsgemischte Klassen.

Denn die gleiche Figur kann auf völlig unterschiedlichen Niveaus angeboten werden.

PIKAS unterscheidet unter anderem zwischen Umrissen,

  • in denen alle Teilformen eingezeichnet sind,

  • in denen nur einige Teile eingezeichnet sind,

  • und solchen, bei denen ausschließlich der äußere Umriss vorgegeben ist.

(PIKAS) (Pikas)

Betzold beschreibt eine ähnliche Abstufung von vollständig sichtbaren Teilgrenzen bis zu verkleinerten Vorlagen, auf denen die Teile nicht direkt aufgelegt werden können. (Betzold) (Betzold)

Ich würde daraus eine Tangram-Knobelkartei entwickeln.

Die Kinder wählen eine passende Herausforderung und legen beispielsweise:

  • Katze,

  • Hund,

  • Haus,

  • Schiff,

  • Vogel,

  • Mensch,

  • Baum.

Wichtig ist für mich aber die anschließende Frage:

„Wie bist du vorgegangen, als du nicht weiterwusstest?“

Denn erst hier wird aus dem Puzzle eine Problemlöseaufgabe.

Mögliche Strategien sind:

„Ich habe zuerst nach dem Platz für das große Dreieck gesucht.“

„Ich habe auf eine Ecke im Umriss geachtet.“

„Ich habe Teile gedreht.“

„Ich habe zwei kleine Dreiecke zunächst zusammengesetzt.“

„Ich habe etwas wieder auseinandergebaut und anders probiert.“

Der Mathematiklehrplan beschreibt Problemlösen genau in diesem Sinn: Kinder entwickeln eigene Vorgehensweisen, nutzen Strategien und Forscherfragen, bearbeiten Aufgaben eigenständig und überprüfen Ergebnisse, um gegebenenfalls Fehler zu korrigieren. (Lehrplan NRW)

Zentrale Erkenntnis: Beim Tangram-Knobeln hilft nicht nur Probieren. Wir können Lösungsstrategien entwickeln, überprüfen und verändern.

Einheit 5: Lege genau, was ich meine! – Wie müssen wir eine Tangramfigur beschreiben?

Diese Einheit würde ich als UB-Stunde wählen.

Sie funktioniert meiner Meinung nach gerade in einer jahrgangsgemischten Klasse richtig gut.

Zwei Kinder sitzen so, dass sie die Tangramfigur des jeweils anderen nicht sehen können.

Kind A legt beispielsweise eine einfache Figur aus mehreren Tans.

Dann muss es Kind B erklären, wie die Teile liegen.

Sehr schnell merkt man:

„Leg das Dreieck da hin“

funktioniert überhaupt nicht.

Welches Dreieck?

Wo ist „da“?

Wohin zeigt die Spitze?

Liegt es rechts oder links vom Quadrat?

Jetzt bekommen die geometrischen Begriffe plötzlich eine echte Funktion.

PIKAS schlägt ausdrücklich vor, gelegte Tangrambilder einem Partnerkind zu beschreiben und dabei einen Wortspeicher zum Tangram aufzubauen. (PIKAS) (Pikas)

Auch der Friedrich Verlag hebt hervor, dass Tangram neben der Raumvorstellung die fachsprachliche Begriffsbildung unterstützen kann. Kinder müssen geometrische Formen erkennen und Lagebeziehungen sprachlich erfassen. (friedrich-verlag.de)

Der Lernzuwachs wird dabei sehr schön sichtbar.

Am Anfang:

„Das Dreieck kommt da oben hin.“

Später:

„Lege das große Dreieck links neben das Quadrat. Die lange Seite liegt unten und die Spitze zeigt nach oben.“

Genau diese Entwicklung finde ich für einen UB besonders stark.

Einheit 6: Gleich groß und trotzdem ganz anders – Was bleibt beim Umlegen gleich?

Diese Einheit kann in einer jahrgangsgemischten Klasse besonders weit geöffnet werden.

Mehrere vollständig mit allen sieben Teilen gelegte Tangramfiguren liegen nebeneinander.

Eine Katze.

Ein Haus.

Ein Mensch.

Ein Schiff.

Dann frage ich:

„Welche Figur ist am größten?“

Die Antwort ist gar nicht so selbstverständlich, wie sie zunächst klingt.

Die Figuren sehen völlig unterschiedlich aus.

Manche sind hoch.

Manche breit.

Aber wenn alle aus genau denselben sieben Tangramteilen bestehen und keine Teile überlappen, dann besteht jede Figur aus derselben Gesamtfläche.

Für Klasse 1 reicht vielleicht die Erkenntnis:

„Wir benutzen jedes Mal dieselben sieben Teile.“

Klasse 2 kann Figuren wieder zum Ausgangsquadrat zurücklegen.

Klasse 3 kann argumentieren:

„Die Form verändert sich, aber es kommt kein Teil hinzu und keines verschwindet.“

Klasse 4 kann daran bereits Vorstellungen zur Flächeninvarianz entwickeln und zusätzlich entdecken, dass gleicher Flächeninhalt keineswegs gleichen Umfang bedeutet.

Gerade hier bietet sich eine Verbindung zu meinem Unterrichtsentwurf Umfang und Fläche an.

Der Lehrplan sieht bis Ende Klasse 4 das Bestimmen und Vergleichen von Flächeninhalt und Umfang unter anderem durch Auslegen und Zerlegen in Teilstücke vor. (Lehrplan NRW)

Zentrale Erkenntnis: Beim Umlegen können sich Form, Höhe, Breite und Umfang verändern, obwohl dieselben Flächenteile verwendet werden.

Einheit 7: Drehen, Spiegeln, Wenden – Warum passt ein Teil manchmal einfach nicht?

Spätestens beim schwierigeren Nachlegen entsteht ein typischer Moment:

„Aber ich habe doch genau das richtige Teil – warum passt es trotzdem nicht?“

Jetzt wird das Drehen, Verschieben und Wenden selbst zum Lerngegenstand.

Gerade das Parallelogramm ist spannend.

Im Gegensatz zu den anderen Tangramteilen ist es nicht spiegelsymmetrisch. Deshalb kann es bei bestimmten Figuren notwendig sein, das Teil tatsächlich umzudrehen beziehungsweise zu wenden, statt es nur auf der Tischfläche zu drehen. Der Friedrich-Beitrag zum Tangram hebt genau diese Besonderheit hervor. (friedrich-verlag.de)

Mit den älteren Kindern lässt sich daraus wunderbar die Frage entwickeln:

„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Drehen und Spiegeln?“

Die jüngeren Kinder arbeiten zunächst handelnd:

drehen – schieben – wenden.

Die älteren versuchen, Veränderungen vorherzusagen:

„Wenn ich das Teil drehe, passt es noch nicht. Ich muss es wenden.“

Wer das Thema stärker vertiefen möchte, kann diese Einheit sehr gut mit meiner Reihe zur Symmetrie im Mathematikunterricht verbinden.

Zentrale Erkenntnis: Figuren können ihre Lage verändern. Drehen, Verschieben und Spiegeln beziehungsweise Wenden sind unterschiedliche geometrische Operationen.

Einheit 8: Unsere eigene Tangram-Geschichte – Welche Geschichte können unsere sieben Teile erzählen?

Zum Abschluss würde ich noch einmal zur Tangramkatze zurückkehren.

Im Buch verwandeln sich die sieben Teile immer wieder und werden dadurch zum Teil einer fortlaufenden Geschichte. Genau dieses Prinzip können die Kinder selbst übernehmen. (Schaltzeit Verlag) (schaltzeitverlag.de)

Jedes Kind beziehungsweise jedes Team entwickelt eine eigene Tangramfigur.

Dann entsteht daraus ein Klassenprodukt.

Ein Erstklässler legt beispielsweise einen Fisch und erzählt dazu mündlich einen Satz.

Ein Zweitklässler zeichnet seinen Lösungsweg ein.

Ein Drittklässler erstellt eine Umrisskarte als Tangramrätsel.

Ein Viertklässler ergänzt zusätzlich eine präzise Legebeschreibung oder formuliert Hinweise in mehreren Schwierigkeitsstufen.

Aus allen Figuren kann schließlich eine gemeinsame:

„Unsere Tangram-Reise“

entstehen.

Das finde ich besonders schön für eine jahrgangsgemischte Klasse, weil am Ende nicht vier getrennte Produkte nebeneinanderstehen.

Alle Kinder tragen zum gleichen Klassenprojekt bei – nur auf unterschiedlichem mathematischem Niveau.

UB-Stunde

Thema der Stunde

Einheit 5: Lege genau, was ich meine! – Geometrische Figuren und Lagebeziehungen beim Beschreiben von Tangramfiguren zunehmend präzise versprachlichen

Kindgerechte Forscherfrage

„Wie müssen wir eine Tangramfigur beschreiben, damit jemand anderes sie genauso legen kann?“

Ziel der Stunde

Die Lernenden erweitern ihre mathematische Kommunikationsfähigkeit und ihre Raumvorstellung, indem sie Lage, Form und Orientierung ausgewählter Tangramteile für ein Partnerkind zunehmend präzise beschreiben, die entstandenen Figuren mit der Vorlage vergleichen und ihre Beschreibungen verbessern, um zu erkennen, welche geometrischen Begriffe und Lageangaben für eine eindeutige Legeanweisung notwendig sind.

Ich finde diese Stunde für eine jahrgangsgemischte Klasse besonders schön, weil wirklich alle Kinder am gleichen mathematischen Problem arbeiten können:

Wie kann ich etwas so genau beschreiben, dass ein anderer Mensch es genauso legen kann?

Die Differenzierung erfolgt nicht einfach über die Anzahl der Aufgaben.

Sie steckt im mathematischen Anspruch.

Klasse 1 arbeitet vielleicht mit drei Teilen und einem sichtbaren Wortspeicher.

Klasse 2 beschreibt vier oder fünf Teile.

Klasse 3 arbeitet mit komplexeren Figuren und weniger sprachlichen Hilfen.

Klasse 4 beschreibt eine vollständige Figur aus sieben Tans und reflektiert anschließend gezielt, welche Informationen notwendig, unnötig oder missverständlich waren.

Verlauf der Stunde

PhaseInhaltSozialform / MethodeMaterial
EinstiegZwei Kinder demonstrieren eine bewusst ungenaue Legeanweisung: „Nimm das Dreieck und leg es da oben hin.“ Das Partnerkind legt bewusst an eine andere mögliche Position.Plenum / Problemimpulsgroßes Tafel-Tangram
ProblemöffnungDie Klasse überlegt: „Warum konnte das Partnerkind die Figur nicht eindeutig legen?“ Erste Kriterien werden gesammelt.PlenumTafel
Forscherfrage„Wie müssen wir eine Tangramfigur beschreiben, damit jemand anderes sie genauso legen kann?“PlenumForscherfrage
Sprachliche VorbereitungDer bekannte Wortspeicher wird aktiviert: Dreieck, Quadrat, Parallelogramm, groß, klein, rechts, links, neben, über, unter, Spitze, Seite. Je nach Lernstand kommen weitere Begriffe hinzu.PlenumWortspeicher
Erarbeitung IPartnerkind A erhält eine Tangramvorlage, die B nicht sehen kann. A beschreibt schrittweise die Lage der Teile; B legt nach der Beschreibung. Die Figuren werden anschließend verglichen.Partnerarbeit / Informationslückedifferenzierte Figurenkarten, Tangrams
ReflexionsstoppDie Kinder besprechen: „Wo hat unsere Beschreibung schon gut funktioniert? Wo mussten wir nachfragen?“PartnergesprächReflexionskarte
Erarbeitung IIDie Rollen werden gewechselt. Die Kinder versuchen nun bewusst, ihre Beschreibungen mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse genauer zu formulieren.Partnerarbeitneue Figurenkarte
SicherungEin Vorher-Nachher-Beispiel wird aufgegriffen. Gemeinsam werden hilfreiche Informationen gesammelt: Form, Größe, Lage, Orientierung und Beziehung zu bereits gelegten Teilen.PlenumTafel-Tangram
TransferDie Kinder beurteilen zwei mögliche Beschreibungen: „Welche hilft besser – und warum?“Plenum / BegründungSatzkarten
AbschlussRückbezug auf die Forscherfrage. Möglicher Merksatz: „Eine gute Tangrambeschreibung sagt genau, welches Teil wo und wie liegt.“BlitzlichtMerksatz

Anforderungsbereiche

AB I: Die Lernenden erkennen und benennen Tangramteile sowie grundlegende Lagebeziehungen und setzen einfache mündliche Legeanweisungen handelnd um.

AB II: Die Lernenden beschreiben die Lage mehrerer Tangramteile mithilfe geeigneter geometrischer und räumlicher Begriffe und passen ihre Beschreibung an, wenn das Partnerkind eine andere Figur legt.

AB III: Die Lernenden beurteilen die Eindeutigkeit unterschiedlicher Beschreibungen, begründen, welche Informationen für eine erfolgreiche Legeanweisung notwendig sind, und entwickeln zunehmend präzise Strategien für komplexe Figuren.

Differenzierungsmöglichkeiten

Unterstützend:

  • Figuren nur aus drei oder vier Tangramteilen verwenden.

  • Vorlage und Tangram in derselben Größe anbieten.

  • Teilgrenzen innerhalb der Vorlage sichtbar lassen.

  • Tangramteile deutlich unterschiedlich färben.

  • Nur Dreiecke und Quadrat einsetzen, bevor das Parallelogramm hinzukommt.

  • Bildkarten zu rechts, links, oben, unten, neben bereitstellen.

  • Wortspeicher sichtbar auf dem Tisch platzieren.

  • Satzstarter anbieten: „Nimm das …“, „Lege es … neben …“, „Die Spitze zeigt …“.

  • Das Partnerkind darf gezielte Rückfragen stellen.

  • Mündliche Beschreibungen statt schriftlicher Arbeitsaufträge verwenden.

  • Zunächst gemeinsam eine Figur beschreiben.

  • Die Ausgangslage eines ersten Tangramteils bereits vorgeben.

Gerade in der Jahrgangsmischung würde ich jüngere Kinder dabei nicht grundsätzlich von älteren Kindern anleiten lassen. Partnerlernen kann hilfreich sein, aber jedes Kind braucht Aufgaben, bei denen es selbst mathematisch denken muss. Weitere allgemeine Ideen findest du auch in meinem Beitrag zur Differenzierung in der Grundschule.

Erweiternd:

  • Alle sieben Tans verwenden.

  • Einfarbige Tangrams nutzen, sodass nicht über Farben beschrieben werden kann.

  • Nur die Form und Lagebeziehungen dürfen genannt werden.

  • Verkleinerte Figuren beschreiben.

  • Komplexe Figuren mit vielen ähnlich möglichen Positionen auswählen.

  • Eine Figur ausschließlich nach einer schriftlichen Anleitung legen.

  • Eigene Legeanweisungen verfassen und von anderen testen lassen.

  • Unnötige und notwendige Informationen innerhalb einer Beschreibung unterscheiden.

  • Bewusst fehlerhafte Beschreibungen analysieren und verbessern.

  • Mehrere mögliche Beschreibungswege miteinander vergleichen.

  • Möglichst kurze, aber trotzdem eindeutige Legeanweisungen entwickeln.

  • Begründen, warum eine bestimmte Anweisung mehrdeutig ist.

  • Figuren zunächst mental drehen und die neue Lage vorhersagen.

  • Eigene Tangramrätsel mit abgestuften Hinweisen entwickeln.

Ideen für Klasse 1 bis 4

Gerade bei diesem Thema würde ich die Jahrgänge nicht über vier völlig unterschiedliche Unterrichtsreihen trennen. Viel stärker finde ich gemeinsame Aufgaben mit unterschiedlicher Tiefe.

KlassenstufeMöglicher Schwerpunkt
Klasse 1Die sieben Teile handelnd erkunden, Dreiecke und Quadrat erkennen, Formen sortieren, einfache Figuren mit sichtbaren Teilgrenzen nachlegen, Lagewörter wie oben, unten, rechts, links verwenden und eigene Figuren frei gestalten.
Klasse 2Figuren mit weniger sichtbaren Hilfslinien nachlegen, geometrische Formen genauer beschreiben, Teile drehen und verschieben, erste Umrisse auslegen und einfache Lösungswege versprachlichen.
Klasse 3Umrissfiguren ohne eingezeichnete Teile lösen, Strategien beim Problemlösen vergleichen, Formenbeziehungen untersuchen, Tangramfiguren präzise beschreiben und erste systematische Lösungsversuche entwickeln.
Klasse 4Komplexe Tangramprobleme lösen und begründen, unterschiedliche Lösungswege systematisch vergleichen, Lageveränderungen und Symmetrie untersuchen sowie Beziehungen zu Flächeninhalt und Umfang herstellen.

Damit bildet das Tangram für mich ein schönes Beispiel für spiralcurricularen Geometrieunterricht.

KIRA beschreibt genau dieses Potenzial: Dasselbe Tangram kann von Klasse 1 bis in höhere Klassen verwendet werden, während die Anforderungen durch unterschiedliche Vorlagen und mathematische Fragestellungen steigen. (KIRA) (Kira)

Materialideen

MaterialEinsatz
Tangramkatze: Bilder- und SpielebuchGemeinsamer Einstieg in die Reihe und später Inspiration für eigene Tangramgeschichten. Das Buch enthält selbst Tangramteile und mehr als 50 Motive zum Nachlegen. (schaltzeitverlag.de)
BONNYCO Kinder – 30 Stück Tangram PuzzleFür einen größeren Klassensatz, sodass möglichst jedes Kind oder jedes Zweierteam dauerhaft mit einem eigenen Tangram arbeiten kann.
30x Tangram Holz PuzzleAlternative für einen Klassensatz aus Tangrampuzzles.
Großes magnetisches Tafel-TangramFür Einstiege, gemeinsame Reflexionen und das Modellieren von Legeanweisungen.
Tangram aus Tonkarton oder MoosgummiGünstige Möglichkeit, für jedes Kind einen eigenen Satz herzustellen. Betzold nennt beide Materialien ebenfalls als Möglichkeit für selbst hergestellte Tangrams. (Betzold)
Differenzierte FigurenkartenVon vollständig eingezeichneten Teilen bis zum reinen, verkleinerten Umriss.
WortspeicherBegriffe zu Figuren, Größen, Lage und Orientierung.
SichtschutzFür Partneraufgaben, bei denen ein Kind beschreibt und das andere legt.
ForscherheftLösungswege, Entdeckungen, Skizzen und selbst entwickelte Tangramrätsel dokumentieren.
TransparentpapierZum Überprüfen von Figuren oder zum Untersuchen von Spiegelungen.
SpiegelFür weiterführende Aufgaben zu Symmetrie und zum Unterschied zwischen Drehen und Spiegeln.
Kariertes PapierBesonders für Klasse 3 und 4 zum Konstruieren und Dokumentieren eigener Tangrams oder Figuren geeignet.
Fotokarten eigener SchülerfigurenAus freien Legungen kann nach und nach eine klasseninterne Knobelkartei entstehen.

Der Landesbildungsserver Baden-Württemberg schlägt ebenfalls vor, Tangrams selbst herzustellen und von den Kindern eigene Figuren beziehungsweise Umrisse entwickeln zu lassen, die anschließend zwischen Gruppen ausgetauscht und gelöst werden. (Landesbildungsserver Baden-Württemberg) (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

Typische Schwierigkeiten

  • Kinder kennen das Material noch nicht: Vor komplexen Aufgaben zunächst Zeit zum freien Erkunden und Nachlegen geben.

  • Die Kinder verwenden nicht alle sieben Teile: Die Tangramregeln gemeinsam sichtbar festhalten.

  • Teile überlappen sich: Durch Vergleich mit einer fertigen Figur oder Regelkarte selbst kontrollieren lassen.

  • Das Parallelogramm scheint „falsch“ zu sein: Thematisieren, dass es bei gespiegelten Positionen gewendet werden muss. (friedrich-verlag.de)

  • Die Kinder drehen immer nur einzelne Teile: Strategien wie das Erkennen markanter Ecken oder das Zusammensetzen kleiner Teilformen gemeinsam sammeln.

  • Unstrukturierte Umrisse überfordern: Teilgrenzen, Originalgröße oder bereits platzierte Tans als gestufte Hilfen anbieten.

  • Jüngere Kinder kennen Fachbegriffe noch nicht: Wort und Handlung verbinden und Begriffe im gemeinsamen Wortspeicher sichtbar lassen.

  • Ältere Kinder sind zu schnell fertig: Nicht einfach mehr Figuren anbieten, sondern Begründungs-, Vergleichs- und Systematisierungsaufgaben stellen.

  • Partnerbeschreibungen bleiben ungenau: Nicht sofort korrigieren – das entstandene Missverständnis als mathematischen Lernanlass nutzen.

  • Kinder orientieren sich nur an Farben: Für anspruchsvollere Aufgaben einfarbige Tangrams einsetzen.

  • Versuch und Irrtum bleibt völlig unsystematisch: Lösungsstrategien im Plenum sammeln und später bewusst einsetzen lassen.

  • Schnelligkeit wird mit mathematischer Stärke verwechselt: Nicht nur die fertige Figur, sondern Vorgehensweise, Flexibilität und Begründung betrachten.

  • Ältere Kinder lösen Aufgaben für jüngere: In jahrgangsgemischten Teams Rollen und individuelle Denkphasen bewusst gestalten.

  • Die Unterrichtsreihe bleibt auf der Spielebene: Immer wieder fragen: Was hast du über Formen, Lage oder deine Lösungsstrategie herausgefunden?

  • Flächeninhalt und Umfang werden vermischt: Bei Klasse 3/4 deutlich unterscheiden zwischen der bedeckten Fläche und der Länge des äußeren Randes.

Lehrplanbezug NRW

Das Tangram passt sehr deutlich in den mathematischen Inhaltsbereich „Raum und Form“.

Der aktuelle Lehrplan beschreibt, dass Kinder durch den handelnden Umgang Grunderfahrungen zu ebenen Figuren, geometrischen Operationen und Symmetrie sammeln und dabei ihre Raumorientierung und Raumvorstellung weiterentwickeln sollen. (Lehrplan NRW)

Besonders zentral ist der Schwerpunkt „Ebene Figuren“.

Für die Schuleingangsphase wird unter anderem erwartet, dass die Kinder geometrische Grundformen wie Rechteck, Quadrat, Dreieck und Kreis identifizieren und mit Fachbegriffen beschreiben.

Bis Ende Klasse 4 werden weitere Figuren wie das Parallelogramm einbezogen und der Fachwortschatz beispielsweise um parallel und rechter Winkel erweitert. (Lehrplan NRW)

Für die gesamte Tangramreihe besonders relevant ist außerdem die Kompetenzerwartung:

Die Schülerinnen und Schüler sollen ebene Figuren durch Legen, Nachlegen und Auslegen, Zerlegen, Zusammensetzen und Vervollständigen herstellen. (Lehrplan NRW)

Genau diese Tätigkeiten ziehen sich durch die gesamte Reihe.

Darüber hinaus werden mehrere prozessbezogene Kompetenzen angesprochen.

Problemlösen

Beim Auslegen eines unbekannten Umrisses ist kein fertiger Lösungsweg vorgegeben. Die Kinder müssen ausprobieren, Vermutungen entwickeln, Strategien verändern und Lösungen überprüfen.

Der Lehrplan sieht vor, dass Kinder Ideen für mögliche Vorgehensweisen entwickeln, Hilfsmittel und Strategien zur Problemlösung verwenden, Aufgaben eigenständig sowie im Austausch bearbeiten und ihre Ergebnisse auf Plausibilität überprüfen. (Lehrplan NRW)

Kommunizieren

Beim Partnerlegen müssen mathematische Gedanken so formuliert werden, dass ein anderes Kind sie nachvollziehen kann.

Der Lehrplan versteht mathematisches Kommunizieren unter anderem als nachvollziehbares Darstellen von Denkprozessen und Vorgehensweisen sowie den zunehmenden Einsatz fachspezifischer Begriffe. (Lehrplan NRW)

Argumentieren

Wenn Kinder unterschiedliche Lösungen vergleichen oder erklären, warum eine Figur nicht gelegt werden kann, müssen Vermutungen begründet und überprüft werden.

Auch dies entspricht dem Lehrplan, der das Aufstellen, Erklären und Überprüfen von Vermutungen und mathematischen Beziehungen ausdrücklich nennt. (Lehrplan NRW)

Darstellen

Tangramaufgaben wechseln ständig zwischen verschiedenen Darstellungen:

konkrete Teile → gelegte Figur → Umriss → Zeichnung → sprachliche Beschreibung.

Der Lehrplan sieht vor, dass Kinder eingeführte und selbst entwickelte Darstellungen verwenden, miteinander vernetzen, vergleichen und bewerten. (Lehrplan NRW)

Gerade deshalb finde ich Tangram für jahrgangsgemischten Unterricht so passend.

Die grundlegenden mathematischen Prozesse bleiben gleich.

Was sich von Klasse 1 bis 4 verändert, ist die Komplexität des Denkens und Begründens.

Sachanalyse

  • Das Tangram ist ein traditionelles chinesisches Legespiel und besteht klassischerweise aus sieben ebenen Teilen, den Tans. (Kira)

  • Die sieben Teile sind zwei große Dreiecke, ein mittleres Dreieck, zwei kleine Dreiecke, ein Quadrat und ein Parallelogramm. (Betzold)

  • Die sieben Teile entstehen aus der Zerlegung eines Quadrates und können wieder zum Ausgangsquadrat zusammengesetzt werden.

  • Beim klassischen Tangram werden für eine Figur alle sieben Teile verwendet. Die Teile berühren sich und überlagern sich nicht. (Betzold)

  • Die Tangramteile stehen in festen Größen- und Flächenbeziehungen zueinander.

  • Zwei kleine Dreiecke können beispielsweise zu anderen ebenen Figuren zusammengesetzt werden und ermöglichen dadurch die Untersuchung geometrischer Teil-Ganzes-Beziehungen.

  • Das Tangram eignet sich sowohl zum freien Legen als auch zum Nachlegen vorgegebener Figuren und zum Auslegen bloßer Umrisse. (Pikas)

  • Beim Nachlegen müssen Formen erkannt, deren Positionen analysiert und durch Verschieben, Drehen beziehungsweise Wenden passend positioniert werden.

  • Das Parallelogramm besitzt innerhalb des Tangrams eine Besonderheit: Es ist nicht spiegelsymmetrisch. Für bestimmte gespiegelte Lagen muss es daher gewendet werden. (friedrich-verlag.de)

  • Das Tangram unterstützt die Auseinandersetzung mit ebenen Figuren, Formenbeziehungen, Lagebeziehungen und geometrischen Operationen. (friedrich-verlag.de)

  • Die Wahrnehmung räumlicher Beziehungen ist ein Teilbereich des räumlichen Vorstellungsvermögens und wird beispielsweise beim Erkennen der Position eines Tans innerhalb einer vorgegebenen Gesamtfigur beansprucht. (friedrich-verlag.de)

  • Werden bei verschiedenen Tangramfiguren immer alle sieben Teile ohne Überlappung verwendet, bleibt die Gesamtfläche erhalten, obwohl sich die äußere Form verändert.

  • Der Umfang kann sich dagegen verändern. Dies ermöglicht insbesondere in Klasse 4 einen Anschluss an Flächeninvarianz sowie die Unterscheidung von Flächeninhalt und Umfang.

  • Tangramaufgaben können durch unterschiedliche Grade der visuellen Unterstützung stark differenziert werden: vollständig sichtbare Teilgrenzen, teilweise sichtbare Teilgrenzen, bloßer Umriss oder verkleinerte Vorlage. (Pikas)

Didaktische Begründung

  • Gemeinsamer Lerngegenstand: Alle vier Jahrgänge können mit denselben sieben Tangramteilen arbeiten.

  • Natürliche Differenzierung: Nicht das Material muss ständig gewechselt werden, sondern die mathematische Anforderung.

  • Handlungsorientierung: Geometrische Operationen wie Zerlegen, Zusammensetzen, Drehen und Verschieben werden zunächst tatsächlich durchgeführt.

  • Aufbau von Raumvorstellung: Kinder müssen Formen und ihre Lage analysieren, verändern und zunehmend auch mental vorstellen.

  • Grundlegende Geometrie: Dreiecke, Quadrat und Parallelogramm werden nicht isoliert auf einem Arbeitsblatt betrachtet, sondern in verschiedenen Zusammenhängen verwendet.

  • Formenbeziehungen: Kinder erkennen, dass eine Figur aus anderen Figuren zusammengesetzt beziehungsweise in diese zerlegt werden kann.

  • Problemlösen: Bei einer bloßen Umrissfigur liegt der Lösungsweg nicht unmittelbar auf der Hand. Genau dadurch entstehen echte mathematische Probleme. KIRA hebt dieses Potenzial des Tangrams ausdrücklich hervor. (Kira)

  • Strategieentwicklung: Aus zunächst unsystematischem Probieren können bewusst eingesetzte Strategien entstehen.

  • Mathematisches Kommunizieren: Fachbegriffe werden benötigt, um reale Handlungen und Lagebeziehungen eindeutig zu beschreiben.

  • Argumentieren: Ältere beziehungsweise leistungsstärkere Kinder können verschiedene Lösungen vergleichen und auf Vollständigkeit überprüfen.

  • Hoher Aufforderungscharakter: Die Puzzleform ermöglicht einen spielerischen Einstieg, ohne dass der mathematische Gehalt verloren gehen muss.

  • Kreativität: Eigene Figuren und Rätsel ermöglichen individuelle Lösungen innerhalb eines mathematisch klaren Rahmens.

  • Spiralcurricularer Einsatz: Dasselbe Material kann über mehrere Schuljahre auf zunehmend höherem Niveau verwendet werden. KIRA nennt dieses Potenzial ausdrücklich. (Kira)

  • Buchbezug: Die Tangramkatze schafft einen gemeinsamen erzählerischen Einstieg, ohne dass die Mathematik anschließend vom Bilderbuch abhängig bleibt. (schaltzeitverlag.de)

  • Jahrgangsmischung als Stärke: Unterschiedliche Lernstände werden nicht als Problem behandelt, sondern ermöglichen verschiedene Zugänge zum gleichen mathematischen Gegenstand.

  • UB-Eignung: In der Partnerbeschreibung wird mathematische Sprache unmittelbar funktional. Ob eine Beschreibung präzise genug war, zeigt sich am tatsächlich gelegten Ergebnis.

  • Sichtbarer Lernzuwachs: Aus einem unspezifischen „Leg das da hin“ wird eine zunehmend eindeutige Beschreibung geometrischer Figuren und Lagebeziehungen.

  • Curriculare Passung: Legen, Nachlegen, Auslegen, Zerlegen und Zusammensetzen ebener Figuren sind ausdrücklich im NRW-Lehrplan verankert. (Lehrplan NRW)

Methodische Begründung

  • Bilderbuchimpuls: Die Tangramkatze schafft einen motivierenden gemeinsamen Ausgangspunkt für alle Jahrgänge.

  • Freies Erkunden zu Beginn: Kinder lernen Materialeigenschaften und Möglichkeiten kennen, bevor das Tangram als mathematisches Werkzeug eingesetzt wird.

  • Konkretes Material: Geometrische Operationen können handelnd durchgeführt und anschließend zunehmend mental nachvollzogen werden.

  • Ein Tangram pro Kind oder Zweierteam: Ermöglicht echte Eigenaktivität und verhindert lange Wartezeiten.

  • Gemeinsames Tafel-Tangram: Unterstützt die Sicherung von Strategien und mathematischen Begriffen.

  • Differenzierte Karten statt verschiedener Themen: Alle Kinder bleiben am gemeinsamen Gegenstand.

  • Reduzierte Vorstrukturierung: Das Entfernen von Hilfslinien erhöht die kognitive Anforderung, ohne das Material zu verändern.

  • Wortspeicher: Unterstützt mathematische Kommunikation und wächst über die Unterrichtsreihe hinweg.

  • Informationslücke im UB: Das Partnerkind kann die Ausgangsfigur nicht sehen. Dadurch wird eine genaue Beschreibung tatsächlich notwendig.

  • Partnerkontrolle: Erfolg oder Missverständnis einer Beschreibung wird unmittelbar durch die entstandene Figur sichtbar.

  • Reflexionsschleife: Die Kinder beschreiben nicht nur einmal, sondern können ihre Sprache nach einer ersten Erfahrung gezielt verbessern.

  • Knobelkartei: Ermöglicht selbstständiges Weiterarbeiten in heterogenen Lernzeiten.

  • Forscherheft: Hält Strategien und Entdeckungen fest, statt nur fertige Figuren zu dokumentieren.

  • Eigene Rätsel: Kinder wechseln von der Rolle der Lösenden in die Rolle der Aufgabenentwickelnden.

  • Jahrgangsübergreifender Austausch: Unterschiedliche Lösungswege können gemeinsam besprochen werden, ohne dass jedes Kind die gleiche formale Erklärung leisten muss.

  • Gemeinsames Abschlussprodukt: Eine Klassen-Tangramgeschichte ermöglicht individuelle Beiträge innerhalb eines zusammenhängenden Projekts.

Mein Fazit

Ich finde das Tangram gerade für eine jahrgangsgemischte Klasse 1 bis 4 richtig stark.

Denn hier muss ich nicht vier verschiedene Mathematikstunden gleichzeitig vorbereiten.

Alle Kinder können mit denselben sieben Teilen beginnen.

Der Unterschied liegt darin, was sie damit mathematisch tun.

Ein Kind erkennt ein Dreieck.

Ein anderes setzt zwei Dreiecke zu einer neuen Figur zusammen.

Das nächste löst einen schwierigen Umriss.

Und ein Viertklässler versucht zu begründen, warum seine Lösungsstrategie funktioniert oder weshalb unterschiedliche Tangramfiguren trotz völlig verschiedener Umrisse denselben Flächeninhalt besitzen.

Genau das ist für mich sinnvolle Differenzierung.

Besonders schön finde ich außerdem die Tangramkatze als Einstieg. Das Buch macht sofort sichtbar, was dieses scheinbar einfache Material kann:

Sieben Teile werden immer wieder neu angeordnet – und plötzlich entstehen völlig neue Bilder.

Für einen Unterrichtsbesuch würde ich allerdings nicht das reine Nachlegen wählen, sondern die Partnerstunde:

„Wie müssen wir eine Tangramfigur beschreiben, damit jemand anderes sie genauso legen kann?“

Hier treffen Raumvorstellung, geometrische Begriffe und mathematisches Kommunizieren direkt aufeinander.

Und das Beste daran:

Ein Erstklässler kann an genau derselben Forscherfrage arbeiten wie ein Viertklässler.

Nur die Präzision, Komplexität und Reflexionstiefe verändern sich.

Eure Caro

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FAQ

Für welche Klasse eignet sich Tangram im Mathematikunterricht?

Tangram eignet sich grundsätzlich für die gesamte Grundschule. Bereits in Klasse 1 können Kinder geometrische Formen erkennen und einfache Figuren nachlegen. In Klasse 3 und 4 lassen sich daraus zunehmend anspruchsvolle Aufgaben zu Raumvorstellung, Problemlösen, Symmetrie, Formenbeziehungen und mathematischem Argumentieren entwickeln. PIKAS stellt Tangram bereits für Klasse 1 und 2 vor, während KIRA auch anspruchsvollere Aufgaben für Klasse 3 untersucht. (Pikas)

Eignet sich Tangram für jahrgangsgemischten Unterricht?

Ja. Gerade dafür finde ich das Material besonders geeignet. Alle Kinder können dasselbe Tangram verwenden. Die Differenzierung erfolgt beispielsweise über eingezeichnete Hilfslinien, Komplexität der Figur, Anzahl der verwendeten Teile, sprachliche Anforderungen und notwendige Begründungen.

Aus welchen Teilen besteht ein Tangram?

Ein klassisches Tangram besteht aus sieben Teilen: zwei großen, einem mittleren und zwei kleinen Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm. (Betzold)

Welche Regeln gelten beim Tangram?

Beim klassischen Tangram werden alle sieben Teile verwendet. Die Teile dürfen sich nicht überdecken und sollen sich berühren. (Betzold)

Welche Kompetenzen fördert Tangram?

Besonders angesprochen werden Raumvorstellung, Kenntnisse über ebene Figuren, Zerlegen und Zusammensetzen, geometrische Lagebeziehungen sowie die prozessbezogenen Kompetenzen Problemlösen, Kommunizieren, Darstellen und Argumentieren. (Pikas)

Passt Tangram zum Lehrplan NRW?

Ja. Im Bereich „Raum und Form“ sollen Kinder ebene Figuren unter anderem durch Legen, Nachlegen, Auslegen, Zerlegen und Zusammensetzen herstellen. Außerdem werden geometrische Grundformen, weitere ebene Figuren, Raumvorstellung und Symmetrie aufgegriffen. (Lehrplan NRW)

Welche UB-Stunde eignet sich zum Tangram?

Für eine jahrgangsgemischte Lerngruppe finde ich eine Partnerstunde zum Beschreiben von Tangramfiguren besonders geeignet. Ein Kind beschreibt eine Figur, ohne dass das andere sie sehen kann. Dadurch entsteht ein echter Bedarf an präzisen Lageangaben und geometrischen Begriffen.

Wie kann ich Tangram-Aufgaben differenzieren?

Einfache Aufgaben zeigen die einzelnen Tangramteile bereits innerhalb der Vorlage. Schwieriger werden Aufgaben, wenn Hilfslinien entfernt werden, nur noch ein Umriss sichtbar ist oder die Vorlage verkleinert wird. Zusätzlich können ältere Kinder Lösungswege beschreiben, mehrere Lösungen suchen und deren Vollständigkeit begründen. (Pikas)

Was ist das Besondere am Parallelogramm im Tangram?

Das Parallelogramm ist im Gegensatz zu den übrigen Tangramteilen nicht spiegelsymmetrisch. Für bestimmte gespiegelte Positionen reicht Drehen deshalb nicht aus; das Teil muss gewendet werden. (friedrich-verlag.de)

Wie kann die Tangramkatze im Unterricht eingesetzt werden?

Das Bilder- und Spielebuch eignet sich besonders gut als gemeinsamer Einstieg oder als Rahmen für ein Abschlussprojekt. Die Geschichte zeigt, wie sich aus denselben sieben Teilen immer neue Figuren entwickeln. Anschließend können die Kinder selbst Figuren legen, Rätselkarten gestalten oder eine gemeinsame Tangramgeschichte entwickeln. (schaltzeitverlag.de)

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Unterrichtsentwurf Tangram für Klasse 1–4: jahrgangsgemischte Unterrichtsreihe mit UB-Stunde, Tangramkatze, Differenzierung und Lehrplan NRW.

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Diese jahrgangsgemischte Unterrichtsreihe zum Tangram eignet sich für den Mathematikunterricht in Klasse 1 bis 4. Die Kinder erkunden geometrische Formen, legen und zerlegen Figuren, lösen Tangramrätsel, entwickeln ihre Raumvorstellung und beschreiben Lagebeziehungen zunehmend präzise. Enthalten sind eine komplette Reihenplanung mit Tangramkatze, eine differenzierte UB-Stunde, Anforderungsbereiche, Materialideen, Sachanalyse sowie didaktische und methodische Begründung mit Lehrplanbezug NRW.

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