Home > Kunst > Unterrichtsentwurf Tannenbäume Delaunay
Quickfacts
Fach & Klasse: Die kurze Reihe zu Sonia Delaunay eignet sich für den Kunstunterricht in Klasse 3/4. Durch die Arbeit mit dem Zirkel ist ein sicherer Umgang mit diem Werkzeug hilfreich. Für jüngere Klassen lässt sich die Idee mit Kreisformen vereinfachen.
Zentraler Lernweg: Die Kinder lernen Sonia Delaunay und ihren Umgang mit geometrischen Formen, Kreisen und kräftigen Farbkontrasten kennen. Anschließend erproben sie Kreisformen mit dem Zirkel, entwickeln daraus die Silhouette eines Tannenbaums und gestalten die entstandenen Flächen mit Ölpastellkreiden farbig aus.
Lehrplanbezug: Die Reihe verbindet die Bereiche Malen sowie Zeichnen und Drucken. Der Lehrplan NRW sieht vor, dass die Lernenden mit Farbbeziehungen experimentieren, deren Wirkung erläutern und bildnerische Absichten durch den gezielten Einsatz malerischer Gestaltungsmittel verwirklichen.
Die Links zu Materialien sind Affiliate-Links. Für Käufer*innen ändert sich der Preis nicht, ich bekomme nur eine kleine Unterstützung für meine Arbeit.
Die Reihe habe ich als Grundstruktur geplant. Ihr könnt sie selbstverständlich für euren Unterricht und auch für Unterrichtsbesuche nutzen, solltet sie aber immer an die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Lernstände eurer eigenen Klasse anpassen.
Hinweis zu den Abbildungen: Die fotorealistischen Bilder wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung. Sie zeigen keine realen Schüler*innen und dokumentieren keine tatsächlich stattgefundenen Unterrichtssituationen.

Allgemeines
Die Idee für diese kleine Weihnachtsreihe habe ich damals von meiner Seminarleitung im Ref mitgenommen und finde sie bis heute richtig schön, weil sich Künstlerbezug, Farbgestaltung und der Umgang mit dem Zirkel sehr unkompliziert miteinander verbinden lassen.
Sonia Delaunay wurde 1885 in der heutigen Ukraine geboren und lebte und arbeitete später in Frankreich. Gemeinsam mit Robert Delaunay entwickelte sie eine abstrakte Bildsprache, in der Farbe, Rhythmus und geometrische Formen eine zentrale Rolle spielen. Bekannt sind ihre Arbeiten mit Kreisen, Kreisabschnitten, Bögen und stark kontrastierenden Farbflächen. Die National Gallery of Art beschreibt ihre Arbeiten als geprägt von leuchtenden, dynamischen Kreisformen; auch das MoMA hebt hervor, wie wichtig die Wirkung benachbarter Kontrastfarben für ihre künstlerische Arbeit war.
Delaunay beschränkte sich nicht auf klassische Gemälde. Sie arbeitete mit Textilien, Mode, Buchgestaltung und Innenräumen und übertrug ihre Farb- und Formideen auf verschiedene Bereiche. Für Kinder ist der Umgang mit Kreisen sehr zugänglich. Gleichzeitig entstehen durch Überlagerung, Teilung, Wiederholung, Größenunterschiede und kräftige Farbkontraste sehr unterschiedliche Bildwirkungen.
Der Tannenbaum ist kein Motiv Sonia Delaunays, sondern unsere eigene unterrichtliche Weiterentwicklung. Die Kinder sollen also keine konkrete Arbeit kopieren. Sie greifen vielmehr ausgewählte Gestaltungsideen auf und übertragen diese auf ein weihnachtliches Motiv.
Der rote Faden wäre: Delaunay kennenlernen → Kreise und Farben untersuchen → Baum aus Kreisformen entwickeln → mit Ölpastellkreiden gestalten und Wirkung reflektieren.

Reihenplanung
Thema der Reihe
Farbe und Kreise in Bewegung – Einen weihnachtlichen Tannenbaum nach Impulsen von Sonia Delaunay gestalten
Kindgerechte Themenformulierung
„Kreise, Farben, Weihnachten – Unser Tannenbaum nach Sonia Delaunay“
Kernanliegen der Reihe
Die Lernenden erweitern ihr bildnerisches Ausdrucksvermögen, indem sie Sonia Delaunays Umgang mit Kreisformen, geometrischer Gliederung und kontrastreicher Farbgestaltung untersuchen, Kreisformen mithilfe des Zirkels entwickeln und diese gezielt zu einer weihnachtlichen Tannenbaumkomposition anordnen und farbig gestalten, um aus ausgewählten künstlerischen Impulsen eine individuelle Bildidee zu entwickeln.
Aufbau der Reihe
| Einheit | Leitfrage | Kompetenzschwerpunkt |
| 1. Sonia Delaunay – Farbe in Bewegung | „Wie können Kreise und Farben ein Bild lebendig wirken lassen?“ | Die Lernenden untersuchen ausgewählte Werke Sonia Delaunays hinsichtlich Kreisformen, Überlagerungen und Farbkontrasten und beschreiben deren Wirkung. |
| 2. Mit dem Zirkel wird aus Kreisen ein Baum | „Wie können wir aus vielen Kreisen einen Tannenbaum entstehen lassen?“ | Die Lernenden planen eine Baumkomposition, indem sie unterschiedlich große Kreise und Kreisformen mit dem Zirkel zeichnen, überlagern und innerhalb einer Baumform anordnen. |
| 3. Farbe bringt die Kreise in Bewegung | „Wie können Kreise und Farben unseren Tannenbaum lebendig wirken lassen?“ | Die Lernenden gestalten ihre Kreisflächen mit Ölpastellkreiden, indem sie Farbkontraste und wechselnde Farbkombinationen bewusst einsetzen und deren Wirkung vergleichen. |
| 4. Unser Delaunay-Weihnachtswald | „Wie wirkt unser Tannenbaum – und welche Gestaltung macht ihn besonders?“ | Die Lernenden vervollständigen ihre Arbeiten, präsentieren sie gemeinsam und reflektieren den Einsatz von Kreis, Überlagerung und Farbe in den unterschiedlichen Bildlösungen. |

Vertiefung der einzelnen Einheiten
Einheit 1: Sonia Delaunay – Wie können Kreise und Farben ein Bild lebendig wirken lassen?
Zum Einstieg würde ich Arbeiten Sonia Delaunays betrachten. Nicht sofort: „Das ist Sonia Delaunay und sie malte Kreise.“ Sondern zuerst wirklich schauen:
Welche Formen entdeckt ihr?
Was wiederholt sich?
Welche Kreise sind vollständig?
Wo werden Kreise geteilt?
Welche Formen liegen übereinander?
Welche Farben liegen nebeneinander?
Wo schaut euer Auge zuerst hin?
In Arbeiten Delaunays finden sich immer wieder Kreise, Kreissegmente, Bögen und geometrische Flächen, die durch starke Farbunterschiede eine rhythmische und bewegte Wirkung bekommen. Die National Gallery of Art beschreibt ihre Composition von 1950 als Verbindung von geometrischen Formen, überlagerten Kreisen und kräftigen Farben.
Auch ihre Arbeit mit Farbe ist für die Reihe zentral. Sonia und Robert Delaunay beschäftigten sich intensiv damit, dass Farben sich gegenseitig in ihrer Wirkung verändern. Starke Gegensätze können benachbarte Farben optisch intensiver erscheinen lassen. Das MoMA nennt Rot und Grün, Blau und Orange sowie Gelb und Violett als Kontrastbeziehungen in Delaunays Arbeit. Für Klasse 3/4 würde ich daraus wenige klare Beobachtungen sammeln:
Delaunay arbeitet mit …
Kreisen und Halbkreisen,
unterschiedlich großen Kreisformen,
Überlagerungen,
kräftigen Farben,
starken Farbkontrasten,
Wiederholungen,
rhythmischen Anordnungen.
Anschließend können die Kinder in kleinen Kreisvorlagen bereits zwei bis drei unterschiedliche Farbkombinationen ausprobieren.
Lernzuwachs: Die Kinder beschreiben Sonia Delaunays Arbeiten nicht nur als „bunt“, sondern erkennen Kreisformen, Überlagerung, Wiederholung und Farbkontrast als bewusst eingesetzte Gestaltungsmittel.
Einheit 2: Mit dem Zirkel wird aus Kreisen ein Baum – Wie können wir aus vielen Kreisen einen Tannenbaum entstehen lassen?
In dieser Einheit liegt der Schwerpunkt auf der Komposition und dem Zirkel. Auf schwarzem Tonpapier bzw. auf einem Probeblatt überlegen die Kinder: Wie kann aus runden Formen ein Tannenbaum entstehen? Eine einfache Dreiecksform kann als gedankliche Orientierung dienen: oben wenige kleine Kreise, nach unten zunehmend größere bzw. mehr Kreisformen.
Wichtig finde ich, keine starre Schablone für jeden Kreis vorzugeben. Der Baum soll als Tannenbaum erkennbar sein, die innere Gestaltung darf aber unterschiedlich aussehen. Die Kinder zeichnen mit dem Zirkel:
kleine und große Kreise,
ineinanderliegende Kreise,
sich überschneidende Kreise,
angeschnittene Kreise am Rand,
ggf. Kreisformen, die durch zusätzliche Linien halbiert oder geviertelt werden.
Der Zirkel bietet sich für Klasse 3/4 an, weil die Verwendung eine Auge-Hand-Koordination verlangt und präzise geometrische Formen entstehen lässt. Falls der Zirkelgebrauch noch nicht vorausgesetzt werden kann, würde ich vorher eine technische Einführung einplanen: Spitze festsetzen – Radius einstellen – Zirkel am Kopf führen – ohne Druck drehen.
Lernzuwachs: Die Kinder nutzen den Zirkel kontrolliert und entwickeln aus unterschiedlich großen, überlagerten und gegliederten Kreisformen eine eigene Tannenbaumkomposition.

Einheit 3: Farbe bringt die Kreise in Bewegung – Wie können Kreise und Farben unseren Tannenbaum lebendig wirken lassen?
Diese Einheit würde ich als UB-Stunde wählen. Jetzt steht nicht die Frage im Mittelpunkt: „Wie male ich die Kreise aus?“ sondern: „Welche Farben setze ich nebeneinander und was passiert dadurch?“ Zum Einstieg können zwei Kreisformen unterschiedlich gestaltet gezeigt werden:
Variante A: mehrere sehr ähnliche Grün- und Blautöne.
Variante B: kräftige Unterschiede wie: Rot – Grün, Blau – Orange, Gelb – Violett
Die Kinder beschreiben die Wirkung.
Welche Variante wirkt ruhiger?
Welche kräftiger?
Wo werden Kreisgrenzen besonders sichtbar?
Delaunays Kunst bietet hierfür einen passenden Ausgangspunkt, weil das Zusammenspiel benachbarter Farben und geometrischer Flächen zu einem Eindruck von Rhythmus, Dynamik und Bewegung beiträgt. Anschließend gestalten die Kinder ihr Bäume mit Ölpastellkreiden. Dafür können wenige Gestaltungsideen gelten:
benachbarte Flächen sollen sich möglichst deutlich voneinander unterscheiden,
ein Kreis darf aus mehreren Farben bestehen,
konzentrische Kreise können unterschiedliche Farbringe bekommen,
Halbkreise dürfen gegensätzlich gestaltet werden,
Schwarz darf als Hintergrund bewusst sichtbar bleiben.
Ölpastellkreide finde ich schön, weil die kräftigen, deckenden Farben auf schwarzem Tonpapier sehr leuchtend wirken.
Lernzuwachs: Die Kinder wählen Farben nicht ausschließlich nach Lieblingsfarben aus, sondern setzen unterschiedliche Farbbeziehungen bewusst ein, um Kreisformen voneinander abzugrenzen und eine lebendige, rhythmische Gesamtwirkung zu erzeugen.
Einheit 4: Unser Delaunay-Weihnachtswald – Wie wirkt unser Tannenbaum und welche Gestaltung macht ihn besonders?
Zum Abschluss werden die Arbeiten fertiggestellt. Ein einfacher brauner bzw. farbiger Stamm kann ergänzt werden. Auf dem schwarzen Hintergrund können außerdem sparsam:
Sterne,
Punkte,
kleine Kreisformen,
einzelne goldene oder gelbe Akzente
ergänzt werden. Hier würde ich aufpassen, dass die Arbeiten nicht noch mit möglichst vielen weihnachtlichen Elementen gefüllt werden. Das Zentrum soll weiterhin sein:
Kreis – Farbe – Rhythmus – Tannenbaum.
Anschließend entsteht ein Galeriegang. Beobachtungsaufträge:
Finde einen Baum, bei dem Farben besonders stark gegeneinander wirken.
Wo wurden Kreise besonders interessant geteilt?
Wo entsteht durch Wiederholung ein Rhythmus?
Welche Arbeit erinnert dich an die zuvor betrachteten Gestaltungsideen Delaunays, ohne sie zu kopieren?
Die Kinder können zum Abschluss ihren Baum mit einem Satz reflektieren: „Besonders lebendig wirkt mein Baum durch …“
Lernzuwachs: Die Kinder beschreiben die Wirkung bildnerischer Entscheidungen mit fachlichen Begriffen und erkennen individuelle Lösungen desselben Gestaltungsauftrags an.

UB-Stunde
Thema der Stunde
Farbe bringt Kreise in Bewegung – Farbkontraste in Kreisformen nach Impulsen Sonia Delaunays untersuchen und für die Gestaltung eines Tannenbaums nutzen.
Kindgerechte Forscherfrage
„Wie können Kreise und Farben unseren Tannenbaum lebendig wirken lassen?“
Ziel der Stunde
Die Lernenden erweitern ihr bildnerisches Ausdrucksvermögen, indem sie die Wirkung unterschiedlicher Farbkombinationen innerhalb geometrischer Kreisformen vergleichen, kontrastierende beziehungsweise deutlich voneinander unterscheidbare Farben gezielt auswählen und mit Ölpastellkreiden auf ihre eigene Tannenbaumkomposition übertragen, um eine rhythmische und lebendige Farbwirkung zu erzeugen.
Verlauf der Stunde
| Phase | Inhalt | Sozialform | Material |
| Einstieg | Zwei gleich aufgebaute Kreisformen mit unterschiedlicher Farbgestaltung werden gegenübergestellt. | Plenum | Farbbeispiele |
| Bildgespräch | „Welche Form wirkt lebendiger? Woran könnte das liegen?“ | Plenum | Bildkarten |
| Künstlerbezug | Rückbezug auf Delaunays Kreise und Farbflächen. | Plenum | Werkabbildung |
| Forscherfrage | „Wie können Kreise und Farben unseren Tannenbaum lebendig wirken lassen?“ | Plenum | Fragekarte |
| Erarbeitung I | Farbtests: Kinder probieren Kombinationen in Kreisabschnitten aus. | Partner-/Einzelarbeit | Probekreise, Ölpastelle |
| Zwischenreflexion | Farbtests vergleichen. „Wo lassen sich die Flächen besonders gut unterscheiden?“ | Plenum | Probearbeiten |
| Gestaltungsauftrag | Kinder gestalten die Kreisflächen ihres eigenen Tannenbaums mit bewusst gewählten Farbkombinationen. | Einzelarbeit | schwarzes Tonpapier, Ölpastellkreiden |
| Mini-Galerie | Zwei bis drei Zwischenstände werden betrachtet. Kinder benennen wirkungsvolle Farbstellen. | Plenum | Kinderarbeiten |
| Weiterarbeit | Farbentscheidungen werden weitergeführt beziehungsweise gezielt verändert. | Einzelarbeit | Material |
| Sicherung | Unterschiedliche Lösungen werden nebeneinander betrachtet und ihre Wirkung versprachlicht. | Galeriegespräch | Arbeiten |
| Abschluss | „Mein Baum wirkt lebendig, weil …“ | Blitzlicht | Satzstarter |

Anforderungsbereiche
AB I – Wahrnehmen und benennen: Die Lernenden erkennen Kreise, Halbkreise, Überlagerungen und unterschiedliche Farbbeziehungen in Arbeiten Sonia Delaunays.
AB II – Erproben und gestalten: Die Lernenden entwickeln mit dem Zirkel Kreisformen und gestalten die entstandenen Flächen mit bewusst gewählten Farbkombinationen.
AB III – Vergleichen und begründen: Die Lernenden vergleichen Farb- und Formlösungen hinsichtlich ihrer Wirkung und begründen eigene gestalterische Entscheidungen.
Differenzierungsmöglichkeiten
Unterstützend
Zirkelradius bereits einstellen
Kreisgrößen auf einer kleinen Übersicht vorgeben
wenige unterschiedlich große Kreise verwenden
Tannenbaum-Silhouette ganz leicht mit Bleistift vorzeichnen
einzelne Kreise bereits vorzeichnen
Kreisschablonen statt Zirkel anbieten
größere Papierformate verwenden
weniger Überschneidungen verlangen
Farbauswahl begrenzen
Kontrastpaare als kleine Hilfekarten anbieten
einzelne Kreisflächen zunächst auf einem Probeblatt gestalten
Partnerhilfe beim Einstellen des Zirkels
Erweiternd
Radius vollständig selbst planen
besonders komplexe Überlagerungen erzeugen
konzentrische Kreise entwickeln
Kreise bewusst halbieren oder vierteln
unterschiedliche Farbrhythmen planen
Komplementärkontraste bewusst einsetzen
einzelne Farbkombinationen wiederholen und dadurch Rhythmus erzeugen
schwarze Zwischenräume als Gestaltungselement bewusst einplanen
Baum vollständig ohne äußere Hilfssilhouette entwickeln
Gestaltungsentscheidung schriftlich oder mündlich begründen
untersuchen, wie dieselbe Kreisform durch andere Farben völlig anders wirkt

Ideen für Klasse 1 bis 4
| Klasse | Mögliche Umsetzung |
| 1 | Kreisformen über Schablonen oder vorbereitete Kreise gestalten; Schwerpunkt auf kräftigen Farben und einfachen Farbunterschieden |
| 2 | unterschiedlich große Kreisschablonen kombinieren und einzelne Kreise selbst frei ergänzen |
| 3 | Zirkel nutzen, Radien einstellen, Kreise überlagern und Farbkontraste einsetzen |
| 4 | Komposition stärker selbst planen, Farbbeziehungen begründen, komplexe Teilungen und Wiederholungen als rhythmische Gestaltung einsetzen |
Materialideen
| Material | Einsatz |
| Werkabbildungen Sonia Delaunays | Künstlerbezug und Bildbetrachtung |
| Künstler-Steckbrief | kurze biografische Einordnung |
| schwarzes Tonpapier | kontrastreicher Bildgrund |
| Zirkel | unterschiedlich große Kreisformen zeichnen |
| Bleistift | Kreise und Baumkomposition vorzeichnen |
| Ölpastellkreiden | kräftige deckende Farbgestaltung |
| Farbkarten | Farbkontraste untersuchen |
| kleine Probekreise | Farbkombinationen testen |
Eine Unterrichtsidee zu Sonia Delaunay mit geometrischen Formen und kräftigen Farben findet ihr bei Leah Newton Art. Für diese Reihe würde ich mit ausgewählten Werkabbildungen und einer kurzen Künstlerbiografie arbeiten, damit viel Zeit für die eigene Gestaltung bleibt.

Typische Schwierigkeiten
Die Reihe wird zu einer Mathe-Zirkelstunde: Zirkel ist Werkzeug, nicht Gegenstand des Kunstunterrichts. Der Schwerpunkt bleibt auf Komposition, Form und Farbwirkung.
Die Zirkelspitze rutscht weg: Technik demonstrieren und auf Probepapier üben.
ie Kreise werden gleich groß: Bewusst verschiedene Radien einplanen und vergleichen, wie Größenunterschiede die Komposition verändern.
Es entsteht kein erkennbarer Tannenbaum: Eine sehr leichte gedachte oder vorgezeichnete Dreiecksform kann als äußere Orientierung dienen.
Kinder malen jeden Kreis einfach in einer Farbe aus: Kreise auch teilen, konzentrisch gliedern und überlagern lassen.
Alle Kinder nutzen dieselben Komplementärpaare: Farbkontraste als Möglichkeit anbieten, aber individuelle Farbentscheidungen zulassen.
„Nach Sonia Delaunay“ wird als exaktes Nachmalen verstanden: Klar benennen, dass Kreisformen, Rhythmus und Farbwirkung als kunstdidaktische Impulse genutzt werden. Der Tannenbaum ist eine eigene unterrichtliche Gestaltungsidee und keine Reproduktion eines Werkes Delaunays.
Es wird behauptet, Delaunay habe Weihnachtsbäume in diesem Stil gestaltet: Dafür gibt es in den hier verwendeten Quellen keine Grundlage. Der Weihnachtsbaum ist eine eigene Übertragung auf Grundlage ausgewählter Gestaltungselemente.
Herkunft: Museen bezeichnen sie als französische Künstlerin, geboren in der heutigen Ukraine. Das MoMA führt sie als „French, born Ukraine, 1885–1979“.
Lehrplanbezug NRW
Die Reihe lässt sich besonders gut mit dem Bereich „Malen“ im Lehrplan NRW verbinden. Am Ende von Klasse 4 sollen die Lernenden Farben und farbige Materialien hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Wirkungen beschreiben, mit Farbaufträgen und Farbbeziehungen wie hell-dunkel oder warm-kalt experimentieren und erläutern, wie der spezifische Farbeinsatz die Bildwirkung verändert. Außerdem sollen sie individuelle bildnerische Absichten durch den gezielten Einsatz malerischer Gestaltungsmittel und Werkzeuge realisieren. (Lehrplan NRW)
Hier setzt die Arbeit mit Delaunay an. Die Kinder wählen nicht beliebige Lieblingsfarben, sondern untersuchen, wie benachbarte Farben aufeinander wirken, und nutzen diese Erkenntnis anschließend für die eigene Gestaltung.
Ebenso relevant ist der Bereich „Zeichnen und Drucken“. Der Lehrplan sieht vor, dass die Kinder grafische Spuren und Strukturen untersuchen, unterschiedliche zeichnerische Mittel verwenden sowie Flächenabgrenzung und Überlagerung bewusst darstellen und individuelle Lösungswege miteinander vergleichen. Die ineinanderliegenden, geteilten und sich überschneidenden Kreisformen des Tannenbaums knüpfen sehr direkt daran an.
Darüber hinaus hebt der Kunstlehrplan die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Gestaltungsweisen und Bildstrategien von Künstler*innen hervor. Diese Begegnung soll Anregungen für eigenes experimentelles Arbeiten und eigene Ausdrucksformen schaffen. Damit ist genau der Ansatz der Reihe beschrieben: Delaunays Kunst wird nicht kopiert, sondern zum Ausgangspunkt eines eigenen Gestaltungsprozesses.

Sachanalyse
Sonia Delaunay wurde 1885 in der heutigen Ukraine geboren und starb 1979 in Paris. Sie lebte und arbeitete einen großen Teil ihres Lebens in Frankreich.
Sie war Malerin, Illustratorin, Druckgrafikerin und Designerin.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Robert entwickelte sie in Paris zu Beginn des 20.Jhd. eine abstrakte Bildsprache, die mit dem Orphismus / Simultanismus verbunden wird.
Im Mittelpunkt stand die Wirkung von Farbe und Farbbeziehungen. Farben wurden nicht nur isoliert verwendet. Ihre Wirkung verändert sich abhängig davon, welche andere Farbe daneben liegt. Stark kontrastierende Farben können dadurch intensiver erscheinen. Das MoMA nennt unter anderem Rot-Grün und Gelb-Violett als wichtige Kontrastbeziehungen in Delaunays Arbeit.
Geometrische Formen wie Kreise, Bögen, Halbkreise, Rechtecke und Flächenabschnitte prägen zahlreiche ihrer abstrakten Arbeiten.
Wiederholung und Veränderung von Formen können einen Rhythmus erzeugen.
Überlagerungen und unterschiedlich große Formen erzeugen zusätzliche Spannung innerhalb einer Komposition.
Delaunay arbeitete nicht ausschließlich als Malerin. Sie übertrug ihre Form- und Farbideen auch auf Textilien, Mode, Bühnenkostüme, Bücher und Innenraumgestaltung.
1964 erhielt sie als erste Frau zu Lebzeiten eine Retrospektive im Louvre.
Der in dieser Unterrichtsreihe entstehende Tannenbaum ist kein Motiv Sonia Delaunays, sondern eine didaktische Übertragung.
Die Kinder greifen insbesondere Kreisform, Teilung, Überlagerung, Wiederholung und kontrastierende Farbgestaltung als Gestaltungsideen auf. Die Arbeit mit dem Zirkel verbindet freie bildnerische Gestaltung mit einem geometrisch präzisen Werkzeug.
Der Zirkel ist Mittel zur Erzeugung der Form. Das künstlerische Ergebnis hängt nicht von mathematischen Messungen, sondern von der Komposition und Farbgestaltung ab.
Didaktische Begründung
Überschaubare Künstlerreihe: Sonia Delaunay lässt sich über wenige, gut sichtbare Gestaltungselemente kindgerecht erschließen.
Künstlerbezug mit Funktion: Die Bildbetrachtung liefert konkrete Erkenntnisse, die unmittelbar für die eigene Gestaltung gebraucht werden.
Abstrakte Kunst wird zugänglich: Kinder müssen keine realistische Darstellung beherrschen, sondern können über Farbe und geometrische Form gestalten.
Werkzeugkompetenz: Der Zirkel wird im bildnerischen Zusammenhang verwendet.
Farbwahrnehmung: Kinder entwickeln sich von intuitiver Lieblingsfarbwahl hin zu bewussteren Farbbeziehungen.
Kompositionskompetenz: Unterschiedlich große Kreise müssen innerhalb einer erkennbaren Baumform angeordnet werden.
Individuelle Lösungen: Obwohl alle einen Tannenbaum gestalten, kann kein Bild exakt wie das andere aussehen.
Materialwirkung: Ölpastellkreiden auf schwarzem Tonpapier erzeugen starke Leuchtkraft und deutliche Kontraste.
Jahreszeitlicher Anlass: Weihnachten bietet den motivierenden Rahmen, der fachliche Schwerpunkt bleibt aber auf Form, Farbe und Komposition.
Reflexion: Kinder lernen, Bildwirkung anhand von Gestaltungsmittel zu beschreiben.
Sichtbarer Lernzuwachs: Aus „Ich habe bunte Kreise gemalt“ wird „Ich habe Orange neben Blau gesetzt, damit sich die beiden Kreisflächen deutlich voneinander abheben.“

Methodische Begründung
Werkbetrachtung verhindert, dass die Reihe zu einer reinen Weihnachtsbastelei wird.
Offene Beobachtungsfragen ermöglichen eigene Entdeckungen der Kinder.
Zentrale Gestaltungsmerkmale halten Künstlerbegegnung für kurze Reihe fokussiert.
Farbexperimente vor der Hauptarbeit machen Farbwirkung unmittelbar sichtbar.
Zirkelübungen verhindern Frust auf dem eigentlichen schwarzen Tonpapier.
Tannenbaum-Silhouette gibt Struktur, ohne innere Komposition voll vorzugeben.
Ölpastellkreiden ermöglichen intensive Farbflächen und sind auf dunklem Untergrund besonders wirkungsvoll.
Zwischenreflexionen helfen, nicht wahllos Farbe an Farbe zu setzen, sondern Entscheidungen zunehmend bewusst zu treffen.
Galeriegang und Bildgespräch machen individuelle Lösungen sichtbar und fördern die sprachliche Reflexion über Kunst.
Mein Fazit
Die Idee gehört für mich zu diesen Kunstreihen, die nicht 10 Stunden brauchen, um fachlich zu funktionieren. Die Kinder lernen eine Künstlerin und eine Gestaltungsidee kennen, arbeiten mit einem anspruchsvolleren Werkzeug und haben am Ende ein richtig starkes Weihnachtsbild. Schön finde ich den schwarzen Hintergrund. Dadurch leuchten die Ölpastellfarben und die Bäume wirken wie aus einzelnen Lichtkreisen zusammengesetzt.
Trotzdem würde ich die Reihe nicht unter: „Wir malen einen Baum wie Delaunay.“ laufen lassen. Viel passender finde ich: „Wir untersuchen, wie Sonia Delaunay mit Kreisen und Farbe gearbeitet hat – und entwickeln daraus unsere eigene Weihnachtsidee.“ So bleibt der Künstlerbezug fachlich sauber und die Arbeiten werden nicht zu Kopien.
Eure Caro
Instagram – Alles für die Schule.
FAQ
Für welche Klasse eignet sich der Tannenbaum nach Sonia Delaunay?
Mit einem Zirkel finde ich die Reihe besonders passend für Klasse 3/4. Mit Kreisschablonen lässt sie sich aber auch für Klasse 1/2 vereinfachen.
Wer war Sonia Delaunay?
Sonia Delaunay war eine 1885 in der heutigen Ukraine geborene französische Künstlerin und Designerin. Sie arbeitete mit abstrakten geometrischen Formen und intensiven Farbbeziehungen und war auch in den Bereichen Textil und Mode tätig.
Was ist typisch für Sonia Delaunay?
Zu den gut zugänglichen Merkmalen gehören kräftige Farben, geometrische Formen, Kreise, Bögen, Überlagerungen, Wiederholungen und rhythmische Kompositionen.
Hat Sonia Delaunay Weihnachtsbäume gemalt?
Für diese Gestaltungsidee gibt es in den Quellen keine Grundlage. Der Tannenbaum ist eine eigene kunstdidaktische Übertragung ausgewählter Form- und Farbprinzipien.
Welche Materialien brauche ich?
Vor allem schwarzes Tonpapier, Zirkel, Bleistift und kräftige Ölpastellkreiden. Für den Abschluss können einzelne Sterne oder Lichtpunkte ergänzt werden.
Warum eignet sich schwarzes Tonpapier?
Die kräftigen Ölpastellfarben heben sich sehr deutlich vom dunklen Hintergrund ab. Gleichzeitig bleiben schwarze Zwischenräume als Teil der Bildgestaltung sichtbar.
Welche UB-Stunde eignet sich?
Ich würde die Stunde „Wie können Kreise und Farben unseren Tannenbaum lebendig wirken lassen?“ wählen. Die Kinder vergleichen Farbkombinationen und wenden ihre Erkenntnisse direkt auf das eigene Bild an.
Muss jedes Kind Komplementärfarben nutzen?
Nein. Komplementärkontraste können untersucht und angeboten werden, sollten aber keine Vorgabe sein. Entscheidend ist, dass sie Farbwirkungen wahrnehmen und gestalten.
Wie kann ich beim Zirkel differenzieren?
Schwächere Kinder können vorgezeichnete Kreise, eingestellte Zirkel oder Kreisschablonen nutzen. Stärkere Kinder planen Radien, Überlagerungen und Kreisgliederungen selbst.
Passt die Reihe zum Lehrplan NRW?
Ja. Besonders gut passt sie zu Malen sowie Zeichnen und Drucken. Farbwirkungen, Farbbeziehungen, grafische Strukturen, Überlagerungen und individuelle Bildideen sind dort verankert. Auch die Begegnung mit Gestaltungsweisen von Künstler*innen ist ein wichtiger Bestandteil des Kunstunterrichts. (Lehrplan NRW)







Responses
What are your thoughts on this post?