Von der Tafel ins Abenteuer

Von der Tafel ins Abenteuer

7

  Minute Lesedauer

Warum Lehren weltweit die beste Reise deines Lebens sein könnte!

Als ich hier in Deutschland mit dem Unterrichten anfing, kam mir ehrlich gesagt nie der Gedanke, irgendwo anders zu lehren. Ich war fest davon überzeugt, dass meine Abschlüsse, das Staatsexamen und das Referendariat so eng an das deutsche Bildungssystem gekoppelt waren, dass ein Wechsel ins Ausland praktisch unmöglich wäre. Es fühlte sich an, als sei meine Karriere auf eine einzige, sture Route beschränkt – eine Einbahnstraße ohne Ausfahrten. Kennt ihr dieses Gefühl? Der Gedanke, dass es keine anderen Optionen gibt, als bis zur Pensionierung im gleichen System zu verweilen? Doch das Leben steckt voller Überraschungen.

Der Wendepunkt kam für mich, als ich meinen jetzigen Partner aus Australien kennenlernte. Plötzlich war der Gedanke an einen Auslandseinsatz nicht mehr nur eine Fantasterei, sondern eine greifbare Möglichkeit. Während ich anfing, nach Optionen zu suchen, stieß ich auf eine unglaubliche Geschichte im Internet, die meine Sichtweise komplett veränderte. Sie handelte von einer Lehrkraft, die in den USA verzweifelt nach einem Job suchte, aber an der großen Konkurrenz scheiterte. Sie wagte den Sprung ins Unbekannte, bewarb sich international und landete – man höre und staune – in Kuwait.

Das Verrückte daran: Sie unterrichtete dort Wirtschaftskunde, ein Fach, das sie eigentlich hasste. Doch durch diese Erfahrung, fernab der Heimat und in einem völlig neuen kulturellen Kontext, entdeckte sie eine brennende Leidenschaft für genau dieses Fachgebiet. Ist das nicht faszinierend? Könnt ihr euch vorstellen, etwas zu tun, das ihr zunächst ablehnt, nur um festzustellen, dass genau dort eure Berufung liegt? Diese Geschichte öffnete mir die Augen: Lehren ist universell. Es ist der Schlüssel zu einem Abenteuer, das weit über das Klassenzimmer hinausgeht.

Warum Pädagogik keine Grenzen kennt: Lehren ist universell

Diese Anekdote aus Kuwait hat mich eines gelehrt: Die Kernkompetenzen, die wir uns mühsam angeeignet haben, sind nicht an die deutsche Landesgrenze gebunden. Natürlich hat jedes Land seine Eigenheiten, Lehrpläne und schulischen Systeme. Aber im Kern geht es beim Unterrichten immer um dasselbe: eine Verbindung zu Schülerinnen und Schülern aufzubauen, ihre Neugierde zu wecken und ihnen beim Wachsen zu helfen.

Pädagogische Grundfähigkeiten sind die Währung, mit der wir weltweit bezahlen können. Empathie, Klassenmanagement, didaktische Reduktion und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären – das sind universelle Talente. Ob du nun in München Mathematik erklärst oder in Bangkok Englisch unterrichtest: Das Leuchten in den Augen eines Kindes, das gerade etwas verstanden hat, sieht überall auf der Welt gleich aus. Sobald man die Grundlagen beherrscht, kann man diese Fähigkeiten praktisch überall einsetzen. Es geht nicht nur darum, ein Fach zu kennen; es geht darum, junge Geister zu inspirieren – und das funktioniert weltweit!

Mythos "Deutscher Abschluss": Wie viel ist unser Staatsexamen wert?

Viele von uns schrecken vor dem Schritt ins Ausland zurück, weil wir die bürokratischen Hürden fürchten. "Wie werden deutsche Lehramtsabschlüsse international überhaupt anerkannt?", fragen wir uns. Die gute Nachricht ist: Deutsche Ausbildungen genießen weltweit einen exzellenten Ruf. Das deutsche Referendariat gilt international oft als "Goldstandard" der praktischen Lehrerausbildung.

Zwar ist der direkte Einstieg in das staatliche Schulsystem eines anderen Landes oft schwierig und mit Lizenzierungsverfahren verbunden, doch die Welt der Privatschulen und International Schools steht uns weit offen. Das System des International Baccalaureate (IB) beispielsweise sucht händeringend nach qualifizierten Fachkräften. Auch die mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen (DAS) sind eine fantastische Anlaufstelle, um im vertrauten System, aber in einer völlig neuen Umgebung zu arbeiten. Eure Qualifikationen sind also keine Fessel, sondern eher ein VIP-Ticket, wenn man weiß, wo man es vorzeigen muss.

Persönliches Wachstum: Raus aus der Komfortzone

Sich an verschiedene Bildungssysteme anzupassen, lokale Bräuche zu lernen oder herauszufinden, wie man Schüler*innen digital besser erreicht, bringt natürlich Herausforderungen mit sich. Es ist nicht immer leicht, die eigene Komfortzone zu verlassen. Kulturelle Missverständnisse, administrative Hürden bei Visa-Anträgen oder einfach das Heimweh können belastend sein. Aber genau darin liegt der Reiz und der größte Vorteil für eure persönliche Entwicklung.

Wer im Ausland unterrichtet, lernt Resilienz auf einem ganz neuen Level. Man entwickelt eine interkulturelle Kompetenz, die man in keinem Seminar lernen kann. Man wird flexibler, offener und kreativer in der Problemlösung. Diese "Soft Skills" sind auch bei einer eventuellen Rückkehr nach Deutschland von unschätzbarem Wert. Ihr werdet nicht nur als bessere Lehrkräfte zurückkehren, sondern als Menschen, die wissen, dass sie fast jede Situation meistern können. Liebt ihr nicht den Gedanken, zu sehen, wohin euch dieser Mut führt?

Die digitale Freiheit: Unterrichten vom Sofa aus

Und dann gibt es da ja noch die ganze Welt des Online-Lehrens! Wir leben in einer Zeit, in der das Klassenzimmer nicht mehr aus vier Wänden bestehen muss. Plattformen und digitale Brücken ermöglichen es uns, Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt zu erreichen, ohne unser Zuhause zu verlassen. Stellt euch vor, ihr könntet Einzelunterricht oder Gruppenkurse für Menschen in China, Europa oder Australien geben – alles bequem vom Sofa aus.

Der Einstieg in das Online-Tutoring ist oft niederschwelliger als ein Umzug ins Ausland. Plattformen wie Preply, iTalki oder spezialisierte Anbieter für Nachhilfe (wie GoStudent oder Sofatutor) suchen ständig nach qualifizierten Lehrkräften. Hier könnt ihr erste Erfahrungen sammeln, wie es ist, Wissen über digitale Kanäle zu vermitteln. Es erfordert ein Umdenken: Wie halte ich die Aufmerksamkeit ohne physische Präsenz? Welche Tools nutze ich zur Visualisierung? Doch diese Fähigkeiten sind die Zukunft des Lehrens. Plattformen wie diese machen es möglich, unser Wissen mit Menschen zu teilen, die es vielleicht sonst nie erfahren würden – und das bei völliger ortsunabhängiger Freiheit.

Praktische Schritte: Wie bewerbe ich mich für die Welt?

Wenn euch nun das Fernweh gepackt hat, fragt ihr euch sicher: "Wie fange ich an?" Der erste Schritt ist, den eigenen Lebenslauf zu internationalisieren. Aus dem deutschen tabellarischen Lebenslauf muss oft ein anglo-amerikanischer "Resume" werden, der weniger auf reine Daten und mehr auf Kompetenzen und Erfolge (sogenannte "Achievements") fokussiert ist.

Für die Jobsuche gibt es spezialisierte Portale. Seiten wie "TES" (Times Educational Supplement) oder "Search Associates" sind Giganten auf dem Markt für internationale Lehrerstellen. Für den staatlichen Auslandsschuldienst ist die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Deutschland der erste Ansprechpartner. Der Bewerbungsprozess für internationale Schulen beginnt oft sehr früh, meist schon im Herbst für das kommende Schuljahr. Seid mutig, bewerbt euch auch auf Stellen, die vielleicht nicht zu 100% perfekt klingen – erinnert euch an die Kollegin in Kuwait!

Fazit: Eure Karriere ist eine Reise, kein Stillstand

Die Vorstellung, im Ausland oder online zu unterrichten, ist unglaublich befreiend. Egal ob man in ein neues Land zieht oder sich einfach virtuell mit Schüler*innen aus aller Welt verbindet – die Möglichkeiten sind grenzenlos. Man muss nicht an einem Ort festgebunden sein oder sich strikt an traditionelle Klassenzimmer halten. Lehren kann zur Reise werden – eine Chance, neue Kulturen zu erkunden, von unterschiedlichen Perspektiven zu lernen und sowohl persönlich als auch beruflich über sich hinauszuwachsen.

Also, was denkt ihr? Würdet ihr darüber nachdenken, im Ausland zu lehren oder vielleicht mal Online-Tutoring auszuprobieren? Habt ihr vielleicht sogar schon eigene Geschichten darüber, wie ihr die Grenzen des Unterrichtens überschritten habt? Die Welt ist voller Möglichkeiten, und Lehren – sei es live vor Ort oder per Bildschirm – ist eine großartige Art, sie wirklich zu erleben. Packt euren Koffer (oder euren Laptop) und traut euch: Euer Abenteuer wartet.

Hi! Ich bin Caro, Lehrerin und reise mit meinem Partner in unserem T4 Bulli einmal um die Welt. Hier erfährst du mehr über mich. Ich freue mich, dass du da bist! 

© 2025 Carosclass. Alle Rechte vorbehalten.

Impressum

Datenschutz

Nutzungsbedingungen