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Quick Facts: Erster Unterrichtsbesuch im Referendariat
Beim ersten Unterrichtsbesuch wird oft weniger das perfekte Methodenfeuerwerk bewertet als dein Auftreten als Lehrkraft, dein Umgang mit der Lerngruppe und dein Classroom Management.
Wenn du mit einer fremden oder noch wenig bekannten Klasse arbeitest, helfen dir vor allem klare Rituale, kurze Arbeitsaufträge und bekannte Signale aus der Klasse.
Ein kleiner Ablaufzettel mit Phasen und Zeitangaben auf dem Pult ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern eine sinnvolle Hilfe gegen Blackouts in einer offiziellen Besuchssituation.
Der erste Unterrichtsbesuch im Referendariat fühlt sich für viele größer an, als er am Ende ist. Man plant, grübelt, überdenkt jede Formulierung und hat das Gefühl, die ganze Stunde müsse perfekt sein. Genau das macht den ersten UB oft unnötig schwer.
Dieser Artikel basiert auf meiner eigenen Erfahrung mit dem ersten Unterrichtsbesuch im Referendariat. Im Mittelpunkt stehen also keine abstrakten Seminartipps, sondern das, was mir selbst Sorgen gemacht hat, was mir geholfen hat und was ich heute anders sehen würdest. Der erste UB ist nicht einfach nur eine methodische Aufgabe, sondern ein echter Rollenwechsel.
Was ist beim ersten Unterrichtsbesuch wirklich wichtig?
Viele denken vor dem ersten UB, sie müssten vor allem eine spektakuläre Stunde zeigen. In der Praxis ist am Anfang oft etwas anderes wichtiger: Du selbst als Lehrkraft.
Die Seminarleitung weiß in der Regel, dass du neu in der Schule bist, die Lerngruppe noch nicht lange kennst und nicht schon ein halbes Jahr eingespielt vor der Klasse stehst. Deshalb wird beim ersten Besuch sehr genau darauf geschaut, wie du im Raum wirkst. Sprichst du klar? Bist du freundlich und gleichzeitig eindeutig? Kannst du Präsenz aufbauen? Reagierst du ruhig, wenn etwas nicht perfekt läuft?
Das ist eine große Entlastung, wenn man es einmal wirklich versteht. Der erste UB ist nicht die Stunde, in der du beweisen musst, dass du das gesamte Methodenbuch auswendig beherrschst. Es ist die Stunde, in der sichtbar wird, ob Kinder dich als Lehrkraft wahrnehmen und ob du in der Situation handlungsfähig bleibst.
Wenn du dich generell gerade ins Referendariat einfindest, helfen dir dazu auch meine Beiträge zu Dauer des Referendariat, mein Erfahrungsbericht im Referendariat und Anzahl meiner Unterrichtsbesuche.
Wie bereite ich mich auf den ersten Unterrichtsbesuch vor?
Plane klarer, nicht komplizierter.
Gerade beim ersten UB bringt es meistens mehr, eine übersichtliche Stunde mit sauberer Struktur zu zeigen als eine überladene Stunde mit drei Methodenwechseln, die am Ende niemand richtig greifen kann. Ein klarer Einstieg, eine nachvollziehbare Erarbeitung und eine kurze Sicherung sind oft deutlich stärker als ein didaktisches Feuerwerk.
Hilfreich ist, wenn du dir bei der Vorbereitung diese Fragen stellst:
Was sollen die Kinder am Ende wirklich gelernt haben?
Welche Phase ist dafür entscheidend?
Welche Anweisung muss dafür glasklar sein?
Wo könnten Unruhe oder Missverständnisse entstehen?
Gerade für den ersten Besuch darf die Stunde einfach sein. Einfach heißt nicht schwach. Einfach heißt, dass du sie führen kannst.

Warum deine Lehrerpersönlichkeit am Anfang wichtiger ist als die perfekte Methode
Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Natürlich spielt Methodik eine Rolle. Aber im ersten UB ist deine Lehrerpersönlichkeit oft der tragende Faktor.
Damit ist nicht gemeint, dass du künstlich besonders streng oder besonders locker wirken sollst. Im Gegenteil. Kinder merken sehr schnell, wenn jemand eine Rolle spielt. Viel überzeugender ist es, wenn du in deiner Art klar bleibst und trotzdem führst. Du kannst freundlich sein und Grenzen setzen. Du kannst ruhig sprechen und trotzdem Autorität haben. Du kannst nahbar sein, ohne dich klein zu machen.
Autorität entsteht am Anfang selten durch Lautstärke. Sie entsteht durch Klarheit. Wenn du sagst, was du erwartest, wenn du auf Signale reagierst und wenn du Störungen nicht ignorierst, wirkt das meist stärker als jeder künstlich harte Ton.
Wenn du dich für Klassenführung und Miteinander allgemein interessierst, passt der Ansatz der gewaltfreien Kommunikation und der des Growth Mindsets sehr. Beides sind Seminarinhalte meines Referendariats gewesen.
Wie gehe ich mit einer fremden oder wenig bekannten Lerngruppe um?
Das ist beim ersten UB oft die eigentliche Schwierigkeit. Du sollst eine gute Stunde zeigen, kennst aber die Dynamik der Klasse noch nicht wirklich. Genau deshalb ist die Vorbereitung auf die Lerngruppe fast wichtiger als die schönste Materialidee.
Sprich unbedingt mit deiner Mentorin oder deinem Mentor. Frag nicht nur nach dem Thema und dem Stoffstand, sondern auch nach den Abläufen der Klasse. Welche Rituale sind etabliert? Welches Leisezeichen kennen die Kinder? Wie starten Stunden? Wie laufen Übergänge? Wer braucht besonders klare Ansprache? Wer braucht eher Ermutigung?
Wenn du bekannte Rituale übernimmst, gibst du der Klasse Sicherheit. Das senkt die Unruhe und hilft dir in der Führung. Kinder verhalten sich in Besuchssituationen oft nicht deshalb schwierig, weil sie dich testen wollen, sondern weil Unsicherheit im Raum ist. Verlässliche Abläufe fangen genau das auf.
Welche Struktur funktioniert für den ersten Unterrichtsbesuch am besten?
Für den ersten UB ist eine einfache, sichtbare Struktur fast immer die beste Wahl.
| Phase | Ziel | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Einstieg | Fokus herstellen | kurz, klar, ohne lange Vorrede |
| Erarbeitung | fachliches Arbeiten ermöglichen | eindeutige Aufgabe, bekannte Sozialform |
| Arbeitsphase | Kinder aktiv werden lassen | Material griffbereit, Zeit realistisch planen |
| Sicherung | Ergebnisse sichtbar machen | lieber kurz und konkret als gehetzt |
| Abschluss | Stunde rund schließen | ein klarer letzter Satz reicht oft |
Diese Struktur ist nicht spektakulär, aber tragfähig. Gerade im ersten UB brauchst du keine Stunde, die an der Oberfläche beeindruckt. Du brauchst eine Stunde, die trägt, auch wenn du kurz den Faden verlierst oder eine Phase länger dauert als gedacht.
Was hilft organisatorisch wirklich?
Mein Tipp: Leg dir deinen Ablaufzettel aufs Pult.
Darauf stehen die Phasen, die Zeitfenster und vielleicht ein oder zwei Formulierungen, die du nicht vergessen willst. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist eine kluge Absicherung. In aufgeregten Situationen kann ein kurzer Blick auf diesen Zettel unglaublich entlastend sein. In einem UB habe ich komplett den Faden verloren und dann ganz offen und ehrlich zu den Kindern gesagt "Jetzt habe ich doch tatsächlich vergessen, was ich sagen wollte. Ich schaue einmal schnell auf meinen schlauen Zettel und dann geht es sofort weiter!" Die Transparenz den Schüler*innen gegenüber ist einfach am Wichtigsten und das merken auch deine Prüfenden.
Ebenso wichtig ist alles, was vor der Stunde passiert. Materialien sortieren. Technik vorher testen. Tafelanschrift vorbereiten. Arbeitsblätter abzählen. Stifte, Karten oder Impulse griffbereit legen. Je weniger du während der Stunde suchen oder improvisieren musst, desto ruhiger wirkst du.
Gerade wenn du viel selbst gestaltest, könnte mein Beitrag zur Materialerstellung mit Canva spannend für dich sein!

Wie gehe ich mit Aufregung vor dem ersten UB um?
Die Aufregung gehört dazu. Sie bedeutet nicht, dass du ungeeignet bist. Sie bedeutet nur, dass dir die Situation wichtig ist.
Was vielen hilft, ist ein Perspektivwechsel. Der erste Unterrichtsbesuch ist nicht nur Kontrolle. Er ist auch Unterstützung. Ja, du wirst beobachtet. Aber du bekommst dadurch auch Rückmeldung, die dir für die nächsten Besuche hilft. Wenn du ihn nur als Urteil über dich siehst, wird der Druck größer. Wenn du ihn als Lernschritt begreifst, wird er handhabbarer.
Hilfreich ist auch, dir vor der Stunde bewusst zu machen, dass niemand eine perfekte Stunde erwartet. Die Seminarleitung kennt die Situation. Fehlerfreie 45 Minuten sind kein realistischer Maßstab. Wichtiger ist, wie du mit kleinen Stolperern umgehst.
Welche typischen Fehler passieren beim ersten Unterrichtsbesuch?
Ein sehr häufiger Fehler ist das Methoden-Feuerwerk.
Man will zeigen, was man alles kann, und plant zu viel in zu wenig Zeit. Am Ende wird die Stunde hektisch und die Kinder kommen nicht richtig ins Arbeiten.
Ein zweiter Fehler ist, den eigenen Plan zu starr durchzuziehen. Wenn eine Phase nicht so läuft wie gedacht, wird krampfhaft am Ablauf festgehalten. Dabei wirkt es oft viel souveräner, kurz zu reagieren und etwas anzupassen. Wenn die Arbeitsphase länger dauert, dann kürzt man eben die Reflexion und bespricht dies mit den Kindern.
Ein dritter Fehler ist, Störungen oder Unruhe zu ignorieren, nur weil Besuch im Raum sitzt. Genau dann wird aber sichtbar, ob du führen kannst. Freundlich bleiben ist gut. Alles laufen lassen ist keine gute Lösung. Auch als Lehrer*in darfst du laut werden.
Ein vierter Fehler passiert nach der Stunde: Viele gehen sofort in die Verteidigung. Dabei ist das Feedback gerade der Teil, der dich wirklich weiterbringen kann. Die Nachbesprechungen waren für mich immer viel aufregender, als die Stunden selbst. Wirklich hilfreich ist es, wenn du die Nachbesprechung vorbereitest. Nutze eine Vorlage zur strukturierten Stellungnahme und fülle Aspekte wie das Kernanliegen bereits vorher haus. Meine Vorlage zur Stellungnahme findest du hier!

Wie gehe ich mit dem Feedback nach dem Unterrichtsbesuch um?
Das ist vielleicht der wichtigste Perspektivwechsel im ganzen Referendariat. Ein UB ist nicht nur eine Stunde, sondern immer auch eine Rückmeldungsschleife, die bei mir (leider) auch benotet wurde.
Wenn etwas kritisch angesprochen wird, heißt das nicht automatisch, dass die Stunde schlecht war oder du versagt hast. Oft zeigen gerade die kritischen Punkte, an welchen Schrauben du für den nächsten Besuch drehen kannst. Genau darin liegt der Nutzen.
Am stärksten wirkst du nach dem Gespräch, wenn du zuhörst, nachfragst und überlegst, was du konkret mitnimmst. Nicht jede Anmerkung musst du sofort lieben. Aber wenn du sie professionell aufnehmen kannst, zeigt das Reflexionsfähigkeit. Und die ist im Referendariat mindestens so wichtig wie eine einzelne schöne Stunde.
Meine wichtigste Empfehlung für deinen ersten UB
Versuch nicht, jemand anderes zu sein.
Versuch nicht, die perfekte Seminarstunde zu spielen. Versuch lieber, klar, freundlich und vorbereitet vor die Klasse zu gehen.
Dein erster Unterrichtsbesuch muss nicht glänzen wie eine Musterstunde aus dem Lehrbuch. Er muss zeigen, dass du mit Kindern arbeiten kannst, dass du in der Rolle der Lehrkraft ankommst und dass du lernbereit bist. Genau das ist viel überzeugender als jede überinszenierte Stunde.
Wenn du Sorgen vor deinem ersten UB oder der Nachbesprechung hast, dann schreib mir doch eine DM bei Instagram und wir bereiten alles gemeinsam vor!
Eure Caro
Instagram - Für mehr ehrliche Einblicke ins Referendariat, Unterrichtsbesuche und alles, was ich selbst gern früher gewusst hätte.
FAQ
Wie wichtig ist der erste Unterrichtsbesuch wirklich?
Der erste Unterrichtsbesuch ist wichtig, weil er den Einstieg in die offizielle Besuchspraxis markiert. Gleichzeitig ist er kein Endurteil über dich, sondern vor allem ein erster sichtbarer Lernschritt im Referendariat. Meine Seminarleitung hat sich von uns gewünscht, dass wir "schwächer" starten, um eine Wachstumskurve sehen zu können!
Was wird beim ersten Unterrichtsbesuch besonders beobachtet?
Oft stehen beim ersten UB weniger spektakuläre Methoden im Mittelpunkt als dein Auftreten als Lehrkraft, deine Klarheit, dein Umgang mit der Klasse und deine Reaktion auf kleine Störungen oder Unsicherheiten.
Muss meine erste UB-Stunde besonders kreativ sein?
Nein. Eine klare, ruhige und gut geführte Stunde ist meist stärker als ein überladener Ablauf mit zu vielen Methoden. Gerade beim ersten UB ist weniger oft mehr.
Darf ich beim Unterrichtsbesuch einen Spickzettel nutzen?
JA! Ein kleiner Ablaufzettel mit Phasen und Zeitangaben ist sinnvoll und hilft gegen Blackouts. Das wirkt nicht unvorbereitet, sondern strukturiert.
Wie bereite ich mich auf eine fremde Lerngruppe vor?
Sprich mit deiner Mentorin oder deinem Mentor über Rituale, Regeln, Signale und Klassendynamik. Bekannte Abläufe geben der Klasse Sicherheit und helfen dir bei der Führung.
Was mache ich, wenn in der Stunde etwas schiefläuft?
Bleib ruhig und reagiere klar. Eine Stunde wird nicht dadurch gut, dass nichts schiefläuft, sondern oft dadurch, wie souverän du mit kleinen Stolperern umgehst.
Wie sollte ich mit Kritik nach dem Unterrichtsbesuch umgehen?
Am besten professionell und offen. Hör zu, frag nach und überlege, was du für den nächsten UB mitnehmen kannst. Genau dafür sind die Besuche da. Schreib deine Besprechungspunkte mit und erwähne sie in der Nachbesprechung des darauffolgenden Besuchs. Dann sehen deine Seminarleitenden, dass du dir Gedanken gemacht hast!
Was ist der häufigste Fehler beim ersten Unterrichtsbesuch?
Ein sehr häufiger Fehler ist, zu viel zu wollen: zu viele Methoden, zu viele Materialien, zu viele Ziele in einer Stunde. Das führt oft eher zu Hektik als zu guter Beobachtbarkeit.







