Wie lange dauert das Lehramts-Referendariat

Wie lange dauert das Lehramts-Referendariat?

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Der Überblick: Wie lange dauert das Referendariat in Deutschland?

Die Antwort ist, wie so oft im deutschen Föderalismus: Es kommt darauf an, wo ihr seid. Grundsätzlich hat sich die Landschaft der Lehrerausbildung in den letzten Jahren stark gewandelt. Während das Referendariat klassischerweise einmal 24 Monate (also 2 Jahre) dauerte, ist der Standard in den meisten Bundesländern heute kürzer.

In den meisten Fällen – und so war es auch bei mir in NRW – dauert der Vorbereitungsdienst nun 18 Monate (1,5 Jahre).

Es gibt jedoch Ausreißer. Bayern hält beispielsweise in vielen Schulformen noch an den vollen 24 Monaten fest, während andere Bundesländer experimentieren oder je nach Schulform (Gymnasium vs. Grundschule) unterscheiden. Es ist also extrem wichtig, dass ihr nicht nur „Referendariat Dauer“ googelt, sondern explizit euer Bundesland und eure Schulform dazu schreibt. Für NRW, wo ich meinen Weg gegangen bin, sind die 18 Monate aktuell das Maß der Dinge - für alle Schulformen.

Wie lange dauert das Lehramts-Referendariat

Warum wurde die Zeit von 24 auf 18 Monate verkürzt?

Vielleicht fragt ihr euch: „Fehlt mir da nicht ein halbes Jahr Ausbildung?“ Das ist eine berechtigte Sorge, die wir auch im Seminar oft diskutiert haben. Der Hauptgrund für die Verkürzung ist politischer und pragmatischer Natur: Der Lehrkräftemangel.

Die Bundesländer, allen voran NRW, haben die Dauer verkürzt, um schneller fertig ausgebildete Lehrkräfte an die Schulen zu bekommen. Das Ziel ist klar: Wir sollen schneller berufstätig sein, volle Stellen besetzen und natürlich auch schneller voll bezahlt werden. Das hat Vor- und Nachteile.

Der Vorteil ist natürlich, dass man „schneller durch“ ist. Der Nachteil: Dasselbe Pensum an Prüfungsstoff und Entwicklung muss nun in komprimierter Zeit stattfinden. Das bedeutet oft mehr Stress in weniger Zeit.

Aber die Politik hat sich dabei (theoretisch) etwas gedacht: Die „fehlenden“ sechs Monate sind nicht einfach verpufft, sondern wurden strukturell in das Masterstudium verschoben – als sogenanntes Praxissemester. Dieses soll als intensive Vorbereitung auf das Referendariat dienen.

Hier kommt allerdings mein persönlicher „Real-Talk“ dazu: Viele von uns empfanden das als unfair. Im Praxissemester stehen wir schon in der Schule, machen Unterrichtsbesuche und unterrichten teilweise selbstständig – alles unbezahlt. Wir leisten Arbeit, für die wir im Ref zumindest Anwärterbezüge bekommen würden. Zudem laufen nebenbei noch die Begleitseminare an der Uni. Es ist also eine Verlagerung der Last, die finanziell eher zu unseren Ungunsten ausfällt. Aber: Es hilft tatsächlich, im Ref nicht komplett ins kalte Wasser zu springen.

Starttermine und Rhythmen: Wann geht es los?

Auch hier müsst ihr den Kalender zücken. Die Standorte (Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung, kurz ZfsL) öffnen zu unterschiedlichen Zeiten.

In NRW gibt es in der Regel zwei Einstellungstermine:

  • 1. Mai

  • 1. November

Achtung: Nicht jedes Seminar bietet zu jedem Termin Plätze für jede Schulform an! Es kann sein, dass euer Wunschort nur einmal im Jahr einstellt. In anderen Bundesländern orientieren sich die Termine oft strikter am Schulhalbjahr (1. Februar und 1. August).

Informiert euch rechtzeitig auf den Seiten der Bezirksregierungen (z.B. Bezirksregierung Arnsberg, Münster, Köln etc. oder den Kultusministerien der anderen Länder). Nichts ist ärgerlicher, als wegen einer verpassten Frist ein halbes Jahr warten zu müssen – es sei denn, man nutzt die Zeit zum Reisen, so wie ich es getan habe!

Der Ablauf: Was passiert in den 18 Monaten?

Ich erinnere mich noch gut an meinen Start im April 2024. Ich war nervös, Konrad versuchte mich auf Englisch zu beruhigen, und ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommt. Damit es euch anders geht, hier der grobe Ablauf, wie ich ihn in NRW erlebt habe:

1. Die Eingangsphase (Die ersten Wochen)

Die ersten paar Wochen kommt man erstmal an. Ihr lernt eure Mit-Referendar*innen kennen, was super wichtig ist – diese Leute werden eure Leidensgenossen und besten Unterstützer. Wir hatten eine Kompaktphase im Seminar. Das Highlight war, dass wir für eine Woche gemeinsam an eine Schule gegangen sind, noch bevor wir an unsere eigenen Ausbildungsschulen kamen. Was natürlich auch wieder seine Vor- und Nachteile hat.

In unserer Seminargruppe haben wir gemeinsam einen ersten Unterrichtsentwurf geschrieben und diesen dann gruppenweise in der Schule durchgeführt. Das war super hilfreich, weil man nicht alleine vor der Klasse stand. Fun Fact: Dies galt bei uns sogar schon als einer von insgesamt 10 Unterrichtsbesuchen (UBs). Ein UB weniger, über den man sich Sorgen machen muss!

2. Der Alltag: Schule und Seminar

Nach der Eingangsphase beginnt der „Ernst des Lebens“. Der Rhythmus sah bei mir so aus:

  • 4 Tage Schule pro Woche: Insgesamt mussten wir 14 Schulstunden Unterricht leisten. Das teilt sich auf in Ausbildungsunterricht (unter Anleitung) und Bedarfsdeckenden Unterricht (BdU – ganz alleine verantwortlich).

  • 1 Seminartag pro Woche: Dieser Tag hat es in sich, ca. 6 bis 7 Stunden reine Seminarzeit.

Der Seminartag wechselte bei uns wöchentlich durch. Mal war es das Kernseminar (Pädagogik, Schulrecht, allgemeine Didaktik), mal die Fachseminare (Mathe/Deutsch) oder die "weiteren Fachseminare" (Sachunterricht, Kunst, Sport, etc.). Es ist anstrengend, nach vier Tagen Schule noch einen ganzen Tag Theorie zu pauken, aber es ist auch der Ort, wo man sich austauschen und mal Dampf ablassen kann. Ich empfand den Seminartag Mittwochs meist als Gewinn.

3. Die Prüfungsphase

Gegen Ende der 18 Monate steht die UPP (Unterrichtspraktische Prüfung) und das Kolloquium an. Darauf arbeitet man eigentlich die ganze Zeit hin. Da ich im Oktober 2025 fertig wurde, lag meine heiße Phase im Sommer/Frühherbst.

Bewerbung und Wartezeiten: Strategien für den Übergang

Viele von euch fragen sich: „Kann ich mich bewerben, wenn ich mein Masterzeugnis noch gar nicht in den Händen halte?“ Die Antwort ist: Ja, meistens!

Die Bewerbungsfristen liegen oft Monate vor dem eigentlichen Start. Solltet ihr bis dahin euer Zeugnis noch nicht haben, könnt ihr ein vorläufiges Masterzeugnis beim Prüfungsamt eurer Uni beantragen und nachreichen. Meistens klappt das problemlos. Es wäre auch schade, wenn es daran scheitern würde, da Lehrkräfte ja händeringend gesucht werden.

Ob ihr direkt nach dem Master ins Ref startet oder eine Pause macht, ist eine Typfrage. Ich persönlich fand meine Pause zwischen Master und Referendariat und meine Reisezeit extrem wertvoll. Ich habe in Australien in unserem Vango (einem VW T4 von 1994) so viel über mich selbst gelernt, was mir im stressigen Schulalltag geholfen hat.

Konrad und ich haben uns bewusst für den Weg entschieden: Studium fertig, Ref durchziehen, und dann die große Freiheit. Ich wollte das 2. Staatsexamen „in der Tasche“ haben. Das gibt mir jetzt, wo wir durch Europa reisen, eine unglaubliche Sicherheit. Ich weiß, ich kann jederzeit in diesen wundervollen Beruf zurück.

Verkürzen oder Verlängern: Geht das?

Das Referendariat ist kein starres Konstrukt, aber Abweichungen sind an strenge Bedingungen geknüpft.

Kann man das Ref verkürzen?

Ja, es gibt die Möglichkeit, das Referendariat auf 12 Monate zu verkürzen (Anrechnung von Vorerfahrungen etc.). Ich kenne Fälle, wo das gemacht wurde, aber ganz ehrlich: Es wird meistens davon abgeraten. Warum? Weil sich nur die Dauer verkürzt, nicht aber die Anzahl an Unterrichtsbesuchen, Terminen und Pflichten. Ihr müsst denselben Marathon in Sprintgeschwindigkeit laufen. Das bedeutet extremen Stress für euch, die Schulen und auch für das Seminar.

Kann man das Ref verlängern?

Verlängern ist „einfacher“, aber auch nur unter besonderen Umständen möglich. Das Referendariat kann verlängert werden bei wirklich triftigen Gründen wie Krankheit, psychische Belastung, Todesfällen in der Familie oder Schwangerschaft.

Eine Freundin von mir hat sich aufgrund ihrer mentalen Gesundheit für eine Pause entschieden. Das war eine unglaublich mutige und richtige Entscheidung. Wichtig zu wissen: Man fängt nicht wieder bei Null an! Sie setzt jetzt ein halbes Jahr später dort fort, wo sie aufgehört hat.

Man unterscheidet hierbei zwischen:

  • Komplette Auszeit: Keine Schule, kein Seminar (Pausieren).

  • Verlängerung: Ihr seid weiterhin in Schule und Seminar, habt aber mehr Zeit gestreckt, um eure U-Besuche zu machen und euch auf die Prüfung vorzubereiten.

Mein wichtigster Rat an euch: Sprecht mit eurem Seminar! Ihr seid nicht alleine. Wenn ihr merkt, es geht nicht mehr, sucht das Gespräch. Ab einem gewissen Punkt seid ihr offiziell in der Prüfungsphase – wer dann abbricht, riskiert, dass es als Fehlversuch gewertet wird. Aber dazu kommt es in den seltensten Fällen, wenn man rechtzeitig kommuniziert.

Fazit: 18 Monate, die wie im Flug vergehen

Rückblickend waren die 1,5 Jahre Referendariat eine intensive Zeit. Es gab Tage, da wollte ich alles hinschmeißen, und Tage, an denen mich die Kinder so zum Lachen gebracht haben, dass ich wusste: Das ist es wert.

Die Organisation, die Versicherung, der Papierkram – das alles hat mich anfangs total überrumpelt. Genau deshalb habe ich angefangen, meine Erfahrungen aufzuschreiben und eine Community aufzubauen. Ich wollte der Guide für andere sein, den ich damals gebraucht hätte. Jetzt, wo ich hier im Bulli sitze und meinen Kaffee trinke, bin ich stolz, es durchgezogen zu haben.

Egal ob ihr 12, 18 oder 24 Monate vor euch habt: Ihr schafft das. Und vergesst nicht, zwischendurch auch mal nach den "wirklich wichtigen Dingen" in eurem Leben Ausschau zu halten – manchmal stehen sie direkt vor euch.

Alles Liebe und viel Erfolg für euren Start,
Eure Caro

Hi! Ich bin Caro, Lehrerin und reise mit meinem Partner in unserem T4 Bulli einmal um die Welt. Hier erfährst du mehr über mich. Ich freue mich, dass du da bist! 

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