Ein Leitfaden für dein Kolloquium (Grundschule NRW/Arnsberg)
Der Tag der Staatsprüfung, oft auch als "UPP" (Unterrichtspraktische Prüfung) bezeichnet, markiert das große Finale deines Referendariats. Für viele Lehramtsanwärter*innen ist dieser Tag mit einer Mischung aus Vorfreude, Adrenalin und natürlich auch Nervosität verbunden. Besonders im Regierungsbezirk Arnsberg gibt es spezifische Abläufe und Vorgaben für Grundschulen, die du kennen solltest, um dich sicher und bestmöglich vorbereitet zu fühlen. Dein großer Tag macht satte 50 % deiner abschließenden Note aus. Das klingt zunächst nach viel Druck, bedeutet aber auch: Du hast es selbst in der Hand, noch einmal richtig zu glänzen. In diesem Artikel gehen wir den genauen Ablauf durch – vom ersten Klingeln bis zur finalen Notenverkündung.
Die Zusammensetzung der Note: Der 50/50-Split
Bevor wir uns dem zeitlichen Ablauf widmen, ist es wichtig zu verstehen, wie viel Gewicht dieser Tag eigentlich hat. Deine Endnote setzt sich zu 50 % aus den sogenannten Vornoten (Langzeitbeurteilungen des Seminars und der Ausbildungsschule) und zu 50 % aus der Staatsprüfung zusammen. Die Vornoten basieren auf deinen Leistungen während des gesamten Vorbereitungsdienstes: Deine Unterrichtsbesuche, die Mitarbeit im Seminar, Gutachten der Schule und weitere Faktoren fließen hier ein.
Das ist eine beruhigende Nachricht: Selbst wenn du mit dem Gefühl in die Prüfung gehst, dass nicht jeder Unterrichtsbesuch in den letzten 18 Monaten perfekt war, hast du am Prüfungstag die Chance, das Ruder herumzureißen oder eine solide Vornote zu bestätigen. Die genaue Zusammensetzung der Vornoten kann je nach Seminarstandort leicht variieren, aber das Verhältnis zum Prüfungstag bleibt fix.
Der Prüfungstag: Der zeitliche Ablauf im Detail
Der Tag ist lang, intensiv, aber strukturiert. Im Regierungsbezirk Arnsberg sieht der Ablauf für Grundschulen in der Regel wie folgt aus: Du zeigst zwei Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Wichtig hierbei ist die Verteilung der Klassenstufen und Fächer. Eine Stunde muss in der Eingangsstufe (1. oder 2. Klasse) stattfinden, die andere in der 3. oder 4. Klasse. Zudem müssen deine Fächer abgedeckt sein: Ein Besuch findet in einem Hauptfach (Mathematik oder Deutsch) statt, der andere in deinem weiteren Fach (z. B. Kunst, Sachunterricht, Sport etc.).
Mein persönlicher Ablauf sah so aus: Ich startete mit meiner Kunststunde in der 1. Klasse. Darauf folgt eine Pause – orientiert an der normalen Hofpause (ca. 20 Minuten) –, in der ich kurz durchatmen und den Raum wechseln konnte. Anschließend zeigte ich meine zweite Stunde, in Deutsch in einer 4. Klasse. Die Prüfungskommission schaut sich beide Stunden an. Meine schriftlichen Entwürfe haben sie zu diesem Zeitpunkt bereits gelesen.

Die Reflexionsphase: Analyse statt Nacherzählung
Nachdem die beiden Unterrichtsstunden beendet sind, fällt der erste große Stein vom Herzen. Doch der Tag ist noch nicht vorbei. Jetzt folgt eine etwa 30-minütige Phase, in der du Zeit hast, dich zurückzuziehen und beide Stunden schriftlich zu reflektieren. Dies ist ein entscheidender Moment. Du bereitest dich darauf vor, der Kommission deine Sicht auf die Stunden darzulegen.
Nach dieser Vorbereitungszeit triffst du dich mit der Kommission zur Besprechung. Für dieses Gespräch sind insgesamt ca. 30 Minuten angesetzt – also 15 Minuten pro gezeigter Unterrichtsstunde. Der Ablauf ist hier meist strikt getaktet: Du beginnst mit deiner Reflexion, die etwa 5 bis 7 Minuten dauern sollte. Die restliche Zeit nutzt die Kommission für Rückfragen.
Was wird in diesen 15 Minuten von dir erwartet? Der größte Fehler, den du machen kannst, ist eine bloße Nacherzählung dessen, was alle gerade gesehen haben. Die Kommission weiß, was passiert ist. Sie will wissen, warum es passiert ist und wie du es didaktisch bewertest. Gehe auf deine Entscheidung für bestimmte Methoden ein. Wiederhole dein Kernanliegen: Hast du es erreicht? Wenn ja, woran machst du das fest? Wenn nein, warum nicht?
Sei konkret! Nenne Beispiele einzelner Kinder ("Schüler X konnte die Aufgabe nicht lösen, weil…", "Bei Schülerin Y hat die Differenzierung gut gegriffen, da…"). Sei selbstkritisch, aber nicht vernichtend. Zeige Alternativen auf: "Was muss ich nächstes Mal ändern?" oder "Was ist mir aufgefallen, das ich im Entwurf so nicht vorhergesehen hatte?". Auch der Bezug zu den Anforderungsbereichen ist wichtig: Wurden diese erwartungsgemäß von den Schülern erreicht?
Die Wartezeit und das Kolloquium
Nach den Reflexionsgesprächen zieht sich die Kommission zur Beratung zurück. Diese Pause kann bis zu 60 Minuten dauern, ist aber auch manchmal kürzer (bei mir waren es 45 Minuten). Es ist eine Zeit des Wartens, die sich oft länger anfühlt als der Rest des Tages. Nutze sie, um etwas zu essen, zu trinken und dich mental auf den letzten Teil einzustellen: das Kolloquium.
Wenn die Kommission dich wieder hereinbittet, startet das Kolloquium. Dieses dauert im Regierungsbezirk Arnsberg in der Regel 60 Minuten. Du startest mit einem kurzen Einstiegsvortrag (ohne Material!!) und kannst das Gespräch bereits ein wenig lenken. Es ist kein Verhör, sondern ein Fachgespräch unter Kollegen. Ziel ist es, deine Handlungskompetenz in komplexen schulischen Situationen zu überprüfen.
Inhalte des Kolloquiums: Mehr als nur Theorie
Worüber wird 60 Minuten lang gesprochen? Die Basis bilden die fünf Handlungsfelder der OVP (Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Staatsprüfung). Es geht nicht darum, Definitionen auswendig aufzusagen, sondern theoretisches Wissen auf praktische Beispiele anzuwenden. Themenbereiche und rechtliche Grundlagen wie das Schulgesetz NRW, die BASS (Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschriften) und die OVP sind hierbei essenziell.
Die Kommission könnte beispielsweise ein Szenario skizzieren: "Stellen Sie sich vor, Eltern beschweren sich über die Hausaufgabenbelastung. Wie gehen Sie rechtlich und pädagogisch damit um?" Hier musst du dein Wissen über den Hausaufgabenerlass mit deiner pädagogischen Beratungskompetenz verknüpfen. Andere beliebte Themen sind Inklusion, Leistungsbewertung, Außerschulische Lernorte, Kooperation im Kollegium oder Fragen zur Aufsichtspflicht.
Bereite dich darauf vor, flexibel zwischen den Handlungsfeldern zu springen. Oft ergibt sich aus einer Frage zur Unterrichtsgestaltung (Handlungsfeld Unterricht) eine Frage zur Leistungsbewertung (Handlungsfeld Leistung) und schließlich zur Elternberatung (Handlungsfeld Beratung). Wichtig ist, dass du Haltung zeigst. Du bist (fast) fertige Lehrkraft. Argumentiere auf Basis der Erlasse, aber verliere nie den pädagogischen Blick auf das Kind. Meinen riesigen XXL-Fragenkatalog, mit allen möglichen Fragestellungen zum Kolloquium findet ihr hier.
Fazit: Ein anspruchsvoller, aber machbarer Tag
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Staatsprüfung in Arnsberg ist ein Marathon, kein Sprint. Mit den zwei Unterrichtsstunden (Eingangsstufe und 3./4. Klasse), der Reflexion und dem 60-minütigen Kolloquium wird dir viel abverlangt. Aber vergiss nicht: Du hast dich 18 Monate lang genau darauf vorbereitet. Deine Fachleiter und Mentoren haben dich begleitet, und du hast unzählige Stunden Unterricht gehalten.
Die Prüfenden wollen in der Regel sehen, dass du bereit für den Beruf bist. Sie suchen nicht nach Fehlern, sondern nach Kompetenzen. Wenn du gut vorbereitet bist, deine Stunden ehrlich reflektieren kannst und im Kolloquium rechtssicher und pädagogisch fundiert argumentierst, steht deinem Erfolg nichts im Wege. Bereite dich gut vor, strukturieren deinen Tag und vertraue auf dein Können. Du schaffst das!


