Kurzantwort: Im Referendariat in NRW (Grundschule) bekommst du als verbeamtete Lehrkraft auf Widerruf rund 1.500–1.700 € brutto monatlich. Netto bleibt relativ viel übrig – aber: Private Krankenversicherung, Dienstunfähigkeitsversicherung und Materialkosten zahlst du selbst. Ich schreibe hier aus meiner eigenen Erfahrung im Referendariat in NRW (Grundschule) – und ich sage dir ehrlich, was finanziell gut lief und wo man genauer hinschauen sollte. Bitte beachte, dass es viele Unterschiede bei dem Gehalt gibt (Steuerklasse? Kinder? Ehepartner?).
Wie hoch ist das Gehalt im Referendariat in NRW?
Als Lehrkraft im Referendariat bist du in NRW in der Regel verbeamtet auf Widerruf. Das bedeutet:
Du erhältst sogenannte Anwärterbezüge
Du zahlst keine klassischen Sozialversicherungsbeiträge wie Angestellte
Du musst (solltest) dich privat krankenversichern
In meinem Fall lag das Gehalt zwischen 1.500 € und 1.700 € brutto im Monat. Unterschiede zwischen den Phasen gibt es normalerweise nicht - außer bei meinem Durchgang da das der Zeitraum war, wo das Gehalt von A12 schrittweise auf A13 erhöht wurde. Mehr Geld bekommt man nur, wenn man seine Unterrichtsverpflichtung von 14 auf 20 Schulstunden erhöht.
Klingt erstmal gut?
Für „nur“ 14 Unterrichtsstunden wirkt das Gehalt auf den ersten Blick sehr solide. Aber wir wissen beide: 14 Stunden Schule sind im Referendariat kein 14-Stunden-Job.
Ist das Referendariat finanziell ein Vollzeitjob?
Ganz klar: Ja. Hier ein realistischer Blick auf die Arbeitsbelastung:
| Bereich | Realistischer Aufwand |
|---|---|
| 14 Stunden Unterricht | Arbeitszeit + Konferenzen + Klassenfahrt + Ausflüge |
| Unterrichtsvorbereitung | Mehrere Stunden täglich |
| Unterrichtsbesuche (UBs) | Häufig leider massive Mehrarbeit |
| Seminare | Feste Termine + Nachbereitung + Modultage |
| Reflexion & Dokumentation | Kontinuierlich |
Gerade vor Unterrichtsbesuchen investiert man enorm viel Zeit in Planung, Materialerstellung und Feinschliff. Fazit: Finanziell fühlt es sich nicht wie „1.600 € für 14 Stunden“ an – sondern eher wie Bezahlung für einen anspruchsvollen Vollzeitjob.
Welche Abzüge hat man im Referendariat?
Viele denken: „Verbeamtet? Dann bleibt ja alles netto.“ Ganz so einfach ist es nicht.
Was wegfällt:
Keine gesetzliche Rentenversicherung
Keine Arbeitslosenversicherung
Keine gesetzliche Krankenversicherung
Was du selbst zahlen musst (solltest):
Private Krankenversicherung (PKV)
Beihilfeergänzung
Dienstunfähigkeitsversicherung (DU)
ggf. Rechtsschutzversicherung
Die Abzüge sind insgesamt überschaubar – aber wichtig ist: Bei der privaten Krankenversicherung zahlst du Arztrechnungen zunächst selbst und bekommst dann 50 % von der PKV und 50 % über die Beihilfe zurück. Das heißt: Bei größeren medizinischen Eingriffen musst du finanziell in Vorleistung gehen. Das sollte man unbedingt einplanen. Mehr zu den Versicherungen im Referendariat findest du hier.
Welche versteckten Kosten entstehen im Referendariat?
Ein Punkt, über den kaum jemand spricht: Materialkosten für Unterrichtsbesuche. Gerade in der Grundschule entstehen Ausgaben für: Laminierfolien & Druckkosten, Bastelmaterial, Differenzierungsmaterial, Zusatzkopien, Spiele oder Anschaffungen für methodische Highlights. Das summiert sich schneller als man denkt – besonders in intensiven UB-Phasen.
Vergleich: Referendariat vs. Studium vs. Job
Aus meiner Erfahrung: Mehr Verdienst pro Stunde als im Studium, aber emotional anspruchsvoller. 1.600 € im Monat sind kein schlechtes Gehalt. Aber im Verhältnis zur psychischen Belastung, der Verantwortung und einem riesigen zeitlichen Aufwand fühlt es sich manchmal anders an.
Worauf sollten angehende Referendare finanziell achten?
✔ Private Krankenversicherung bewusst wählen: Nicht nur auf den günstigsten Tarif schauen. Leistungen prüfen, besonders was die Zukunft angeht!
✔ Steuerklasse kontrollieren: gerade bei Verheirateten lohnt sich ein Blick – das kann monatlich spürbar etwas ändern.
✔ Rücklagen bilden: Plane ein, dass du Rechnungen zunächst selbst bezahlst.
✔ Versicherungen vergleichen: Dienstunfähigkeitsversicherung (DU) ist wichtig – aber nicht jede Police ist sinnvoll.
Mein persönliches Fazit
Das Gehalt im Referendariat ist fair – aber nur, wenn man die Realität kennt. Es ist kein „Nebenbei-Job“, sondern eine intensive Ausbildungszeit mit hoher Verantwortung. Wer weiß, was finanziell auf ihn zukommt, kann diese Phase deutlich entspannter gestalten. Und genau das würde ich jeder angehenden Lehrkraft raten: Nicht nur pädagogisch planen – sondern auch finanziell.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viel verdient man im Referendariat netto?
In NRW bleiben von 1.500–1.700 € brutto relativ hohe Nettoanteile, da man verbeamtet ist. Abzüge entstehen vor allem durch private Versicherungen. (Wichtig: Das ist meine Erfahrung: nicht verheiratet, keine Kinder).
Ist das Referendariat finanziell besser als ein Vollzeitjob?
Kurzfristig meist schlechter als eine volle Stelle – aber besser als ein Studentenjob. Langfristig lohnt sich die Beamtenlaufbahn finanziell deutlich.
Muss man im Referendariat Krankenversicherung selbst zahlen?
Ja. Als Beamter auf Widerruf ist man privat versichert und erhält Beihilfe. Rechnungen werden zunächst selbst bezahlt und anschließend erstattet.
Kann man im Referendariat mehr verdienen?
Ja, wenn man beispielsweise die Unterrichtsstunden von 14h auf 20h erhöht. Das steigert die Bezüge entsprechend. Auch Nebenjobs/Nebeneinkünfte können in gewissermaßen toleriert werden - müssen aber angemeldet und akzeptiert werden. Der Fokus muss auf der Ausbildung liegen!


